Wołów [] (deutsch Wohlau, früher Wolau, Wohle) ist eine Stadt mit etwa 12.000 Einwohnern im Powiat Wołowski der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Es ist zugleich Verwaltungssitz und der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde.

mini|Wohlau nördlich von Neumarkt in Schlesien auf einer Landkarte von 1905 mini|Stadtplan von Wohlau (18. Jahrhundert)

Geographie Die Stadt liegt in Niederschlesien nordöstlich des Oder-Knies beim ehemaligen Kloster Leubus. Im Westteil des Katzengebirges, 46 km nordwestlich von Breslau gelegen, wird sie durch die Bahnstrecke von Breslau über Rzepin (Reppen) nach Berlin erschlossen.

Geschichte mini|Wohlauer Rathaus mini|St.-Borromäus-Kirche mini|Schloss Wohlau Der Name der Stadt leitet sich vom slawischen Wort für Bulle oder Rind ab. Bereits das älteste erhaltene Stadtsiegel von 1473 zeigt – wie heute – einen Stier; vermutlich war hier einst ein bedeutender Rindermarkt.Hugo von Sauma-Jeltsch: Wappenbuch der schlesischen Städte und Städtel, Berlin 1870, Sp. 377–378 (Google Books).

Erste Ansiedelung (1157–1163) Nach der Vertreibung des Herzogs Władysław II. zu dessen Schwager Konrad III. unternahm der bedrängte Bolesław I. im Jahre 1157 mit Unterstützung des Kaisers Friedrich Barbarossa einen Feldzug gegen die Polen. Er besetzte den Gröditzberg und Rimptsch und drang bis zum heutigen Wohlau vor, wo er sich in den Sümpfen und Morasten mit einer Holzburg auf Pfählen gegen die Polen verschanzte. Diese Holzburg, wo sich heute der Schlossteich befindet, kann als Ausgangspunkt für die Gründung der Stadt angesehen werden.

Das alte Wohlau wanderte auf die Stelle der heutigen Stadt. Die ursprünglichen Bewohner von Alt-Wohlau ließen sich in der Gegend von Polnischdorf nieder. Die mit Bolesław kämpfenden Deutschen siedelten um die erwähnte Holzburg. Sie siedelten in „von Bohlen zusammengeschroteten und mit Lehm verklebten Häusern auf Pfählen“. Obwohl erste Erfolge der Christianisierung Polens in der Gegend erkennbar waren, schlossen die deutschen Siedler ihre polnischen Nachbarn aufgrund zu starker Unterschiede aus ihrem Gebiet aus.

Wohlau unter Boleslaw I. (1163–1201) Durch Vermittlung des Kaisers Friedrich I. erhielten die Söhne von Władysław II. („der Vertriebene“) im Jahre 1163 von ihrem Onkel Boleslaw („Der Krause“) unterschiedliche Teile des damaligen Schlesiens: + Name Beiname Gebiete spätere Fürstentümer Boleslaw I. „Der Lange“ Mittelschlesien Breslau Neisse Brieg Oels Schweidnitz Münsterberg Jauer Liegnitz Wohlau Militsch Wartenberg Trachenberg Mieszko I. „Schlenkerbein“ Oberschlesien Teschen Ratibor Oppeln (mit Pleß, Ratibor und Loslau) Konrad I. Niederschlesien Glogau Sagan Krossen Schwiebus Lebus Mit dieser Teilung trennt sich die schlesische Geschichtsschreibung von polnischen hin zur böhmischen. Besonders zu erwähnen ist die Vertreibung der von Kasimir I. Karl nach Leubus berufenen Benediktiner im Jahre 1052. An gleicher Stelle wurde das Kloster Leubus gegründet und siedelte die Zisterzienser aus dem Zisterzienserabtei Pforte, was einen erheblichen Beitrag an Ansiedelung Deutscher in Schlesien hatte.

Nach dem Tod seines Bruders Konrad I. im Jahre 1178 bemächtigte sich Boleslaw I. Niederschlesiens ohne Abstimmung mit dem verbliebenen Bruder. Die unweigerlich folgenden Streitigkeiten konnten durch Vermittlung durch Kasimir II. beigelegt werden. In dieser genannten Zeit verblieb Wohlau noch ein von Holzpalisaden eingezäuntes Dorf und wird noch nicht unter den Städten genannt.

Wohlau unter Heinrich I. (1201–1238) Die erste urkundliche Erwähnung findet Wohlau im Jahre 1202 mit den Ortsteilen Wohlau („Wolovo“) und Alt-Wohlau („Wolowo“) als der Breslauer Bischof Cyprian, in der Kirche S. Johannis in Breslau („Vrozlavia“) auf Bitten des Abtes Konrad von Kloster Leubus bestätigt. Dies wird im Jahre 1218 wiederholt durch Bischof Lorenz, allerdings wird hier nur Wohlau genannt.

1227 und 1233 wiederholte Papst Gregor IX. diese Bestätigung der geschenkten Ortschaften, hier mit den Namen „Wolovo“ für Wohlau und „alio Wolovo“ für Alt-Wohlau. Herzog Heinrich I. („Der Bärtige“) hatte keinen besonderen Einfluss auf Wohlau, jedoch trug seine Hochzeit mit der später heiliggesprochenen Hedwig von Andechs, einer deutschen Prinzessin weiter dazu bei, den Anteil der deutschen Einwanderer in Schlesien weiter zu erhöhen.

Stadtrecht und spätere Geschichte (1238–1876) Bereits 1285 soll Wohlau den Status einer Stadt gehabt haben. Es gehörte zum Herzogtum Glogau und nach dessen Teilung 1312 zum Herzogtum Oels.

Nach der Vertreibung des Glogauer Herzogs Konrad V. aus Oels wählte er Wohlau von 1321 bis 1327 als seinen Wohnsitz und schenkte das Burglehn Wohlau 1324 dem Werner von Pannwitz.

Unter der Herrschaft Konrad des Weißen, I. Herzog zu Oels, wurde Wohlau mit einer Ringmauer umschlossen sowie, die Kirche zu St. Laurenz, eine Schützenbruderschaft gegründet. Außerdem wurden aufgrund der Ansiedelung vieler Tuchmacher, die durch ihr Gewerbe der Stadt „Nahrung und Ruhm verschafften“ deren Zunft mit einigen Privilegien ausgestattet.

Am 25. Juli 1459 wurde der böhmische König Georg von Podiebrad durch die Fürsten und Stände anerkannt. 1463 wurden mehrere Handwerkszünfte eingerichtet. Ein gemeinsamer Beschluss legte fest, „dass sich jeder mit sechs Groschen darein einkaufen sollte“.

1465 vernichtete ein Feuer die Kirche und alle bis auf 15 Häuser. Auch die bisherigen von Herzogen verliehenen Privilegien der Zünfte fielen dem Feuer zum Opfer. Im Zuge des Wiederaufbaus erlangten die Zünfte diverse Privilegien zurück und Wohlau erhielt die Sandgrube und den Stadtgraben bis zum Burglehn geschenkt und ein Salzmarkt wurde eingerichtet. 1461 bestätigte und erweiterte Herzog Konrad der Weiße II. die von seinem Vorfahren eingerichteten Privilegien für die Tuchmacherzunft. 1475 wurden Teile der Stadt durch Kräfte des polnischen Königs Kasimir verwüstet.

1498 erhielt Wohlau von den Herzögen Johann von Sagan Glogau, Heinrich Albert George und Karl I. von Münsterberg-Oels das Privileg, das sämtliche Kretschmer des Wohlauschen Weichbildes kein anderes Bier als das aus Wohlau holen und schenken durften. Die Strafe betrug 10 Mark. Im selben Jahr brannte die Stadt erneut fast bis auf die Grundmauern nieder.

1526 fielen die Herzogtümer Wohlau und Oels an die Habsburger in ihrer Eigenschaft als Könige von Böhmen. Nach der Teilung des Herzogtums Oels 1413 war Wohlau Sitz des Herzogtums Wohlau. 1538 verlieh Herzog Friedrich II. der Stadt das Recht, am 3-Königstag einen freien Jahrmarkt abzuhalten. Die bestehenden Tuchmacherprivilegien wurden 1561 durch Herzog George mit einer auf 24 Artikeln bestehenden neuen Verordnung derart erweitert, dass weder zu Jahr- noch zu Wochenmärkten fremde Tücher eingeführt und verschnitten werden durften.

1585 wütete die Pest in Wohlau und forderte diverse Opfer: +OrtschaftZunftAnzahl WohlauTuchmacher221Fleischer62Bäcker73Schneider54Kürschner48Schmiede66Leinweber90Töpfer29nicht zugeordnet94Erimierte13Hospital und Gefängnisse22Polnischdorfnicht zugeordnet203Krummwohlau103Petranowitz13Groß- und Klein-Auster74 Summe1165 Bis 1675 war Wohlau Residenzort der Schlesischen Piasten von Liegnitz-Brieg-Wohlau. Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel es mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen. Ab 1816 war Wohlau Kreisstadt des Landkreises Wohlau. Die Kleinstadt verfügte über das Kreisgericht Wohlau (1849–1879) und dann das Amtsgericht Wohlau (1879–1945), eine Gendarmerieschule, eine evangelische und eine katholische Kirche, ein Städtisches Gymnasium und etwas Industrie (Weberei, Ziegelbrennerei und Dampfmühle).Walter Schmidt: Johannes Halm (1893–1953). Widerstand und Verfolgungen des evangelischen Pastors von Auras / Oder in der Zeit von 1933 bis 1945. In: Fachprosaforschung – Grenzüberschreitungen. Band 8/9, 2012/2013 (2014), S. 517–545, hier: S. 518f.

Beschreibung Wohlaus im Jahre 1876 Die königliche Kreisstadt zählt einschließlich des Militärs rd. 2900 Einwohner. Sie ist von Mauern und Gärten umgeben, die auf den 1781 aufgefüllten Wallgräben angelegt sind. Die Stadt besitzt drei Tore: das Breslauer Tor, das Steinauer Tor und das Schlosstor im Süden. Der Ortsteil Steindamm ist 1841 der Stadt-Kommune beigetreten. Seitdem zählt die Stadt 240 Wohnhäuser, 161 Ställe, Scheuen und Schuppen, 20 öffentliche Gebäude und fünf Mühlen- und Fabrikgebäude. Nach einem Brand am 1. Juli 1781 wurden die Gebäude mit Unterstützung des Königs Friedrich II. (Preußen) vollständig massiv wiederaufgebaut. Eine Übersicht der öffentlichen Gebäude: +GebäudeLageSchloss nebst Stellungen und GärtenBrauereiinnerortsBrennereiinnerortsZiegeleiaußerortsKreis-GerichtBreslauer Straße 91 u. 92Rathaus mit TurmStadtkirche St. LaurentiusIm Westen der Stadtkath. Kirche ad St. Karl Borromäusehemals Klosterkirche der KarmelitenHospitalGefängnisLandwehr-ZeughausTeile des ehemaligen KarmelitenklostersInfanteriekaserneehemalige Wirtschaftsgebäude des KarmelitenklostersMilitär-LazarettIm Haus Nr. 49 neben der evangelischen SchuleHauptwachean der Westseite des Rathausesbedeckte Reitbahnvor dem Steinauer Torkatholische Begräbniskirchein Polnischdorfevangelische Begräbniskirchein Polnischdorf

Stationierte Truppen 3. Eskadron des Westpreußischen Kürassier-Regiments Nr. 5 2. Bataillon des Westfälischen Füsilier-Regiments Nr. 37 Landwehr Bataillon Wohlau Nr. 3

Öffentliche Einrichtungen Domänen-Amt („Domainen-Amt“) mit mehreren Vorwerken Haupt-Steuer-Amt für die Kreise Guhrau, Militsch, Steinau, Trebnitz und Wohlau (ist ebenfalls Kreis-Steuer-Amt) Kreis-Gericht Landrats-Amt Post-Anstalt Bau-Handwerker-Prüfungs-Kommission Bau-Inspektion für die Kreise Guhrau, Steinau und Wohlau ein Spezial-Eichamt

Gewerbliche Einrichtungen 1 Apotheke 1 Buchdruckerei 1 Stadtbau- und Malzhaus 1 Brauerei 1 Brennerei 1 Ziegelei (mit 1 Ofen und 2 Scheunen) 1 Färberei 2 Getreide-Wassermühlen 1 Tuchwalke 118 Handwerker 8 Gasthöfe 1 Kaffeehaus 14 Schankhäuser 16 Kaufleute 21 Krämer 2 Getreidehändler 2 Holzhändler 15 Viktualienhändler

Jährlich wurden vier Kramer- und Viehmärkte abgehalten. Wöchentlich am Dienstag findet der Wochen- und Getreidemarkt statt.

Im 20. Jahrhundert Um 1935 hatte Wohlau unter anderem sechs Hotels, neun Gasthöfe und Restaurants, vier Bankhäuser, vier Baugeschäfte, zwei Bierbrauereien, zwei Buchdruckereien, drei Getreidehandlungen, sieben Gärtner- und neun Häuslerstellen, eine Käsefabrik, eine Knopffabrik, eine Likörfabrik, zwei Mineralwasserfabriken, zwei Molkereien, drei Mühlen, zwei Viehhandlungen, einen Zeitschriftenverlag, einen Zeitungsverlag, drei Ziegeleien sowie eine Reihe von Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben.Klockhaus' kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs für Industrie, Handwerk, Handel und Gewerbe, Band 1 B, Berlin 1935, 2. Teil, Provinz Schlesien, S. 1802–1803 (Google Books).

Im Jahr 1945 war Wohlau Kreisstadt des Kreises Wohlau im Regierungsbezirk Breslau der preußischen Provinz Niederschlesien im Deutschen Reich.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Wohlau im Frühjahr 1945 von der Roten Armee eingenommen und bald darauf von der Sowjetunion zusammen mit fast ganz Schlesien der Volksrepublik Polen zur Verwaltung Überlassen. In der Folgezeit wurde die einheimische Bevölkerung – soweit sie nicht vorher geflohen war – von der polnischen Verwaltungsbehörde aus Wohlau vertrieben. Die Stadt wurde in „Wołów“ umbenannt.

Die Stadt hatte 1945 schwere Schäden erlitten, wurde aber nach dem Krieg wieder aufgebaut und erweitert.

Einwohnerentwicklung