Saʿīd ibn Abī ʿArūba al-ʿAdawī al-Basrī ( geb. gegen 689; gest. 773) war ein bedeutender Traditionarier mit Wirkungskreis Basra.

Leben Über sein Leben und seinen Werdegang gibt es bei den islamischen Biographen nur wenige Berichte. Er war ein Klient (Maulā) der Banū ʿAdī Yaschkur und Kaufmann. Josef van Ess (1992), S. 62 Schon sein Vater galt als bekannter Vermittler von Überlieferungen nach Mohammed und seinen Gefährten, die u. a. al-Buchārī in seiner Hadith-Sammlung verarbeitete. Siehe die Einleitung zum K. al-Manāsik (Hrsg. ʿĀmir Ḥasan Ṣabrī. Beirut, 2000. S. 8–9) Ibn Abī ʿArūba zählt man in den islamischen Wissenschaften über Hadith zu den ersten im Irak, die Hadithe systematisch, d. h. nach den Kapiteln des Fiqh – nach Kapiteln über Gebet, Haddsch, Zakat usw. – angeordnet haben.Fuat Sezgin (1967), S. 91 Es ist wahrscheinlich, dass seine Sammlung die ersten Versuche im islamischen Schrifttum darstellt, gesetzeswissenschaftliche Werke zu schaffen. Ignaz Goldziher (1890), S. 212 Bereits zu seinen Lebzeiten besaß er eine Moschee in Basra, die seinen Namen trug. Siehe die Einleitung zum K. al-Manāsik (Hrsg. ʿĀmir Ḥasan Ṣabrī. Beirut, 2000. S. 10) Er folgte der in seiner Zeit diskutierten Lehre vom freien Willen und stand damit in der Tradition von Hasan al-Basri. Josef van Ess (1992), S. 62–64 Nach dem Tod seines Lehrers Qatāda war er, vor allem auf dem Gebiet der Koranwissenschaften, dessen Nachfolger im Gelehrtenleben von Basra. W. Montgomery Watt: The Formative Period of Islamic Thought. Edinburgh 1973. S. 111 Gegen Ende seines Lebens litt er an geistiger Verwirrung (iḫtilāt). Somit akzeptierte die Traditionskritik nur diejenigen Traditionen in seiner Überlieferung, die er an seine Schüler noch vor seiner Erkrankung weitergeben konnte. Siehe die Einleitung zum K. al-Manāsik (Hrsg. ʿĀmir Ḥasan Ṣabrī. Beirut, 2000. S. 25)

Werke mini|Titelblatt des K. al-manāsik. Teil I. 12. Jahrhundert

Seine von den Biographen genannten Schriften über Eheschließung und Scheidung sind nicht erhalten. Bekannt ist er als glaubwürdiger Überlieferer des Kitāb al-manāsik seines Lehrers Qatāda ibn Diʿāma über die ritualrechtlichen Vorschriften der Wallfahrtszeremonien.Fuat Sezgin (1967), S. 92 nennt ihn nicht als Verfasser, sondern als Überlieferer ("Rezension") des Werkes nach Qatāda. Das Buch ist im Jahre 2000 bei Dār al-baschāʾir al-islāmiyya (Hrsg.:ʿĀmir Ḥasan Ṣabrī) in Beirut erschienen; dort wird Ibn Abī ʿArūba auf dem Titelblatt irrtümlich als Verfasser genannt. Viele Beiträge seines Lehrers zur Koranexegese sind in seiner Überlieferung bei at-Tabarī erhalten.Fuat Sezgin (1967), S. 32. Nr. 3 mit dem Hinweis, dass Qatādas Exegese über 3000 mal in der Überlieferung von Ibn Abī ʿArūba bei at-Tabarī belegbar ist. Sie enthalten auch Prophetenlegenden (qiṣaṣ al-anbiyāʾ), die die islamische Gelehrsamkeit als Teil der Koranexegese behandelt. Da Qatāda blind war, verließ er sich bei der Bearbeitung und Weitergabe seiner Lehren auf Ibn Abī ʿArūba. Josef van Ess (1992), S. 63 Anderen Berichten der Hadith-Kritiker des späten 8. Jahrhunderts zufolge hat er die Koranexegese nicht direkt von Qatāda gehört.Fuat Sezgin (1967), S. 65

Literatur Josef van Ess: Theologie und Gesellschaft im 2. und 3. Jahrhundert Hidschra. Eine Geschichte des religiösen Denkens im frühen Islam. Berlin-New York 1992. Band 2, S. 62–65; 72–78 Ignaz Goldziher: Muhammedanische Studien. Halle a.S. 1890. Bd. 2, S. 211–212 Fuat Sezgin: Geschichte des arabischen Schrifttums. Brill, Leiden 1967. Band 1. S. 91–92 W. Raven: Art. Saʿīd b. Abī Arūba (sic!) in The Encyclopaedia of Islam. New Edition Bd. VIII, S. 853.

Einzelnachweise

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