St. LuciaSiehe www.auswaertiges-amt.de sowie Liste der Staatennamen und ihrer Ableitungen im Deutschen mit Anhang: Liste der Namen ausgewählter nichtselbstständiger Gebiete 13. Ausgabe (PDF) – Stand: Januar 2014, abgerufen am 15. Januar 2011. ( ausgeschrieben Saint LuciaSiehe , abgerufen am 15. Januar 2011., englische Aussprache [], Sent-Lisi) ist ein Inselstaat im Bereich der Westindischen Inseln in der Karibik und Mitglied im Commonwealth of Nations.
Landesname Der heute gebräuchliche Name geht – der Überlieferung zufolge – auf französische Seeleute zurück, die am 13. Dezember 1502, dem Fest der heiligen Jungfrau und Märtyrin Lucia von Syrakus, Schiffbruch erlitten und die Insel nach der Heiligen Sainte Alousie benannten. Der Name wurde später mit leichten Variationen von französischen Chronisten übernommen.
Geographie Der Inselstaat besteht aus mehreren Inseln, wovon die Hauptinsel Saint Lucia die deutlich größte ist. Die Inseln gehören zu den Inseln über dem Winde, die wiederum zu den Kleinen Antillen zählen. St. Lucia liegt nördlich von St. Vincent und den Grenadinen und 33,2 km südlich von Martinique. 146 km im Südosten befindet sich Barbados.
Hauptstadt und größte Stadt des Landes ist Castries im Westen der Hauptinsel. Der höchste Punkt der Insel ist der Mount Gimie mit 950 Metern. Die Küstenlinie ist 158 Kilometer lang. Auf der Insel gibt es, südlich des Ortes Soufrière, zwei inaktive Vulkane, den Gros Piton und den Petit Piton (auch Twin Pitons genannt). Das Gebiet um die Vulkane ist auf der Liste des UNESCO-Weltnaturerbes.Quelle: CIA World Factbook 2008, (abgerufen am 23. Juni 2009, englisch) Die wichtigsten Flüsse der Insel sind der Cul de Sac und der Canelles. 27,9 % der Fläche ist von Wäldern bedeckt.
Das Klima auf Saint Lucia ist tropisch. Die Temperatur schwankt über das Jahr nur minimal und beträgt im Schnitt 27 °C.
Bevölkerung Demografie Die Bevölkerung beträgt etwa 188.000 Einwohner (Stand 2023). Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2021 statistisch bei 1,4, die der Region Lateinamerika und Karibik betrug 1,9. Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 33,1 Jahren.
+BevölkerungsentwicklungJahrEinwohnerzahlJahrEinwohnerzahl195082.7841990138.185196089.8972000156.9491970104.1602010172.5801980117.9872020184.000
Bevölkerungsstruktur und Sprachen Der Großteil der heutigen Inselbevölkerung stammt von Sklaven ab, die während der Kolonialzeit auf die Insel gebracht wurden.
Die Amtssprache, Englisch, wird von den meisten Bewohnern gesprochen. Daneben wird auch Antillen-Kreolisch (Kwéyòl genannt oder Patois, oft „Patwa“ geschrieben), eine französischbasierte Kreolsprache, verwendet. Die Lebenserwartung beträgt 76,45 Jahre, das durchschnittliche Alter 29,8 Jahre. 28 % der Bevölkerung leben in Städten, die Verstädterungsrate beträgt 1,4 % pro Jahr. 82,5 % der Bevölkerung sind Schwarze (Stand: 2008). Etwa 12 % der Bevölkerung sind gemischter und 3 % asiatischer (vornehmlich indischer) Abstammung. Der Rest wird von Menschen europäischer Abstammung und anderen Bevölkerungsgruppen gestellt.
Religionen Die am weitesten verbreitete Religion ist das Christentum. Der katholischen Kirche gehören 67,5 % der Bevölkerung an. Daneben gehören 8,5 % den Siebenten-Tags-Adventisten an, 5,7 % der Pfingstbewegung, 2,1 % Rastafari, 2 % sind Anglikaner, 2 % Protestanten, 5,1 % gehören anderen christlichen Konfessionen und 1,1 % anderen Religionen an. 4,5 % der Bevölkerung geben keine Religionszugehörigkeit an (Stand: 2008).
Bildung Nach dem Gesetz ist Schulbildung vom Alter von 5 Jahren bis zum Alter von 15 Jahren kostenlos und verpflichtend. Analphabeten sind in der Minderheit. Öffentliche Bildungsausgaben betrugen 5,8 % des BIP des Zeitraums 2002–2005. Ein Teil der University of the West Indies befindet sich in St. Lucia.
Das Erziehungsministerium publiziert den Kwéyòl Dictionary, der vom Lehrer Jones Mondesir entwickelt wurde und seit 2001, in einer kindgerechten Version, für die Erhaltung und orthografische Vereinheitlichung des Kreolischen eingesetzt wird.
Gesundheit Die Gesundheitsausgaben des Landes betrugen im Jahr 2020 7,0 % des Bruttoinlandsprodukts. Im Jahr 2017 praktizierten in St. Lucia 6,5 Ärztinnen und Ärzte je 10.000 Einwohner. Die Sterblichkeit bei unter 5-Jährigen betrug 2021 24,8 pro 1000 Lebendgeburten. In St. Lucia sind zwei öffentliche Krankenhäuser und ein privates vorhanden.
Geschichte
Die Ureinwohner von St. Lucia nannten ihre Insel Iouanalao, was nach dem amerindianischen Wörterbuch des dominikanischen Missionars Raymond Breton (um 1650) so viel bedeutet wie There where the Iguana is found („dort, wo der Leguan lebt“).
Kolonialzeit St. Lucia wurde etwa im Jahr 1500 von Christoph Kolumbus auf seiner dritten Reise entdeckt. Nachdem erste Ansiedlungsversuche Anfang des 17. Jahrhunderts gescheitert waren, besiedelten schließlich zuerst die Franzosen gegen 1650 die Insel. Die Währung war damals der Saint Lucia Livre. 1663 wurde die Insel an Barbados verkauft. Von 1664 bis 1803 kämpften das Vereinigte Königreich und Frankreich (oder stritten mit den Mitteln der Diplomatie) immer wieder um Besitz der Insel. In dieser Zeit wechselte sie 14 Mal den Besitzer; je siebenmal war sie in britischer und in französischer Hand.Christian Prager, Christian Liedtke: St. Lucia. Paradiesische Insel in der Karibik. Artcolor-Verlag, Hamm 1991, ISBN 3-89261-055-X, S. 7. Schließlich überließen die Franzosen den Briten im Ersten Pariser Frieden vom 30. Mai 1814 St. Lucia.Traité de paix entre les hautes puissances alliées et la France conclu à Paris le 30. Mai 1814. Verlag des Geographischen Instituts, Weimar 1814, S. 8 (Art. 8).
Wie in vielen anderen Kolonien auch, brachten die Briten Menschen aus Afrika auf die Insel, die auf den Zuckerrohrplantagen Sklavenarbeit verrichteten. Auch nach der britischen Sklavenbefreiung von 1834 arbeiteten viele ehemalige Sklaven weiterhin auf den Plantagen als Saisonarbeiter.
Während die Kronkolonie ab 1938 im autokratisch geführten Verwaltungsverbund der Inseln über dem Winde stand, entwickelte sich bereits ab 1922 ein durch allgemeine und gleiche Wahlen hervorgehendes Parlament. Seit den Wahlen zur National Assembly von 1951 galten die Grundsätze des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts, also auch das Frauenwahlrecht.Bernd Hillebrands: St. Lucia. In: Dieter Nohlen (Hrsg.): Handbuch der Wahldaten Lateinamerikas und der Karibik (= Politische Organisation und Repräsentation in Amerika. Band 1). Leske + Budrich, Opladen 1993, ISBN 3-8100-1028-6, S. 687–693, S. 689.Dieter Nohlen (Hrsg.): Handbuch der Wahldaten Lateinamerikas und der Karibik (= Politische Organisation und Repräsentation in Amerika. Band 1). Leske + Budrich, Opladen 1993, ISBN 3-8100-1028-6, S. 689. Das Recht wurde am 13. Oktober 1951 erstmals ausgeübt. Von 1958 bis 1962 gehörte St. Lucia der Westindischen Föderation an, bis es 1966 den Status eines mit Großbritannien assoziierten, autonomen Staates erhielt.
Unabhängigkeit Im Jahr 1979 wurde St. Lucia eine parlamentarische Monarchie und Mitglied im Commonwealth of Nations, wodurch es die Unabhängigkeit erlangte. Das aktive und passive Frauenwahlrecht wurde bestätigt.
Nach der Regierungszeit der sozialistischen Saint Lucia Labour Party von 1979 bis 1982, regierte ab 1982 die konservativ-liberale Partei United Workers Party mit dem Premierminister John Compton, der das Amt über lange Zeit innehatte. Er setzte sich für eine Anlehnung des Landes an den Westen ein. Seitdem wechselten sich Regierungen der beiden Parteien mehrfach ab.
Politik Die Staatsform in St. Lucia ist eine parlamentarische Monarchie im Commonwealth. Das Staatsoberhaupt König Charles III. wird durch den Generalgouverneur Felix Finisterre vertreten. Regierungschef ist seit dem 28. Juli 2021 Premierminister Philip Pierre.
Das Parlament besteht aus dem House of Assembly als Unterhaus und dem Senat als Oberhaus.
+Von Nichtregierungsorganisationen herausgegebene politische IndizesName des IndexIndexwertWeltweiter RangInterpretationshilfeJahrFreedom in the World Index92 von 100—Freiheitsstatus: frei0 = unfrei / 100 = frei2023Korruptionswahrnehmungsindex (CPI)59 von 10039 von 1810 = sehr korrupt / 100 = sehr sauber2025
Am 6. Juni 2016 fanden Neuwahlen zum House of Assembly statt. Daraus ging die oppositionelle United Workers Party (UWP) mit 11 Sitzen gegenüber 4 der bisherigen Regierungspartei Saint Lucia Labour Party (SLP) siegreich hervor. Neuer Ministerpräsident wurde Allen Chastanet. Die Wahlen am 26. Juli 2021 gewann die SLP, Ministerpräsident wurde Philip Pierre. Bei den Wahlen vom 1. Dezember 2025 wurde Pierre in seinem Amt bestätigt.
Justiz Im Rechtssystem St. Lucias gibt es die Todesstrafe. Zwischen 1987 und 2001 wurde nach offiziellen Angaben die Todesstrafe insgesamt 18-mal verhängt. Die Zahl der gemeldeten Straftaten lag 2003 bei 13.273, die Aufklärungsquote betrug 29,9 %, die für Mord 50 %.
Militär St. Lucia hat kein Militär, es gibt aber die Saint Lucia Police Force, welche auch eine Special Service Unit und die Küstenwache umfasst.
Außenpolitik St. Lucia ist Mitglied in der Karibischen Gemeinschaft, der Organisation Ostkaribischer Staaten, der Vereinten Nationen sowie der Organisation Amerikanischer Staaten. Eine Zeit lang waren die Beziehungen zur Volksrepublik China angespannt, da St. Lucia die Republik China (Taiwan) anerkennt. Mit der Machtübernahme Kenny Anthonys im Jahr 2011 wurde dies rückgängig gemacht. Seit 2015 unterhält St. Lucia wieder eine Botschaft in Taiwan. Die Volksrepublik China brach daraufhin kurze Zeit später ihre diplomatischen Beziehungen zu St. Lucia ab.englische Wikipedia: :en:Foreign relations of Saint Lucia Im Jahr 2013 trat St. Lucia der Bolivarischen Allianz für Amerika (ALBA) bei.
Meeresschutz Nachdem in den Jahren nach 1990 immer weniger Fisch gefangen wurde, einigten sich Fischer, Tourismusindustrie und Umweltschützer darauf, Meeresschutzgebiete um St. Lucia einzurichten. Etwa ein Drittel des Korallenriffs um St. Lucia steht seit dem unter absolutem Schutz. In diesem Gebiet darf nicht gefischt werden. Weder Taucher noch Badetouristen dürfen sich hier aufhalten. In einigen anderen Gebieten gilt ein gelockerter Schutz. Diese Gebiete sind für Taucher und Badegäste offen. Seit der Einrichtung dieser Schutzgebiete hat sich die Anzahl der Fische um St. Lucia vervielfacht. (abgerufen am 24. Oktober 2013).
Verwaltungsgliederung mini|Verwaltungsdistrikte von St. Lucia
St. Lucia gliedert sich verwaltungsmäßig in zehn Quarters (Distrikte): Anse la Raye Canaries Castries Choiseul Dennery Gros Islet Laborie Micoud Soufrière Vieux Fort
mini|Distrikte des statistischen Amtes von St. Lucia bei der Volkszählung 2010 Das statistische Amt von St. Lucia gliederte das Land beim letzten Zensus 2010 in elf Distrikte, die mit den Verwaltungseinheiten nicht deckungsgleich waren. Die Einwohnerzahlen in der folgenden Tabelle beziehen sich auf diese Volkszählung.
Nr. in der Karte Distrikt Fläche in km² Einwohnerzahl Einwohner je km² 1 Anse la Raye 31 6.247 201,5 2 Canaries 16 2.044 127,8 3 Castries 79,5 65.656 825,9 4 Choiseul 31,3 6.098 194,8 5 Dennery 69,7 12.599 180,8 6 Forest Area 78 0 0 7 Gros Islet 101,5 25.210 248,4 8 Laborie 37,8 6.701 177,3 9 Micoud 77,7 16.284 209,6 10 Soufrière 50,5 8.472 167,8 11 Vieux Fort 43,8 16.284 371,8 St. Lucia 617 165.595 268
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Kreuzfahrtschiff im Hafen von Castries
Den größten Anteil an der Wirtschaft haben der Tourismus und der Export landwirtschaftlicher Produkte. Die Ruine der Zuckermühle im Roseau Valley ist heute ein Touristenziel. Dies zeigt, dass die Zeit, als „König Zucker“ die Wirtschaft der Insel bestimmte, längst vorbei ist.
In den 1950er- und 1960er-Jahren löste die Banane das Zuckerrohr als meistangebautes Agrarprodukt ab.Gabriele Intemann, Brigitte Esser, Michael Venhoff: „Saint Lucia“. In Staaten der Weltgeschichte. Chronik Verlag, 2001.