Langenfeld-Mitte ist der in der Mitte und im Westen liegende Stadtteil der Stadt Langenfeld (Rheinland).

Geografie mini|links|Amtsgericht Langenfeld, das „Jüngste Gericht“ in NRW

Langenfeld-Mitte war früher kein eigener Stadtteil, sondern ist aus Gebietsanteilen der einstigen Dörfer Berghausen, Immigrath und Reusrath rund um die einstige Posthalterei am heutigen „Berliner Platz“ entstanden. Denn hier trafen die Fernverkehrswege aus allen vier Himmelsrichtungen, aus Düsseldorf, Köln, Hitdorf, Solingen und Wuppertal-Elberfeld aufeinander. Langenfeld-Mitte war deshalb auch bis zur Verlegung des Rathauses im Jahre 1977 (Einweihung am 1. Oktober 1977) der Mittelpunkt der Stadt. Heute findet sich der Sitz der Verwaltung in der geografischen Mitte der Stadt im Zentrum Immigraths.

Langenfeld-Mitte verfügt auf der rechtsseitigen Mittelterrasse des Rheins über ein ebenes Gelände mit einem einzigen Bachlauf, dem Galkhauser Bach. Dieser durchfließt die Ortslage Hucklenbruch und trennt am Ganspohl, wo sich Kulturzentrum und Stadthalle (Schauplatz) finden, Langenfeld-Mitte von Immigrath. Immigrath begrenzt damit Langenfeld-Mitte im Osten und Norden. Berghausen grenzt im Nordwesten an, Monheim am Rhein im Westen, Leverkusen im Südwesten und Reusrath im Süden und Südosten.

Geschichte Der Name „Langenfeld“ und erste Spuren Bereits 1306 erfuhr mit Kaszwich ein Flurstreifen in Langenfeld-Mitte erste Erwähnung, dann 1336 ein Meysenole (Meisental, Nähe Mautpfad). Langenfeld selbst wurde als Langevelt erst im Jahre 1396 erstmals urkundlich genannt.Rolf Müller, „Stadtgeschichte Langenfeld Rheinland“, Verlag Stadtarchiv Langenfeld 1992 Als Das lange Feldt taucht Langenfeld zudem in einer 1673 von Samson in Paris veröffentlichten Karte auf,Friedhelm Görgens, Langenfeld, Droste, Düsseldorf 1984 weiter in einer des Johann Baptist Homann. Letztere datiert aus den Jahren um 1730.Uwe Schwarz, Köln und sein Umland in alten Karten, Emons Verlag 2005 Soweit ersichtlich, bezeichnete man offenbar mit dem langen Feld das gesamte bäuerliche Siedlungsgebiet zwischen Itterbach im Norden und Wupper im Süden, zwischen Monheim am Rhein im Westen und dem Fuß des Bergischen Landes im Osten. Dem steht nicht entgegen, dass in einer Karte der Thurn und Taxis’schen Post der ersten Posthalterei auf dem Probsthof in Berghausen der Name Langenfeld (heute: Alt-Langenfeld) zugewiesen war. Später wurde der Begriff Langenfeld auf die Stadt übertragen, die jedoch erst im Jahre 1948 das Stadtrecht erhielt.

Schlaglichter der Geschichte Langenfeld zur Postkutschenzeit mini|Wegestundenstein aus der Postkutschenzeit im Volksgarten

Wesentliche Prägung erfuhr die einstige Mitte der Stadt Langenfeld durch die Posthalterei am heutigen Berliner Platz. Drei Überbleibsel aus dieser Zeit können noch heute von den Bürgern der Stadt dort in Augenschein genommen werden. Es sind dies der Volksgarten neben Haus Wagner, der einst als Park zur Erholung für die Durchreisenden angelegt wurde. Des Weiteren findet sich dort neben der gläsernen Ausstellungshalle einer der beiden Wegestundensteine der Stadt, der einst die Entfernungen zu den nächsten Stationen der Postkutschen in (Reise-)Stunden angab. (Der in der Ausstellungshalle gezeigte (Schalenschneiderkotten) stammt dagegen aus Wiescheid und hat auch nichts mit der Postgeschichte zu tun.) Als drittes zu nennen ist das Baudenkmal Haus Wagner selbst, das heutige Restaurant History. Dieses Haus wurde um 1790 erbaut und diente ab 1793 als Gasthaus für die Reisenden und Postillone der „Hochfürstlich Thurn und Taxis’schen Posthalterei“. Dort, Im langen Feld, taten bis zu 24 Postillone Dienst. In den Remisen standen 12 „Chaisen“ und in den Ställen an die 90 Pferde. Jeder Postillon betreute einen Zug, der aus vier gleichfarbenen Pferden bestand. Haus Wagner wurde zudem ab 1806 bis zum Jahre 1885 als Rathaus der „Munzipalität“ Richrath, später der Gesamtgemeinde Richrath-Monheim genutzt.Umweltschutz- und Verschönerungsverein Langenfeld e. V., Ein Führer durch Gebaute Geschichte Langenfelds

Die Posthalterei am Berliner Platz befand sich im Schnittpunkt der später unter anderem Köln-Arnheimer Chaussee genannten Via Publica, in Langenfeld identisch mit der heutigen B 8. Einen weiteren wichtigen Fernhandelsweg stellte die Provinzialstraße Elberfeld–Hitdorf zwischen Hitdorfer Rheinhafen und dem Bergischen Land dar, die heutige B 229, eine im Übrigen ebenfalls auf ältere Fernwege zurückgehende Verbindung. Ab 1668 fuhren Postkutschen über die Nord-Süd-Verbindung und ab 1699 zusätzlich Postkarren zwischen Münster und Köln. Eine Karte aus dem Jahre 1784 weist vier Postlinien für die Cölln-Düsseldorfer Mittelstation aus, die in Langenfeld angesiedelt war. Die letzte (im Bild festgehalteneAnne Lipfert, Langenfeld „anno dazumal“, Verlag Gronenberg, Gummersbach) Fahrt einer aus diesem Anlass feierlich geschmückten Postkutsche erfolgte vom Königlichen Postamt „Poststraße“ Ecke „Bahnhofstraße“ aus am 31. Mai 1905. Erinnert wird im Übrigen an die Postkutschenzeit in Langenfeld mit einer eigenen Postkutsche sowie einem eigenen Paketwagen, die beide in einer gläsernen Remise neben dem Stadtmuseum gezeigt werden. Des Weiteren erinnert ein Traditionspaar der Karnevalsgesellschaft Postalia bei offiziellen Anlässen an die Posthalterei in Langenfeld und es zieren Bronzeskulpturen des „Postillons“ und der „Christel von der Post“ den Eingangsbereich der Stadtgalerie auf dem Galerieplatz.

Am Rande notiert, war die B 8 in alter Zeit nicht mit einem festen Namen versehen, so wie sie heute Düsseldorfer Straße, Kölner Straße und Opladener Straße genannt wird, sondern es wurden wechselnde Bezeichnungen verwendet. So findet sich 1589 die Cöllner Straße, 1618 der Colnischer Weg, 1730 der Frankfurter Steinweg, um 1780 die Chaussee von Düsseldorf nach Cöln, 1802 die Mühlheimer Landstraße, 1826 die Holländische Chaussee, 1830 die Frankfurter Rheinstraße, 1832 die Holländische Straße, 1850 die Köln-Düsseldorfer Heerstraße, 1864 die Cöln-Arnheimer Chaussee, 1866 die Köln-Arnheimer Staatsstraße und 1885 die Köln-Düsseldorfer Provinzialstraße. In diesem Zusammenhang mit dieser Via Publica (noch einer ihrer Namen) wird Langenfeld denn auch gerne einem alten Slogan zufolge als „Junge Stadt an alter Straße“ bezeichnet, obwohl die Stadt mit dem Mauspfad, der deutlich älteren Datums ist, und mit der Provinzialstraße Elberfeld-Hitdorf gleich noch mit zwei weiteren historischen Straßen von überregionaler Bedeutung aufwarten kann.

Der genagelte Schädel aus Langenfeld Am 16. April 1964 (Müller nennt 1966) wurde bei Baggerarbeiten auf dem Gelände der Firma Keller auf der Kölner Straße 50 in Langenfeld ein genagelter (gepfählter Schädel) entdeckt. In diesem steckte ein 480 mm langer, am Kopfende 20 mm dicker und nach unten spitz zulaufender Eisennagel. Am Schädel selbst befanden sich Reste eines Brokatbandes mit einem kleinen Bronzestück. Nach den damaligen Untersuchungen handelte es sich um den Kopf einer etwa 30 Jahre alten Frau sowie um eine Hinrichtung durch Enthauptung. Anschließend wurde der Kopf der Getöteten auf einen Pfahl genagelt und öffentlich (an der Via Publica) zur Schau gestellt. Diese Art der Bestrafung kennt die Rechtsgeschichte nur bei Kapitalverbrechen z. B. Kindesmord, Mord, insbesondere durch Giftmischerei, Blutschande etc. und nicht etwa als Maßnahme gegen sogenannte Hexen.

Am 21. Februar 2008 hielt Dr. phil. Peter Pieper, weltweit erster Archäologe in forensischen Diensten, einen Vortrag über seine weitergehenden Forschungen an dem genagelten Schädel aus Langenfeld. Auch er gelangt zu der Erkenntnis, dass es sich mutmaßlich um den Schädel einer etwa bis 30 Jahre alte Frau handelt, die im 17. Jahrhundert getötet worden sein könnte. Allerdings ständen abschließende Untersuchungen, insbesondere zum Geschlecht noch aus. Der Beifund des Brokatbandes, ein feinster, mit Gold- und Silber durchwebter Textilrest, lasse aber eine Dame höheren Standes vermuten. Gleichfalls gestatte der Zahnbefund ohne Karies oder Parodontose die Annahme einer vielleicht adligen Abkunft. Gleichfalls vermutet er als Grund der Hinrichtung eine Tötung als Hexe. Dass die vermutlich weibliche Getötete dennoch nicht lange angenagelt blieb, sei aus dem Umstand zu schließen, dass der Unterkiefer zum Zeitpunkt des Fundes noch vorhanden war. Der Schädel sei nämlich, möglicherweise auf Betreiben der Familienangehörigen, abgenommen worden. Pietätsgründe dürfen hierfür angenommen und möglicherweise eine entsprechende Zahlung unterstellt werden. Denn üblich sei es gewesen, den Raben das Geschäft der Beseitigung der Fleischreste zu lassen, so dass der gemeinsame Fund von Schädel und Unterkiefer selten sei. Im Übrigen habe man den Rest des Körpers am Ort der Enthauptung zurückgelassen und gegebenenfalls verscharrt. Eine ordnungsgemäße Bestattung jedenfalls wurde den so Hingerichteten nicht zuteil.

Weiterhin resümierte er, dass der Fundort des Schädels nicht der eigentliche Ort der Hinrichtung, sondern nur der Ausstellungsort an der historischen Nord-Süd-Verbindung, der heutigen B 8 gewesen sei. Als Richtstätte kämen dagegen mehrere Örtlichkeiten in der Nähe in Betracht: Zu nennen seien der Galgen Am Galgendriesch, der Katzberg, aber auch das rückwärtige Gelände auf dem Hucklenbruch an der Straße Zum Galkhause(ne)r Bach. Dort ließen nämlich Luftaufnahmen der Amerikaner aus dem Zweiten Weltkrieg auf einen ehemaligen Hinrichtungsplatz schließen.ritter-pitter.de, „Der genagelte Schädel aus Langenfeld“

Die Entwicklung des Stadtteils Langenfeld-Mitte wurde ganz wesentlich durch seine günstige Verkehrsanbindung geprägt. Erwähnt wurde bereits die Lage im Schnittpunkt zweier historischer und überregional bedeutender Bundesstraßen, der heutigen B 8 sowie der B 229. Diese bedingten bereits früh einen regen Personenverkehr und einen bedeutenden Warenaustausch in dem damals zunächst noch weitestgehend agrarisch strukturierten Gebiet. Hinzugetreten zu den Bundesstraßen sind die Anschlussstelle Monheim/Langenfeld an der A 59 sowie die Anschlussstelle Reusrath an der A 542.

Des Weiteren zu nennen ist die Einrichtung des Bahnhofs Langenfeld der Cöln-Mindener Eisenbahn im Jahre 1845, der einen gewaltigen Entwicklungsschub in Richtung industrieller Entwicklung auslöste. Die Webereien Simons Erben (1860) und (wohl in Immigrath) Neumann & Büren (1864), die Weberei der Brüder Theis (1865) sowie die Weberei Becker & Bernhard (1897) weisen auf diese Entwicklung hin. Mit der Fa. Rudolf Müller & Söhne eröffnete 1877 das erste Eisenwerk in Langenfeld seine Pforten. Ihm folgten 1895 in Immigrath die Kronprinz AG sowie 1902 die Vereinigte Stahlwerke AG, um hier einige der Firmen zu nennen.von Galera, Langenfeld (Rhld.), Von der Markgrafschaft zur Stadt, Backofen, Langenfeld 1963

mini|9-Loch Golfplatz am Katzberg in Langenfeld-Mitte

Heute ist von den einst großen Arbeitgebern der Textil- und Stahlbranche am Ort lediglich die Fa. Mannesmann Pressfittings geblieben, alle anderen Areale werden heute durch zum Teil eine Vielzahl von kleineren Firmen genutzt. Dies führte andererseits zu einer gegenüber früher deutlich verminderten Krisenanfälligkeit der Wirtschaft Langenfelds. Größter Arbeitgeber in Langenfeld-Mitte ist nach der Aufgabe des WMF-Standortes heutzutage die Tubenfabrik Höll auf der Poststraße.