Wąsosz (deutsch Herrnstadt) ist eine Stadt mit Einwohnern (Stand ) in der Stadt- und Landgemeinde Wąsosz im Powiat Górowski der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen.

Geographische Lage mini|links|Bartschbrücke und Kajak-Anlegestelle an der Bartsch bei der Stadt (2020) Wąsosz liegt etwa zwanzig Kilometer südöstlich von Góra (Guhrau), in der Bartschniederung, auf einer Landzunge zwischen dem rechten Ufer der Bartsch und dem linken Ufer der Orla, die hier der Vereinigung zustreben. Die Umgebung der Stadt wird vom Bartschbruch geprägt.

Geschichte mini|links|Kupferstich aus dem 18. Jahrhundert mit einem Stadtpanorama von Herrnstadt (veröffentlicht 1792) mini|links|Stadtpanorama von Herrnstadt auf einem Stich von ca. 1812 mini|Häusergruppe am Marktplatz (2018) mini|Altstadtgasse mit dem Turm der Matthiaskirche im Hintergrund (2018) mini|Ehemaliges Gutshaus Herrnstadt (2009) mini|Herrnstadt (Herrenstad), nördlich von Wohlau (Wolaw) im Herzogtum Wohlau (Ducatus Wolanus) und östlich von Köben (Koben), auf der Schlesienkarte von Petrus Schenk, 1710 mini|Herrnstadt südwestlich der Stadt Posen und südöstlich der Stadt Glogau auf einer Landkarte von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).

Die Stadt Herrnstadt ließ 1290 der Glogauer Herzog Heinrich III. von seinem Vogt Otto Halbesalcz im Bezirk der alten Kastellanei Sandowel (Sandewalde an der Bartsch) anlegen – wohl neben einer älteren Burg Wąszosz (auch Wąźiorz, Wąźciorz, Wąsosze, Wansose, Wanschosch) – und erteilte ihr dasselbe Deutsche Recht, wie es auch die Städte Sagan und Sprottau () besaßen; ihr Name lautete zuerst Hernstat.Gustav A. Tzschoppe, Gustav A. Stenzel: Urkundensammlung zur Geschichte des Ursprungs der Städte und der Einführung und Verbreitung Deutscher Kolonisten und Rechte in Schlesien und der Ober-Lausitz. Hamburg 1832, S. 408–409 (Google Books). Die slawische Landesburg Sandowel,H. Schuch: Die Kastellanei Sandewalde und ihre Germanisierung, eine ortsgeschichtliche Studie im Kreis Guhrau, in: Zeitschrift des Vereins für Geschichte Schlesiens, 14. Band, Breslau 1878, S. 486–520 (Google Books). deren Ringwall auf der Feldmark Tschistey noch heute erkennbar ist, lag sechs Kilometer flussabwärts am rechten Ufer der Bartsch und kann als Vorläuferin Herrnstadts angesehen werden.Josef Partsch: Schlesien – Eine Landeskunde für das deutsche Volk auf wissenschaftlicher Grundlage, Teil II: Landschaften und Siedelungen, Ferdinand Hirt, Breslau 1911, S. 463–464 (Google Books). Seit 1294, sicher seit 1323, gab es herzogliche Kastellane auf dem Schloss zu Herrnstadt. Seit 1312 gehörte die Stadt zum Fürstentum Oels, 1345 kam sie in den Pfandbesitz des Herzogs Johann von Steinau. Im Jahr 1418 war Siegmund v. Haugwitz Hauptmann zu Trachenberg und auf Herrnstadt, 1432–1489 gehörte die Stadt den Grafen Dohna, In den Hussitenkriegen wurden die Stadtbewohner 1432 von den Hussiten bedrängt, wobei es zu keiner Brandstiftung kam.Christian Friedrich Emanuel Fischer, Carl Friedrich Stuckart: Zeitgeschichte der Städte Schlesiens, Band 3, Schweidnitz 1819 (oder später), S. 43–45 (Google Books). 1486 hatte sich der berüchtigte Herzog Hans II. von Sagan und Priebus im Schloss festgesetzt, wurde jedoch vom ungarischen König Matthias Corvinus vertrieben.Karl August Müller: Vaterländische Bilder, in einer Geschichte und Beschreibung der alten Burgfesten und Ritterschlösser Preussens. Glogau 1837, S. 253–254 (Google Books). 1490 wurde die Stadt den Gebrüdern Albrecht und Balthasar Sopke (Sopki, Sopky, Sobke) von Saul verliehen, 1502 verglichen sich diese mit Hedwig v. Wyclynska wegen ihres Leibgedinge-Rechts auf Herrnstadt. (Ein Dorf namens Saul liegt neun Kilometer nördlich von Herrnstadt.)

Ein von Herzog Konrad dem Weißen († 1452) dem Albrecht Sopke von Saul auf Herrnstadt erteilter Lehenbrief über Schloss und Stadt Herrnstadt samt Zubehör wurde 1490 von Herzog Albrecht I. von Münsterberg (1468–1511) erneuert, 1492 vom böhmischen König Vladislav II. bestätigt und 1505 von Herzog Karl I. von Münsterberg (1476–1536) ebenfalls beglaubigt. 1506 verschrieben die beiden herzöglichen Gebrüder Albrecht I. und Karl I. von Münsterberg dem Albrecht Sopke von Saul auf Herrnstadt, Hauptmann des Fürstentums Troppau, alle fürstlichen Rechte an den Gütern und Vorwerken Halb-Wiersewitz, Rypin, Schweiner, Schatz und Burlowitz bei Herrnstadt sowie an dem „Wolwram-Wust“ genannten Vorwerk zu Glawe bei Trebnitz.Diplomatische Beyträge zur Untersuchung der Schlesischen Rechte und Geschichte, Zweyten Bandes Zweyter Theil, bey Haude und Spener, Berlin 1775, S. 37, Ziffer 50–52 (Google Books). Albrecht Sopke besaß Herrnstadt noch 1507. Nach ihm soll die Stadt vorübergehend dem Breslauer Bischof Johannes V. Thurzo († 1520) gehört haben. Im Jahr 1512 verkaufte der Herzog von Münsterberg und Oels die Stadt an den Freiherrn Siegmund von Kurtzbach auf Trachenberg und Militsch, dessen Söhne Stadt und Burg 1524 (1925) dem Herzog Friedrich II. von Liegnitz käuflich überließen.

Im Jahr 1536 wurde das Gut Stadtvorwerk Herrnstadt mitsamt seinem alten Zubehör von Herzog Friedrich II. von Liegnitz an Hans v. Zedlitz auf Samitz verkauft.Diplomatische Beyträge zur Untersuchung der Schlesischen Rechte und Geschichte, Zweyten Bandes Zweyter Theil, bey Haude und Spener, Berlin 1775, S. 38, Ziffer 54–55 (Google Books). 1611 erkaufte Bernhard v. Nostitz das Stadtvorwerk Herrnstadt.Diplomatische Beyträge zur Untersuchung der Schlesischen Rechte und Geschichte, Zweyten Bandes Zweyter Theil, bey Haude und Spener, Berlin 1775, S. 43, Ziffer 127 (Google Books). Dasselbe verkauften 1629 Herrnstadts Bürgermeister und Ratsmann Georg v. Nostitz und dessen Ehefrau Mariana an Sebastian Schwartz, Burggraf zu Wohlau und Herrnstadt.Diplomatische Beyträge zur Untersuchung der Schlesischen Rechte und Geschichte, Zweyten Bandes Zweyter Theil, bey Haude und Spener, Berlin 1775, S. 43–44, Ziffer 129 (Google Books).

In den Jahren 1625 und 1665 waren hier große Überschwemmungen. 1631 grassierte in Herrnstadt die Pest, 1656 wiederum und forderte diesmal 139 Menschenleben. 1710 ging die Stadt bis auf das Pfarrhaus und 27 Privathäuser infolge grober Fahrlässigkeit eines Tuchmachers ganz in Flammen auf. Im Jahr 1577 war das Schloss von den schlesischen Fürsten und Ständen in einen guten Verteidigungszustand gebracht worden, weshalb es im Dreißigjährigen Krieg umkämpft war: Anfangs hatten die Schweden das Schloss besetzt, 1634 erstürmten Wallensteins Truppen Burg und Stadt, und 1645 brachte wieder der schwedische Obrist Anderson beides in seine Gewalt. Später ließ man die Festungswerke eingehen und die Wehrgräben einebnen. 1665 erkaufte Christoph v. Nostitz und Driewitz das Stadtvorwerk Herrnstadt von Carl Daneg von Sdanitz.Diplomatische Beyträge zur Untersuchung der Schlesischen Rechte und Geschichte, Zweyten Bandes Zweyter Theil, bey Haude und Spener, Berlin 1775, S. 43, Ziffer 128 (Google Books).

Während des Siebenjährigen Kriegs wurde die Stadt 1759 von dem russischen General Holmer stark beschossen und weitgehend eingeäschert, wobei auch das Schloss Schaden genommen haben dürfte. Durch solche Kriegseinwirkungen wurden die gewerblichern Aktivitäten der Stadt zurückgeworfen, namentlich die zeitweilig prosperierende Tuchmacherei. Die Lage der Stadt im Bartschbruch erzwang umständliche Verkehrswege, was einem schnellen Wachstum der Stadt nicht förderlich war; die ausgedehnten Wiesen auf ihrer Feldmark waren durch Überschwemmungen gefährdet. Um die Kriegsschäden möglichst auszugleichen, die besonders in Schlesien durch den Siebenjährigen Krieg entstanden waren, nahm Friedrich II. im platten Land durch Einleitung von Meliorationsmaßnahmen eine umfangreiche Koloniengründung in Angriff. Durch Räumung und Regulierung der Bartsch wurde im Amt Herrnstadt 1776–1785 Bruchland anbaufähig gemacht. Neu gegründet wurden die Kolonien Herrndorf, Königsdorf, Königsbruch, Wilhelmsbruch, Bartschdorf und die Wirsebintze, von denen die beiden letzteren später zu einer Gemeinde zusammengelegt wurden.Karl Raebiger: Koloniengründung im Amte Herrnstadt 1776–1785 – Ein Beitrag zu Friedrichs des Großen Kolonisationstätigkeit in Schlesien, in: Zeitschrift des Vereins für Geschichte Schlesiens, Band 44, Breslau 1910, S. 52–73 (Google Books).

Vor längerer Zeit bereits – wohl schon vor 1741, als Schlesien preußisch wurde – war der Gutsbezirk Stadtvorwerk Herrnstadt eine landesherrliche Domäne geworden. Eigentümer war zu preußischer Zeit der königliche Domänenfiskus. Das Domänenamt Herrnstadt hatte im Schloss seinen Verwaltungssitz. Im Jahr 1893 gehörten zur Domäne Stadtvorwerk Herrnstadt die Vorwerke Gahle und Schubersee, und die Flächengröße des Gutsbezirks wurde mit 769 Hektar beziffert, wovon 544 Hektar Ackerland, 143 Hektar Wiesen, 32 Hektar Weiden und 50 Hektar Hofraum etc. waren. Die Domäne, auf der es eine Branntweinbrennerei gab, wurde von einem Gutspächter bewirtschaftet.Schlesisches Güter-Adreßbuch. Verzeichniß sämmtlicher Rittergüter und selbständigen Guts- und Forstbezirke, sowie solcher größeren Güter, welche innerhalb des Gemeindeverbandes mit einem Reinertrag von etwa 1500 Mark und mehr zur Grundsteuer veranlagt sind. Fünfte Ausgabe. Verlag Wilh. Gottl. Korn, Breslau 1894, S. 36, Ziffer 328 (Google Books).

Im Jahr 1910 hatte Herrnstadt zwei evangelische Kirchen, eine katholische Kirche, eine gewerbliche Fortbildungsschule, eine Branntweinbrennerei, einer Brauerei, ein Holzsägewerk, Mühlen, einer Ziegelei sowie Kram- und Viehmärkte. Am 2. Dezember 1912 wurden auf dem 979,3 Hektar großen Stadtbezirk 164 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 158 Pferde, 379 Stück Rindvieh, vier Schafe, 389 Stück Borstenvieh, 141 Ziegen sowie 175 Gänse, 92 Enten, 1455 Hühner und 51 Bienenstöcke hielten. Am 1. Dezember 1913 standen im Stadtbezirk 1882 Apfelbäume, 869 Birnbäume, 1739 Pflaumen- und Zwetschgenbäume, 547 Kirschbäume, acht Aprikosenbäume, 46 Pfirsichbäume und 38 Walnussbäume. Zu den gleichen Zeiten wurden im 799,0 Hektar umfassenden Gutsbezirk Stadtvorwerk Herrnstadt 43 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 74 Pferde, 340 Stück Rindvieh, 90 Stück Borstenvieh, 71 Ziegen sowie 26 Gänse, 17 Enten und 340 Hühner hielten. Im Gutsbezirk standen 733 Apfelbäume, 238 Birnbäume, 272 Pflaumen und Zwetschgenbäume, 360 Kirschbäume, zwei Aprikosenbäume, ein Pfirsichbaum und zwei Walnussbäume.Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon über den Viehstand und den Obstbau für den Preußischen Staat – Auf Grund der Ergebnisse der Vieh- und Obstbaumzählung vom 1. Dezember 1913, der Viehzählung vom 2. Dezember 1912 und anderer amtlicher Quellen, Heft 6: Provinz Schlesien, Berlin 1915, 1. Regierungsbezirk Breslau, 6. Kreis Guhrau, S. 40–41, Ziffer 2 (Google Books), und S. 46–47, Ziffer 171 (Google Books).

Am 1. April 1927 hatte der Gutsbezirk Stadtvorwerk Herrnstadt laut Katasteramt einen Flächeninhalt von 758 Hektar und 69 Ar, und am 16. Juni 1925 hatte der Gutsbezirk 208 Einwohner.Kurt Albrecht: Die preußischen Gutsbezirke, in: Zeitschrift des Preussischen Statistischen Landesamts, 67. Jahrgang, Berlin 1928, S. 344–477, insbesondere S. 408, 6. Kreis Guhrau, Ziffer 61 (Google Books). Am 30. September 1928 erfolgte die Eingliederung des Gutsbezirks Stadtvorwerk Herrnstadt aus dem Amtsbezirk Stadtvorwerk in die Stadt Herrnstadt.Stadt Herrnstadt (Territorial.de)