Romelia Lichtenstein (* 12. März 1962 in Sofia) ist eine deutsche Opern-, Operetten-, Oratorien-, Lied- und Konzertsängerin (Sopran).

Leben und Wirken Romelia Lichtenstein wurde in Sofia geboren, wuchs in Rostock auf und sang im Alter von neun Jahren den Ersten Knaben in Mozarts Die Zauberflöte. Nach einer Ausbildung als Kinderkrankenschwester studierte sie an der Musikhochschule Leipzig Gesang bei Helga Forner.

Schon in ihrem ersten Engagement an der Oper Chemnitz zeigte sich das ungewöhnlich breite Spektrum ihres Soprans – hier sang sie Rosina in Rossinis Barbier von Sevilla, Sandrina in Mozarts Gärtnerin aus Liebe und erstmals die drei Frauenpartien in Offenbachs Hoffmanns Erzählungen. Mozarts Frauenpartien prägten auch ihre Jahre am Opernhaus Leipzig. Unter Leitung von Michail Jurowski, Lothar Zagrosek und Stefan Soltesz sang sie die Zerlina und die Fiordiligi, Pamina und die Königin der Nacht, aber auch die Mimi in Peter Konwitschnys Inszenierung von La Bohème. Ihre Leidenschaft, ihr natürliches Charisma und die Arbeit mit Regisseuren wie István Szabó, John Dew und Anthony Pilavachi ließen sie zu einer Sängerin von hoher darstellerischer Intensität und Ausstrahlung reifen.

Am Opernhaus Halle startete sie mit dem außergewöhnlichen Debüt als Madama Butterfly, für das die Zeitschrift Opernwelt sie als beste Opernsängerin der Saison 1998/1999 nominierte. Es folgten zahlreiche Partien, durch die Romelia Lichtenstein zu einer das Hallenser Musiktheater prägenden Sängerpersönlichkeit wurde. Gastspiele führten sie an die Semperoper Dresden, an die Opernhäuser von Graz, Wiesbaden, Weimar und Metz.

2006/2008 gab Romelia Lichtenstein als Mentorin ihre Erfahrungen an Stipendiaten der Jürgen-Ponto-Stiftung weiter und war seitdem auch anderweitig beratend tätig. 2012 wurde die Sopranistin zur Kammersängerin ernannt.

Von ganz besonderer Bedeutung für ihre stimmliche Entwicklung war die Begegnung mit der Musik Georg Friedrich Händels. Bei den Händel-Festspielen in Halle gestaltete sie Haupt- und Titelpartien, so Romilda in Serse, Florinda in Rodrigo, Gismonda in Ottone, die Zauberin Alcina, Berenice, Medea in Teseo wie die Metella in Lucio Cornelio Silla. An der Komischen Oper Berlin sang sie Merab im Saul, bei den Händel-Festspielen Karlsruhe Miriam in der Operncollage Die Plagen. Ihre Elisa in Tolomeo ist als CD-Gesamtaufnahme, ihre Alceste in Admeto auf DVD zu erleben. Mehrfach arbeitete sie mit Barockspezialisten wie Marcus Creed, Howard Arman, Michael Schneider und Hermann Max zusammen. Allein an der Oper Halle gestaltete sie fünfzehn Händel-Partien. Ihre letzte dort war Agrippina: Auch bei ihrem Bühnenabschied 2026 brillierte die Händelpreisträgerin von 2016 mit stimmlicher Ausdrucksstärke und faszinierendem Komödiantentum.

Selten gelingt einer Sängerin der Schritt einer Facherweiterung hin zum Italienisch-Dramatischen. „Für Romelia Lichtenstein ist die Lucrezia Borgia nach Norma und Lucia di Lammermoor ein weiterer Belcanto-Triumph. Sie schafft mit großer Intensität in ihren Arien den Wechsel vom Lyrischen ins Dramatische, moduliert die Stimme auch in den nahezu makellosen Koloraturen in einem perfekten Messa di voce. Dass sie dabei über eine dunkel-timbrierte Mittellage verfügt und diese wohlbedacht einsetzt, hat sie jüngst an gleicher Stelle als Lady Macbeth eindrucksvoll unter Beweis gestellt“, schrieb das Fachblatt ORPHEUS international (05/06 2011). Mit ihrer Violetta in La traviata hatte sie Erfolge an den Opernhäusern Göteborg und Bremen sowie in Stockholm vor dem Schwedischen Königshaus. Ab 2006 konnte sie in anspruchsvollen Partien von Bellini, Verdi und Donizetti überzeugen, darunter Abigaile in Nabucco und Leonora in Der Troubadour. Verdi wurde neben Händel der zweite Fixpunkt in der Arbeit von Romelia Lichtenstein.

In den dreißig Jahren ihres Engagements an der Hallenser Oper sang Romelia Lichtenstein Leonora in Verdis Die Macht des Schicksals, Amelia in Un ballo in maschera, Lady Macbeth in Macbeth sowie den Sopran in einer Inszenierung von Verdis Messa da Requiem. Sie überzeugte in den Titelpartien von Puccinis Tosca und Adriana Lecouvreur von Francesco Cilea sowie als Sélica in Meyerbeers „L’Africaine“. Sie sang in Mozart-Opern – Despina in Così fan tutte, Elvira in Don Giovanni, Gräfin in Die Hochzeit des Figaro – und bestritt mit enormer Spielfreude die Titelpartie in Offenbachs Großherzogin von Gerolstein. Im lyrischen Drama Manru von Ignacy Jan Paderewski gestaltete Romelia Lichtenstein 2022 an der Oper Halle mit Ulana eine der Hauptpartien; die Aufführung wurde live übertragen und eine CD produziert. Mit der Marschallin in Richard Strauss‘ Der Rosenkavalier führte sie ihre erfolgreiche Karriere fort.

Zunehmend war Romelia Lichtenstein auch als Konzertsängerin gefragt. In der Berliner Philharmonie, dem Musikverein Wien, der Liederhalle Stuttgart, in Madrid und Warschau sang sie in Mozarts Requiem, Haydns Die Schöpfung, Brittens War Requiem und Schostakowitschs 14. Sinfonie. Enoch zu Guttenberg engagierte sie für Beethovens Missa solemnis beim Musikfestival Santander und für Verdis Requiem beim Rheingau Musik Festival. Die CD-Aufnahme Giob von Carl Ditters von Dittersdorf wurde 2002 mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. 2013 gab sie mit den Wesendonck-Liedern ihr konzertantes Wagner-Debüt. Im Rahmen der Opernaufführung Schahrazade von Bernhard Sekles interpretierte Romelia Lichtenstein Lieder dieses fast vergessenen jüdischen Komponisten. Im Clara-Schumann-Jahr 2019 bestritt sie den Gesangspart in historischen Aufführungen in Zwickau, Leipzig, Magdeburg. Der Abend „Sehnsuchtsorte“ 2021 mit Werken von Franz Schubert, Robert und Clara Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy bestätigte ihr immenses Talent als Liedinterpretin.

Preise 1990: 1. Preis beim Wettbewerb junger Opernsänger in Gera 1990: Mozart-Preis beim Internationalen Gesangswettbewerb „Francisco Viñas“ in Barcelona 2016: Händel-Preis

Diskografie Georg Friedrich Händel, Admeto, 2 DVDs + 2 CDs, Arthaus Musik Karl Ditters von Dittersdorf, Giob (Oratorium), CD, cpo Engelbert Humperdinck, Hänsel und Gretel, DVD, NCA

Weblinks https://www.romelia-lichtenstein.de/ https://www.buehnen-halle.de/de/persons/romelia-lichtenstein/5

https://www.jpc.de/jpcng/cpo/detail/-/art/ignaz-paderewski-manru/hnum/11165036

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