Die Leonberger Bausparkasse AG war eine Bausparkasse in der württembergischen Stadt Leonberg. Sie ging aus dem 1924 gegründeten Christlichen Notbund zur gegenseitigen Hilfe hervor. Die Leonberger Bausparkasse fusionierte im Jahr 2001 mit der Wüstenrot Bausparkasse AG. Zu diesem Zeitpunkt war die "Leo-Bau" die viertgrößte private Bausparkasse in Deutschland. thumb|right|Anstecknadel mit LeoBau-Logo für besondere Ehrungen Unternehmensgeschichte Gründung Der aus Eltingen (heute ein Stadtteil von Leonberg) stammende Missionar Christian RöckleNäheres zu Röckle siehe: Werner Raupp, Röckle, Christian, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Bd. 8, Bautz, Herzberg 1994, ISBN 3-88309-053-0, Sp. 505–508 (ausführliche Bibliographie u. Lit.)., Begründer des Philadelphia-Vereins (1883–1966) gründete 1924 in Leonberg den Christlichen Notbund zur gegenseitigen Hilfe. Um die Wohnungsnot zu lindern, kam eine Baugenossenschaft mit einer Abteilung für Baugeldsparverträge auf gemeinnütziger Grundlage hinzu. Sie wurde am 27. Februar 1929 in einen selbstständigen Rechtsträger umgewandelt, die Creditgenossenschaft des Christlichen Notbundes zur gegenseitigen Hilfe eGmbH (CCN). Diese nahm ihren Betrieb in zwei gemieteten Räumen an der Steinstraße in Leonberg auf. Darlehen wurden nur zweckgebunden vergeben. 25 Bausparer bekamen 264.800 RM zugeteilt, das erste Bausparhaus wurde gebaut. Im Zwiespalt zwischen Evangelisation und Unternehmertum schied Christian Röckle jedoch 1932 aus dem Vorstand aus.„Der Mammon dient allein dem Reich Gottes“, in: Leonberger Kreiszeitung 28. Juni 2008
1929 bis 1945 Ende 1929 hatte die CCN 458 Mitglieder, ein Jahr später 2779. Aus der Creditgenossenschaft wurde 1930 die CCN-Bausparkasse, die ein Verwaltungsgebäude an der Silberbergstraße bezog. 1934 änderte das Unternehmen seinen Namen in Leonberger Bausparkasse eGmbH und ließ sich durch den Architekten Willem Bäumer einen Neubau an der Lindenstraße errichten.
Die Bausparreform im Jahr 1938 beschränkte das Arbeitsgebiet der Bausparkassen auf die Befriedigung des nachstelligen (heute: nachrangigen) Realkreditbedarfs. Dadurch verkleinerte sich der Finanzierungsanteil der Bausparkassen an dem einzelnen Objekt. Die Bausparreform hatte eine Konzentration der Branche zur Folge.
Vier Bausparkassen schlossen sich 1939 der Leonberger Bausparkasse an: Vaterhaus-Bausparkasse GmbH, Pforzheim Kosmos-Bausparkasse AG, Stuttgart Bausparkasse Germania AG, Köln Bausparkasse Das Heim eGmbH, Krefeld
Bereits 1933 hatte sich die Volkshilfe-Bausparkasse eGmbH, Stuttgart, mit der Leonberger Bausparkasse zusammengeschlossen.
Das Unternehmen nutzte die Konzentrationsbewegung, um die Genossenschaft in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Zu diesem Zweck wurde das Aktienkapital der Kosmos-Bausparkasse erworben und die Firma der Aktiengesellschaft in Leonberger Bausparkasse geändert. Mit dieser wurden zunächst die Vaterhaus-Bausparkasse GmbH und die Bausparkasse Germania AG verschmolzen. Schließlich übernahm die neue Leonberger Bausparkasse die Bestände der Bausparkasse Das Heim und der früheren Genossenschaft. Durch diese Transaktionen wurde das Geschäftsvolumen der Leonberger etwa verdreifacht.
Großaktionär der neuen Leonberger Bausparkasse war die Allgemeine Rentenanstalt (ARA) ein Unternehmen der Württembergischen Lebensversicherungs AG in Stuttgart.
Trotz des Zweiten Weltkriegs steigerte die Bausparkasse ihr Neugeschäft von 1939 bis 1943 kontinuierlich, obwohl der private Wohnungsbau fast zum Erliegen kam. 1944 wurde das Niveau des Vorjahres noch fast gehalten. Das Unternehmen erklärte sich diese Entwicklung damit, dass viele Bausparer während des Krieges Kapital ansammeln wollten, um nach Kriegsende sofort mit dem Bau eines Eigenheims beginnen zu können. Nur im Jahr 1945, in dem Deutschland zunehmend zum Kriegsschauplatz wurde, brach das Neugeschäft ein.Leonberger Bausparkasse Aktiengesellschaft 1929-1954, Festschrift zum 25-jährigen Bestehen
1945 bis 1978 Bereits 1946 erreichten die Neuabschlüsse einen neuen Höchststand. Um die Wohnungsnot der Nachkriegszeit schnell zu lindern, bot die Leonberger Wohnsparverträge an. Sie spielten auch bei der Finanzierung der ersten Eigentumswohnungen eine Rolle. In der Nachkriegszeit war das Unternehmen die letzte noch richtig börsennotierte Bausparkasse. Durch die Währungsreform 1948 schrumpfte die Bilanzsumme auf 12 Millionen DM, stieg jedoch bis Ende 1953 wieder auf rund 100 Millionen DM. Bei der Währungsreform waren Bausparguthaben durch das Umstellungsverhältnis 10:1 besser behandelt worden als gewöhnliche Spareinlagen.
1954 feierte die Bausparkasse ihren 25. Geburtstag mit etwa 60.000 Bausparern und einem Vertragsbestand von 665 Millionen DM. Im Innendienst waren mittlerweile mehr als 200 Mitarbeiter, im Außendienst mehr als 300 Mitarbeiter beschäftigt. Den Außendienst unterstützte die Leonberger Bausparkasse durch ständige Eigenheimschauen in größeren Städte, die neben der Werbung neuer Bausparer auch der Beratung der Bestandskunden dienten.
Allein im Jahr 1958 stieg das Neugeschäft um 48,2 % gegenüber einer durchschnittlichen Zunahme aller Bausparkassen von 36,3 %. Der Gesamtvertragsbestand erhöhte sich auf fast 160.000 Verträge mit über 2,5 Mrd. DM Bausparsumme.Der Aktionär muß wissen, in: Die Zeit 29. Mai 1959
1959 wurde die Leonberger zum Depositengeschäft zugelassen. Die Werbung für das Spargeschäft wurde zunächst sehr zurückhaltend betrieben, da die Bausparkasse mit diesem Geschäftszweig den Banken Konkurrenz machte, die ihre größten Fremdgeldlieferanten waren.Leonberger Bausparkasse schafft sich Finanzreserven, in: Die Zeit 10. Juni 1960 Die Buchhaltung wurde auf Lochkarten umgestellt, der Innendienst rationalisiert und modernisiert.
Im Jahr 1961 war die Leonberger Bausparkasse die drittgrößte der 17 privaten Bausparkassen. Sie hatte einen Marktanteil von 10,5 Prozent.Die Baulust ist ungetrübt, in: Die Zeit 8. Juni 1962 Die ständige Steigerung der Baupreise veranlasste die Leonberger im Jahr 1961 zu dem Vorschlag, im Wohnungsbau mehr vorgefertigte Bauteile zu verwenden. Bei Versuchsbauten in Köln seien so 15 bis 20 Prozent der reinen Baukosten eingespart worden.Leonberger verbilligt Wohnungsbau, in: Die Zeit 9. Juni 1961
Ein Rekordergebnis erzielte das Institut 1966. 77.055 Bausparverträge wurden neu abgeschlossen. Die Bilanzsumme stieg auf 1,5 Milliarden DM.Aus Unternehmungen in: Die Zeit 30. Juni 1967 Ein Jahr später kam es durch die rückläufige Konjunktur und die Auswirkungen des Steueränderungsgesetzes 1966 zu einem drastischen Rückgang der Neuabschlüsse.Aus Unternehmungen, in: Die Zeit 23. August 1968
Von 1974 an traten die Württembergische Feuerversicherung AG, die Württembergische Rechtsschutzversicherung AG, die Allgemeine Rentenanstalt (ARA) und die Leonberger Bausparkasse AG, unter einem einheitlichen Gruppennamen auf.Peter Koch: Beiträge zur Geschichte des deutschen Versicherungswesens, in: Versicherungswirtschaft Heft 5/1996, S. 43 Für 1974 berichtete die Leonberger Bausparkasse von einem Neugeschäft mit 119.000 Verträgen. Das haftende Eigenkapital betrug 88,661 Millionen DM. Seit Einführung der Deutschen Mark hatte die Bausparkasse 460.000 Wohnungen mit 12,415 Milliarden DM finanziert. in: Die Zeit 29. August 1975
1979 bis 1998 mini|Bürohochhäuser der Leonberger Bausparkasse um 1980. 1979, also 50 Jahre nach ihrer Gründung, beschäftigte die Leonberger mehr als 2.400 Mitarbeiter und hatte eine Bilanzsumme von etwa 5,3 Milliarden DM.
1984 wurde die Leonberger Immobilien GmbH als Immobilienvermittlungstochter gegründet, 1986 ging die Leonberger als erste Bausparkasse an die Börse.
Im Trend zum Allfinanzkonzern der späten 80er Jahre beteiligte sich die Commerzbank 1988 an der Leonberger Bausparkasse.Von der Wiege bis zur Bahre in: Die Zeit 9. Dezember 1988 Die beiden Großaktionäre Commerzbank und Allgemeine Rentenanstalt hielten jeweils 39,9 Prozent des gezeichneten Kapitals, der Rest entfiel auf etwa 1100 Aktionäre im Streubesitz. Die Leonberger war die viertgrößte private Bausparkasse in der Bundesrepublik.Börse online 38/1990
1991 erlebte die Leonberger Bausparkasse das bis dahin erfolgreichste Neugeschäft ihrer Firmengeschichte mit 173.563 neuen Bausparverträgen, davon 55.571 in den neuen Bundesländern. Das Unternehmen hatte in den neuen Bundesländern einen völlig neuen Außendienst mit dort ansässigen Mitarbeitern aufgebaut. Die Aktionäre profitierten von dem Ergebnis durch die dritte Dividenden-Erhöhung in Folge. in: Die Zeit 4. September 1992
Als Schritt in Richtung auf den europäischen Binnenmarkt eröffnete die Leonberger Bausparkasse 1991 in Luxemburg ihre erste Auslandsniederlassung, die allerdings vier Jahre später wieder geschlossen wurde.
Die Fusion thumb|right|Ruine der gesprengten Bausparkasse Ende 1998 trennte sich die Commerzbank nach zehn Jahren von der Leonberger Bausparkasse. Die Württembergische Versicherungsgruppe (Stuttgart) übernahm ihre Anteile. Damit verfügte die Württembergische über mindestens 80 Prozent der Stimmrechte.Übernahme von Commerzbank-Anteilen der Leonberger in: Manager-Magazin 9. Dezember 1998
1999 wurde die Leonberger Bausparkasse ein Teil des neuen Finanzkonzerns Wüstenrot & Württembergische AG (W & W), der aus der Verschmelzung der ehemaligen Württembergischen Versicherungsgruppe mit der Bausparkasse Wüstenrot entstand. W & W kündigten eine beabsichtigte Fusion der beiden Bausparkassen an. Der Konzern hielt bereits rund 95 % der Leonberger-Anteile. Der Jahresüberschuss 1999 von 23,9 Millionen DM wurde vollständig an die Aktionäre ausgeschüttet, die Dividende stieg von 18 auf 28 %.
Im August 2000 fusionierten zunächst die Immobilientöchter Wüstenrot Immobilien GmbH und Leonberger Immobilien GmbH zur bundesweit tätigen Wüstenrot Leonberger Immobilien GmbH.Immobilientöchter der W&W schließen sich zusammen in: Handelsblatt 23. August 2000
Im letzten Jahr ihres Bestehens behauptete die Leonberger Bausparkasse ihre Marktposition, der Außendienst war im Bauspargeschäft erfolgreicher als im Branchendurchschnitt. Mit rund 110.000 Verträgen über Bausparsummen von 3,3 Milliarden DM stellte das Unternehmen einen neuen Zuteilungsrekord auf. Der Jahresüberschuss stieg auf 42,1 Millionen DM.Pressemitteilung Leonberger Bausparkasse vom 9. April 2001
Im Jahr 2001 fusionierte die Leonberger Bausparkasse AG mit der Bausparkasse Wüstenrot AG. Die Hauptversammlung hatte der Fusion am 17. Juli 2001 zugestimmt. Die Aktien wurden im Verhältnis 1:1 umgetauscht. Die „neue“ Wüstenrot Bausparkasse AG war damit um rund ein Drittel größer als zuvor. Mit über drei Millionen Kunden, 3,5 Millionen Bausparverträgen mit 77 Milliarden Euro Bausparsumme und über 3400 Innendienstmitarbeitern in Ludwigsburg, Leonberg und in den Filialen sowie rund 3100 selbstständigen Außendienstpartnern war das Unternehmen die drittgrößte Bausparkasse in Deutschland hinter Schwäbisch Hall und BHW mit einem Marktanteil von rund 12 %. Innerhalb des Konzerns W & W galt die Bausparkasse als der einzige bedeutende Ertragsbringer.Wüstenrot erwartet nur verhaltenes Wachstum in: Handelsblatt 15. Januar 2003
Die rund 900.000 Kunden der früheren Leonberger Bausparkasse wurden zunächst von einem Leonberger Beratungsservice betreut. Im Jahr 2003 verschwand die Marke Leonberger endgültig, der Schriftzug am Bürohochhaus wurde durch Wüstenrot ersetzt. 360 Mitarbeiter durften noch einige Jahre in Leonberg bleiben, Ende Juni 2008 zogen die letzten Arbeitsplätze nach Ludwigsburg um. Im Frühjahr 2009 wurde dann damit begonnen, den Standort Leonberg komplett aufzulösen. Mehrere Gebäude wurden abgebrochen, weitere sollen folgen. Bei der Sprengung des Hauptgebäudes unterlief allerdings ein Fehler, denn ein großer Teil des oberen Gebäudeteils stürzte nicht ein und blieb als riesige Betonruine auf dem Schuttberg stehen.„Häussler will in Leonberg 80 Millionen investieren“ in: Stuttgarter Nachrichten 2. September 2008
Der „Leonberger Weg“