Beienheim ist ein Stadtteil von Reichelsheim im hessischen Wetteraukreis.
Geographie Beienheim liegt in der Wetterau und ist der westlichste Stadtteil von Reichelsheim.
Geschichte Die älteste erhaltene Erwähnung des Ortes stammt von 773 und steht im Lorscher Codex.Karl Glöckner: Codex Laureshamensis 3. Darmstadt 1929–1936. Nachdruck 1963. CL 2961 = 3744 c. Für Beienheim sind die Tradenten Willerat und Lanther bekannt. Letzterer stiftet dem Kloster auch in Bellersheim. Die Schenkungen wurden teilweise falsch Bingenheim zugeordnet.Jürgen Steen: Königtum und Adel in der frühmittelalterlichen Siedlungs-, Sozial- und Agrargeschichte in der Wetterau. Studien zum Verhältnis von Landnahme und Kontinuität am Beispiel einer Randlandschaft des Merowingerreichs. (= Schriften des Historischen Museums Frankfurt am Main XIV.) Frankfurt am Main, 1979, S. 164 ff.
Der Ortsname wird von A. Bach von dem Bestimmungswort „Biege“ (Flusskrümmung) abgeleitet.Adolf Bach: Die Siedlungsnamen des Taunusgebietes in ihrer Bedeutung für die Siedlungsgeschichte. (= Rheinische Siedlungsgeschichte 1.) Bonn 1927, S. 4. Braun dagegen sieht als Ursprungswort „bige“.Wilhelm Braun: Die Ortsnamen des Kreises Friedberg und ihre Bedeutung. In: FGBll 16. 1949, S. 3–24. Auch hier ist das Ursprungswort auf Bingenheim zu beziehen.
In den historischen Dokumenten ist der Ort unter folgenden Ortsnamen belegt: 9. Jahrhundert: BienheimEdmund Ernst Stengel: Urkundenbuch des Klosters Fulda. 1. Die Zeit der Äbte Sturmi und Baugulf. Marburg 1958. (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck 10,1.) S. 337. 1228: BienheimHeinrich Reimer: Urkundenbuch zur Geschichte der Herren von Hanau und der ehemaligen Provinz Hanau. Leipzig 1891, S. 566. 1232: de Bigenheim,Albert Huyskens: Quellenstudien zur Geschichte der heiligen Elisabeth, Landgräfin von Thüringen. Marburg 1908, S. 225 Nr. 85.
Im Spätmittelalter (1359) ließ sich ein „fryhes Gerichte czu Bienheym“ belegen.Ludwig Baur: Arnsburger Urkundenbuch. Nr. 335.
Das Dorf war ein Reichslehen an die Wais von Fauerbach. Nach Aussterben der Waise im Mannesstamm wurde Jost Rau von Holzhausen 1558 neuer Ortsherr. Er war ein Schwiegersohn des letzten Wais von Fauerbach. Beide Adelsfamilien hatten das Kaiserliche Wassergericht der Wetterau zu Lehen.Heinrich Bott: Das Kaiserliche Wassergericht in der Wetterau. In: Wetterauer Geschichtsblätter 9 (1960), S. 79–86. Ihr Wohnsitz war das Schloss Dorheim. Die Rau von Holzhausen errichteten in der Beienheimer Kirche eine Grablege.
1806 wurde Beienheim durch die Rheinbundakte Art. 25 Rheinbundakte. dem Großherzogtum Hessen zugeschlagen, das es seinem Fürstentum Oberhessen (ab 1816: Provinz Oberhessen) zuordnete. Das Patrimonialgericht Beienheim der Rau von Holzhausen blieb allerdings zunächst erhalten. 1822 gaben sie diese zwar an den Staat ab Die Abtretung der Patrimonial-Jusidiction zu Bayenheim an den Staat betreffend vom 11. November 1822. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 36 vom 6. Dezember 1822, S. 519., jedoch gab es bei der Durchführung der Übergabe Schwierigkeiten Die Ausübung der der Freiherrlichen Familie von Rau zustehenden patrimonialgerichtsherrlichen Gerechtsame zu Beyenheim in der Wetterau betreffend vom 3. Februar 1823. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 4 vom 12. Februar 1823, S. 35., so dass dieser Schritt erst 1831 vollzogen wurde. Zuständig waren nun das Landgericht Friedberg und der Landratsbezirk Friedberg.Bekanntmachung, die Abtretung der patrimonialgerichtsherrlichen Gerechtsamen zu Beyenheim an den Staat betreffend vom 20. Dezember 1831. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 3 vom 11. Januar 1832, S. 17.
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde Beienheim am 1. Februar 1972 als Stadtteil der Stadt Reichelsheim (Wetterau) eingegliedert.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Beienheim 1572 Einwohner. Darunter waren 117 (7,4 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 288 Einwohner unter 18 Jahren, 693 zwischen 18 und 49, 327 zwischen 50 und 64 und 264 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 648 Haushalten. Davon waren 174 Singlehaushalte, 189 Paare ohne Kinder und 225 Paare mit Kindern, sowie 51 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 111 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 459 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung
Historische Religionszugehörigkeit • 1961: 750 evangelische (= 81,61 %), 162 katholische (= 17,63 %) Einwohner
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Gesamtanlage Beienheim An der Wüstengasse, jüdischer Friedhof Bahnhofstraße 14, Bahnhof Berliner Straße 16 Berliner Straße 22 Berliner Straße 30 Berliner Straße 31 Berliner Straße 42: Ehemaliges Wirtshaus Stein, „ein traufständiger Bau mit Krüppelwalmdach“Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Hessen. Wetteraukreis II. Bd. 2: Friedberg-Wöllstadt. 1999, S. 919. Zur Kirche 4, evangelische Pfarrkirche, neu erbaut 1777/78, und Gedenkstätte
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Durch den Ort führt die Landesstraße 3186.
Der öffentliche Personennahverkehr wird durch die Horlofftalbahn und die Buslinien 5155 und 210 sichergestellt. Im Bahnhof Beienheim teilt sich die Horlofftalbahn in die Zweige nach Wölfersheim (Bahnstrecke Friedberg–Mücke) und Nidda (Bahnstrecke Beienheim–Schotten).
Öffentliche Einrichtungen Der Kindergarten Purzelbaum besteht aus zwei Gruppen à 25 Kinder und einer Krabbelgruppe.
Literatur Sandra Fritsch: Eine kleine Geschichte unserer Kirche. 700 Jahre Kirche in Beienheim. 50 Jahre Glockenweihe. Beienheim 2006.
Weblinks
Stadtteil Beienheim. In: Webauftritt der Stadt Reichelsheim (Wetterau).
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Wetteraukreis Kategorie:Geographie (Reichelsheim, Wetterau) Kategorie:Patrimonialgericht (Oberhessen, Provinz Hessen-Darmstadt) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Wetteraukreis) Kategorie:Ersterwähnung 773 Kategorie:Gemeindeauflösung 1972