Ein Wecker ist eine Uhr, die zu einer zuvor einzustellenden Uhrzeit aus dem Schlaf wecken oder an einen bestimmten Termin erinnern soll. Dies geschieht meist durch ein akustisches Signal.
mini|hochkant|Analoger batteriebetriebener Wecker
mini|Digitaler Wecker mit Fallblattanzeige
Geschichte
Frühgeschichte der Wecker
Lange Zeit waren Uhren Luxusgegenstände. Für den überwiegenden Teil der Bevölkerung endete der Schlaf, wenn es hell wurde oder wenn der Hahn krähte. Die wenigen, die vor der Dämmerung aufstehen mussten, wurden vom Nachtwächter geweckt.
Aus der Antike haben sich Beschreibungen von Wasseruhren erhalten, bei denen der Wasserstand in einem Gefäß die Zeit anzeigte. Dabei konnten in das Gefäß Schwimmer eingesetzt werden, die bei einer bestimmten Füllhöhe über einen Hebel Glocken- oder Figurenwerke auslösten.Landels, John: Water-clocks and time measurement in classical antiquity, in: Endeavour Jg. 3, 1979, H. 1, S. 32–37. doi:10.1016/0160-9327(79)90007-3
In den Klöstern des 12. Jahrhunderts sollen Weckuhren mit Glockensignalen an die Einhaltung der Gebetszeiten erinnert haben. Überliefert sind solche „Horologien“ aber nicht.Dohrn-van Rossum, Gerhard: Die Geschichte der Stunde. Uhren und moderne Zeitordnungen, München / Wien 1992, S. 64.
Uhren mit zusätzlicher Weckfunktion gibt es aber ebenso lange wie Räderuhren überhaupt, also seit dem 14. Jahrhundert. In Dantes Meisterwerk, seiner „Göttlichen Komödie“ von 1320, findet sich die erste präzise Beschreibung eines Uhrwerks. Schon dieses Uhrwerk ist mit einem Weckmechanismus ausgestattet.Dante Alighieri: Die Göttliche Komödie. Übersetzt v. Karl Witte, Berlin (1916), S. 326: „gleich dem Uhrwerk, das zur Stunde (…) / Uns ruft, und, wie die Räder zieh’n und treiben, / Tin Tin erklingen läßt, so süßen Tones.“
mini|Gotische Eisenuhr mit Wecker um 1580
Die ältesten erhalten gebliebenen Wecker sind Wanduhren, die den Turmwächtern den Einsatz zum Schlagen der Kirchenglocken gaben. Diese sogenannten Türmeruhren werden gemeinhin ins 15. und 16. Jahrhundert datiert.Dohrn-van Rossum, Gerhard: Die Geschichte der Stunde. Uhren und moderne Zeitordnungen, München / Wien 1992, S. 102.
Renaissance und Barock Mit der Erfindung der Unruh und der Feder als Energiespeicher wurden die Uhren mobil – auch die mit Weckfunktion.Wie das folgende: Graf, Johannes: Der Wecker – von Anfang an dabei, in: Rasselbande. Kleine Kulturgeschichte des Weckers, hrsg. von Claire Hölig, Furtwangen 2017, S. 13. Sie waren als Luxusaccessoires für reiche Bürger und Adelige beliebt. Auf der Fahrt waren sie allerdings noch nicht zu gebrauchen, sondern nur in den Nachtquartieren oder am Ankunftsort.
Für die Reise mit der Kutsche oder dem Pferd benutzte man vom 17. bis zum 19. Jahrhundert übergroße Taschenuhren mit Wecker. Sie benennen bereits in ihrem Namen „Kutschenuhren“ oder „Satteluhren“ den Verwendungszweck. Diese Kutschenuhren hielten trotz der Stöße und dem Schaukeln auf den holprigen Straßen die Zeit einigermaßen korrekt ein. mini|Offizierswecker, Wien um 1820 An der Wende zur Neuzeit gab es mit den „Offiziersweckern“ erste Uhren, die vor allem zum Wecken dienten.Vgl. dazu: Charles Allix: Carriage Clocks. Their History & Development, Woodbridge 1974. Der Name „Offizierswecker“ rührt angeblich daher, dass Offiziere, die außerhalb der Kasernen schliefen, zuverlässige Weckuhren brauchten, damit sie pünktlich zum Morgenappell erscheinen konnten. In wohlhabenden Kreisen schätzte man diese tragbaren Tischuhren als Reisebegleiter. Sie wurden deshalb auch „Pendule de Voyage“ genannt.
Industrialisierung und Wecker In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mussten Arbeiter und Angestellte pünktlich zur Arbeit erscheinen. Robuste Holzuhren aus den Werkstätten und kleineren Fabriken des Schwarzwaldes waren lange Zeit die günstigste Möglichkeit, sich zuverlässig wecken zu lassen.Kahlert, Helmut: Als die Uhren zu den Menschen kamen. Die Entwicklung der Uhr zum Alltagsgut (1993), abgedruckt in: Ders.: „Dem Uhrenfreund zuliebe.“ Verstreute Beiträge zur Geschichte der Uhr. Hrsg. v. Johannes Graf, Furtwangen 2012, S. 164–179, hier S. 174. Etwas teurer waren industriell hergestellte Tischuhren mit Weckfunktion nach dem amerikanischen Vorbild der „Cottage-Clocks“. Diese ersten massenindustriell gefertigten Uhren hatten häufig einen Wecker.
Noch kompakter war ab den 1860/70er Jahren der zunächst in Frankreich produzierte „Pariser Wecker“. Anders als sein amerikanisches Pendant hatte er noch ein Uhrwerk mit massiven Platinen und Zahnrädern. Dieser Massivwecker mit Kurzpendel richtete sich eher an kleinbürgerliche Haushalte.Graf, Johannes: Das französische Jahrhundert, in: Rasselbande. Kleine Kulturgeschichte des Weckers, hrsg. von Claire Hölig, Furtwangen 2017, S. 25.
Der wohl bekannteste Wecker aus dem 19. Jahrhundert ist der Babywecker. Er besteht aus einem runden Metallgehäuse auf kleinen Füßchen mit einer sichtbaren Glocke.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde der Wecker dem Zeitgeschmack angepasst. Die aufgesetzte Glocke verschwand, als Klangkörper diente nun einfach die Rückwand des Wecker-Gehäuses. Kräftige Farben verliehen den Weckern ein freundliches Aussehen. Es entstanden zahllose Formen, damit jeder „seinen“ Wecker finden konnte. Auch Alarm und Werk wurden verbessert: Es gab Wecker mit Repetition, mit Schwellton oder mit einem leise gehenden Werk. Dank Eisenbahn und Automobil ging der Wecker nun öfters auf Reisen. Hierfür konnte man sich spezielle Etuiwecker kaufen. Ein Armbandwecker (Armband-Weckeruhr) wurde 1908 von der Firma Eterna zum Patent angemeldet.B. Humbert: Die Armband-Weckeruhr. In: Schweizer Uhren und Schmuck Journal. 1958, S. 385–397 (in Fortsetzungen). Bekannte Armbanduhr-Modelle mit Wecker wurden 1950 Memovox von Jaeger-LeCoultre und 1955 Duofon von Pierce.Helmut Kahlert, Richard Mühe, Gisbert L. Brunner, Christian Pfeiffer-Belli: Armbanduhren: 100 Jahre Entwicklungsgeschichte. Callwey, München 1983; 5. Auflage ebenda 1996, ISBN 3-7667-1241-1, S. 506. Auch wenn sich die Gehäuse dem Zeitgeschmack der Gesellschaft anpassten, die Technik blieb lange Zeit dieselbe. Erst mit der Elektronik änderte sich die Konstruktion der Weckerwerke. Quarzrevolution und Funkuhrtechnik sorgten dafür, dass es bald hochpräzise Wecker für wenig Geld zu kaufen gab.Hölig, Claire: Nur für mich, in: Rasselbande – Kleine Kulturgeschichte des Weckers, hrsg. von Claire Hölig, Furtwangen 2017, S. 42–47.
Seit Ende des 20. Jahrhunderts wird der Wecker vielfach von Handy oder auch Smartphone mit integrierten Wecksystemen verdrängt. Dieser Trend zeigt, dass der Wecker oftmals nur noch eine Zusatzfunktion bei gängigen Haushaltsgegenständen ist. Und auch die Wecker besitzen zahlreiche Extras. Die Weckfunktion rückt wieder deutlich in den Hintergrund.
Weckertypen
Babywecker
Die Industrialisierung im 19. Jahrhundert veränderte das gesellschaftliche Leben. Die neue Arbeitsweise in den Fabriken zwang die Menschen, sich einer zeitlichen Disziplinierung zu unterwerfen.Über den Zusammenhang von Industrialisierung und der Entstehung bzw. Verbreitung der Wecker vgl.: Kahlert, Helmut: Zeitplanung und Zeitnutzung, in: Richard Mühe, Helmut Kahlert, Beatrice Techen: Wecker, München 1991, S. 17–19. Die Schichtarbeit brachte einen wechselnden Arbeitsbeginn mit sich, so dass es in einem Haushalt keine einheitlichen Zeiten für Wecken und Aufstehen mehr gab. Gleichzeitig war Pünktlichkeit wichtig.
mini|Wecker „Globe“, Ansonia Clock Company, New York, um 1880.
Daher wurden zuverlässige Aufstehhilfen benötigt. Als erste erkannten dies die Uhrenfabriken in den USA. Dort stellte man schon seit längerem preisgünstige Uhren in Fabriken mit Hilfe von Maschinen in großen Mengen her. Sie bekamen ein dosenförmiges, rundes Gehäuse aus Blech, dazu ein Uhrwerk mit einer Unruh, das in jeder Lage funktionierte. Diesen Wecker konnte man sowohl hinstellen als auch dank eines Tragrings auf der Glocke an die Wand hängen.
Das erste Modell auf dem Markt war das Modell „Globe“; dessen Gehäuse glich einer einfachen, sehr kurzen, vorne und hinten gleich dicken, liegenden Dose.
mini|hochkant|Babywecker, Badische Uhrenfabrik, Furtwangen, um 1925
Doch es wurde bald vom „Baby“ abgelöst, dessen runder Metallkörper sich nach hinten ausweitete, soll heißen: Das Gehäuse glich einer sehr kurzen, liegenden Dose, deren hinterer Rand aber verbreitert war (was von vorne, und noch besser von schräg-vorne, zu sehen war). Diese Verbreiterung hatte mehrere Vorteile: Während beim „Globe“ das Gehäuse noch gebogen und verlötet werden musste, konnte man beim „Baby“ das Gehäuse mittels Pressen formen. Der hintere Rand diente gleichzeitig als hinterer Stand-Fuß, was auch einen besseren Stand bot.Hölig, Claire: Einer für alle – ein Wecker für jedermann, in: Rasselbande –Kleine Kulturgeschichte des Weckers, hrsg. von Claire Hölig, Furtwangen 2017, S. 31 ff.
Der „Baby“-Wecker hat das Aussehen vieler folgender Wecker stark geprägt.Über den Zusammenhang von Industrialisierung und der Entstehung bzw. Verbreitung der Wecker vgl.: Kahlert, Helmut: Zeitplanung und Zeitnutzung, in: Richard Mühe, Helmut Kahlert, Beatrice Techen: Wecker, München 1991, S. 17–19.
1871 fuhr der junge Schwarzwälder Arthur Junghans in die USA, um sich dort über den Stand der amerikanischen Uhrenproduktion zu informieren. Zurück im Schwarzwald, setzte er das erworbene Wissen in seiner Fabrik in Schramberg um.Lixfeld, Gisela: Die Imitation des Vorbilds. Schwarzwälder produzieren Amerikaneruhren, in: Amerikaneruhren weltweit. Hrsg. v. Gisela Lixfeld, Schramberg 2012, S. 19–41. Arthur Junghans führte 1881 den Uhrentyp in Deutschland ein und revolutionierte damit die deutsche Uhrenproduktion.Krämer, Reinhold: Der Wecker. Massenproduktion eines notwendigen Zeitmessers, in: Störenfried, Leisetick & Co. Weckuhren im Lauf der Zeit. Hrsg. v. Gisela Lixfeld, Schramberg 2013, S. 19–32. Junghans übernahm nicht nur die Form, sondern auch die englischen Namen der Modelle. Das Unternehmen entwickelte für seine Wecker ein robustes Werk, das günstig in großen Mengen hergestellt werden konnte. Das W10 genannte Werk setzte Maßstäbe und wurde von vielen anderen Uhrenfabriken kopiert. Junghans selbst produzierte über ein halbes Jahrhundert hinweg viele Millionen W10-Werke für die unterschiedlichsten Weckergehäuse.
Stilwecker
thumbtime=70|mini|Dieser Wecker enthält eine Spieluhr. (1960er Jahre)
mini|Wecker in Form einer Blume, Villingen 1960er Jahre
Der Verkaufskatalog der Garantiegemeinschaft Deutscher Uhrmacher von 1913 zeigt die Erweiterung des Weckerangebots an Nippes- und Kleinwerkweckern.Verkaufskatalog der Garantiegemeinschaft Deutscher Uhrmacher e. V., Leipzig 1913, Nachdruck in: Uhren 1913, Furtwanger Beiträge zur Uhrengeschichte, Bd. 1, Furtwangen 1980. Zwar blieben die amerikanischen Impulse weiterhin im Mittelpunkt der Produktion von Weckerwerken, es begann dennoch eine Diversifizierung an Gehäuseform, Farbe oder Zifferblattgestaltung. In der Industriegesellschaft des Deutschen Kaiserreiches spielte die zeitliche Koordinierung eine immer wichtigere Rolle. Gleichzeitig war die Uhrenindustrie bestrebt, die neue Alltagsuhr zu perfektionieren und sie dem Zeitgeschmack anzupassen. Der Designaspekt spielte gerade bei Weckern eine immer wichtigere Rolle für den Absatz.Mühe, Richard / Kahlert, Helmut / Techen, Beatrice: Wecker, Furtwangen/München 1991, S. 134.