mini|La Matrone d’Ephèse Die Witwe von Ephesus ist eine antike Erzählung, deren Stoff in der Weltliteratur oft aufgegriffen wurde. Aus dem Altertum überliefert sind die Fassungen des Petronius, der diese Geschichte in den Roman Satyricon (Kapitel 111, 112http://www.thelatinlibrary.com/petronius1.html Petronius, Satyricon) eingearbeitet hat, sowie diejenige in der Appendix Perottina zu den Fabeln des Phaedrus.http://www.thelatinlibrary.com/phaedrapp.html Fabel XV in der Appendix Perottina
Inhalt Eumolpos erzählt die Novelle von der Witwe aus Ephesus: Eine Frau in Ephesus ist wegen ihrer Keuschheit so berühmt, dass Frauen aus anderen Städten zu ihr reisten, um sie zu sehen. Als ihr Mann stirbt, will sie nicht nur nach der gewöhnlichen Art um ihn trauern, sondern folgt dem Verstorbenen bis in seine Gruft. Dort will sie sich zusammen mit einer treuen Dienerin zu Tode hungern. In der Nähe sind mehrere Räuber gekreuzigt worden, die von einem Soldaten bewacht werden, damit die Leichen nicht beerdigt werden können. Als er das Wimmern der Trauernden vom nahen Grabmal hört, geht er dorthin. Er überredet erst ihre Dienerin und mit ihrer Hilfe schließlich die Witwe selbst ihre Enthaltsamkeit aufzugeben und zu essen. Anschließend überzeugt er die Witwe, auch ihr keusches Verhalten zu beenden, und hat an den folgenden drei Tagen Sex mit ihr im Grab ihres verstorbenen Gatten. Tagsüber kauft der Soldat das beste Essen und bringt es ihr. Als die Familie eines Gekreuzigten sieht, dass keine Wache dort ist, nehmen sie ihn vom Kreuz ab und beerdigen ihn. Der Soldat will daraufhin Suizid begehen, um die Todesstrafe vorwegzunehmen. Er bittet die Witwe, seinen Leichnam nach seinem Selbstmord im Grab ihres Ehemannes zur Ruhe zu legen. Die Witwe entgegnet, es sei gegen den göttlichen Willen, beide Geliebten sterben zu lassen. Deshalb lässt sie ihren Mann ans leere Kreuz hängen.
Rezeption des Stoffs La Fontaine, Jean: Die Matrone von Ephesus, eine Verserzählung (1682) Christian Felix Weiße: Die Matrone von Ephesus. Ein Lustspiel in einem Akte (1748) Christian Fürchtegott Gellert: Die Wittwe. Ein Mährchen (1769)Digitalisat Anonym: Die Wittwe. Nach Gellert. Ein Lustspiel in einem Aufzug (1773)Digitalisat Gotthold Ephraim Lessing: Die Matrone von Ephesus (1790), Dramatisierung, Einakterfragment. Knud Lyne Rahbek: Die Matrone von Ephesus. Lustspiel in einem Aufzuge (1790)Digitalisat August Klingemann: Die Matrone von Ephesus. Lustspiel in Einem Acte (1817)Digitalisat Holbein: Die Wittwe und der Wittwer, oder Treue – bis – in den Tod. Lustspiel in einem Act. Frei nach Gellert (1822) [Parodie]In: Almanach Dramatischer Spiele zur geselligen Unterhaltung auf dem Lande. Angefangen von Aug. von Kotzebue, fortgesetzt von Mehrern. Zwanzigster Jahrgang. Leipzig: Kummer 1822, S. 256–298 (Digitalisat) Karl Amadeus Hartmann: Die Witwe von Ephesus, Oper komponiert 1929/30 (letzter Teil des Wachsfigurenkabinett betitelten Zyklus von fünf kleinen Opern). d’Albert, Eugen: Die Witwe von Ephesus, Oper komponiert um 1930, nicht aufgeführt. Fry, Christopher: Ein Phönix zuviel (A Phoenix too frequent), Dramatisierung (1947) Hermann Reutter: Die Witwe von Ephesus, Oper komponiert 1954, Neufassung 1966.
Literatur Elisabeth Frenzel: Stoffe der Weltliteratur. Ein Lexikon dichtungsgeschichtlicher Längsschnitte (= Kröners Taschenausgabe. Band 300). 8., überarbeitete und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 1992, ISBN 3-520-30008-7, S. 834–837. Gerlinde Huber: Das Motiv der 'Witwe von Ephesus' in lateinischen Texten der Antike und des Mittelalters (= Mannheimer Beiträge zur Sprach- und Literaturwissenschaft. 18). Narr, Tübingen 1990, ISBN 3-87808-847-7.
Einzelnachweise
Kategorie:Frauen in der Literatur Kategorie:Literatur der Antike Kategorie:Tod in der Kunst