mini|Deutsche Minderheit in Oberschlesien (Volkszählung 2002) mini|Deutsche Minderheit in Oberschlesien (Volkszählung 2021) mini|Deutsche Minderheit in Masuren (Volkszählung 2002) mini|Deutsche Minderheit in Masuren (Volkszählung 2021) mini|Gemeinden in Oberschlesien mit mehr als 20 Prozent deutscher Bevölkerung 2002 mini|Gemeinden in Oberschlesien mit mehr als 20 Prozent deutscher Bevölkerung 2011 (Stand Februar 2013) mini|Gemeinden in Oberschlesien mit mehr als 20 Prozent deutscher Bevölkerung 2021
Die deutsche Minderheit in Polen ist eine seit 1991 anerkannte nationale Minderheit in Polen, deren Rechte durch die polnische Verfassung garantiert sind., Veröffentlichung der Deutschen Vertretung in Polen; abgerufen am 14. Januar 2016 Das Siedlungsgebiet dieser Deutschen liegt überwiegend in Oberschlesien zwischen den Städten Opole (deutsch Oppeln, schlesisch Uppeln) und Katowice (deutsch Kattowitz, schlonsakisch Katowicy). Dort stellen sie in mehreren Gemeinden 20 bis 50 Prozent der Bevölkerung, das Zentrum mit den meisten Angehörigen der Minderheit liegt in der Woiwodschaft Opole. Die deutsche Sprache ist dort und in der Woiwodschaft Schlesien verbreitet, allerdings ist nirgendwo in Polen Deutsch eine Sprache der Alltagskommunikation.Tomasz Kamusella: A Language That Forgot Itself. In: Journal on Ethnopolitics and Minority Issues in Europe. Vol. 13, No 4, 2014, S. 129–138 (A Language that Forgot Itself). Die überwiegende Haus- oder Familiensprache (Umgangssprache) der deutschen Minderheit in Oberschlesien ist Schlesisch (polnischer Dialekt)Niemcy w województwie opolskim w 2010 roku. Pytania i odpowiedzi. Badania socjologiczne członków Towarzystwa Społeczno-Kulturalnego Niemców na Śląsku Opolskim. Projekt zrealizowano na zlecenie Uniwersytetu Osaka w Japonii [Germans in Opole Province in 2010: Questions and Answers: The Sociological Poll Research on the Members of the Social-Cultural Society of Germans in Opole Silesia: The Project Was Carried Out on Behalf of Osaka University, Japan.] Dom Współpracy Polsko-Niemieckiej, Opole/Gliwice 2011. oder Schlesisch (deutscher Dialekt).
Die deutsche Minderheit tritt mit einem Wahlkomitee bei Wahlen an und ist in der Politik und in den Verwaltungen vertreten. In den Gemeinden mit mindestens 20 Prozent deutscher Bevölkerung ist Deutsch zweite Amtssprache und die Ortsnamen werden in Polnisch und Deutsch angegeben.
Die ersten genauen Zahlen zur deutschen Minderheit in Polen lieferten die Volkszählungen von 2002 und 2011, bei denen die Bevölkerung persönlich befragt wurde. 2011 betrug die Zahl der Personen, die ausschließlich eine deutsche Nationalität angaben, rund 45.000 (was allerdings bisher auf einer Hochrechnung beruht). 103.000 Personen gaben neben der deutschen eine weitere Nationalität oder Ethnie an, in der Mehrzahl eine polnische.Polnisches Statistikamt: Polnisches Statistikamt: Die Gesamtzahl von 148.000 Personen kommt dem Ergebnis der Volkszählung 2002 nahe, bei der 152.897 Personen mit deutscher Nationalität verzeichnet wurden. Damals konnte jedoch nur eine Nationalität oder Ethnie angegeben werden. Ferner besaßen 5200 Personen in Polen ausschließlich die deutsche Staatsangehörigkeit und 239.300 Personen die deutsche und die polnische Staatsangehörigkeit.
Zum Zeitpunkt der Volkszählung 2002 hatten die beiden größten Organisationen der deutschen Minderheit, die SKGD in Oppeln und die SKGD in Kattowitz, zusammen etwa 239.000 Mitglieder; im Jahr 2008 waren es nur noch etwa 182.000 Mitglieder. (PDF; 3,0 MB).
Laut der Deutschen Botschaft Warschau gehörten der deutschen Minderheit im Jahr 2015 laut eigener Schätzung zwischen 300.000 und 350.000 Personen an.
Die Zahl der Deutschen betrug 2021 laut der polnischen Volkszählung 144.177 Personen, darunter 23.495 Personen, die „deutsch“ als einzige Identität angegeben hatten.https://stat.gov.pl/spisy-powszechne/nsp-2021/nsp-2021-wyniki-ostateczne/tablice-z-ostatecznymi-danymi-w-zakresie-przynaleznosci-narodowo-etnicznej-jezyka-uzywanego-w-domu-oraz-przynaleznosci-do-wyznania-religijnego,10,1.html
Geschichte mini|Phasen der deutschen Ostsiedlung nach dem Ostforscher Walter Kuhn
Bis zur 1. Teilung Polens (1772)
Nach der Völkerwanderung wurden die historischen Regionen Schlesien, Ostbrandenburg und Pommern durch slawische Stämme besiedelt. Im Hochmittelalter begann in diesen Regionen die Deutsche Ostsiedlung; die autochthone slawische bzw. im Falle Ostpreußens baltische Bevölkerung (Prußen) wurde im Laufe von einigen Jahrhunderten sprachlich wie meist auch gesamtkulturell assimiliert, in Teilen auch völlig verdrängt. Familien- und Ortsnamen, die auf -ski, -itz, -lau, -ow und teilweise auch auf -a enden, zeugen bis heute von einem slawischen Ursprung. In Masuren und Oberschlesien konnte sich eine Mischkultur mit der masurischen und (deutsch-slawisch)-schlesischen Sprache und den lokalen Bräuchen als integrativen Merkmalen etablieren.
Im 17., 18. und 19. Jahrhundert ließen sich zahlreiche lutherische Deutsche in Hauländer-Dörfern entlang der Weichsel und deren Nebenflüssen nieder.
Geteiltes Polen (1772 bis 1918) In den Jahren 1772, 1793 und 1795 wurde der Doppelstaat Polen-Litauen zwischen den angrenzenden Mächten Russland, Österreich und Preußen aufgeteilt.
Im russischen Teil gab es in den Regionen Kurland, Litauen und Wolhynien bedeutende deutschsprachige Bevölkerungsanteile.
Im österreichischen Teil (Galizien) nahm der Anteil der Galiziendeutschen und Juden während dieser Zeit zu. Als traditioneller Vielvölkerstaat ging das damalige Österreich sehr tolerant mit den unterschiedlichen Ethnien und Religionen um, was den überproportionalen deutschsprachigen Einfluss in Militär, Verwaltung und Bildungswesen relativierte. Durch die preußische Expansion kam es immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den beiden deutschen Mächten Österreich und Preußen auch rund um Schlesien.
Im 19. Jahrhundert, nach den Teilungen Polens, beteiligten sich die Deutschen am Ausbau der Tuchherstellung in Großpolen.
Ab 1880 betrieb das Deutsche Reich im geteilten Polen eine verschärfte Germanisierungspolitik. Durch die Schaffung der „Preußischen Ansiedlungskommission“ sollten laut Bismarck deutsche Neuansiedler einen „lebendigen Wall gegen die slawische Flut“ bilden.Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte, 3. Band 1849–1914. Bd. Von der „Deutschen Doppelrevolution …“ bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges. ISBN 978-3-406-32263-1, S. 964. Im Zuge der Abwanderung größerer Bevölkerungsteile aus den wirtschaftsschwachen östlichen Landesteilen Preußens (als Ostflucht bezeichnet) siedelten sich Deutsche in der Provinz Posen an.
Über 3000 Orte im heute zur Ukraine gehörenden früheren Teil Polens hatten auch deutsche Einwohner. Insbesondere viele Deutsche blieben nach dem Ersten Weltkrieg in Wolhynien.
Zweite Polnische Republik (1918 bis 1939) mini|250px|Die Präsenz der Deutschen im Jahr 1910 auf der Karte Mitteleuropas von 1925 mini|Kundgebung in Berlin gegen die Verletzung der Rechte der deutschen Minderheit in Oberschlesien (November 1930) Nach Gründung der Zweiten Polnischen Republik 1918 wurde eine große Anzahl Deutscher gezwungen, das Land zu verlassen; dies betraf vor allem Deutsche im Abtretungsgebiet des polnischen Korridors, also in der Woiwodschaft Pommerellen (was bis 1938 alle polnisch gewordenen Teile des einstigen Westpreußens umfasste) und fast die ganze ehemalige Provinz Posen (ab 1919 die Woiwodschaft Posen).
Vor dem Zweiten Weltkrieg lebte der Großteil der Deutschen in Polen im Polnischen Korridor, in der Gegend um Posen und im 1922 an Polen abgetretenen Ostoberschlesien als Autonome Woiwodschaft Schlesien, ferner in der Region um Łódź (Lodsch) und in Wolhynien. In Wolhynien siedelten bis 1915 etwa 250.000 Deutsche.
Politisch organisierten sich die Deutschen in Polen in einer Vielzahl von Parteien, die sowohl auf nationaler Ebene im Sejm und Senat als auch in der Autonomen Woiwodschaft Schlesien im Schlesischen Parlament vertreten waren.
In der Polnischen Verfassunggebenden Nationalversammlung (1919–1922) waren Deutsche mit der Deutschen Volkspartei, der DP-Verein und der Z.A.G. und insgesamt acht Abgeordneten vertreten.
Im Sejm ab 1922 waren es vor allem der Deutschtumsbund zur Wahrung der Minderheitenrechte (bzw. nach deren Verbot die Deutsche Vereinigung im Sejm und Senat für Posen, Netzegau und Pommerellen), die Katholische Volkspartei, die Deutsche Sozialistische Arbeitspartei Polens (DSAP) und die Deutsche Partei, die die Stimmen der deutschen Minderheit auf sich vereinigen konnten. Für Mittelpolen war der Deutsche Volksverband in Polen im Sejm und Senat vertreten.
Im Jahr 1931 lebten in Polen etwa 741.000 Deutsche, die jedoch in keinem Bezirk und keiner Stadt die Mehrheit stellten. Die meisten Deutschen lebten – als Minderheiten – noch in den Gebieten, die vor 1914 zum deutschen Staat gehörten (in den Regionen Posen und Pommern, ausgenommen Ostoberschlesien, lebten etwa 370.000 Deutsche, die jedoch nirgendwo die Mehrheit bildeten), als Minderheiten lebten sie aber auch in den Gebieten, die zu Russland gehörten (Łódź, Warschau und Umgebung, Wolhynien und andere) und Österreich-Ungarn (Bielitz, Krakau, Lemberg).https://www.bundestag.de/resource/blob/411708/72a5544c10ee7ae5f13d3aee9badbb80/WD-1-093-09-pdf-data.pdf
Die stärkste politische Vereinigung der deutschen Minderheit in der 4. und 5. Wahlperiode des Sejm (1935 bis 1939) war die 1931 gegründete Jungdeutsche Partei in Polen, die Mitte der 1930er Jahre etwa 50.000 Mitglieder zählte. Die anderen Parteien (bis auf die DSAP, die mit der polnischen PSP (erfolglos) eine gemeinsame Liste aufstellte) wurden im Rat der Deutschen in Polen (RDP) zusammengeschlossen.
Mit Hilfe von einigen Volksdeutschen erstellte ab Mai 1939 das Amt II des Sicherheitsdienstes des Reichsführers SS (SD) das Sonderfahndungsbuch Polen mit etwa 61.000 Namen von Polen. Die im Buch angeführten Personen sollten nach der Besetzung Polens entweder verhaftet oder erschossen werden.Wacław Długoborski: Zweiter Weltkrieg und sozialer Wandel, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1981, S. 309.
Zweiter Weltkrieg (1939 bis 1945) Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges kam es in Bromberg zu Pogromen gegen „Volksdeutsche“, bei denen vom 3. bis 8. September 1939 über 400 Angehörige der deutschen Minderheit getötet wurden. Der Bromberger Blutsonntag spielte in der NS-Propaganda eine wichtige Rolle, unter anderem wurde die Opferzahl bewusst vervielfacht. Lange waren die Ursachen und Opferzahlen zwischen Deutschen und Polen heftig umstritten. Mittlerweile gibt es differenziertere Untersuchungen.Zweiter Weltkrieg: Was beim Bromberger Blutsonntag geschah, die Welt, 18. April 2012, abgerufen am 15. September 2014.
Nach dem Überfall auf Polen entstand 1939 der Volksdeutsche Selbstschutz, eine paramilitärische Organisation, die ihre Mitglieder hauptsächlich aus Angehörigen der deutschen Minderheit rekrutierte und an zahlreichen Massenmorden an der polnischen und jüdischen Bevölkerung beteiligt war.„Selbstschutz“ im Internetportal Deutsche & Polen des Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb). Von den etwa 740.000 Angehörigen der deutschen Minderheit im Vorkriegspolen wurden Männer im wehrfähigen Alter als Soldaten rekrutiert, darüber hinaus gehörten etwa 80.000 bis 100.000 dem Volksdeutschen Selbstschutz an. im Internetportal des Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordosteuropa e. V. (IKGN) an der Universität Hamburg.