mini|0,5-l-Bierdosen aus Weißblech (FE) mit Stay-On-Tab-Verschluss und P-Pfandsymbol (inzwischen veraltet), Deutschland, 2004 Getränkedosen stellen neben Flaschen, Schlauchverpackungen und Getränkekartons eine wichtige Handelsverpackung für Getränke dar. Als Einwegprodukt ist die Getränkedose eine spezielle Form der Konservendose, die zugleich als Trinkgefäß dienen kann. Sie werden vor allem für kohlensäurehaltige Getränke wie Dosenbier und Softdrinks (insbesondere Cola, andere Limonaden und Energydrinks) verwendet.
Moderne Getränkedosen bestehen aus einem einteiligen, zylindrischen Behälter aus Aluminium oder Weißblech und einem aufgefalzten Deckel aus Aluminium mit einer ovalen Ritzlinie und einer angenieteten Metalllasche, die als „eingebauter Dosenöffner“ beim Anheben das angeritzte Oval durch Hebelwirkung ins Doseninnere drückt und so eine Ausgieß- bzw. Trinköffnung erzeugt (Stay-On-Tab). Die in Europa meistverbreiteten Dosengrößen sind 0,33 und 0,5 Liter; seltener ist auch ein ganzer Liter.
Getränkedosen müssen eine Innendruckfestigkeit von 6,2 bar aufweisen.MEBAK, Brautechnische Analysenmethoden, Gebinde und Ausstattungsmittel, Band V, Kap. 3.1, S. 1. Sie verfügen durch den nach innen gewölbten Boden über eine Sicherheitsreserve; bevor die Dose platzt, wölbt sich der Boden nach außen und vergrößert so das Volumen, wodurch der Druck vermindert wird.
Seit 2003 gibt es in Deutschland ein Pfand für Einweg-Getränkeverpackungen, das sogenannte Einwegpfand. Es gilt für Verpackungen mit einem Fassungsvermögen von 0,1 bis drei Liter und beträgt 25 Cent. Der Einführung zugrunde liegen Ökobilanzen des Umweltbundesamts aus den Jahren 1995, 2000 und 2002, auf deren Basis die Getränkedose und Einwegflaschen im Vergleich zu Mehrwegsystemen vom Umweltbundesamt als ökologisch nachteilige Verpackung eingestuft wurden., 9. August 2000.
In Österreich wird ab 1. Januar 2025 Einwegpfand auf Getränkedosen und Getränkeflaschen aus Kunststoff eingeführt.Anm. Beschränkte Zeit und in eher geringem Umfang gab es in Österreich in der Vergangenheit (um 2010?) dickwandigere Mehrweg-PET-Flaschen mit 1 Liter Volumen für kohlensäurehaltige Getränke, etwa von Coca-Cola. Für Getränkedosen gab es noch nie Pfand. Äußerst selten werden Getränke in kleine Aluflaschen mit Kronenkork oder Schraubverschluss abgefüllt. Nur Dreh und Trink füllt 200 ml Limonade drucklos in PE-Flaschen ab. Regional unterschiedlich gibt es mitunter im öffentlichen Raum und/oder in größeren Wohngebäuden Abfallcontainer mit blauem Deckel für Metallverpackungen.
Eigenschaften Die breite Anwendung der Getränkedose als Nummer drei unter den Verpackungsvarianten für Getränke liegt vor allem darin begründet, dass der Verbraucher eine unzerbrechliche Getränkeverpackung mit geringem Eigengewicht nutzen kann. Für die Hersteller von Getränken ist zusätzlich zu diesen Vorteilen auch noch die Barrierewirkung dieses Packmittels maßgeblich, da die Neutralität gegenüber Aromen und die Lichtschutzwirkung einen guten Schutz für empfindliche Produkte bieten. Die Pasteurisierbarkeit der Dose ermöglicht es zudem, eine lange Haltbarkeit der Getränke in dieser Verpackung auch für den Export zu erreichen. Demgegenüber stehen die Nachteile der Verpackung, insbesondere ihre meist nicht realisierte Wiederverschließbarkeit. Die hygienische Sauberkeit beim unmittelbaren Trinken aus der Dose oder auch beim Ausgießen ist nicht gegeben, weil je nach Lagerung und Transport anhaftender Schmutz auf der Außenoberfläche berührt oder überflossen wird.Susanne Blüml, Sven Fischer, Handbuch der Fülltechnik, Behrs Verlag Hamburg, 2004, S. 108–113.
Herstellungsprozess Die Herstellung beginnt mit dem Benetzen eines Weißblech- oder Aluminiumbandes mit einem Abstreckmittel (Schmiermittel) und dem Ausschneiden passender Scheiben, aus denen der Korpus gezogen wird.
Zuerst entsteht ein flacher Napf, der in der Abstreckmaschine über einem Stößel durch mehrere, zunehmend engere Abziehringe geschoben wird – dabei verformt sich der Napf zu einer immer längeren und dünnwandigeren Dose. Am Ende der Abstreckmaschine wird durch einen Stempel der Boden geformt. Anschließend wird der Rohling beschnitten und gewaschen, um das Abstreckmittel zu entfernen. Danach wird die Dose zuerst von außen lackiert und schließlich in einem Arbeitsgang über ein Gummituch bedruckt. Das Gummituch enthält bereits das gesamte Motiv in sämtlichen Farben, diese wurden in vorhergehenden Arbeitsgängen im Hochdruckverfahren auf das Tuch übertragen. Nach dem Trocknen erfolgt die Innenlackierung mit einer Spritzpistole und nochmaliges Trocknen.
Die Innenlackierung dient als Korrosionsschutz und somit zur Vermeidung von Geschmacksveränderungen des Inhalts. Aus der Innenbeschichtung eines Großteils der Dosen löst sich das potentiell gesundheitsschädigende Bisphenol A (BPA), das in der Folge auf den Inhalt übergeht und diesen kontaminieren kann.
Studien zeigen, dass in realen Getränken, die bis zum Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums in Dosen aufbewahrt wurden (z. B. Energy-Drinks, Cola), BPA-Konzentrationen unterhalb der Nachweisgrenze lagen. Selbst in Dosen mit BPA-haltiger Beschichtung war kein übertragbares BPA messbar.
Für die Aufnahme des im Durchmesser kleineren Deckels wird der Dosenrand in mehreren Arbeitsschritten mittels Formwerkzeugen eingezogen, so dass sich die Dose im oberen Bereich etwas verjüngt. Um eine sichere Verbindung mit dem Deckel zu gewährleisten, muss der Dosenrand noch gebördelt, also nach außen gebogen werden.
Nach einer separaten Lackierung des Bodens und eventuell einer zweiten Innenlackierung sind die Getränkedosen fertig für den Abfüllbetrieb, wo den gefüllten Dosen der Deckel aufgefalzt wird. Dabei wird der gebördelte Rand der Dose einmal, der des Deckels zweimal umgelegt, so dass die Verbindung aus fünf sich formschlüssig umfassenden Metallschichten besteht.
Die Herstellung einer Dose kostet im Mittel acht Cent. Dosen aus Weißblech und Dosen aus Aluminium sind etwa gleich teuer.
Partyfass Daneben gibt es für Bier pfandfreie Fünf-Liter-Dosen (Keg) mit Zapfhahn, die als Partyfässer vermarktet werden. Partyfässer gibt es auch mit integriertem Karbonator mit verflüssigt vorliegendem Kohlenstoffdioxid, so dass sich das Bier nach Anzapfen noch mehrere Wochen frisch hält. Die Kohlensäure dient auch als Treibmittel für die integrierte Zapfanlage.
Ökologische Gesichtspunkte Die Getränkedose ist hinsichtlich ihrer Ökobilanz umstritten. Siehe dazu auch die Aspekte der Ökobilanz von Aluminium. mini|Angespülte verrostete Getränkedose
Recycling Das Inkrafttreten der Pfandpflicht auch auf Getränkedosen in Deutschland im Jahr 2003 führte zu einem deutlich verbesserten Erfassungsgrad und reineren Stoffströmen. Lag die Rücklaufquote im Jahr 1995 bei geschätzten 25 %, so stieg sie nach Einführung der Pfandpflicht in Deutschland. Im Jahr 2016 lag sie nach Angaben des Interessenverbandes Metal Packaging Europe bei 98 von 100 Dosen. Die Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) ermittelte im Jahr 2019, unter Berücksichtigung der Rückgewinnung aus dem Restmüll und von Sortierresten, eine Recycling-Zuführungsquote von 99,3 % für Aluminium-Getränkedosen und 99,7 % für die aus Weißblech. Auch die Anzahl in die Umwelt weggeworfener Getränkedosen – im Jahr 1998 lag ihr Anteil noch bei mehr als 13 % gefundener Objekte bzw. 3,4 % „sichtbarer Oberfläche“ und damit deutlich vor anderen Getränkeverpackungen – ging nach Einführung der Pfandpflicht zurück., Tabelle 2–3 Die GVM ermittelte, unter Berücksichtigung der Pfandgutsammlung, für 2019 einen Anteil von 0,03 %.
Das Recycling von Dosenschrott spart bei Aluminium 90 bis 95 %, bei Weißblech etwa 40 % der Energie, die zur Neuproduktion des Metalls benötigt wird. Allerdings ist die Erstproduktion von Aluminium extrem energieaufwendig, so dass 10 % Rest-Energieaufwand für Aluminiumrecycling in absoluten Zahlen immer noch fast so viel ist wie zum Beispiel 60 % für Eisenrecycling. Das Recycling erzeugt im Falle des Aluminiumrecyclings seinerseits Sondermüll und da verschiedene Legierungselemente (z. B. Magnesium) beim Aluminiumrecycling nicht entfernt werden, ist das rückgewonnene Aluminium minderwertiger als das bei der Dosenherstellung eingesetzte Aluminium (Downcycling). Beim Recycling von Weißblechdosen geht meist die Zinnschicht verloren.
Der Anteil von recyceltem Aluminium am weltweiten Gesamteinsatz des Metalls lag 2013 bei 22 %. Bei steigender Nachfrage, zum Beispiel aufgrund verstärkter Nutzung von Getränkedosen, wird sich dieser Anteil in den nächsten Jahrzehnten wenig verändern. Wie viel recyceltes Aluminium oder Weißblech in einer Getränkedose enthalten ist, ist nicht genau bekannt. Der Getränkedosenhersteller Ball Packaging nannte 2012 einen Anteil von etwa 50 % bei Getränkedosen.
Ökobilanzieller Vergleich mit anderen Getränkeverpackungen In einer Ökobilanz zum Vergleich verschiedener Getränkeverpackungen anhand dreier Fallstudien aus dem Jahr 2010 kommt das IFEU-Institut zu folgendem Fazit: Für regionale Biere sind Glas-Mehrweggebinde weiterhin das ökologisch günstigste System; und zwar unabhängig von unterschiedlichen methodischen Vorgehensweisen. Für überregional vertriebene Biere ändert sich das Ergebnis je nach angewandter Methode, mit der das im Recycling gewonnene Aluminium angerechnet wird. Bei einer Anrechnung von 50 %, wie sie das Umweltbundesamt annimmt, schneidet die Glas-Mehrwegflasche besser ab. Bei der für die Studie von der auftraggebenden Getränkeindustrie geforderten Anrechnung von 100 % gibt es keine klare Trennlinie. Bei der Verwendung von individuellen Glas-Mehrwegflaschen sowie überregionaler Vermarktung von gefloppten Trend- und Premiumbieren (also bei einer Annahme einer geringen Umlaufzahl von Mehrwegflaschen) mit Transportentfernungen von über 400 km können Getränkedosen dem Mehrweg vergleichbare ökologische Wirkungsprofile erreichen. (PDF; 112 kB)
Laut einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe wurden für die IFEU-Studie realitätsferne Werte bei Transportentfernung und Umlaufzahlen zugrunde gelegt. Eine Studie der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) ergab allerdings, dass hohe Transportentfernungen von mehr als 400 km nicht unrealistisch sind und für Bier 17,3 % der Mehrweggebinde betreffen.GVM (Ökobilanz): PDF Die Berechnungen der GVM basieren auf repräsentativen Verbraucherdaten der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Das IFEU-Institut selbst sah sich wegen fehlerhafter Interpretationen seiner Studie durch Interessenvertreter zur Veröffentlichung einer Handreichung veranlasst, die die korrekte Interpretation gewährleisten soll.
Gemäß einer im Jahr 2010 veröffentlichten Presse-Information des Umweltbundesamts schneiden Dosen im Vergleich zu Mehrweg-Getränkeverpackungen aus ökologischer Sicht nach wie vor schlecht ab.Comeback der Dose. In: Umweltbundesamt.de
Laut der Umweltorganisation Greenpeace verursachen Getränkedosen aus Aluminium bei der Herstellung die dreifachen CO2-Emissionen von Mehrwegflaschen aus Glas oder die sechsfachen CO2-Emissionen von Mehrwegflaschen aus Kunststoff, außerdem entsteht das Eineinhalbfache (der Masse) an Rotschlamm als Abfallprodukt.Greenpeace: Aluminium, Website
Werden Getränkedosen auf Weiden weggeworfen, so werden die Dosen bei der Mahd von den Mähmaschinen in kleine Stücke zerfetzt. Nehmen dann Rinder die messerscharfen Dosenstücke mit dem Futter auf, so kann das zu ihrem Tod führen., SF Schweizer Fernsehen, 4. Juni 2012
Geschichte mini|Ein „Ring-Pull“ aus den 1970er Jahren mini|Verschiedene Dosenöffnungen mini|Öffner für verschlusslose Getränkedosen (links, churchkey genannt) und Kronkorken (rechts) mini|Öffnen einer Getränkedose – um besser trinken zu können, wird das Tab, die Lasche, wieder zurückgebogen