Immigrath ist der Stadtteil der Stadt Langenfeld (Rheinland), der heute die Stadtmitte bildet.
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Nördlich an Immigrath grenzt Richrath an, den Osten teilen sich Langenfeld-Wiescheid und nach Süden hin Leichlingen (Rheinland). Die Südgrenze bildet Reusrath, ebenfalls zu Langenfeld gehörend wie Berghausen im Westen. Das im Südwesten angrenzende Langenfeld-Mitte, in der heute das Amtsgericht zu finden ist, gehörte früher zu einem großen Teil zu Immigrath. Diese alte Mitte der Stadt wird unter anderem wegen des früheren Rathausstandortes und der Verlagerung des Verwaltungssitzes an die Kreuzung Theodor-Heuss-Straße, Solinger Straße und Richrather Straße heute wie ein eigener Stadtteil behandelt. Möglicherweise wird Langfort, welches in den 1970er-Jahren aus Teilgebieten Richraths und Berghausens hervorging, einmal diesem Vorbild folgen.
Immigrath liegt im Wesentlichen auf der Flussterrasse des Rheins, die auch als „Heideterrasse“ bezeichnet wird. Der Stadtteil ist daher weitgehend abgeflacht und wird nur von einigen Bächen durchzogen, die vom Westrand des Bergischen Landes herab fließen. Zu nennen sind hier insbesondere der Hardtbach sowie der aus Gladbach mit gleichem Namen stammende Gladbach, die sich zum Immigrather Bach vereinigen. Des Weiteren erwähnenswert ist der aus Quellen in Leichlingen und Quelltöpfen des Further Moores gespeiste Blockbach. Alle Bäche führen ihr Wasser dem Galkhauser Bach zu, heute „Grenze“ zu Langenfeld-Mitte, der über den Garather Mühlenbach in den Baumberger Altrheinarm mündet.Rolf Müller, „Stadtgeschichte Langenfeld Rheinland“, Verlag Stadtarchiv Langenfeld 1992.
Eine erste geografische Besonderheit ist eine Geländeerhebung, gebildet durch mutmaßlich einen verlandeten Seitenarm des inzwischen weit entfernt liegenden Rheins, die sich ab der heutigen Hauptstelle der Sparkasse durch die Straßen Hans-Holbein-Straße, Im Schaufsfeld und Im Bruchfeld zieht. In den diese Straßen querenden Straßen ist die nur wenige Meter messende Erhebung besonders spürbar. Eine weitere (oder aber die Verlängerung der ersten) Sanddüne ist für den Bereich Solinger Straße, Richrather Straße, Breslauer Straße und Feldstraße zu verzeichnen.VHS-Arbeitskreis »Geschichte«, „Die Kapelle am Steinrausche“, Langenfeld 1993. In der Hardt dann steigt das Gelände allmählich in Richtung Wiescheid zu den Höhen des Bergischen Landes hin an.
Eine zweite und mit Wiescheid gemeinsame Besonderheit weist Immigrath durch die Reste der Sandberge auf, die noch als Leichlinger Sandberge bekannt sind. Sie sind auf der Leichlinger Seite bis auf einen halben Heidberg vollständig von der Baustoffindustrie abgebaggert worden und werden heutzutage durch eine Mülldeponie wieder verfüllt. Auf der Langenfelder Seite dagegen erhalten haben sich dagegen drei Berge mit den Namen Kellerhansberg, Spürklenberg und Wenzelnberg.
Geschichte Älteste Zeugnisse Wie an anderen Stellen des Stadtgebietes, datieren älteste Funde aus der Steinzeit. So wurde aus der Jüngeren Steinzeit am Spürklenberg das Bruchstück eines Steinbeils gefunden sowie westlich und östlich des ehemaligen Immigrather Bahnhofs ein Steinbeil und ein Becher aus gleicher Zeit. Im Sinne dauerhafter Behausungen besiedelt dürfte Immigrath wohl seit dem 9. Jahrhundert sein, sofern die Grabungsbefunde an den Kirchen von Richrath und Reusrath auf alle Orte mit der Endung -rath (für Rodung) übertragen werden dürfen. Archäologische Grabungen in Immigrath dürften inzwischen durch die rege Bautätigkeit seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts mutmaßlich keine Aussicht auf Erfolg mehr haben. Zu hoffen bleibt daher auf Zufallsfunde, wie im Falle der von einem Kind gefundenen Mercurius-Statuette in Richrath.
Herkunft des Namens „Immigrath“ Die Herkunft des Namens ist, wie auch der Beginn der Besiedlung, noch ungeklärt. So wird „Immig“ von Heinrich Dittmaier als die Rodung eines Imicho gedeutet, andere vermuten als Namensgeber einen Immo und wieder andere nehmen eine Rodung in den Eichen (Immen?) an, wovon die Eichenfeldstraße Zeugnis ablegen soll.„Orts- und Flurnamen der Stadt Langenfeld erzählen aus vergangenen Tagen“ in Heimatkalender des Rhein-Wupper-Kreises 1955. mini|Motte Flachenhof am Blockbach
Erste Siedlungsplätze Eine erste urkundliche Erwähnung erfuhren Höfe in Gladbach bei Immigrath in den Jahren 1350/1370. Zählt man das heute zu Mitte zählende Meisental „Meysenole“ (Nähe Mautpfad) mit hinzu, sogar schon 1336. Die Dückeburg wird ein erstes Mal 1444 urkundlich genannt, Immigrath selbst 1446. Erwähnenswert ist des Weiteren eine noch undatierte mittelalterliche Motte in der Verlängerung der Burgstraße am Flachenhof (Motte Flachenhof), deren Überreste heute als Bodendenkmal eingetragen sind. Scherbenfunde dort datieren zurück sogar bis in das 12. Jahrhundert.Claus-Peter Peters, „Langenfeld im Wandel der Zeiten“, Langenfeld 2013. Keine feste Unterkunft aber ein womöglich zeitweise besetztes römisches Standlager gegen aufständische Germanen wird zudem aufgrund von Urnenfunden aus römischer Zeit am Knochenberg vermutet.VVV e. V., Peter Schmitz in Geschichte der heimischen Siedlungen im Heimatbuch der Gemeinde Richrath-Reusrath, Hense Druck 1928, Faksimile Verlag Rheinlandia 1986Friedhelm Görgens, Langenfeld, Droste, Düsseldorf 1984
Die Entwicklung des Stadtteils Wie in ganz Langenfeld begann auch Immigraths Siedlungsgeschichte mit der Urbarmachung von Wald-, Moor- und Heideflächen, einer Tätigkeit, die sich bis in die frühen Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts hinzog. Ab der frühen Neuzeit kamen verschiedene Nebenerwerbstätigkeiten für die Solinger Schneidwarenindustrie sowie die Verarbeitung von Wolle mit hinzu. Die weitere Entwicklung des Stadtteils ist durch günstige Verkehrsanbindungen mitgeprägt worden. Einen großen Entwicklungsschub erfuhr Immigrath durch die Eröffnung der Bahnstrecke Mülheim-Speldorf–Troisdorf der ehemaligen Rheinische Eisenbahngesellschaft am 18. November 1874. Damit wurden erstmals in größerem Maße Industrie- und Gewerbebetriebe angelockt, sich in Immigrath niederzulassen. Erste Webereien siedelten sich ab etwa 1860 und Metallverarbeitende Betriebe ab etwa 1895 an.Karl Siegmar von Galéra, „Langenfeld – Von der Markgrafschaft zur Stadt“, Backofen, Langenfeld 1963. Heute ist in vielfältiger Weise produzierendes und Handeltreibendes Gewerbe in Langenfeld beheimatet.
Lange vor Aufkommen der Eisenbahn war der Mauspfad der älteste Fernhandelsweg durch das Rheinland, über den der Austausch von Waren und Dienstleistungen erfolgte. Aber nicht nur Handelsgüter, sondern mutmaßlich ebenso Ideen wurden über die Kontakte der Reisenden untereinander ausgetauscht. Im frühen Mittelalter war der Mauspfad dann ein Teil des Hanse-Wegenetzes, wurde dann aber durch den Aufstieg Düsseldorf stellenweise durch eine neue Nord-Süd-Route ersetzt, die Via Publica. Die unter anderem (nach den Endpunkten) auch Köln-Arnheimer Chaussee genannte Straße ist in Langenfeld identisch mit der heutigen B 8. Einen weiteren wichtigen Fernhandelsweg stellte die Provinzialstraße Elberfeld–Hitdorf zwischen Hitdorfer Rheinhafen und Bergischem Land dar, die heutige B 229. Sie war ebenfalls eine auf ältere Fernwege zurückgehende Verbindung. Über die Nord-Süd-Verbindung jedenfalls rollten ab 1668 die Postkutschen zwischen Köln und Düsseldorf und ab 1699 zusätzliche Postkarren zwischen Münster und Köln. Für das Jahr 1784 weist die Übersicht bereits vier Postlinien sowohl jeweils reitender wie fahrender Post (Richtungen Köln, Düsseldorf und Elberfeld) für die Cölln-Düsseldorfer Mittelstation aus, die in Langenfeld angesiedelt war. Damit stellte die Station ein wichtiges Drehkreuz für Reisende wie auch für die Verteilung der Post in alle vier Himmelsrichtungen dar. Diese geschichtliche Post-Tradition findet heutzutage mit dem Briefzentrum ihre Fortsetzung.
Zukunftsweisend war die Bündelung aller am Wohnungsbau Interessierten in Langenfeld im Bauverein Langenfeld, der 1919 als Zusammenschluss von Privatleuten und Firmen sowie der Stadt Langenfeld als Hauptanteilseignerin gegründet wurde, um Wohnungen für die Arbeiter zu schaffen, die mit der Industrialisierung nach Langenfeld kamen. Nicht ohne Grund steht daher die Siedlung am Steinrausch zwischen Immigrath und Richrath inzwischen unter Denkmalschutz.
Als wiederum zukunftsweisend entpuppt sich aus heutiger Sicht die Entscheidung der Abkehr von der alten Mitte mit der Hauptstraße als einziger und langgezogener Einkaufsmeile. Durch die Verlagerung des Rathauses nach Immigrath im Jahre 1977 (Einweihung am 1. Oktober 1977) ergab sich die Möglichkeit der Schaffung eines neuen Zentrums. Begonnen wurde nach dem Rathausbau zunächst mit der Marktplatzbebauung, die die heute beliebte Schoppengasse hervorbrachte, in der schon manches Weinfest über die Bühne ging. Mit der Errichtung der Marktarkaden als südliche Begrenzung der Innenstadt und der Markthalle im Sinne einer Angebotsbereicherung in Sachen Feinkost wurden nächste Schritte in die gleiche Richtung unternommen; außerdem gibt es zwei Einkaufszentren (Stadtgalerie und Marktkarrée).
Entwicklung und Bildung Wie angesprochen, spielte die Landwirtschaft die herausragende Rolle bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, nicht nur in Langenfeld, sondern in ganz Europa. Die daneben aufkommende Verarbeitung von Wolle mittels Spinnen und Weben wurde dagegen erst ab dem 17. Jahrhundert ein zweites Standbein der hier lebenden Bevölkerung. Gut zweihundert Jahre früher wurden allerdings bereits Produkte in Heimarbeit für die Solinger Schneidwarenindustrie gefertigt. So wird im Jahre 1449 ein erster Messermacher für das, an der Stadtgrenze zu Solingen liegende und einstmals zu Langenfeld gehörende, Hackhausen genannt. Abgesehen von dieser Besonderheit im Raum Solingen zeigt jedoch die industrielle Entwicklungsgeschichte Langenfelds mit der Textilindustrie (nach heutigen Erkenntnissen„Von Menschen und Maschinen“ Dieter Ziegler in EPOC, Zeitschrift für Geschichte, Archäologie und Kultur, Heft 3/2009.) den Weg in die Industrialisierung nach, die gleich so für viele Regionen in Europa gelten darf. Verwiesen sei daher an dieser Stelle insbesondere auf das Lemma zur Industrieregion Langenfelds, der Hardt.
Von den einzelnen Menschen der Weiler und Bauerschaften, aus denen nicht nur Immigrath, sondern ganz Langenfeld zusammengewachsen ist, wird so gut wie nichts berichtet. Über Namen und Existenzen geben allenfalls Kirchenbücher Auskunft und dies auch nur, wann sie geboren wurden, heirateten, Kinder bekamen und starben. Grund hierfür ist, dass sie selbst nichts aufzeichneten, zumeist weil sie nicht lesen und schreiben konnten. Anders verhält es sich mit gebildeten Menschen dieser Zeit. Dies waren neben Adeligen einige Geistliche, so etwa Hermann Ludovici (1731–1802, katholischer Pfarrer an St. Martinus von 1767 bis 1802, der eine bemerkenswerte Weltchronik (Richrather Chronik) hinterließ) oder sein lutherischen Zeitgenossen Johannes Löh, Pastor an der Martin-Luther-Kirche in Reusrath, der sich mit Botanik beschäftigte und viel für den Gartenbau tat. Hieran mag man erkennen, dass nur Bildung einerseits den Ausweg aus Armut und Fremdbestimmung bieten und andererseits die Chance der Selbstverwirklichung eröffnen kann. Insoweit ist es die vornehmste Pflicht eines jeden Gemeinwesens, allen Bevölkerungsgruppen Zugang zur Bildung zu ermöglichen. Damit zu den Schulen des Stadtteils: mini|Brunnen am Markt in Immigrath
Die Schulen in Immigrath Erste Volksschulen