Der Frühblühende Thymian (Thymus praecox) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Thymiane (Thymus) innerhalb der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).
Beschreibung
mini|Thymus praecox subsp. praecox
Vegetative Merkmale Der Frühblühende Thymian ist ein kleiner Strauch, der lange, etwas holzige, kriechende Stängel ausbildet, die entweder in einem terminalen Blütenstand enden oder nicht blütentragend sind. Die blütentragenden Stängel entspringen in Reihen, sind schlank und meist nicht länger als 10 Zentimeter. An ihrer Basis steht jeweils ein Büschel kleinerer Laubblätter. Die Stängel sind rundum behaart oder nur an zwei einander gegenüberliegenden Seiten behaart.
Die Laubblätter sind gegenständig angeordnet. Die einfache Blattspreite ist meist verkehrt-eiförmig, breit-spatelförmig bis nahezu kreisförmig, fast lederig und an der Basis bewimpert. Die Seitenadern sind deutlich ausgeprägt, im oberen Bereich finden sich Randadern.
Generative Merkmale Die Tragblätter ähneln den Laubblättern. Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kelchblätter sind 3 bis 5 Millimeter lang. Die Kronblätter sind purpurfarben. Die Kronröhre ist zylindrisch und etwa so lang wie Oberlippen. Die oberen Zähne sind genau so lang wie breit.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 56, seltener 54.
Vorkommen Der Frühblühende Thymian ist in Nord-,West-, Mittel- und Südeuropa verbreitet. In Europa fehlt er nur in den Ländern Dänemark, Finnland, im Baltikum, Belarus und in der Ukraine. Außerhalb Europas kommt er in der Türkei, in Transkaukasien, im Iran und in Grönland vor. In Mitteleuropa tritt er zerstreut in den Mittelgebirgen mit basisch reagierenden Böden, in der Fränkischen Alb, im Alpenvorland und im östlichen Österreich auf. In den nördlichen und südlichen Kalkalpen sowie im Wallis kommt er selten vor.
Der Frühblühende Thymian gedeiht am besten auf neutral oder basisch reagierenden, trockenen, steinig-sandigen Lehmböden. Er besiedelt Trockenrasen oder feinerdereiche Felsfugen, er geht aber auch in Trockenwälder. Er ist eine Charakterart der Klasse Festuco-Brometea, kommt aber auch in Pflanzengesellschaften der Verbände Seslerio-Festucion oder Erico-Pinion vor. Er steigt bis in Höhenlagen von bis zu 1200 Metern auf.
mini|Thymus praecox subsp. britannicus auf Island mini|Langhaariger Thymian (Thymus praecox subsp. polytrichus) mini|Langhaariger Thymian (Thymus praecox subsp. polytrichus) Systematik Die Erstbeschreibung von Thymus praecox erfolgte 1824 durch Philipp Maximilian Opiz in Naturalientausch, Nummer 6, S. 40. Synonyme für Thymus praecox sind Thymus serpyllum subsp. praecox , Thymus serpyllum var. praecox Manche Autoren schreiben auch von einer Artengruppe Frühblühender Thymian (Thymus praecox agg.)
Je nach Autor gibt es innerhalb der Art Thymus praecox mehrere Unterarten: Thymus praecox subsp. praecox (Syn.: Thymus alpicolus , Thymus badensis , Thymus braunii , Thymus caespitosus , Thymus ciliatus nom. illeg., Thymus hesperites , Thymus humifusus , Thymus mannianus , Thymus robustus , Thymus spathulatus , Thymus praecox subsp. hesperites , Thymus serpyllum subsp. clivorum , Thymus serpyllum subsp. hesperites , Thymus serpyllum subsp. nummularius , Thymus praecox var. caespitosus , Thymus praecox var. ciliatus , Thymus praecox var. spathulatus , Thymus serpyllum var. caespitosus , Thymus serpyllum var. glareosus , Thymus serpyllum var. humifusus , Thymus serpyllum var. induratus , Thymus serpyllum var. kollmannii , Thymus serpyllum var. lanuginosus , Thymus serpyllum var. rupestris , Thymus serpyllum var. zobelii ): Sie kommt in Westeuropa und Mitteleuropa vor. Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz für diese Unterart: Feuchtezahl F = 1w (sehr trocken aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 5 (sehr hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 5 (kontinental).
Britischer Thymian (Thymus praecox subsp. britannicus , Syn.: Thymus britannicus , Thymus serpyllum subsp. britannicus , Thymus polytrichus subsp. britannicus , Thymus drucei f. britannicus , Thymus polytrichus var. britannicus , Thymus serpyllum var. arcticus , Thymus zetlandicus , Thymus arcticus , Thymus drucei , Thymus pseudolanuginosus , Thymus praecox subsp. penyalarensis , Thymus bracteatus var. penyalarensis , Thymus serpyllum var. penyalarensis ): Er kommt in Grönland, in West- und Nordwest-Europa vor. In Mitteleuropa kommt er häufig kultiviert als Zierpflanze vor.
Thymus praecox subsp. caucasicus (Syn.: Thymus caucasicus , Thymus caucasicus var. medvedewii , Thymus praecox var. medvedewii ): Sie kommt von der südöstlichen Türkei bis zum Kaukasus vor.
Felsen-Kriech-Thymian (Thymus praecox subsp. clivorum ): Er kommt in Mitteleuropa in Niedersachsen, im Harz, in Rheinland-Pfalz, im östlichen Thüringen, in Tschechien und in Niederösterreich vor.
Thymus praecox subsp. grossheimii (Syn.: Thymus grossheimii , Thymus caucasicus subsp. grossheimii , Thymus praecox var. grossheimii ): Sie kommt von der nordöstlichen Türkei bis zum nördlichen Iran vor.
Thymus praecox subsp. jankae (Syn.: Thymus jankae , Origanum jankae , Thymus jankae , Thymus serpyllum subsp. jankae , Thymus bellicus , Thymus eximius , Thymus jugoslavicus , Thymus skorpilii , Thymus praecox subsp. skorpilii , Thymus praecox var. laniger , Thymus serpyllum var. serbicus ): Sie kommt von der Balkanhalbinsel bis zur Türkei vor.
Thymus praecox subsp. ligusticus (Syn.: Thymus serpyllum var. ligusticus , Thymus polytrichus subsp. ligusticus , Thymus serpyllum subsp. ligusticus )
Thymus praecox subsp. parvulus : Sie kommt nur im nordöstlichen Sizilien vor.
Langhaariger Thymian (Thymus praecox subsp. polytrichus , Syn.: Thymus polytrichus , Thymus serpyllum subsp. polytrichus , Thymus serpyllum var. polytrichus , Thymus praecox subsp. ligusticus , Thymus serpyllum var. ligusticus , Thymus polytrichus subsp. ligusticus , Thymus serpyllum subsp. ligusticus , Thymus agoustensis , Thymus alpigenus , Thymus balcanus , Thymus kapelae , Thymus kerneri , Thymus reinegeri des. inval., Thymus trachselianus , Thymus vallicola , Thymus vandasii , Thymus polytrichus subsp. vallicola , Thymus serpyllum subsp. alpestris nom. illeg., Thymus serpyllum subsp. balcanus , Thymus serpyllum subsp. pfiffianus , Thymus serpyllum subsp. trachselianus , Thymus balcanus var. arnautorum , Thymus balcanus var. beckii , Thymus balcanus var. brevidens , Thymus balcanus var. decorus , Thymus balcanus var. micevskii , Thymus balcanus var. vandasii , Thymus effusus var. kapelae , Thymus humifusus var. alpestris , Thymus kerneri var. epitrichus , Thymus kerneri var. oblongifolius , Thymus longicaulis var. ciliatus , Thymus serpyllum var. alpestris nom. illeg., Thymus serpyllum var. trachselianus , Thymus trachselianus var. vallicola ): Er kommt in Süd- und Mitteleuropa vor. Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz für diese Unterart: Feuchtezahl F = 2 (mäßig trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 2 (subalpin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).
Ostalpen-Thymian (Thymus praecox subsp. widderi , Syn.: Thymus widderi ): Er kommt in den Ostalpen in Niederösterreich und in der Steiermark vor.
Thymus praecox subsp. zygiformis (Syn.: Thymus zygiformis , Thymus albanus , Thymus euxinus nom. illeg., Thymus zygiformis subsp. albanus , Thymus albanus var. lumbardensis , Thymus albanus var. prokletijensis , Thymus albanus var. schefferi , Thymus zygiformis var. euxinus , Thymus zygiformis var. mirkovicii ): Sie kommt auf der Balkanhalbinsel vor.
Quellen Literatur
Einzelnachweise
Elisabeth Stahl-Biskup, Francisco Sáez: Thyme. The Genus Thymus. Taylor & Francis, London 2002, ISBN 0-415-28488-0 (Medicinal and Aromatic Plants. Industrial Profiles 24). Datenblatt bei The Euro+Med PlantBase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity mit Daten aus World Checklist of Selected Plant Families des The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew.
Jens G. Rohwer: Lamiaceae. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024. ISBN 978-3-494-01943-7. S. 697.
Weblinks
Kategorie:Thymiane