mini|Der Alte Krahnen in Andernach mit Basalteisbrecher Der Alte Krahnen, zuweilen auch der Alte Krahn (alte Schreibweise mit ‚h‘) von Andernach ist ein alter Hafenkran aus dem 16. Jahrhundert. Der Steinbau steht am heutigen Ortsende Richtung Bonn unmittelbar am befestigten Rheinufer. Er gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt und ist eins der wenigen erhaltenen Industriedenkmäler der Renaissance.
Geschichte Vorgänger Andernach besaß bereits einen um 1400 erbauten Schwimmkran (Kranschiff, Ersterwähnung 1405/06) – einen quadratischen hölzernen Tretkran auf rechteckigem, weiter stadtwärts nahe der Trierer Pforte (Nordende der heutigen Kirchstraße in der Rheinmauer) am Ufer vertäutem pontonartigen Schiff. Er konnte im Hafen versetzt werden, war aber reparaturanfällig. Außerdem erwies er sich im Wasser bei schweren Lasten oft als nicht hinreichend stabil.
1545/46 wurde ein neues Kranschiff gebaut, das bereits 1549 wegen eines fehlerhaften Standbaums zur Reparatur einen Kranbaumeister aus Köln benötigte, anschließend konnte der Schwimmkran bis 1552 wieder effektiv arbeiten. Bei größeren Schäden musste er aber nach Köln transportiert werden.
Schon zu dieser Zeit reifte der Gedanke an einen Hauskran.
Vorbereitung Mit Dekret vom 15. August 1554 des Erzbischofs zu Köln Adolf III. von Schaumburg erhielt der Rat der „Haupt- und Direktorialstadt des Oberen Erzstiftes zu Köln“ Andernach allein wegen des Fundamentbaus im Rhein die notwendige Erlaubnis des Landesherren, „… zu sonderem Nutzen und Gedeihen“Original: „Wir Adolff vonn Gottes gnaden Ertzbischoff zu Cöllen / […] / Auch zu sonderm nutz und gedeihen / einen Haußkranen / beneden vnser Statt Andernach / auff vnserm Wasserstraum Rhein / zu erbawen vnd auffzurichten / […]“ den heute als Alter Krahnen benannten Hauskranen, wie er damals hieß, für 6.700 Gulden nach Plänen des Kölner Werkmeisters Clas Meußgin (Claas Muysgin) am Fuß des damaligen Geiersberges zu errichten.
Meußgin hatte auf Geheiß der Kölner Bürgermeister Hermann Sudermann (Juni 1553 – Juni 1554) und Goswin von Lommersheim (Januar 1554 – Januar 1555) Andernach bereits am 14. Mai 1554 besucht, um den Bauplatz zu besichtigen und die Pläne abzuliefern. Offizieller „Baumeister am Kran“ der Stadt und verantwortlich für Ablauf und Finanzierung war das Ratsmitglied Johann Pergener für die gesamte Bauzeit bis 1561 sowie Lamprecht von Merll für 1557/58.
Bau Bereits im November 1554 begannen die Bauarbeiten am neuen Hafenkran. Ende 1556 war das komplette „Werft“ als Fundament im Fluss fertig; der Schutzdamm wurde abgetragen, ein Teil der Holzmechanik wie die Treträder angefertigt. Während der Bauarbeiten am Kranhaus war eine Bauhütte bis Ende 1557 für die Handwerker errichtet worden. 1557 waren das Steingebäude und die gesamte Holzkonstruktion fertiggestellt, die „Kransäule“ gesetzt, vom 16. August bis 20. November 1557 wurde das Dach durch Meister Jacob Leyendecker gedeckt.
Vorrangiger Steinmetz- und Maurermeister war das Mitglied des Achters Hans Emel aus Andernach, der auch den Maßwerkfries und die Türgewände schuf und mit den Meistern Philip Huenermenger, Jacob Kastenholz und Hans von Kottenheim samt Gesellen und Handlangern („Opperleute“) das Kranhaus errichtete.
Meister Henrich von Koblenz war der führende Zimmermann, der nicht nur die Hölzer höchster Qualität („… aus Eyche, eyßhart, ganz glatt, ohne Äste“) in den Wäldern weit um Andernach bis ins Herzogtum Jülich hinein aussuchte, sondern auch mit Gehilfen nach Köln reiste, um dort bei den Kranbauern der vier stationären Tretkräne die notwendigen Kenntnisse zur Holzkonstruktion und Auslegerverkleidung zu erwerben.
Betrieb Ab Mitte 1558 war der Kran fertiggestellt, wurde jedoch erst 1561 in Betrieb genommen. Vermutlich mussten bis zur Inbetriebnahme noch Aufschütt- und Auffüllarbeiten ausgeführt werden (Auftrag des Stadtrates am 11. Januar 1560, „den Krahnen zu follen“).
Der beim Bau oder anschließend flussaufwärts zusätzlich angebaute Eisbrecher (Wasserbau) bewahrte den Kran unter anderem vor der Zerstörung durch das gewaltige Treibeis vom März 1784. 1587 musste ein neuer Kaiserbaum eingesetzt werden, was den Hafenkran allein wegen der Suche nach einem geeigneten Eichenstamm bis 1590 außer Betrieb setzte. Dabei wurde auch das ursprüngliche Glockendrehdach (s. u.) gegen ein Kegeldach ausgetauscht. 1600 erhielten die Treträder eine schließbare Metallstabsicherung gegen missbräuchliche Nutzung.
Der Kran stand bis um 1760 unter der Oberaufsicht des Stadtrats, bei dem das Personal angestellt war: Die Windenknechte oder -fahrer wurden als „Kranarbeiter“ geführt und sorgten für die mechanische Arbeit im Kran, sie bewegten die Treträder und den Ausleger. Wegen der hohen Abnutzung in den Antriebsrädern erhielten sie spezielles Laufschuhwerk. Die „Kranknechte“ hingegen waren für das Be- und Entladegeschäft an Land oder im Schiff verantwortlich; sie wurden stundenweise entlohnt. Die dafür sonst zuständigen Schröter fühlten sich durch diese Regelung benachteiligt, was zu Spannungen mit dem Rat führte.
Der „Kranschreiber“ führte die Kranlisten mit den Namen des Wareneigners, Warenart und -umfang, Transportziel, Schiff usw. sowie die Rechnungen über das fällige Krangeld für die Ladearbeit und die Warenakzise (hier meist Steinakzise). Alle Kranbediensteten gehörten der Zunft der „Aufläder“ (andernorts Kärrner) an. Die Verwaltung des Hauskrans oblag für zweihundert Jahre einem sehr angesehenen vereidigten Kranmeister, der im Sold des Stadtrats stand.
Wasserstands- und wetterbedingt konnten nicht jeden Tag Ladearbeiten durchgeführt werden, sodass man von 100 bis 150 Ladetagen im Jahr ausgehen kann. Besonders in der warmen Jahreszeit von Mai bis Oktober herrschte reger Ladebetrieb am Andernacher Hauskran, vor allem weil vergleichbar mit dem Mühlenzwang seit dem 27. Juli 1558 Kranzwang herrschte: Ladegeschäfte durften nur mit dem Kran durchgeführt werden. Jede Umgehung dieser Regel, etwa durch Be- und Entladen an anderer Stelle, wurde mit Strafe zuzüglich des fälligen Krangeldes nebst Warenakzise geahndet.
Etwa um 1650 nach Beendigung des Dreißigjährigen Kriegs wurde der Geiersberg oder Giersberg nach dem inzwischen hundert Jahre alten Krahnen an seinem Fuß, wie er seitdem geschrieben wurde, in Krahnenberg umbenannt. Nach 200 Jahren Stadtbetrieb wurde der Hafenkran ab 1761 verpachtet. Der Pächter war für die einwandfreie Funktion und Wartung des Gerätes verantwortlich und benötigte auch weiterhin einen Kranmeister zum Betrieb.
1879 erhielt der Kran einen Gleisanschluss, der nach seiner Stilllegung wieder entfernt wurde.Klaus Schäfer: 450 Jahre Alter Krahnen. In: Andernacher Beiträge 27, Stadtwerke Andernach, Andernach 2011
Der Andernacher Krahnen war unter etwa 80 Kränen an 32 Standorten an Deutschlands Binnengewässern die größte Verladevorrichtung und diente 350 Jahre lang bis ins Jahr 1911 der Verladung von Weinfässern von der Ahr und Mühl- und Tuffsteinen aus der Eifel.
Zustand heute Im Jahr 1909 wurde der Hafen stromaufwärts nach Osten verlegt und dort ein neuer Kran gebaut. Die Lage des Alten Krahnen abseits der Stadt, wo er keiner neuzeitlichen Veränderung im Wege stand, wird unter anderem für seinen heutigen Erhalt verantwortlich gemacht. Nach der Stilllegung 1911 erfuhr der Rheinkran eine umfassende Restaurierung durch den Handwerkermeister Lubens Mandt, der ihn damit vor dem weiteren Verfall bewahrte; Fotos vom Anfang des 20. Jahrhunderts und aus den 1930er Jahren zum Vergleich zeigen es. Seine Mechanik ist bis heute intakt, seine hölzerne Struktur aber infolge der langen Standzeit und der Hochwasserschäden nicht mehr belastbar. Um ihn hochwasserfrei zu halten, hätte man die Werft drei Meter und das Umfeld entsprechend höher bauen müssen. Der Kran hätte dann auf einer Anhöhe gestanden, was rein verladetechnisch sehr problematisch gewesen wäre.
Zur 2000-Jahr-Feier der Stadt 1988 wurde im Rahmen einer größeren Instandsetzung und Neuverputzung der durch die häufigen Hochwässer angefaulte Kaiserbaumfuß mit dem eisernen Drehstift ausgetauscht.
Am 9. September 2011 feierte die Stadt Andernach das 450-jährige Kranjubiläum mit einem Festakt und der Sonderausstellung 450 Jahre Alter Krahn, am 15. Dezember 2011 wurde das Begleitheft zur Ausstellung vorgestellt. Während des extremen Rheinniedrigwassers im November 2011 wurde die fünf Meter aus dem Ufergrund aufragende Kaimauer mit dem Kranrondell freigelegt. Dabei entdeckte man, dass etliche Basaltquader mit einer Masse von bis zu 400 Kilogramm im Laufe der Jahrhunderte von der Strömung des Rheins gelockert oder aus dem Mauerverband herausgelöst worden waren. Der niedrige Wasserstand konnte genutzt werden, die Steine wieder fachgerecht zu fixieren und mit Bleiplomben in der Ursprungslage strömungssicher zu befestigen.
Eine weitere umfassende Instandsetzung der hölzernen Innenstruktur und des Schnabels (Auslegers) fand von Juni bis September 2014 statt.
Beschreibung mini|hochkant|„Alter Krahnen“ mit Blick in Richtung Leutesdorf mini|hochkant|Landseitiger Eingang des „Alten Krahnen“, darüber das Stadtwappen aus Tuff Der Architekt des Krans, der Kölner Werkmeister Claas (Clas, Clais) Meußgin, wählte den Bauplatz für den Kran bei Rheinkilometer 613,8 – von der Stadt aus rheinabwärts 350 Meter Luftlinie nordwestlich des Runden Turmes am damaligen Hafen gelegen – mit Bedacht. An dieser Stelle des Rheins konnten die Schiffe den Kran rheinabwärts leichter ansteuern. Der schwere Kran wurde auf einem besonders stabilen Fundament aus Eichenstämmen gesetzt, auf denen das etwa acht Meter hohe zylindrische Basaltfundament (sogenanntes Werft, Bastion, Rondell) errichtet wurde. Zur besseren Beladung der Schiffe ragte das Werft vom Ufer aus in voller Breite und Tiefe in den Fluss und übertraf das Kranhaus nur wenige Meter an Durchmesser – der „Krahnen“ stand gewissermaßen auf einer Miniaturlandzunge. Heute ragt die Bastion nur noch wenig in den Strom hinein, sie ist in die neuere Hafenbefestigung aus dem 19. Jahrhundert eingefügt. Der rheinseitige Umgang des Krans ist heute mit einem Geländer versehen.
Auf das Fundament wurde mithilfe eines Spill genannten galgenförmigen Baukrans das steinerne, 6,8 Meter hohe Kranhaus mit ein Meter dicken Mauern aufgebaut, das einen Außendurchmesser von 10,70 Meter (innen 8,70 Meter) hat und auf einem unten vorkragenden Sockelring aus vier Lagen Basaltsteinen ruht. In circa 5 Meter Höhe ziert ein umlaufender Dreipassbogenfries aus Tuff das Krangebäude, durchbrochen von vier Wasserspeiern aus Basalt, zwei Krokodilköpfen, landeinwärts blickend, zwei Löwenhäuptern, flusswärts schauend. Das Kranhaus weist als Besonderheit oberhalb des Frieses einen weiteren, den Dachrand und den unteren Teil des schiefergedeckten Kegeldaches überragenden, leicht vorkragender Mauerring auf, der Kranzgesims oder Brüstung von ca. 1,5 Meter Höhe trägt. Dadurch hat das Kegeldach keinen natürlichen Ablauf, sondern ist ähnlich einer Turmplattform vom Mauerwerk umgeben. Das Gesims ist mit einem ebenfalls vorkragenden, ca. 0,3 Meter hohen Blattwerkfries aus Tuffstein abgeschlossen und von acht Tuffpilastern (vier jeweils über den Wasserspeiern) geziert, mit einem Kopf im Profil in der Mitte, von kreisförmigem Rand umgeben.
Rheinaufwärts wurde zum Schutz vor Eisgang ein über die Fensterhöhe reichender, pyramidal abschließender Basalteisbrecher mit Fensteraussparung an das Kranhaus angefügt, dessen Quaderverbund mit Eisenklammern zusätzlich verstärkt wurde. Zugang ins Kranhaus gewähren eine rheinseitige und eine stadtseitige Tür, beide in der Achse liegend.