mini|hochkant=1.3|Die ehemalige Geschäftszentrale der Dresdner Bank am Berliner Bebelplatz, heute unter anderem Sitz des Rocco Forte Hotel de Rome mini|hochkant=1.3|Das Gebäude im Jahr 1926 nach einer Aufstockung, die 1952 wieder zurückgebaut wurde

Die ehemalige Geschäftszentrale der Dresdner Bank, auch als ehemalige Hauptbank der Dresdner Bank bezeichnet, ist ein denkmalgeschütztes Gebäude im Berliner Ortsteil Mitte des gleichnamigen Bezirks und war zwischen 1889 und 1945 Sitz der Direktion der Dresdner Bank. Es nimmt einen Großteil des rund 7000 m² umfassenden Karrees zwischen Behrenstraße, Hedwigskirchgasse, Französischer Straße und Markgrafenstraße ein. Die Hauptfassade an der Behrenstraße bildet den südlichen Abschluss des Bebelplatzes (ehemals: Opernplatz).

Der Kernbau des Gebäudes entstand 1887–1889 nach Entwürfen des Architekten Ludwig Heim als Bank- und Verwaltungsgebäude im Stil der italienischen Renaissance. Es handelte sich um ein typisches Beispiel eines Berliner „Bankpalastes“ im aufblühenden Bankenviertel der Reichshauptstadt. Das Gebäude wurde im Zuge des Aufstiegs der Dresdner Bank zur zweitgrößten deutschen Universalbank bis 1913 mehrfach erweitert. Bei den An- und Umbauten kam es zu einer begrenzten Angleichung der Fassaden.

Zwischen 1923 und 1925 erfolgte unter Leitung des Architekten Ludwig Hoffmann eine umstrittene Aufstockung des Gebäudes. Sie wurde 1952 bei der Beseitigung von Kriegsschäden von Richard Paulick weitgehend zurückgenommen. In der Nachkriegszeit diente der Bau zunächst als Sitz der Bezirksleitung der SED, anschließend wurde er bis 1990 von der Staatsbank der DDR genutzt.

Von 2003 bis 2006 wurde das Gebäude zu einem Büro- und Hotelgebäude umgebaut, in dem sich unter anderem das vornehme Hotel de Rome angesiedelt hat.

Der Kernbau von Ludwig Heim Blüte des Berliner Bankenviertels Infolge einer Aufhebung von Beschränkungen für die Tätigkeit von Aktienbanken auf dem Gebiet des Norddeutschen Bundes und der Gründung des Deutschen Kaiserreichs in den Jahren 1870 und 1871 ließen sich bis Ende 1872 erstmals eine Reihe bedeutender Aktienbanken in Berlin nieder. Auch kam es in diesem Zeitraum zu vielen Neugründungen von Bankinstituten, vor allem von Bodenkreditanstalten, die den Bauboom der Gründerjahre mitfinanzierten. Nach der Überwindung der Gründerkrise überflügelte Berlin schon in den 1880er-Jahren traditionelle deutsche Bankenplätze wie Hamburg, Frankfurt am Main, München und Leipzig.Uwe Köhler: Bank- und Börsengebäude. In: Architekten- und Ingenieur-Verein Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten. Teil IX: Industriebauten. Bürohäuser. Ernst & Sohn, Berlin u. a. 1971, ISBN 3-433-00553-2, S. 220–249, hier S. 220–221.Harald Wixforth: Bank für Sachsen oder Bank für das Reich? Zur Geschichte der Dresdner Bank von 1872–1914. In: Simone Lässig, Karl Heinrich Pohl (Hrsg.): Sachsen im Kaiserreich. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Umbruch. Böhlau, Weimar u. a. 1997, ISBN 3-412-04396-6, S. 309–342. Die Banken siedelten sich größtenteils zwischen Französischer Straße und Unter den Linden an – nicht zuletzt wegen der Nähe zur Reichsbank in der Jägerstraße. In der neuen Reichshauptstadt entstand so im Lauf von zwei Jahrzehnten ein eigenes Bankenviertel.

Das Bedürfnis nach Repräsentation und die Anforderungen moderner Geschäftsabläufe legten die Errichtung neuer, gleichermaßen stattlicher wie funktionaler Bauten nahe. Die konkurrierenden Unternehmen suchten sich durch Größe und Gestaltung ihrer Prachtgebäude gegenseitig zu übertrumpfen, was dazu beitrug, dass diese später häufig erweitert wurden. In der Regel wurden renommierte Architekten mit der Planung und Bauausführung beauftragt. Häufig griffen diese auf den Baustil von Stadtpalästen der italienischen Renaissance zurück. So entstand der Berliner Typus des „Bankpalastes“ als Sonderform des modernen Geschäftsbaus.

mini|Filiale der Dresdner Bank an der Französischen Straße, 1881

Auch die 1872 als Aktiengesellschaft gegründete Dresdner Bank, die ihre Geschäfte ursprünglich auf die Region um den Stammsitz Dresden konzentriert hatte, eröffnete 1881 eine Berliner Filiale – zunächst provisorisch im Hotel Bellevue in der Mohrenstraße, dann im umgebauten Gebäude Französische Straße 35. Die Bank hatte das Haus für 318.000 Mark von den Erben des im Jahr zuvor verstorbenen Paul Mendelssohn Bartholdy gekauft. Der Schritt in die Reichshauptstadt markierte eine – durchaus umstrittene – Wende in der Unternehmenspolitik: Die Dresdner Bank sollte ein überregional operierendes Kreditinstitut werden. Das Berliner Geschäft des Bankhauses expandierte schnell, sodass schon im Geschäftsjahr 1882/1883 der Umsatz der Zentrale in Dresden übertroffen wurde. 1884 siedelte der Bankvorstand nach Berlin über; juristischer Sitz des Unternehmens blieb aber bis 1950 Dresden. Die Räumlichkeiten an der Französischen Straße erwiesen sich nun als unzulänglich und reichten auch nach einer Erweiterung an der Hedwigskirchgasse nicht aus.Hans G. Meyen: 120 Jahre Dresdner Bank. Unternehmens-Chronik 1872 bis 1992. Dresdner Bank, Frankfurt am Main 1992, S. 30–32.

Baubeschluss und architektonische Vorgaben mini|Der Opernplatz im Jahr 1875; die rechts der Hedwigskirche stehenden Stadthäuser mussten dem Neubau der Bank weichen

Die Dresdner Bank erwarb 1886 aus dem Besitz eines bankrotten Privatbankiers das dem bisherigen Standort benachbarte Eckgebäude Behrenstraße 39. Sie fasste nun den Bau einer neuen Geschäftszentrale am damaligen Platz am Opernhaus (heute Bebelplatz) ins Auge. Beim Abriss des barocken Stadthauses stellte man fest, dass das anliegende Gebäude Behrenstraße 38 keinen eigenen Giebel besaß und von Einsturz bedroht war. Nach gerichtlicher Klärung der Angelegenheit übernahm die Dresdner Bank 1887 auch dieses Grundstück und konnte in den folgenden beiden Jahren auf der nun 1175 m² messenden Baufläche einen großzügigen Neubau errichten lassen.Martin Engel: Forum Fridericianum und die monumentalen Residenzplätze des 18. Jahrhunderts. (PDF) Kunsthistorische Dissertation. FU Berlin, 2001, S. 204–207. Die Kosten für den Bau des Gebäudes sowie für Einrichtung und Tresoranlage beliefen sich schließlich auf 1.200.000 Mark.Architekten-Verein zu Berlin und Vereinigung Berliner Architekten (Hrsg.): Berlin und seine Bauten. Bd. 2/3: Der Hochbau. Ernst, Berlin 1896, Bd. 3, S. 367.

Die deutliche Vergrößerung der Baufläche zwang Architekt Ludwig Heim, seine Pläne zu einem Zeitpunkt zu überarbeiten, da die Bauarbeiten bereits begonnen hatten. Außerdem war er bei seinem Entwurf einer Reihe von Beschränkungen unterworfen. So musste Heim Auflagen einer neu erlassenen Berliner Bauordnung berücksichtigen, die die Höhe des Neubaus am Opernplatz auf drei Stockwerke sowie ein Unter- und ein Dachgeschoss begrenzten. Außerdem wünschte der Bauherr, einen kleinen Teil der Erweiterung an der Hedwigskirchgasse in den Neubau integriert zu sehen. Trotz der noch immer limitierten Baufläche sollten alle Geschäfts- und Verwaltungsbereiche des Bankhauses sowie rund 300 Mitarbeiter in dem Gebäude Platz finden. Die neue Geschäftszentrale der Dresdner Bank sollte repräsentativ wirken, ohne den Opernplatz zu beherrschen.

Gesamtanlage und äußeres Erscheinungsbild mini|Das Äußere des Kernbaus von Ludwig Heim

Heim schuf eine moderne Zentralanlage mit zwei Höfen, die an die benachbarten Häuser an Französischer Straße und Behrenstraße angrenzten. Der westliche Hof konnte über eine Durchfahrt in einem zurückgesetzten, rechten Gebäudeteil an der Behrenstraße erreicht werden. Das Gebäude war Innen und Außen im Stil der italienischen Renaissance gehalten und hob sich damit deutlich von der städtebaulichen Umgebung des barocken Forum Fridericianum ab. Um diesen Kontrast abzumildern, versah Heim die Fassaden mit üppigem Schmuck, betonte dadurch aber noch die repräsentativen Absichten des Bauherrn. Mit dem Bankgebäude wurde erstmals ein deutlicher architektonischer Akzent an der Südseite des Opernplatzes gesetzt, was jedoch die Wirkung der benachbarten Hedwigskirche negativ beeinträchtigte.

Das Sockelgeschoss des Bankgebäudes war mit bayerischem Granit verkleidet, die restlichen Außenmauern bestanden aus sächsischem Sandstein. Aus der neunachsigen Hauptfassade an der Behrenstraße trat ein dreiachsiger Mittelrisalit hervor, der im ersten und zweiten Stock von Pilastern begrenzt und durch zwei Halbsäulen gegliedert war. Sie besaßen jeweils korinthische Kapitelle. Im ersten Stockwerk wiesen die drei Fenster im Risalit eine Segmentgiebelverdachung auf, die restlichen Fenster eine Dreiecksgiebelverdachung. Alle Fenster des ersten Stockwerks besaßen eine Balustrade und ionische Säulen. Mit Atlanten geschmückte Pfeiler beidseitig des Portals trugen einen schmalen Balkon vor dem mittleren Fenster des ersten Stockwerks. Auf dem Hauptgesims saß eine Attikabalustrade auf, die das Dachgeschoss verdeckte.

Auffällig war ein unterhalb des Hauptgesimses gelegener, 90 cm hoher, figürlicher Fries, den der Bildhauer Nikolaus Geiger gestaltet hatte. Er war dem Thema Arbeit gewidmet, wobei an der Hauptfassade materielle Arbeit, an der Seitenfassade zur Hedwigskirchgasse geistige Arbeit allegorisiert wurde. Der fortlaufende Fries wurde am Risalit vom Schriftzug „Dresdner Bank“ unterbrochen. Ihn flankierten Sinnbilder des Strebens nach Erfolg (links) und des Erzielens von Erfolg (rechts). Eine ebenfalls von Geiger stammende Figurengruppe über der Attika gestaltete das „Gerechte Walten des Schicksals“. Die in der Mitte thronende Verkörperung des Schicksals hielt den Knoten des menschlichen Geschicks in der Hand. Rechts von ihr stieß ein Dämon einen Müßiggänger in den Abgrund, während links ein Schaffensfreudiger mit Kind den Lorbeer als gerechten Lohn für sein Bemühen erhielt.

Das Gebäudeinnere mini|hochkant=1.8|Grundriss des Gebäudes; links das Erdgeschoss, rechts das erste Stockwerk

In der Mitte des Gebäudes befand sich im Erdgeschoss die mit Oberlicht versehene Schalterhalle (oder Kassensaal) für die Bankkunden. Sie reichte bis zum ersten Stockwerk, wo sie zu Galerien hin geöffnet war. Bis zu 1,5 m Höhe war die Halle mit poliertem Granit, darüber mit Marmor und Stuckmarmor verkleidet. Um die Schalterhalle herum gruppierten sich die Hauptkasse (gegenüber der Vorhalle), in der die Geldschränke für die Tageskasse standen, die Effektenkasse (östlich als fensterloser Innenraum) und die Kuponkasse mit der Kasse der Wechselstube (westlich). Seitlich der Vorhalle befand sich links und rechts die sogenannte „Correspondenz“ des Bankhauses. An der östlichen Gebäudeseite lagen außerdem ein Büro für die Prokuristen als Leiter der „Correspondenz“ sowie links der Effektenkasse die Primanota des Bankhauses mit dem südlich anschließenden Wechselbüro.

Die westlich der Eingangshalle gelegene Haupttreppe führte in die breite, zur Schalterhalle hin geöffnete Flurhalle des ersten Stockwerks, die als Wartesaal sowie als Aufenthaltsraum für Bankdiener fungierte. An die Flurhalle grenzten, auf den Opernplatz ausgerichtet, die Räume der Bankdirektion und der Sitzungssaal des Aufsichtsrats an. Auf der östlichen Gebäudeseite lagen die Büros der Unterdirektoren, das Sekretariat, der öffentliche Fernsprechraum und das Börsenbüro, in dem die für den Börsenhandel zuständigen Bankmitarbeiter residierten. Zu diesen hatten Börsenmakler über eine an das Wechselbüro des Erdgeschosses angrenzende Seitentreppe direkten Zugang. Eine zusätzliche Wendeltreppe stellte die Verbindung zwischen den Büros der Prokuristen und der Unterdirektoren her. Die westlichen und südlichen Bereiche des ersten Stockwerks nahmen die Räume der Buchhaltung ein.