mini|Der Wiesenbach im Rohrwald

Der Rohrwald ist ein Waldkomplex in Österreich. Er stellt mit einem Gesamtausmaß von etwa 24 km² nach den Tullnerfelder Donau-Auen und dem Ernstbrunner Wald den drittgrößten geschlossenen Waldkomplex des Bezirkes Korneuburg in Niederösterreich dar.

Der Rohrwald erstreckt sich über die Gemeinden Harmannsdorf, Leobendorf, Leitzersdorf und Niederhollabrunn, wobei der größte Teil in der Katastralgemeinde Rückersdorf liegt.

Der Rohrwald liegt auf einem Ausläufer der Flyschzone am Rande des Korneuburger Beckens und ist daher für das Weinviertel eher untypisch von mehreren Bachläufen durchzogen. Im waldarmen, agrarisch intensiv genutzten Weinviertel hat der Rohrwald eine sehr hohe ökologische Wertigkeit und wichtige Funktion als Naherholungsgebiet.

Geologie Geologisch zählen die westlichen, selbst nicht mehr bewaldeten und damit gute Rundumsicht gewährenden Gipfel des Rohrwaldes – der Waschberg und der Michelberg – zur Waschbergzone bzw. Weinviertler Klippenzone (Niederösterreichische Inselbergschwelle), die über die Leiser Berge, Falkenstein und den Mährischen Karst nördlich Nikolsburgs (Mikulov) die Alpen mit den Karpaten verbinden. Die Weinviertler Klippenzone und somit auch Teile des Rohrwalds gehören zu den Natura 2000 und FFH-Schutzgebieten Weinviertler Klippenzone. auf Seite des Land Niederösterreich. Die Grundgesteine des Gebietes sind schiefrige Tone, Tonmergel und Greifensteiner Sandstein, die alle mehr oder weniger von Löss überlagert sind. Alte und neue Steinbrüche zeigen Kalkgestein, in dem sich Überreste von Urtieren finden.

Berge mini|Der Rohrwald mit seinen Bergen

Der Rohrwaldzug verläuft parallel zum Bisambergzug. Das Rohrbachtal teilt ihn in zwei Züge, den Kreuzenstein-Zug und den Waschberg-Michelberg-Zug. Der Rohrwaldzug bildet den westlichen Abschluss des Korneuburger Beckens.

Der Kreuzenstein-Zug wird aus dem Schliefberg (250 m), dem Kreuzenstein (266 m) gekrönt von der Burg Kreuzenstein, dem Toblerberg (355 m), dem Daberg (279 m), dem Karnabrunner Kirchberg (359 m) und dem Galgenberg (358 m) gebildet.

Der Waschberg-Michelberg-Zug verläuft parallel zum Kreuzensteinzug und wird aus dem Waschberg (388 m), dem Michelberg (409 m), dem Höhlberg (323 m), dem Höchberg (347 m) und dem Steinberg (375 m) gebildet.

Vegetation und Nutzung mini|Trocken-warmer Zerr-Eichenwald mit Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea) mini|hochkant|Wiesenrauten-Muschelblümchen (Isopyrum thalictroides) in einem feuchteren Talgrund mini|Feuchtwiese am Rohrbach mit Sumpfdotterblumen (Caltha palustris)

Der Rohrwald ist aufgrund seiner Nähe zu Wien ein wichtiges Naherholungsgebiet und beliebtes Ausflugsziel. An der durch den Rohrwald verlaufenden Landesstraße 32 beim so genannten „Goldenen Bründl“ befindet sich ein seit 1935 bestehendes, gleichnamiges Gasthaus. Durch seine Lage im industriell geprägten und stetig wachsenden Speckgürtel um Wien gewinnt die Funktion des geschichtsträchtigen Rohrwald als Naherholungsgebiet und Rückzugsort immer mehr an Bedeutung. Der Rohrwald hat auch eine besonders hohe, ökologische Wertigkeit im sonst waldarmen, agrarisch intensiv geprägten Weinviertel und ist Heimat einer vielfältigen Pflanz- und Tierwelt. Im Gegensatz zu der relativ strukturarmen und oft technogen geprägten Landschaft im Weinviertel, befinden sich im Umfeld des Rohrwald noch zahlreiche schützenswerte kleine Wälder, Baumreihen, Buschhecken und Brachflächen („Gstätten“) die früher im gesamten Weinviertel weit verbreitet waren, aber vor allem im flachen Ackerland durch die Kommasierung in den 1970er Jahren verloren gegangen sind.

Dem trockenen, sommerwarmen, pannonischen Klima entsprechend, ist der Eichen-Hainbuchenwald die natürliche Vegetationsdecke. Der Rohrwald wird daher als Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald definiert. Begleitend bilden Vogelkirschen, Elsbeeren, Hainbuchen und lokal auch Rotbuchen die Oberschicht der Mittelwaldbestände. In der Unterschicht sind Stockausschläge von Hainbuche, Eiche, Winterlinde, Feldahorn und Hasel am häufigsten, in manchen Beständen sind auch Zitterpappel, Birke und Salweide in größerem Umfang beteiligt.

Die im Besitz von fünf Agrargemeinschaften stehenden Flächen werden seit mehreren 1000 Jahren als Mittelwald (Ausschlagwald) bewirtschaftet, um die Bevölkerung mit Brennholz zu versorgen. Alle 30 Jahre erfolgt eine Niederwaldnutzung durch Lizitationsvergabe. Durch die klassische Mittelwaldbewirtschaftung sind durch Lassreitelfreistellung Eichenüberhälter mit einem Alter von bis zu 150 Jahren entstanden. Im Niederösterreichischen Waldentwicklungsplan ist der Rohrwald daher auch als forstlicher Sonderstandort definiert.noel.gv.at Aufgerufen am 15. Januar 2023 Bei den in Großgrundbesitz befindlichen Flächen wird durch Erhöhung der Umtriebszeit eine Umwandlung in einen hochwaldartigen Bestand angestrebt.

Neben dem Rohrbach fließen der Wiesenbach und mehrere kleinere Zubringer durch den Wald. Die kleinen Bachläufe werden großteils von Mähwiesen eingenommen, zum Teil sind von Bruchweiden dominierte Bachauenwälder ausgebildet. Die größten Wiesen sind die entlang des Wiesenbach verlaufende „Lange Wiese“, die in das Hanfthal führende „Neuwiese“ und entlang des Rohrbaches die „Steinmandelwiese“ sowie die „Türkenwiese“. Zwei kleinere, an der Landesstraße liegende Wiesen haben die Bezeichnung „Bogner Wiese“ und „Richterwiese“.Franziszeischer Kataster auf arcanum.com Auf den am Westrand des Rohrwald liegenden Michelberg und Waschberg befinden sich zwei bedeutende Trockenraseninseln (Trespen-Schwingel-Kalktrockenrasen).

Die für das Weinviertel eher untypischen Bachläufe erhöhen die Habitateignung für den Schwarzstorch. Ein im Jahr 2010 entdeckter Großhorst lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit dem Schwarzstorch zuordnen.BirdLife-Studie des Umweltbericht zum NÖ SekROP Windkraftnutzung, erstellt von Gábor Wichmann und Manuel Denner im Auftrag der NÖ Umweltanwaltschaft, vom 11. November 2013 Ein durch den Rohrbach gespeister Teich trägt zur Artenvielfalt der Fauna und Flora des Rohrwald bei. Über Brutzeitbeobachtungen wurden insgesamt 46 Vogelarten als sichere oder mögliche Brutvögel erfasst, wobei in der Bachau die größte Artenvielfalt festgestellt wurde.Brutzeitbeobachtung im Rohrwald bei Stockerau (PDF; 543 kB) - Ein Beitrag zur Avifauna der Eichen-Mittelwälder im Weinviertel (NÖ) von Ulrich Straka, 1998 Fünf der insgesamt sechsundvierzig beobachten Arten sind besonders gefährdet und stehen auch auf der Rote Liste gefährdeten Arten. Es sind dies Sakerfalke, Wespenbussard, Ziegenmelker, Wendehals und der Mittelspecht. Der ebenfalls beobachtete Kuckuck zählt laut BirdLife auch zu den regelmäßig gefährdeten Brutvögeln. Im Jahr 2010 wurde ein, leider abgestützter, Großhorst entdeckt, der mit hoher Wahrscheinlichkeit dem Schwarzstorch zuzuordnen ist. Kaiser- und Seeadler gelten als Erbauer eher unwahrscheinlich, sind aber nicht auszuschließen. Entlang der den Rohrwald querenden Hochspannungsleitungen befindet sich ein Brutvorkommen des stark gefährdeten Sakerfalken. Aufgerufen am 30. Oktober 2013 (PDF, 77 KB) von BirdLife Österreichraumordnung-noe.at Aufgerufen am 18. Jänner 2023

Teile des Rohrwald sind Bestandteil des Europaschutzgebietes Weinviertler Klippenzone, welches 2011 als Fauna-Flora-Habitat Gebiet beschlossen wurde. Im Rohrwald wurden folgende FFH-Arten festgestellt: Goldener Scheckenfalter, Großer Feuerfalter, Hecken-Wollafter, Hirschkäfer, Eschen-Scheckenfalter, Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling, Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling sowie das Ziesel.Europaschutzgebiet Weinviertler Klippenzone auf naturland-noe.atSchutzgebietsnetzwerk NÖ naturland-noe.at, PDF, 2,29 MB, aufgerufen am 18. Jänner 2023

Der Rohrwald ist wichtiger Bestandteil des Wildtierkorridor für Großwildarten zwischen der Stockerauer Au und dem Ernstbrunner Wald im Norden und dem östlich gelegenen Kreuttal.Umweltbericht um NÖ SekROP Windkraftnutzung - Knollconsult Umweltplanung ZT GmbH 28.11.2013 Es hat sich eine kleine Damwildpopulation etabliert, die auch jagdlich bewirtschaftet wird.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind im Rohrwald Wildschweine beheimatet. Damals wurden die Mauern des Lainzer Tiergartens zerstört und die dort lebenden Wildschweine konnten entwischen. In der Gegend von Spillern haben sie vermutlich die Donau durchschwommen und im Rohrwald ihre neue Heimat gefunden.Naturerlebnisweg Goldenes Bründl - Station 6

Im Rohrwald gedeihen seltene Orchideenarten wie das Breitblatt-Waldvöglein (Cephalanthera damasonium), das Purpur- und Helm-Knabenkraut (Orchis purpurea und O. militaris), die Weiß- und Grünlich-Waldhyazinthe (Platanthera bifolia und P. montana) sowie der Frauenschuh (Cypripedium calceolus).

Geschichte Der an dem Schnittpunkt zwischen Bernsteinstraße und Donauweg liegende Michelberg mit seiner Kapelle am Berggipfel sowie dem etwas darunter liegenden Gasthaus hat eine lange Vergangenheit als Kultstätte und ist ein beliebtes Ausflugsziel in unmittelbarer Nähe zu Wien.

mini|Model der Höhensiedlung „Die Kugel“

Im Rohrwald befinden sich zwei frühbronzezeitliche Höhensiedlungen. Die größte Anlage „Die Kugel“ ist aufgrund ihrer Lage am Fuße des Michelberges und ihrer ungewöhnlichen Größe besonders imposant. Das auf dem gesamten Höhenrücken einer Geländezunge gelegene, ovale Siedlungsplateau misst etwa 200 mal 150 Meter. Noch heute sind die terrassenförmig angelegten Wälle erkennbar. Eine weitere Anlage befindet sich unweit des Goldenen Bründls am Fuße des Höhlberg, zwischen der Neuwiese und der Langen Wiese auf einem exponierten, bewaldeten Hügel an der Pforte zum Hanfthal.Der Michelberg und seine Kirchen von Ernst Lauermann, Verlag Marie Leidorf GmbH 2017, ISBN 978-3-86757-023-7

Im Rohrwald war im 12. Jahrhundert ein Dorf namens Wielandsdorf angesiedelt. Bereits 1312 wird das Dorf als verödet genannt. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts erscheinen jedoch Balthasar und Stephan Wilestorfer, welche auf eine temporäre Wiederbesiedelung schließen lassen. Im späten 15. Jahrhundert ist aufgrund der Magyaren-Einfälle jener Zeit die endgültige Verödung erfolgt. Einige Grundmauern dieser Siedlung waren lt. Zeitzeugen noch bis 1970 sichtbar. Die Überreste der Siedlung Wielensdorf befinden sich unter der Bezeichnung Wüstung Wilantisdorf unter Denkmalschutz.

In einer Verkaufsurkunde von 1385 wird die Quelle „Goldener Brunn“ erstmalig schriftlich erwähnt. Über die Quelle „Goldenes Bründl“ ringt sich eine Sage, demnach der deutsche König Rudolf I. von Habsburg am Weg zur Schlacht im Marchfeld gegen Ottokar II. Přemysl in der Quelle einen goldenen Becher fand, welchen er wiederum bei einer Nixe gegen einen goldenen Ring und Glück für sich und seinen Nachkommen tauschte. 1885 wurde östlich vom „Goldenen Bründl“ eine „Rohrwaldhütte“ eröffnet.

Das heute westlich des „Goldenen Bründls“ gelegene gleichnamige Gasthaus stammt aus dem Jahre 1935 und wurde von Karl Tischer geführt. Im Volksmund wurde und wird das Gasthaus daher auch „Zum Tischer“ genannt. 1975 wurde der Betrieb von seiner Tochter Eleonore Hosemann übernommen und der Neubau am 17. Dezember 1976 eröffnet. Das in der Nähe befindliche Jagdhaus stammt aus dem Jahre 1892. Die Quelle „Goldenes Bründl“ ist heute von einem gemauerten Häuschen mit Zeltdach überbaut. Das Wasser wird vom unweit entfernten gleichnamigen Gasthaus genützt. Seit 2000 wird das Gasthaus on Regine und Gerhard Knobl geführt.

mini|Die Schwedenhöhlen