Das Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium ist ein Gymnasium in Greifswald. Es wurde im Jahre 1561 als städtische Schule gegründet und ist eine der ältesten Schulen im deutschsprachigen Raum.

Schulleben Das Gymnasium hat die 7. bis 12. Jahrgangsstufe. Das Fremdsprachenangebot ist breit gefächert: So wird u. a. Spanisch und Schwedisch angeboten. Das Gymnasium gehört zu den vier Schulen mit humanistischem Profil in Mecklenburg-Vorpommern. Es gibt bilingualen Unterricht und iPad-Klassen. Chor und Musical kann belegt werden.

Geschichte

Das heutige Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium wurde 1561 als Schola Senatoria (Ratsschule) durch Zusammenfassung der drei örtlichen Trivialschulen gegründet und in einem Trakt des „Grauen Klosters“ untergebracht – so hieß das nach der Reformation aufgegebene Franziskanerkloster Greifswald. Während des Rektorats von Lucas Tacke von 1582 bis 1612 stieg die Zahl der Schüler auf 300 an. Im Dreißigjährigen Krieg und den nachfolgenden Konflikten in Schwedisch-Pommern ging im 17. Jahrhundert die Schülerzahl stark zurück.

1726 wurde nach Verhandlungen des Generalsuperintendenten Albrecht Joachim von Krakevitz mit dem Rat und der Geistlichkeit eine neue Schulordnung erlassen, die auf den Thesen des Halleschen Pädagogen August Hermann Francke basierte. Der Niedergang der Schule setzte sich jedoch weiter fort. Die Schülerzahl ging in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis auf 16 zurück. Das baufällige Schulgebäude konnte nur provisorisch repariert werden. Nachdem die Schule unter Theophilus Coelestinus Piper 1783 ihren Tiefpunkt erreicht hatte, gelang es seinem Nachfolger Heinrich Ehrenfried Warnekros eine grundlegende Reform der Schule durchzusetzen. Unterstützt durch die Regierung in Stralsund und die Bürgerschaft wurde mit der Umwandlung in eine eine bürgerliche Bildungsanstalt geschaffen. Zugunsten von Mathematik, Deutsch, Geschichte und Naturwissenschaften wurde der Unterricht in den Alten Sprachen reduziert.Irene Blechle: Schulkindheit in der Universitätsstadt Greifswald zwischen Schwedenkrone und achtundvierziger Revolution (1815–1848/1849). In: Werner Buchholz (Hrsg.): Kindheit und Jugend in der Neuzeit 1500-1900. Franz Steiner Verlag, 2000, ISBN 978-3-515-07259-5, S. 273–274 (Digitalisat) Nach Entwürfen des Universitätszeichenlehrers Johann Gottfried Quistorp wurde auf den Grundmauern der früheren Klosterkirche ein neues Schulgebäude errichtet und 1799 eingeweiht, worin sich heute die Gemäldegalerie des Pommerschen Landesmuseums befindet. 1800 hatte die Schule wieder 101 Schüler.

Mit dem vom Rektor Christian Wilhelm Ahlwardt 1816 nach dem Übergang Schwedisch-Pommerns an Preußen eingeführten neuen Lehrplan erhielt die Einrichtung den Charakter einer gelehrten Schule. Um 1820 wurde die Schule in ein Humanistisches Gymnasium im Sinne Wilhelm von Humboldts umgewandelt. 1848 wurde eine daneben eine Realabteilung eröffnet und wegen der dadurch anwachsenden Schülerzahl 1870 das heutige Gebäude am Wall bezogen. 1913 ging das Gymnasium aus der städtischen in preußische Verwaltung über und wurde später in die Gruppe der 17 staatlich besonders bedeutungsvollen Bildungseinrichtungen übernommen. Seit 1937 hieß das Gymnasium „Friedrich-Ludwig-Jahn-Schule“, der humanistische Charakter ging verloren. 1947 wurde das Lyzeum der Oberschule angeschlossen, 1948 die Koedukation eingeführt. 1958 wurde die Schule in eine Erweiterte Oberschule umgewandelt. Die Schülerin Angela Marquardt verpflichtete sich 1987 als Inoffizieller Mitarbeiter der Stasi, um Informationen über ihr Umfeld zu geben.

1991 wurde wieder ein grundständiges Gymnasium eröffnet, beginnend mit der 5. Klasse.

Lehrer 1582–1612 Lukas Taccius, Rektor 1745–1764 Hermann Jacob Lasius, Philologe, Rektor 1764–1767 Johann August Kriebel, Theologe, Rektor 1768–1783 Theophilus Coelestinus Piper, Theologe, Rektor 1783–1807 Heinrich Ehrenfried Warnekros, Philologe, Rektor 1808–1810 Andreas Christoph Niz, Philologe, Rektor 1810–1813 Gottlieb Mohnike, Theologe, Konrektor 1811–1817 Christian Wilhelm Ahlwardt, Philologe, Rektor 1819–1836 Christian David Breithaupt, Theologe, Rektor 1830–1854 Hermann Paldamus, Philologe, Prorektor 1850–1861 Robert Heinrich Hiecke, Philologe, Rektor 1845–1878 Adolf Häckermann, Philologe, Oberlehrer 1851–1861 Hermann Friedrich Christoph Lehmann, Philologe, Lehrer 1898–1916 Philipp Wegener, Philologe, Direktor 1907–1912 Philipp Tribukait, Gymnasialprofessorab 1912 Direktor des Kgl. Realgymnasiums Goldap, 1915 in Polen gefallen, Mitglied des Corps Masovia 1921–1935 Clemens Thaer, Mathematikhistoriker, Studienrat 1924–1926 Heinrich Stengel, Philologe, anschließend Rektor am Gymnasium Stralsund

Schüler um 1765 Friedrich Andreas Stroth (1750–1785), deutscher Altphilologe und Theologe um 1815 Hans Karl Barkow, Anatom und Physiologe 1833–1846 Theodor Pyl, Historiker bis 1853 Adolf Brieger, Altphilologe und Gymnasiallehrer um 1865 Hans Delbrück, Historiker und Politiker um 1865 Max Lenz, Historiker um 1868 Max Ludwig Rohde, Jurist 1872 Max Hofmeier, Gynäkologe Gotthard Baier 1877–1879 Hermann Lietz, Reformpädagoge um 1880 Georg Steinhausen, Kulturwissenschaftler 1883 Hugo Wendorff, Politiker bis 1893 Konrad Haenisch, Journalist und Politiker (SPD) Ende des 19. Jahrhunderts Walter Stengel, Kulturhistoriker 1931 Heinrich Ferdinand Curschmann, Rechtsanwalt 1934 Berthold Beitz, Manager bis 1949 Konrad Fritze, Historiker bis 1955 Manfred Stolpe, PolitikerPDF UA-Bericht LT Brandenburg 1. Wahlperiode - Drucksache 1/3009, Seite 36 Abgerufen am 20. Oktober 2010 bis 1990 Angela Marquardt, Politikerin bis 2008 Elisabeth Aßmann, Politikerin

Literatur Hermann Friedrich Christoph Lehmann: Geschichte des Gymnasiums zu Greifswald. Greifswald 1861 Max Schmidt: Geschichte des Gymnasiums und der Realschule zu Greifswald von 1861 bis 1911. Greifswald 1911 (Digitalisat) Ludwig Wiese (Hrsg.): Das höhere Schulwesen in Preussen: Historisch-statistische Darstellung, im Auftrage des Ministers der Geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-angelegenheite. Wiegandt und Grieben, Berlin 1864, S. 156–157 (Digitalisat) Biographien von hervorragenden Lehrern und Schülern am Staatlichen Gymnasium in Greifswald: gegründet 1561 als Schola Senatoria, seit 1937 Friedrich-Ludwig-Jahn-Oberschule, Greifswald, ab 1997 (Veröffentlichungsreihe)

Weblinks

www.jahngymnasium.de

Einzelnachweise

Greifswald Greifswald Kategorie:Bildungseinrichtungsgründung 1561