Roatán (historisch auch Ruatan, Ruattan, Roatan, Rattan, Ratan)David Waddell, Great Britain and the Bay Islands, 1821-61. Historical Journal 2/1, 1959, Anm. 1. Stable URL: https://www.jstor.org/stable/3020338 ist eine Insel der Islas de la Bahía in der Karibik. Sie liegt etwa 65 km nördlich vor der Küste von Honduras. Im Osten liegt die Nachbarinsel Guanaja, im Südwesten Útila.

Geographie Roatán ist mit 125 km² Fläche die größte der Islas de la Bahía – sie ist langgestreckt, 60 km lang und 8 km breit. Ein von tropischer Vegetation bedeckter Bergrücken prägt die Insel. Es gibt vereinzelt Sandstrände, rund um die Insel liegen Korallenriffe. Östlich schließen sich einige kleine Inseln, sogenannte Cays, an: Morat, Barbaretta, Pigeon Cay und Barefoot Cay. Insgesamt ist die Insel trocken und wenig fruchtbar, Sandböden herrschen vorChristopher Taylor, The Black Carib Wars: Freedom, Survival, and the Making of the Garifuna. Jackson, University Press of Mississippi 2012, 148. https://muse.jhu.edu/book/26283. Die Insel liegt in der Nähe des Belize Barrier Reefs, eines der größten Korallenriffe der nördlichen Hemisphäre. Taucher schätzen die Korallenvielfalt rund um Roatán. Das kristallklare warme Wasser und spektakuläre farbige Wände, kleine Canyons und Höhlen ergänzen das Taucherlebnis., Globetrotter Travel Service, zugegriffen: 31. Mai 2011

Die Hauptstadt der Insel ist Coxen Hole. Weitere Städte sind French Harbour, West End und Oak Ridge.

Wirtschaft und Verkehr Im späten 17. und 18. Jahrhundert schlugen Holzfäller die Farbhölzer der Insel ein und exportierten sie nach Europa. Der Handel mit Farbholz brach jedoch um 1760 zusammenFrank Griffith Dawson, William Pitt's Settlement at Black River on the Mosquito Shore: A Challenge to Spain in Central America, 1732-87. Hispanic American Historical Review 63/4, 1983, 695. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war die Wirtschaft vor allem auf Selbstversorgung ausgelegt. Der Export von Bananen in die USA wurde zunehmend wichtiger, aber ein Wirbelsturm im Jahr 1877 führte dazu, dass der Anbau danach vor allem auf den honduranischen Festland stattfand. Seit Mitte der 1950er Jahre wurde eine Fischerei-Industrie (Krebse und Krabben) aufgebaut, hauptsächlich aus Einkünften als Gastarbeiter in anderen mittelamerikanischen Staaten oder den USA. Auch heute noch ist dies eine wichtige Einkommensquelle, doch sind die Bestände durch Überfischung bedroht.

Ende der 1960er Jahre wurden die ersten Tauchschulen eingerichtet. Massentourismus wurde möglich, als der Flughafen der Insel 1988 für internationale Flüge ausgebaut wurde. Danach entstanden Luxushotels und teure Ferienwohnungen für US-Amerikaner. In Coxen Hole und Dixon Cove entstanden Piere für Kreuzfahrtschiffe, 2009 wurde ein Luxus-Golfhotel eröffnetR. Graham, Honduras/Bay Islands English. In: D. Schreier, Trudgill, P., Schneider E. W., Williams J. P. (Hrsg.). The lesser-known Varieties of English: An Introduction. Studies in English Language. Cambridge, Cambridge University Press 2010, 95. mini|Kreuzfahrtschiffe in Coxen Hole, 2011 Die wichtigste Einnahmequelle heute ist der Tourismus – 2006 kamen 250.000 Touristen auf die Insel. Der Flughafen Roatán wird vom honduranischen Festland und von internationalen Flughäfen angeflogen. Viele Charter-Flüge zum Flughafen Roatán starten in den USA oder Kanada und dienen touristischen Zwecken. Roatan ist auch Durchgangsstation für Besucher der Islas de la Bahía/Bay-Islands. Zusätzlich wird die Insel von Kreuzfahrtschiffen angelaufen. Die überwiegende Mehrzahl der Touristen sind US-AmerikanerElisabeth Kirtsoğlou, Dimitrios Theodossopoulos 2004/2006, They are taking our Culture away: Tourism and Culture Commodification in the Garifuna Community of Roatan. Critique of Anthropology 24/2, 135. Nach den Zerstörungen durch den Hurrikan Mitch bekam der Tourismus in der Küstenregion eine existentielle Bedeutung für ganz HondurasElisabeth Kirtsoğlou, Dimitrios Theodossopoulos 2004/2006, They are taking our Culture away: Tourism and Culture Commodification in the Garifuna Community of Roatan. Critique of Anthropology 24/2, 139. Einheimische beklagen inzwischen den Einfluss des Massentourismus auf die lokale KulturElisabeth Kirtsoğlou, Dimitrios Theodossopoulos 2004/2006, They are taking our Culture away: Tourism and Culture Commodification in the Garifuna Community of Roatan. Critique of Anthropology 24/2, 135–157. Die Insel zeichnet sich durch hohe Preise aus. Die Infrastruktur ist außerhalb der Touristenzentren kaum entwickeltElisabeth Kirtsoğlou, Dimitrios Theodossopoulos 2004/2006, They are taking our Culture away: Tourism and Culture Commodification in the Garifuna Community of Roatan. Critique of Anthropology 24/2, 139. Umweltverschmutzung und zunehmende soziale Ungleichheit und soziale Spannungen zwischen Ladinos und Kreolen werden immer mehr zum ProblemR. Graham, Honduras/Bay Islands English. In: D. Schreier, Trudgill, P., Schneider E. W., Williams J. P. (Hrsg.). The lesser-known Varieties of English: An Introduction. Studies in English Language. Cambridge, Cambridge University Press 2010, 97.

Charter City Próspera 2013 wurde in einem Gesetz die Grundlage für einen großen Versuch gelegt: Auf 23 Hektar soll eine autonome Investoren-Enklave, kurz „ZEDE“ genannt, entstehen. Der offizielle Name ist Próspera – WohlstandZEDE. Das Konzept sogenannter Charter Cities geht auf Paul Romer zurück. Hier sollen Unternehmen die Gesetze festlegen können und nur geringe Steuern gelten. Die – zukünftige – Stadt selbst heißt St. John’s Bay.

2022 wurde bekannt, dass Honduras das Projekt beenden möchte.

Geschichte Archäologischen Untersuchungen zufolge waren die Inseln seit mindestens 600 n. Chr. besiedelt. Funde bestehen aus Keramik und Steinwerkzeugen, die teilweise Kontakte zum Festland belegenLorena D. Mihok, E. Christian Wells and Whitney A. Goodwin, The Royalization of Roatán: Colonial Encounters with the Pech and Miskitu. In: Whitney A. Goodwin, Erlend Johnson, Alejandro J. Figueroa (Hrsg.), Southeastern Mesoamerica, Indigenous Interaction, Resilience, and Change. University Press of Colorado 2021, 182. Stable URL: https://www.jstor.org/stable/j.ctv1gd0vr9.10. Las Casas beschreibt Guanaja, wo Kolumbus 1502 an Land ging, und deren Nachbarinseln als gut bevölkert"all very well populated", Lorena D. Mihok, E. Christian Wells and Whitney A. Goodwin, The Royalization of Roatán: Colonial Encounters with the Pech and Miskitu. In: Whitney A. Goodwin, Erlend Johnson, Alejandro J. Figueroa (Hrsg.), Southeastern Mesoamerica, Indigenous Interaction, Resilience, and Change. University Press of Colorado 2021, 179. Stable URL: https://www.jstor.org/stable/j.ctv1gd0vr9.10. Die einheimische Bevölkerung der Insel bestand vermutlich aus Paya. Sie wurden teilweise als Sklaven nach Kuba verschlepptLorena D. Mihok, E. Christian Wells and Whitney A. Goodwin, The Royalization of Roatán: Colonial Encounters with the Pech and Miskitu. In: Whitney A. Goodwin, Erlend Johnson, Alejandro J. Figueroa (Hrsg.), Southeastern Mesoamerica, Indigenous Interaction, Resilience, and Change. University Press of Colorado 2021, 180. Stable URL: https://www.jstor.org/stable/j.ctv1gd0vr9.10. Die Inseln wurden spanische Kolonien und wurden von Trujillo aus verwaltetLorena D. Mihok, E. Christian Wells and Whitney A. Goodwin, The Royalization of Roatán: Colonial Encounters with the Pech and Miskitu. In: Whitney A. Goodwin, Erlend Johnson, Alejandro J. Figueroa (Hrsg.), Southeastern Mesoamerica, Indigenous Interaction, Resilience, and Change. University Press of Colorado 2021, 183. Stable URL: https://www.jstor.org/stable/j.ctv1gd0vr9.10.

Der Plantagenbesitzer William Claiborne aus Virginia versuchte 1638 am Ostende der Insel eine Kolonie zu gründen, mit einer Charta der Providence Company der Puritaner. Er nannte die Insel zu Ehren von Henry Rich, Graf von Holland, Rich IslandLorena D. Mihok, E. Christian Wells and Whitney A. Goodwin, The Royalization of Roatán: Colonial Encounters with the Pech and Miskitu. In: Whitney A. Goodwin, Erlend Johnson, Alejandro J. Figueroa (Hrsg.), Southeastern Mesoamerica, Indigenous Interaction, Resilience, and Change. University Press of Colorado 2021, 184. Stable URL: https://www.jstor.org/stable/j.ctv1gd0vr9.10. Die Lage der Siedlung ist unbekannt, William Davidson nimmt an, dass sie am Ostende der Insel nördlich von Old Port Royal in der Nähe einer Paya-Siedlung namens Roata lagDavidson, William V. 1974. Historical Geography of the Bay Islands, Honduras: Anglo-Hispanic Conflict in the Western Caribbean. Birmingham, Southern University Press, 49, zitiert nach Lorena D. Mihok, E. Christian Wells and Whitney A. Goodwin, The Royalization of Roatán: Colonial Encounters with the Pech and Miskitu. In: Whitney A. Goodwin, Erlend Johnson, Alejandro J. Figueroa (Hrsg.), Southeastern Mesoamerica, Indigenous Interaction, Resilience, and Change. University Press of Colorado 2021, 184. Die Spanier vertrieben die Puritaner 1642, durch den Englischen Bürgerkrieg waren sie nicht mehr effektiv von der Regierung geschützt, Rich wurde 1649 als Royalist hingerichtet. Einige Holzfäller („Logger“ oder Baymen), die Farbhölzer einschlugen und exportierten, blieben zurück. Sie und einige überlebende Einheimische wurden aber um 1650 von den Spaniern ebenfalls von der Insel entferntGregory N. Flemming 2014, At the Point of a Cutlass: The Pirate Capture, Bold Escape, and Lonely Exile of Philip Ashton. Lebanon, University Press of New England, 80. JSTOR, https://doi.org/10.2307/j.ctv1xx9mbw. Zugriff am 20. Juni 2025. und in Guatemala zwangsangesiedelt. Nach 1650 werden keine Einheimischen mehr erwähntLorena D. Mihok, E. Christian Wells and Whitney A. Goodwin, The Royalization of Roatán: Colonial Encounters with the Pech and Miskitu. In: Whitney A. Goodwin, Erlend Johnson, Alejandro J. Figueroa (Hrsg.), Southeastern Mesoamerica, Indigenous Interaction, Resilience, and Change. Denver, University Press of Colorado 2021, 180. Stable URL: https://www.jstor.org/stable/j.ctv1gd0vr9.10.