Das Rudolf-Harbig-Stadion ist die Spielstätte des Fußballvereins Dynamo Dresden. Das Fußballstadion befindet sich an der Lennéstraße 12, in unmittelbarer Nähe zum Großen Garten, und ist nach dem in Dresden geborenen Leichtathleten Rudolf Harbig benannt. Der Eigentümer des Stadions ist die Stadt Dresden.
Kapazität Die maximale Kapazität des Stadions betrug zur Zeit der DDR-Oberliga 38.500 Zuschauer. Der Zuschauerrekord lag allerdings (inoffiziell) bei 44.000 Zuschauern während der UEFA-Pokal-Partie am 24. September 1979 zwischen Dynamo Dresden und dem VfB Stuttgart.
Das von 2007 bis 2009 neu gebaute Stadion bietet aktuell 32.249 Zuschauern auf vollständig überdachten Rängen Platz (21.055 Sitzplätze, davon 400 für Gäste, sowie 11.055 Stehplätze, davon 2000 für Gästefans – zudem 1548 VIP-Sitze, 18 Logen, 56 Rollstuhlplätze, 144 Presseplätze). An Spieltagen von Dynamo gilt es bereits mit weniger als 30.000 abgesetzten Karten als ausverkauft, da – je nach Sicherheitseinstufung – bis zu 2700 am Gästesektor angrenzende Plätze als Pufferzone frei bleiben müssen. Der offizielle Zuschauerrekord liegt bei 39.100 beim Spiel gegen Magdeburg am 5. November 1977.https://www.dynamo-dresden.de/aktuelles/news/verein/die-historie-des-elb-clasico/
Geschichte Anfangszeit mini|links|Sportplatz zur Internationalen Hygiene-Ausstellung 1911 mit der Ballwerferplastik von Richard Daniel Fabricius, 1907 (finanziert durch die Güntzstiftung) mini|Sportplatz 1911 Im Jahr 1896 wurde erstmals eine Sportstätte auf dem heutigen Stadiongelände erwähnt. Sie war auf den Güntzwiesen errichtet worden, die sich zwischen dem Großen Garten und dem später so bezeichneten Blüherpark befanden. Die erste Fußballmannschaft, die auf den Güntzwiesen spielte, war der Dresden English Football Club. 1910 gründete der Verein Dresdensia an dieser Stelle seine Fußballabteilung.
Anlässlich der Internationalen Hygiene-Ausstellung 1911 wurde der Sportplatz ins Ausstellungsgelände einbezogen und ausgebaut. Er bot 12.000 Zuschauern Platz und diente als Sportstätte für Fußball und Leichtathletik. An seinem nördlichen Zugang stand die Ballwerferplastik von Richard Daniel Fabricius von 1907, die sich heute vor dem Hygiene-Museum befindet.
Ilgen-Kampfbahn (1923–1945) Am 21. Dezember 1922 begann der Geheime Hofrat Hermann Ilgen mit dem Bau eines Stadions, das am 16. Mai 1923 als Dresdner Kampfbahn mit einer Kapazität von rund 24.000 Plätzen eingeweiht wurde. Dies geschah im Rahmen der Jahresschau Deutscher Arbeit, Spiel und Sport. Die Anlage wurde 1937 nach ihrem Stifter Ilgen-Kampfbahn benannt und diente auch als Heimstätte von Dresdensia Dresden.
Rudolf-Harbig-Stadion/Dynamo-Stadion (1951–2007) mini|links|Ilgen-Kampfbahn während des Wiederaufbaus im März 1951 mini|Innenansicht des alten Harbig-Stadions mini|Alte Flutlichtkonstruktion („Giraffen“) mini|Abschied der Flutlichtkonstruktion nach dem letzten Spiel mit Flutlicht mini|Alte Anzeigetafel Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das schwer zerstörte Gelände wieder aufgebaut und am 23. September 1951 unter dem Namen Rudolf-Harbig-Stadion neu eingeweiht. Der Namensgeber Rudolf Harbig war ein Dresdner Leichtathlet, der als Mittelstreckenläufer mehrere Weltrekorde erzielte. Er trat 1937 in die NSDAP ein und bekleidete den Rang eines SA-Sturmmanns. Da dies nicht in das Sportler-Idealbild der DDR passte, wurde der Name der Sportanlage im Sommer 1971 in Dynamo-Stadion abgeändert – 1957 wurde das Stadion vom Ministerium für Staatssicherheit übernommen, im Januar 1957 war die drittklassige Volkspolizei-Mannschaft Dynamo ins Harbig-Stadion eingezogen. Diese Bezeichnung trug das Stadion offiziell bis 1990. Es wird auch heute noch häufig so genannt.
Flutlicht Im Sommer 1969 wurde eine Flutlichtanlage erbaut und am 3. September desselben Jahres mit einem Spiel von Dynamo Dresden gegen eine DDR-Auswahl eingeweiht. Die Konstruktion der Flutlichtanlage wurde von Manfred Mortensen, dem Architekten Günter Schöneberg und dem Ingenieur Friedrich Schmidt entworfen und von der PGH Elektrobau Dresden, vom VEB Schiffsreparaturwerften Berlin, Werk Tangermünde, der die Stahlkonstruktionen schuf, und dem VEB Sächsischer Brücken- und Stahlhochbau Dresden, der die Montage ausführte, aufgebaut.Rudolf-Harbig-Stadion: Progressive Architektur für den FC "Dynamo Dresden", Mitteilung von Thomas Kantschew, abgerufen am 6. November 2021 Die Anlage bestand aus vier einzelnen Stahl-Hohlprofilmasten. Wegen ihres Aussehens wurden sie umgangssprachlich auch als „Giraffen“ bezeichnet. Die Masten waren 62 Meter hoch, 60,5 Tonnen schwer und hatten einen Neigungswinkel von 20 Grad. Die insgesamt 104 Lampen (jeweils 2 kW) hatten eine Gesamt-Leistungsaufnahme von 208 Kilowatt und entwickelten auf dem Spielfeld eine Lichtstärke von anfangs 570 Lux, später 700 Lux. Um ein Spiel regelgemäß stattfinden zu lassen, sind 450 Lux nötig. Diese Ausstattung war zum damaligen Zeitpunkt die beste in Deutschland.
Anzeigetafel Im Sommer 1979 wurde eine elektronische Anzeigetafel aufgestellt, die aus insgesamt 4333 Glühlampen bestand und von einem Computer gesteuert wurde. Sie wurde erstmals am 6. Juni 1979 in einem Spiel zwischen Dynamo Dresden und dem 1. FC Magdeburg in Betrieb genommen.
Modernisierung Nach der politischen Wende in der DDR wurde das Stadion modernisiert, um die Normen des DFB und der FIFA zu erfüllen. Dazu gehörte unter anderem die Verbesserung der Sicherheit für Spieler und Schiedsrichter. Der damalige Bundesligist Dynamo Dresden brachte hierfür etwa zwei Millionen DM auf. Die Stadt Dresden ließ bis zum Sommer 1992 zudem die vorhandenen Sitzbänke durch separate Sitzschalen ersetzen und die Spielfläche mit neuem Rasen ausstatten – das erste Mal seit 1956. Allein die Erneuerung des Spielrasens kostete rund 750.000 DM.
Am 17. Juli 1999 fand im Rudolf-Harbig-Stadion ein Konzert mit dem Schlagersänger Wolfgang Petry statt. Diese Veranstaltung wurde von rund 5000 Menschen besucht. Ebenfalls in den 1990er Jahren war das Stadion mehrfach Veranstaltungsort von Kongressen der Zeugen Jehovas.
Stadionneubau (2007–2009) mini|Neue Westtribüne nach ihrer Fertigstellung im August 2008 mini|Neue Osttribüne mit den VIP-Logen mini|Innenansicht des Rudolf-Harbig-Stadions, 2009
Der vorherige Stadionbau galt als veraltet, da nach der Wende nur die notwendigsten Sanierungsmaßnahmen durchgeführt wurden. Deshalb fiel am 6. Januar 2006 im Stadtrat die Entscheidung, in Verhandlung mit einem Bieter für den Stadionneubau zu treten. Im Folgenden wurde mit der HBM Stadion- und Sportstätten GmbH, einer Tochtergesellschaft der BAM Deutschland AG, verhandelt, dem Drittplatzierten aus vier Wettbewerbsteilnehmern der Endrunde des Wettbewerbes der Stadt Dresden für einen Neubau des Rudolf-Harbig-Stadions. Diese sollte an alter Stelle ein 32.296 Zuschauer fassendes reines Fußballstadion errichten. Der Baukonzern hatte bereits den Neubau des Ostseestadions in Rostock sowie die Errichtung der WM-Stadien in Gelsenkirchen und Hannover umgesetzt. Nach mehrjährigen Diskussionen beschloss am 18. Mai 2006 der Stadtrat der Landeshauptstadt Dresden mit 46 gegen 20 Stimmen, das neue Stadion mit dem Partner HBM Stadien- und Sportstätten GmbH am jetzigen Standort an der Lennéstraße zu errichten. Das Regierungspräsidium Dresden genehmigte dann am 28. Februar 2007 die Finanzierung.
Im November 2007 geriet der geplante Baubeginn des neuen Stadions erneut in Gefahr. Das im Ausschreibungsverfahren unterlegene Bauunternehmen Hochtief und dessen Partner hatten einen Nachprüfungsantrag bei der Vergabekammer in Leipzig eingereicht. Nach Protest der Vereinsanhänger zog das Unternehmen den Antrag zurück. Die HBM Stadion- und Sportstätten GmbH forderte aufgrund gestiegener Planungskosten einen Tag nach der Rücknahme des Hochtief-Protestes eine Erhöhung des Auftragsvolumens um zwei Millionen Euro. Durch den verzögerten Baustart hatten sich die Material- und Lohnkosten erhöht. Am 17. April 2008 gab der Verein nach mehreren Gesprächen bekannt, dass HBM auf die Kostenerhöhung von zwei Millionen Euro verzichtet und dieses Hindernis zum Neubau beseitigt hat.
Am 4. Mai 2007 wurde der Vertrag für den Neubau des Rudolf-Harbig-Stadions unterschrieben. Die vertraglich vereinbarte Bauzeit belief sich auf zwei Jahre. Mit der Genehmigungsplanung des Stadions wurde im Juli 2007 begonnen und im Oktober 2007 der formelle Bauantrag bei der Stadt Dresden eingereicht. Die Baugenehmigung wurde am 20. Dezember 2007 erteilt. Am 22. Oktober 2007 kündigte HBM an, nach dem Spiel gegen den Wuppertaler SV am 10. November 2007 mit Vorbereitungsarbeiten zum Abriss der Tribünen in der Fan- sowie Badkurve und der Hornbach-Tribüne (Blöcke F, G, H, I, J, K1 und K2) zu beginnen. Am Tag nach dem Wuppertal-Spiel wurde mit dem Einrichten der Baustelle begonnen und Fans konnten sich gegen eine Spende Sitzschalen des Rudolf-Harbig-Stadions selbst abmontieren. Damit hatte der Abriss faktisch begonnen. Am 19. November 2007 begann der Abriss offiziell mit entsprechenden Großgeräten.
Während der Umbauphase wurde das Spielfeld mit Genehmigung des DFB um vier Meter verkleinert. Beim Rückbau der Flutlichtanlagen im Dezember 2007 verunglückte ein Bauarbeiter schwer. Die Westtribüne wurde mit einem Freundschaftsspiel gegen den niederländischen Erstligisten Willem II Tilburg am 9. August 2008 eingeweiht. Drei Tage zuvor hatte eine Delegation des Organisationskomitees für die Frauen-Weltmeisterschaft 2011 das Stadion besichtigt. Dresden hatte sich im Vorfeld als eine von elf Städten als Spielort beworben und wurde am 30. September 2008 hierfür offiziell ausgewählt.
Das neue Stadion wurde am 15. September 2009 mit einem Freundschaftsspiel gegen den FC Schalke 04 eröffnet (Endstand 1:2).
Glücksgas-Stadion (2010–2014) mini|Außenansicht des Stadions Am 10. Dezember 2010 wurde bekanntgegeben, dass die Namensrechte an das bayerische Energievertriebsunternehmen Glücksgas veräußert wurden und das Stadion in „glücksgas stadion“ umbenannt wird. Die Namensrechte sollten zunächst bis 2015 laufen.. Bei den Fans war der Verkauf der Namensrechte sehr umstritten.Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion wird umbenannt Die FIFA verwendete während der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2011 den ursprünglichen Namen „Rudolf-Harbig-Stadion“, da ein Stadion bei einer Weltmeisterschaft nicht nach einem Sponsor benannt werden darf.
Die vereinbarte jährliche Miete von 4,75 Millionen Euro ist für den Verein Dynamo Dresden in der aktuellen Situation trotz des Verkaufs der Namensrechte nicht aufzubringen und daher Gegenstand von Verhandlungen mit der Stadtverwaltung. Der Verein verweist auf die im Durchschnitt weit geringeren Mieten der direkten Ligakonkurrenten, die Stadt hingegen kritisiert die wirtschaftliche Führung des Vereins und fordert Reformen. Im März 2011 beschloss der Dresdner Stadtrat daraufhin, die jährlichen Zuschüsse zur Stadionmiete um eine Million Euro zu erhöhen.
Seit November 2011 ist auch das Dresdner Fußballmuseum im Stadion untergebracht. Besonders außerhalb der Fußballsaison wird das Stadion für Heimspiele des American-Football-Teams Dresden Monarchs genutzt., gluecksgas-stadion.de, 18. April 2011.
Vom 21. bis 22. Mai 2012 fand in den Räumlichkeiten des Stadions die von der DFL organisierte Fanbeauftragten-Vollversammlung 2012 statt. Nachdem die Trainerbänke zwischenzeitlich von der West- auf die Ostseite verschoben worden waren, kamen sie 2012 zum Heimspiel der SG Dynamo Dresden gegen den TSV 1860 München wieder an ihren alten Platz. Die Fans begrüßten die Entscheidung, da es wieder mehr Platz für die Blockfahnenkultur gibt. Beim Heimspiel gegen Energie Cottbus wurde die alte Fankneipe „Kulti“ nach fünf Jahren Planung neueröffnet. Sie befindet sich direkt hinter dem K-Block.