Paraschachnerit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Elemente“ mit der chemischen Zusammensetzung Ag3Hg2 und damit eine natürliche Legierung aus Silber und Quecksilber im Stoffmengenverhältnis von 3 : 2.
Paraschachnerit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem, ist undurchsichtig (opak) und entwickelt Kristalle bis zu 1 cm Größe mit einem metallischen Glanz auf den Oberflächen. Diese sind immer kompliziert verzwilingt mit der Zwillingsebene {110}, häufig werden auch Drillinge gefunden.
Etymologie und Geschichte Paraschachnerit wurde erstmals 1972 von E. Seeliger und A. Mücke in der Typlokalität, der „Vertrauen-zu-Gott“-Quecksilbermine am Moschellandsberg in der Nähe von Obermoschel in Rheinland-Pfalz (Deutschland), gefunden. Seinen Namen hat es auf Grund der großen Ähnlichkeit zu Schachnerit.
Klassifikation In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz war der Paraschachnerit noch nicht aufgeführt.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer I/A.02-060. Dies entspricht der Klasse der „Elemente“ und dort der Abteilung „Metalle und intermetallische Verbindungen“, wo Paraschachnerit zusammen mit Aurihydrargyrumit, Belendorffit, Bleiamalgam, Eugenit, Goldamalgam, Kolymit, Luanheit, Moschellandsbergit, Potarit, Quecksilber, Schachnerit und Weishanit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer I/A.02 bildet.
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Paraschachnerit ebenfalls in die Abteilung „Metalle und intermetallische Verbindungen“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, die entsprechend ihrer verwandten Eigenschaften in Metallfamilien eingeteilt wurden. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Quecksilber-Amalgam-Familie“ zu finden, wo es zusammen mit Schachnerit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 1.AD.15a bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Paraschachnerit die System- und Mineralnummer 01.01.08.03. Das entspricht ebenfalls der Klasse und gleichnamigen Abteilung „Elemente“. Hier findet er sich in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 01.01.08, in der auch Moschellandsbergit, Schachnerit, Luanheit, Eugenit und Weishanit eingeordnet sind.
Kristallstruktur Paraschachnerit kristallisiert im in der orthorhombischen , oder mit den Gitterparametern a = 2,96 Å, b = 5,13 Å und c = 4,83 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.
Bildung und Fundorte Paraschachnerit bildet sich unter oxidierenden Bedingungen durch die Alterung von Moschellandsbergit. Es ist vergesellschaftet mit Quecksilber, Limonit, Ankerit, Argentit und Cinnabarit.
Neben der Typlokalität sind Funde aus der Oblast Sofia in Bulgarien, Moctezuma in Mexiko, Sache und Tuwa in Russland, Kremnica in der Slowakei und Sala in Schweden bekannt.
Siehe auch Liste der Minerale
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise Fundortliste für Paraschachnerit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 4. August 2026.
Kategorie:Anerkanntes Mineral Kategorie:Silbermineral Kategorie:Quecksilbermineral Kategorie:Amalgam Kategorie:Orthorhombisches Kristallsystem Kategorie:Elemente (Mineralklasse)