Umgekehrte Diskriminierung () bezeichnet die Diskriminierung von Mitgliedern einer als bevorteilt erachteten Gruppe zugunsten einer als benachteiligt erachteten.
Verwendung des Begriffs Umgekehrter Rassismus In den USA wird der Ausdruck „Reverse Discrimination“ unter anderem bei Diskussionen um Minderheitenquoten (Affirmative Action) für staatliche Bildungseinrichtungen verwendet. Quoten für die gleichmäßige Verteilung von Schülern verschiedener ethnischer Zugehörigkeit auf die Schulen eines Bezirks gelten mittlerweile als verfassungswidrig.Urteil zum Fall Parents involved in Community Schools vs. Seattle School District No. 1. Manche Städte verwenden nach wie vor ethnische Quoten für die Vergabe öffentlicher Aufträge.Chicago Municipal Code, Ch. 2-92, Ch. 2-92-430, Ch. 2-91-445.
Kritisiert wird an der Bewertung der Bevorzugung Nicht-Weißer als „umgekehrter Rassismus“, dass diese Bewertung für eine moderne Spielart des traditionellen Rassismus benutzt werde. In einer empirischen US-amerikanischen Untersuchung hoben Bonilla-Silva und Forman hervor, dass weiße Studierende institutionellen Rassismus selten wahrnähmen und daher positive Diskriminierung (Affirmative Action) zu Unrecht als unfair und als umgekehrte Diskriminierung ansähen:Eduardo Bonilla-Silva und Tyrone A. Forman: “I Am Not a Racist But...”: Mapping White College Students' Racial Ideology in the USA (PDF; 178 kB). In: Discourse & Society. 11, Nr. 1. 2000, S. 50–85, doi:10.1177/0957926500011001003.
Darüber hinaus handele es sich bei Diskriminierungsformen wie Rassismus nicht einfach um Einstellungen, sondern sie bedürften gesellschaftlicher Macht, um systematische Diskriminierungspraktiken über soziale Institutionen umzusetzen.Jeffrey Scott Mio: Reverse Racism. In: Key words in multicultural interventions. A dictionary. Greenwood Publishing Group, Westport 1999, ISBN 978-0-313-29547-8, S. 223 f. Der Begriff Reverse Racism (dt. „umgekehrter Rassismus“) würde, auf die USA bezogen, implizieren, dass Minderheiten weiße Amerikaner durch rassistische Handlungen, Einstellungen, und institutionelle Strukturen genauso unterordnen können, wie Schwarze traditionell von Weißen unterdrückt wurden. Da Schwarzen als Gruppe die institutionelle Macht fehle, um Weiße systematisch zu diskriminieren, sei der Begriff irreführend.
Umgekehrter Klassismus In Indien findet der Begriff bei Protesten gegen Quotenregelungen für politische Gremien und die Vergabe von Arbeits- und Ausbildungsplätzen zur Verbesserung der Lage von Angehörigen diskriminierter Kasten vielfach Verwendung.Devanesan Nesiah: „Discrimination With Reason? The Policy of Reservations in the United States, India and Malaysia“. Oxford University Press, 1997 (Seitenangabe fehlt)., in: The Hindu, 24. Oktober 2006.
Literatur Kent Greenawalt: Discrimination and Reverse Discrimination. Knopf, New York 1983, ISBN 978-0-394-33157-7. Andreas Lach: Umgekehrte Diskriminierungen im Gemeinschaftsrecht. Peter Lang, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-631-57517-8. Fred L. Pincus: Reverse Discrimination: Dismantling the Myth. Lynne Rienner Publishers, Boulder 2003, ISBN 978-1-58826-101-4. Tim Wise: On White Privilege, Reverse Racism, and Other Delusions. In: Michael Kimmel und Abby L. Ferber: Privilege: A Reader. 2. Ausgabe. Westview Press, Boulder 2010, ISBN 978-0-8133-4426-3, S. 196–216.
Einzelnachweise
Kategorie:Diskriminierung