Ústí nad Orlicí (deutsch: Wildenschwert) ist eine Stadt in der Region Pardubický kraj in Tschechien. Sie liegt im Adlervorgebirge am Zusammenfluss der Stillen Adler und der Böhmischen Triebe. Der historische Stadtkern wurde 1991 zur Denkmalschutzzone erklärt.

Stadtgliederung Černovír (Tschernowier) Dolní Houžovec (Seibersdorf) Horní Houžovec (Hertersdorf) Hylváty (Hilbetten) Kerhartice (Gersdorf an der Adler) Knapovec (Knappendorf) Oldřichovice (Dreihöf) Ústí nad Orlicí (Wildenschwert)

Geschichte mini|links|Ortsansicht mini|300 px|Friedensplatz in Ústí nad Orlicí, links das Rathaus mini|300 px|Wildenschwert und Eingang in das Adlerthal im Jahre 1845

Wildenschwert wurde 1241 durch Wilhelm von Dürnholz als „Wilhelmswert“ gegründet und gehörte damals zur Herrschaft Landskron. Der böhmische König Wenzel II. stiftete den Ort 1292 dem Zisterzienserkloster Königsaal, zu dessen Dotation es diente. Dieses übergab Wildenschwert 1358 an das Bistum Leitomischl. Nach dem Untergang des Bistums als Folge der Hussitenkriege ging der Ort in weltlichen Besitz über und gehörte u. a. den Adelsfamilien Kostka von Postupice, von Pernstein und Hrzan von Harras. 1544 wurde Wildenschwert erstmals als Stadt bezeichnet.

Seit Ende des 15. Jahrhunderts bestand in Wildenschwert eine Gemeinde der Böhmischen Brüder, die im Zuge der Gegenreformation 1626 vertrieben wurden. Nach der Schlacht am Weißen Berg wurde Wildenschwert der Adelsfamilie Liechtenstein übereignet. Obwohl seit dem 16. Jahrhundert Zünfte der Weber- und Tuchmacher nachweisbar sind, erholte sich die Stadt von den Plünderungen im Dreißigjährigen Krieg nur langsam. 1706 verwüstete ein Brand die Stadt. 1795 wurde Wildenschwert aus der liechtensteinischen Herrschaft entlassen und zur Munizipalstadt erhoben.

Mit dem Anschluss an das Schienennetz der Eisenbahnlinie Olmütz–Prag 1845 erlebte die Stadt, die ab dem Ende des 18. Jahrhunderts auch die tschechische Bezeichnung Oustí bzw. deutsch Aust, Austa oder Austi für „Mündung“ trug,Ernst Schwarz: Handbuch der sudetendeutschen Kulturgeschichte. Volkstumsgeschichte der Sudetenländer. 4. Band, II. Teil: Mähren-Schlesien. Collegium Carolinum (Hrsg.). Oldenburg-Verlag, München 1987, S. 273, ISBN 3-486-54421-7 einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die expandierenden Textilfabriken brachten der Stadt den Beinamen „ostböhmisches Manchester“ und machten sie zu einem der wichtigsten Zentren der Textilindustrie. Als Folge der gestiegenen wirtschaftlichen Bedeutung wurde Wildenschwert 1850 Bezirksstadt.

Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung nach Ende des Zweiten Weltkriegs

(Stand: 31.12. des jeweiligen Jahres)

Jahr Einwohner 1954 10.129 1960 10.438 1970 12.490 1980 16.094 1990 16.820 Jahr Einwohner 2000 15.079 2010 14.499 2020 14.209 2022 14.141

mini|hochkant|Kirche Mariä Himmelfahrt mini|hochkant|Bürgerhaus mini|Mariensäule am Friedensplatz mini|Theater

Partnerstädte Amberg, Deutschland Bystrzyca Kłodzka, Polen Massa Martana, Italien Berlin-Neukölln, Deutschland Poprad, Slowakei

Sehenswürdigkeiten Rathaus Kirche Mariä Himmelfahrt Dekanatsgebäude Kreuzweg Mariensäule Funktionalistisches Theater des Architekten Kamil Roškot Weihnachtskrippenausstellung im Stadtmuseum Aussichtsturm Andrlův chlum

Söhne und Töchter der Stadt František Martin Pecháček (1763–1816), Komponist Jan Ludvík Lukes (1824–1906), Opernsänger (Tenor) und Musikpädagoge Quido Kocián (1874–1928), Bildhauer Fritz Löhner-Beda (1883–1942), Schlagertexter und Schriftsteller Jaroslav Kocian (1883–1950), Violinvirtuose Josef Cibulka (1886–1968), Geistlicher und Kunsthistoriker František Korte (1895–1962), Komponist Alfred Piffl (1907–1972), Architekt Karl Johann Probst (* 1948), habilitierter Arzt, Naturheilkundler, promovierter Physiker und Sachbuchautor František Uhlíř (* 1950), Jazzmusiker Luboš Adamec (1959–2025), Sportschütze Milan Křen (* 1965), Radrennfahrer Roman Dostál (* 1970), Biathlet Iveta Zelingerová-Fořtová (* 1972), Skilangläuferin Ondřej Valenta (* 1973), Skilangläufer Radim Hanousek (* ≈1975), Jazz- und Improvisationsmusiker Marian Málek (* 1975), Biathlet Rudolf Skácel (* 1979), Fußballspieler Klára Moravcová (* 1983), Biathletin und Skilangläuferin Michal Šlesingr (* 1983), Biathlet Ondřej Moravec (* 1984), Biathlet Jaroslav Kulhavý (* 1985), Radsportler Kamil Vacek (* 1987), Fußballspieler Michal Schlegel (* 1995), Radrennfahrer Dominik Záleský (* 1995), Sprinter Mikuláš Karlík (* 1999), Biathlet Tomáš Mikyska (* 2000), Biathlet Jakub Dudycha (* 2005), Mittelstreckenläufer

Literatur Joachim Bahlcke, Winfried Eberhard, Miloslav Polívka (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Band: Böhmen und Mähren (= Kröners Taschenausgabe. Band 329). Kröner, Stuttgart 1998, ISBN 3-520-32901-8, S. 661–662.

Weblinks

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Einzelnachweise

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