Birne ist die Heldin einer Reihe von Erzählbänden mit Abenteuergeschichten von Günter Herburger. Die phantastische Kinderbuchfigur, angelehnt an eine Glühlampe, wurde vom Sohn des Autors, Daniel Herburger, erfunden. Ab den 1970er Jahren mit Erfolg in der BRD veröffentlicht, fand die Reihe zum damaligen Zeitpunkt aufgrund ihrer sozialkritischen und antiautoritären Inhalte Beachtung. Illustriert wurden die Bücher von Daniel Herburger.
Entstehung Dem Vorwort zum ersten Band mit Birne-Geschichten ist zu entnehmen, dass Herburgers Sohn in jüngsten Jahren „etwas zum Denken“ von seinem Vater als Gutenachtgeschichte eingefordert habe, und zwar „über Birne“. Er habe dabei auf „die Straßenlampe vor seinem Fenster, deren Licht die ganze Nacht in sein Zimmer scheint“, gedeutet.
Charakterisierung Zur weiteren Anlage der Heldin in Herburgers Geschichten steuerte sein Erfinder dem Autor zufolge zudem Maßgebliches bei:
So hat Birne ein Herz für alle Notleidenden und Unterdrückten, lacht aber auch viel und stellt zudem manchen Unfug an. Die Figur besäße den „Mut eines Weltraumfahrers, den Gerechtigkeitssinn Jesu, die Robustheit und Langlebigkeit einer Schildkröte, die Begeisterungsfähigkeit Lenins und die Schönheit von Computerteilen“, so charakterisiert der Autor seine Heldin.
1970 veröffentlichte Herburger mit Birne fliegt zum Mars / Birne in der Kleiderfabrik seine ersten beiden Kindergeschichten, die er seinem Sohn am Kinderbett erzählt hatte, bei Hanser. 1971 erschienen dann zwei Bücher mit insgesamt 52 Birne-Geschichten inklusive der ersten beiden bei Luchterhand: Birne kann alles und Birne kann noch mehr. Ihnen ließ der Autor 1975 den Band Birne brennt durch folgen. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits über 100 Geschichten mit Birne als Hauptperson entstanden.
Danach erschien erst über zwanzig Jahre später der Erzählband Birne kehrt zurück (1996). Dieses Buch entstand wiederum auf Anregung von Herburgers Sohn, der ihn nach Birnes möglicher Rückkehr in eine Welt befragte, nachdem sich das Konzept von Kommunismus und Sozialismus durch die Geschichte und den gesellschaftlichen Wandel quasi erledigt hätte. Herburger verwendete schon in seinen frühen Birne-Büchern absichtlich „keinen Kinderton“, er versuche „Kinder als gleichwertige Partner zu behandeln“ und sie nicht durch Verniedlichungen der Welt vom Denken abzuhalten, äußerte er sich einmal.
Rezeption Christoph Nettersheim sieht in den ab den 1970er Jahren erschienenen „antiautoritären Birne-Kinderbüchern sehr erfolgreiche Beiträge zur deutschen Kinder- und Jugendliteratur“.Günter Herburger in: Microsoft Encarta Leona Siebenschön berichtet 1972 in Die Zeit von begeisternden Lesungen Herburgers in deutschen Kindergärten und der Verwendung der Geschichten im Grundschulunterricht: „Der Lehrstoff müsse die gesellschaftliche Wirklichkeit widerspiegeln und die Kinder anregen zu Spielen und Gesprächen. Dazu aber seien Bücher nötig, die keine Konsumware sind, sondern als Vorlage taugen zur kritischen Verarbeitung. Kinder müssen sich ihrer sozialen Situation bewußt und ermutigt werden, über Möglichkeiten der Veränderung nachzudenken“,Leona Siebenschön: Birne bringt Leben in die Bude. In: Die Zeit, Nr. 7/1972 wird ein zeitgenössischer Pädagoge zitiert. Siebenschön sieht Birne, auch wenn Herburger seine gesellschaftskritische Überzeugung an keiner Stelle verschleiere, denn auch nicht als „Linke Literatur fürs Kinderzimmer“ an, sondern in erster Linie lieferten die Geschichten „Abenteuer und Information, Nonsens und Humor, Leben und eben nicht lehrhafte Polit-Parolen“. Birne gab es in den 1970er Jahren auch auf einer Sprechplatte und als Hörspiel. Sammelbände und Neuauflagen der Birne-Geschichten zeigen zudem die beachtliche Rezeption zu dieser Zeit an. Später ließ die Wirkung der Bücher nach.
2009 im Zusammenhang mit der durch die EU-Kommission erarbeiteten Richtlinie 2005/32/EG, die die stufenweisen Abschaffung der herkömmlichen Glühlampe zum Gegenstand hat, auf seinen Kinderbuchklassiker Birne kann alles angesprochen, äußerte Herburger sich zuletzt: „Birne könnte auch die EU-Kommission ausschalten“, wolle jedoch, dass die Bevölkerung selbst bemerkt, was sie an der herkömmlichen Glühlampe verloren habe.
Veröffentlichungen Bücher Birne fliegt zum Mars / Birne in der Kleiderfabrik. Zwei Kindergeschichten, 1970 Birne kann alles, 1971 Birne kann noch mehr, 1971 Birne brennt durch, 1975 Birne-Geschichten. Eine Auswahl, 1978 Birne. Die schönsten Geschichten aus Birne kann alles, Birne kann noch mehr und Birne brennt durch, 1980 Birne kehrt zurück, 1996
Lesung Klaus Wagenbach veröffentlichte schon 1971 die Geschichte Birne macht Reklame aus dem zweiten Birne-Band Birne kann noch mehr gelesen durch den Autor selbst auf seiner 7. Quartplatte Warum ist die Banane krumm? neben Lesungen von Autoren wie Ernst Jandl, Peter Bichsel, Günter Bruno Fuchs und Peter Rühmkorf.
Hörspiel Radio Bremen produzierte im August 1975 zusammen mit der Deutschen Grammophon Gesellschaft eine Vertonung der Geschichten des ersten Bandes. An ihnen wirkte der Autor selbst als Erzähler mit, Birne wurde von Sabine Postel gesprochen. Diese Produktion erschien auch auf einer Schallplatte.
Literatur Bartholomäus Figatowski: Es gibt Helden, es gibt Superhelden – und dann gibt es noch Birne. In: Sascha Mamczack (Hrsg.): Das Science Fiction Jahr 2009. Heyne, München 2009, ISBN 978-3-453-52554-2, S. 370–397.
Einzelnachweise
Kategorie:Literarische Figur