Staatsratsvorsitzender Walter Ulbricht war eine Dauermarkenserie der Deutschen Post in der Deutschen Demokratischen Republik, die zwischen 1961 und 1971 erschienen ist und hauptsächlich bis 1973 verwendet wurde. Sie wurde ab 1973 durch die Dauerserie Aufbau in der DDR abgelöst. Ihre Gültigkeit verlor die Dauerserie erst mit dem Ende der DDR am 2. Oktober 1990.

Beschreibung und Besonderheiten Die Serie bestand aus jeweils einfarbigen Postwertzeichen und umfasste 19 verschiedene Werte. Ein kompletter Markensatz hatte einen Frankaturwert von 14,40 Mark, alle gedruckten Marken zusammen 1.850.995.500 Mark. Das Motiv war auf allen Werten gleich und zeigte das Porträt des – aus der Sicht des Betrachters nach links blickenden – ersten Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht. Die Serie enthielt 14 verschiedene Markenwerte, die alle unterschiedliche Farben hatten. Von den 1-Mark- und 2-Mark-Marken gab es wegen der sich ändernden Währungsbezeichnung nacheinander drei verschiedene Ausgaben, die sich abgesehen von der Währungsbezeichnung nicht voneinander unterschieden.

Eine Woche nach dem Tod Walter Ulbrichts, am 1. August 1973, wurde eine Sondermarke in der Zeichnung der Mark-Werte herausgegeben, die jedoch nicht zur Dauerserie zählt.

Bereits in der Dauerserie Fünfjahrplan, der eigentlichen Vorgängerin dieser Dauerserie (eine 1961 erschienene Serie Landschaften und historische Bauwerke diente nur als kurzzeitige Interimsausgabe) sollte 1953 eine Marke für den Standardbrief im Inlandsverkehr den in der DDR politisch führenden Walter Ulbricht abbilden, obwohl dieser zur damaligen Zeit als stellvertretender Vorsitzender des Ministerrats der DDR und ab 1953 Erster Sekretär des ZK der SED entsprechend der DDR-Verfassung nach Staatspräsident Wilhelm Pieck und Ministerpräsident Otto Grotewohl nur den dritten Rang innehatte. Am 15. April 1953 war auf dem Titelblatt der Fachzeitung für Philatelie und andere Sammelgebiete der DDR, dem Sammler Express, ein Entwurf dieser Briefmarke abgebildet.Bild der geplanten Marke mit Walter Ulbricht In der dann ausgegebenen Dauermarkenserie Fünfjahrplan gab es aber weder eine Abbildung von Walter Ulbricht oder anderen politisch aktiven Personen noch Hinweise auf die SED als führende Partei.

Druck und Wasserzeichenpapier Die Briefmarken wurden im VEB Deutsche Wertpapierdruckerei in Leipzig gedruckt. Die Druckerei hatte bis 1948 zu Giesecke & Devrient gehört und wurde dann in Volkseigentum überführt. Im Jahre 1978 wurde sie umbenannt in VEB Wertpapierdruckerei der DDR.

Der Druck der Marken wurden in zwei unterschiedlichen Formaten und Techniken realisiert: Die kleinformatigen Pfennig-Werte und die 1 Mark-Rollenmarke von 1970 wurden im Buchdruckverfahren in Bogen (10×10), Markenheftchen(bogen) und Rollen hergestellt. Der Entwurf stammte von der DWD. Die im Großformat ausgegebenen Werte zu 1 und 2 Mark wurden dagegen im aufwändigen Stichtiefdruckverfahren (Stahl- oder Kupferstich) in Bogen (10×5) hergestellt. Der Entwurf und der Stich erfolgten von Wolf. Spezialisten unterscheiden auch zwei Drucktypen mit weiteren Untertypen, die durch eine Überarbeitung des Druckklischees während der langen Herstellungszeit entstanden, und zwei wesentliche Gummierungsarten.

Für die Herstellung der Marken wurde grundsätzlich Wasserzeichenpapier mit dem Muster „DDR um Kreuzblumen“ (Michel-Nr. 3) verwendet, das aufgrund seiner vorgegebenen Symmetrie in zwei verschiedenen Stellungen vorkommt. Durch eine Verwechslung von Papierrollen kam es Ende der 1960er Jahre zur Verwendung von Wasserzeichenpapier mit dem Muster „Kreuzblüte“ (Michel-Nr. 1), das nur bis August 1952 für die Briefmarkenherstellung, im maßgeblichen Zeitraum aber z. B. noch für die Herstellung von Schecks oder Wertmarken benutzt wurde. Die vier häufig verwendeten Werte (10, 15, 50, 70 Pf) wurden zum großen Teil unerkannt im postalischen Bedarfsverkehr aufgebraucht. Insbesondere vom 15 Pf-Wert, mit dem die Wirtschaftsdrucksachen (Versendung von Rechnungen und Geschäftspapieren) zu frankieren waren, sind dadurch nur geringe Bestände vorhanden.

Insgesamt wurden 10.989.287.000 Postwertzeichen mit dem Bildnis von Walter Ulbricht hergestellt. Knapp die Hälfte davon, 5.450.640.000 Exemplare, entfielen auf die 10-Pfennig-Marke, dem Porto für einen innerörtlichen einfachen Brief oder eine Inlandspostkarte.

Liste der Marken Dauerserie Bild Wert in Pfennig(wenn nicht anders angegeben)Ausgabe­datum Besonder­heiten Druck­verfahrenGesamt­auflage Mi.-Nr.rahmenlos|hochkant=0.55 Kleinformat (I) 1.605.660.000 845rahmenlos|hochkant=0.510 Kleinformat (I) 5.450.640.000 846rahmenlos|hochkant=0.515 Kleinformat (I) 689.040.000 847rahmenlos|hochkant=0.520 Kleinformat (I) 1.827.710.000 848rahmenlos|hochkant=0.525 Kleinformat (II) 144.770.000 934rahmenlos|hochkant=0.530 Kleinformat (II) 165.120.000 935rahmenlos|hochkant=0.540 Kleinformat (II) 273.380.000 936rahmenlos|hochkant=0.550 Kleinformat (II) 188.800.000 937rahmenlos|hochkant=0.570 Kleinformat (II) 280.940.000 938rahmenlos|hochkant=0.61 DM Großformat (I) siehe: Anmerkung 1 968rahmenlos|hochkant=0.62 DM Großformat (I) siehe: Anmerkung 2 969rahmenlos|hochkant=0.560 Kleinformat (III) 111.190.000 1080rahmenlos|hochkant=0.61 MDN Großformat (II) siehe: Anmerkung 1 1087rahmenlos|hochkant=0.62 MDN Großformat (II) siehe: Anmerkung 2 1088rahmenlos|hochkant=0.580 Kleinformat (IV) 50.480.000 1331rahmenlos|hochkant=0.61 M Großformat (III) siehe: Anmerkung 1 1481rahmenlos|hochkant=0.62 M Großformat (III) siehe: Anmerkung 2 1482rahmenlos|hochkant=0.51 M Kleinformat (V) 9.790.000 1540rahmenlos|hochkant=0.535 Kleinformat (VI) 104.500.000 1689 Anmerkung 1: Michel-Nr. 968, 1087 und 1481 zusammen 57.385.000 Anmerkung 2: Michel-Nr. 969, 1088 und 1482 zusammen 29.882.000 Währungsbezeichnungen auf Marken und Bogenoberrand (siehe auch: Mark (DDR)): DM (Deutsche Mark der Deutschen Notenbank) MDN (Mark der Deutschen Notenbank) M (Mark der Deutschen Demokratischen Republik)

Sondermarke Bild Wert in Pfennig Ausgabe­datumBesonder­heiten Druck­verfahrenAuflage Michel-Nr.rahmenlos|hochkant=0.620 8. August 1973 Sondermarke zum Tode von Walter Ulbricht 5.000.000 1870

Philatelistische Bewertung Die Besonderheiten dieser über ein Jahrzehnt hergestellten und bis 1990 postalisch verwendeten Dauerserie werden von Spezialsammlern erfasst.Briefmarkenforschungsgruppe der DDR-Dauerserie „Walter Ulbricht“ mit weiteren Informationen

Literatur Michel-Katalog Deutschland Spezial 2004 Martin Rehfeld und Dr. Michael Jasch: Die Dauerserie Walter Ulbricht. 1994 Wolfgang Lemke und Alfons Dölz: Aus der DDR-Dauerserie Walter Ulbricht. 2006, Ergebnisse einer Analyse von Bogen der Buchdruckserie im Rollendruck (Handbuch Teil 1), ARGE DDR-Spezial, Heft 19.

Siehe auch Personen, die zu Lebzeiten auf einer deutschen Briefmarke geehrt wurden Personen, die zu Lebzeiten auf einer Briefmarke der DDR abgebildet wurden Im damals anderen Teil Deutschlands, der Bundesrepublik, waren die Serien Bundespräsident Theodor Heuss und Bundespräsident Gustav Heinemann Ende der 1950er bzw. Mitte der 1970er Jahre jeweils über ein halbes Jahrzehnt präsent.

Einzelnachweise

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