Birstein ist eine Gemeinde am südlichen Fuß des Vogelsbergs und am nordöstlichen Rand des Main-Kinzig-Kreises im südöstlichen Hessen. mini|Blick auf die Kerngemeinde Birstein vom Neubaugebiet Geografie Geografische Lage Birstein liegt am Südrand des Vogelsbergs, 13 km vom Kinzigtal entfernt und an dieses durch die B276 angebunden.

Die Gemeinde ist Teil des Main-Kinzig-Kreises, des Regierungsbezirkes Darmstadt und des Landes Hessen (Bundesrepublik Deutschland).

Die Kerngemeinde Birstein liegt bei 283 m über NHN. Der höchste Ortsteil der Gemeinde Birstein ist Völzberg mit 472 m über NHN und der topographisch höchste Punkt der gesamten Gemeindegemarkung ist das Völzberger Köpfchen mit 570,7 m über NHN.

Viele Gewässer entspringen in der Gemarkung und durchziehen sie: Der Reichenbach mit seinen Zuflüssen Riedbach und Sotzbach entwässert über die Bracht in die Kinzig und weiter über den Main in den Rhein. Ebenso fließt die westlich des Völzberger Köpfchens entspringende Salz, der Kinzig, dem Main und dem Rhein zu. Während die am Osthang des Völzberger Köpfchens entspringende Lüder über die Fulda der Weser zufließt.

Nachbargemeinden Birstein grenzt im Norden an die Gemeinde Grebenhain (Vogelsbergkreis), im Nordosten an die Gemeinde Freiensteinau (Vogelsbergkreis), im Osten an die Städte Steinau an der Straße und Schlüchtern, im Süden an die Stadt Bad Soden-Salmünster, im Südwesten an die Gemeinden Brachttal und Wächtersbach sowie im Westen an die Gemeinde Kefenrod und die Stadt Gedern (beide Wetteraukreis).

Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus den 16 Ortsteilen Birstein, Bösgesäß, Böß-Gesäß, Fischborn, Hettersroth, Illnhausen, Kirchbracht, Lichenroth, Mauswinkel, Oberreichenbach, Obersotzbach, Unterreichenbach, Untersotzbach, Völzberg, Wettges und Wüstwillenroth.

Die Trennung von Bösgesäß (Bösgesäß I, umgangssprachlich „Preußisch-Bösgesäß“) und Bös-Gesäß (Bösgesäß II, umgangssprachlich „Hessisch-Bösgesäß“) ist schon für das ausgehende Mittelalter nachgewiesen. Damals wurde die durch den Ort fließende Bracht als Grenze zwischen den isenburgischen Gerichten Reichenbach und Wolferborn festgelegt. Die beiden Ortsteile liegen etwa 100 Meter auseinander.

Zum Ortsteil Hettersroth gehören noch die kleinen Wohnplätze Höfen, Birkenstöcke und Loosemühle. Aufgrund ihrer geringen Größe werden diese offiziell meist nicht explizit genannt.

Zur Kerngemeinde Birstein gehören noch die inoffiziellen Ortsteile Unterberg und Oberberg.

Geschichte mini|Der Vogelsberger Dom, Unterreichenbach Ortsgeschichte Das „castrum birsenstein“ (birsen = birschen, mit Spürhunden jagen) wurde 1279 erstmals urkundlich erwähnt. Die Herrschaft Birstein war fuldischer Besitz, hervorgegangen aus dem fuldischen Zent Reichenbach, und war zunächst an die Herren von Büdingen als Lehen gegangen. Von diesen hatten es die Herren von Trimberg geerbt, und im Jahre 1279 belehnte Fürstabt Bertho IV. Heinrich von Weilnau und dessen Frau Lukardis von Trimberg gemeinsam mit diesem Erbe ihrer Familie, dem „castrum birsenstein et Advochatiam in Richenbach“.

Graf Heinrich II. von Weilnau verlegte 1326 seinen Wohnsitz nach Birstein. Die Weilnauer Herrschaft in Birstein dauerte allerdings nicht lange. Bereits 1332 erwarb Heinrich II. von Ysenburg durch Heirat die Hälfte der Burg und Herrschaft Birstein, und 1438 ging der gesamte Rest, soweit er nicht bereits an die Herren von Stockheim oder die von Reifenberg gefallen oder verpfändet war, an Diether I. von Ysenburg, wiederum als fuldisches Lehen.

1552 ließ Graf Reinhard von Isenburg die Burg Birstein „zu einem Schloss ausbauen“, die seine Residenz wurde. Im Schloss wurde auch eine Kapelle eingerichtet. Eine wechselvolle Geschichte erlebte Birstein und die Isenburger Herrschaft während des Dreißigjährigen Krieges, mit einer Vertreibung 1635 und Rückkehr 1644Geschichte der Gemeinde. fbg-birstein.de. In den Jahren 1684 und 1744 gab es in Birstein zwei Brandkatastrophen und am 27. Juni im Jahr 1767 ein großes Unwetter mit Hagel und Sturm. Aufgrund dieses letzteren Ereignisses verordnete Fürst Wolfgang Ernst II. von Isenburg jährlich am 27. Juni einen „Hageltag mit Arbeitsruhe und Gottesdienst“. Der Hageltag wurde in Birstein bis nach dem Zweiten Weltkrieg gefeiert. 1744 wurde Graf Wolfgang Ernst I. von Isenburg-Birstein, durch Kaiser Karl VII. in den Reichsfürstenstand erhoben. Sein Nachfolger Fürst Wolfgang Ernst II. nahm in den Jahren 1764 bis 1768 einen umfassenden Ausbau des Schlosses zur heutigen Gestalt vor. In der Napoleonischen Zeit war das Fürstentum Birstein von 1806 bis 1815 Mitglied des Rheinbundes. 1815 kam das Fürstentum zu Österreich und 1816 aufgeteilt zum Großherzogtum Hessen und zum Kurfürstentum Hessen. 1840 veranlasste Prinzessin Crescentia von Isenburg den Bau einer katholischen Kapelle, die 1912–1914 durch die heutige Kirche ersetzt wurde.

Zum 1. Februar 1971 fusionierten die bis dahin selbständigen Gemeinden Birstein, Bösgesäß, Fischborn und Kirchbracht im Zuge der Gebietsreform in Hessen freiwillig zur erweiterten Gemeinde Birstein. Am 1. März 1971 kamen Hettersroth und Oberreichenbach hinzu. Böß-Gesäß und Illnhausen folgten am 31. Dezember 1971. Obersotzbach, Unterreichenbach und Untersotzbach wurden am 1. April 1972 aufgenommen. Die Reihe der Eingemeindungen wurde mit der Eingliederung der damaligen Gemeinde Oberland kraft Landesgesetz am 1. Juli 1974 abgeschlossen. Die ehemals selbstständigen Gemeinden von Oberland, Lichenroth, Mauswinkel, Völzberg, Wettges und Wüstwillenroth wurden Ortsteile von Birstein. Für das Gebiet jeder der früher selbstständigen 16 Gemeinden, die sich in der Gemeinde Birstein zusammengeschlossen haben, wurden je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Birstein angehörte:

vor 1806: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Isenburg-Birstein, Gericht Reichenbach (oder Birstein) ab 1806: Fürstentum Isenburg (Rheinbund), Gericht Reichenbach oder Birstein ab 1813: Generalgouvernement Frankfurt, Gericht Reichenbach ab 1815: Kaisertum Österreich, Gericht Reichenbach ab 1816: Kurfürstentum Hessen, Amt Wenings, Gericht Reichenbach ab 1821: Kurfürstentum Hessen, Kreis Salmünster1822: Trennung zwischen Justiz (Justizamt Birstein) und Verwaltung. ab 1830: Kurfürstentum Hessen, Kreis Gelnhausen ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hanau ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Kreis Gelnhausen ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Gelnhausen ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Gelnhausen ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Gelnhausen ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Gelnhausen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Gelnhausen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Gelnhausen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Gelnhausen ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gelnhausen ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Kinzig-Kreis

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Birstein 6317 Einwohner. Darunter waren 165 (2,6 %) Ausländer, von denen 92 aus dem EU-Ausland, 52 aus anderen europäischen Ländern und 21 aus anderen Staaten kamen. (Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 5,6 %.) Nach dem Lebensalter waren 1086 Einwohner unter 18 Jahren, 2526 zwischen 18 und 49, 1479 zwischen 50 und 64 und 1227 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 2484 Haushalten. Davon waren 582 Singlehaushalte, 723 Paare ohne Kinder und 902 Paare mit Kindern, sowie 219 Alleinerziehende und 58 Wohngemeinschaften. In 468 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 1611 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung  Quelle: Historisches Ortslexikon 1514: 39 ZinsendePächter die den Pachtzins bezahlen. 1551: 51 Zinsende 1606: 87 Untertanen 1655: 23 Haushaltungen 1766: 86 Mann

Religion Die Bevölkerung der Gemeinde Birstein ist zu einem recht hohen Anteil evangelischer Konfession. Neben den fünf evangelischen Kirchen im Gemeindegebiet existieren eine katholische Kirche und weitere Glaubensgemeinschaften.

Juden und jüdische Gemeinden 1649 wird in Birstein ein erster Jude erwähnt, 1660 in Lichenroth und 1694 in Kirchbracht. Seit 1674 existierte eine jüdische Gemeinde in Birstein und seit 1679 ein jüdischer Friedhof. Er wurde von mehreren Ortschaften gemeinsam genutzt. 1853 lebten 99 Juden in Birstein, 60 in Fischborn und 95 in Lichenroth, entsprechend einem Fünftel der Bevölkerung„Das Unheil kündigte sich vor 1933 an – Geschichtsverein Birstein befasst sich mit den „Juden im Amt Birstein““, Gelnhäuser Neue Zeitung, 6. November 2025. Im Jahre 1925 machten Juden 10,4 % der Bevölkerung aus. In den ersten Jahren des Nationalsozialismus sah sich ein Großteil der Birsteiner Juden zur Auswanderung gezwungen. Schon vor 1933 hatten die meisten Juden die „Birsteiner Gemeinden verlassen und sind in deutsche Großstädte, nach Palästina, in die USA oder nach Großbritannien“ verzogen; 1937 wurde die jüdische Gemeinde aufgelöst. Mindestens 26 der in Birstein geborenen oder ansässigen Juden wurden in der Zeit des Nationalsozialismus ermordetAlemannia Judaica, entsprechende Zahlen gelten auch für andere Ortsteile.

Zahlen zur Religionszugehörigkeit • 1885: 883 evangelische (79,05 %), 130 katholische (= 11,64 %), 104 jüdische (= 9,31 %) Einwohner • 1961: 1173 evangelische (= 67,84 %), 523 katholische (= 30,20 %) Einwohner • 1987: 4774 evangelische (= 80,7 %), 824 katholische (= 13,9 %), 319 sonstige (= 5,4 %) Einwohner • 2011: 4477 evangelische (= 70,9 %), 870 katholische (= 13,8 %), 970 sonstige (= 15,4 %) Einwohner

Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Birstein erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:

Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 GfB Gemeinsam für Birstein32,28–––––––––– 29,9838,61027,3733,5936,9934,711 FBG Freie Bürgergemeinschaft 19,4533,6838,4927,5728,8725,38 13,7321,0523,9628,7734,3933,610 ABB Aktive Bürger für Birstein––––––5,51–––– 4,816,826,424,81–––– ––––4,11––––6,52 Gesamt 100,0 25 100,0 25 100,0 25 100,0 25 100,0 25 100,0 31 Wahlbeteiligung in % 62,4 59,2 55,5 55,5 49,6 59,4

Bürgermeister mini|hochkant|Offizielles Wahlkampfporträt von Fabian Fehl 2019 Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Birstein neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Beigeordneter und zehn weitere Beigeordnete angehören.Gremien: Gemeindevorstand Bürgermeister ist seit dem 1. April 2020 Fabian Fehl (SPD). Er wurde als Nachfolger von Wolfgang Gottlieb, der nach vier Amtszeiten nicht wieder kandidiert hatte, am 3. November 2019 in einer Stichwahl bei 61,9 Prozent Wahlbeteiligung mit 52,8 Prozent der Stimmen gewählt. Es folgte eine Wiederwahl im Oktober 2025.hessenschau: Bürgermeisterwahl am 26. Oktober 2025 in Birstein