Die Commerzbank Aktiengesellschaft ist ein als Universalbank tätiges deutsches Kreditinstitut mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie wurde im Jahr 1870 als Commerz- und Disconto-Bank in Hamburg gegründet. Sie ist Mitglied der Cash Group. Mit einer Beteiligung von 29,99 Prozent – als direkt gehaltene Aktien und Finanzinstrumente zusammengenommen (Stand April 2026) – ist die italienische Unicredit ihre größte Einzelaktionärin.

Geschichte Gründungsjahre und der Aufstieg zur Großbank (1870–1923) mini|hochkant|Theodor Wille (1890)

Am 26. Februar 1870 gründeten hanseatische Kaufleute, Merchantbanker und Privatbankiers die Commerz- und Disconto-Bank in Hamburg.Carsten Burhop: Die Gründung der Commerz- und Disconto-Bank 1870. Aktienbanken als Pfeiler des Universalbankensystems. In: Schlüsselereignisse der deutschen Bankengeschichte. Hrsg. vom Institut für bankhistorische Forschung. Franz Steiner, Stuttgart 2013 (S. 155–165), ISBN 978-3-515-10446-3, S. 157 f. mini|hochkant|Ehemaliges Bankgebäude am Neß in Hamburg (2023/24 abgerissen) mini|hochkant|Bankhaus des 1922 übernommenen Hessischen Bankvereins.

Im Gründungskonsortium waren vertreten:Detlef Krause: Die Commerz- und Disconto-Bank 1870–1920/23: Bankgeschichte als Systemgeschichte. Stuttgart 2004, S. 55. Theodor Wille (Theodor Wille, Hamburg) Carl Woermann (C. Woermann, Hamburg) Albrecht Percy O’Swald (Wm. O’Swald & Co. Hamburg) Carl Georg Heise (Carl Geo. Heise, Hamburg) Conrad Hinrich Donner (Conrad Hinrich Donner, Altona) Georg Hinrich Hesse (Hesse, Newman & Co., Altona) Jacques Emile Louis Alexandre Nölting (Emile Nölting & Co. Hamburg) Ludwig Erdwin Amsinck (L.E. Amsinck & Co. New York) Siegmund Warburg (M. M. Warburg & Co., Hamburg) Leopold Lieben (Bankhaus Lieben Königswarter, Hamburg) Adolph B.H. Goldschmidt (Bankhaus B.H. Goldschmidt, Frankfurt am Main) Alexander Mendelssohn (Bankhaus Mendelssohn & Co., Berlin)

Ziel war es, dem Hamburger Handel neue Finanzmittel zuzuführen und Handelsgeschäfte, vor allem internationale Geschäfte, zu erleichtern.Detlev Krause, Katrin Lege, Ulrike Zimmerl: Die Commerzbank am Neß in Hamburg. 140 Jahre Baugeschichte in Bildern. (= Publikationen der Eugen-Gutmann-Gesellschaft. Band 10). Henrich Edition, Frankfurt am Main 2016, ISBN 978-3-943407-73-0. 1873 gründete man zum gleichen Zweck die Tochtergesellschaft London and Hanseatic Bank in London. Sie war bis zum Ersten Weltkrieg tätig. In Deutschland war die Commerz- und Disconto-Bank zunächst nur in Hamburg vertreten. 1874 bezog sie das von Martin Haller entworfene Bankgebäude am Neß, das bis zu seinem Verkauf 2016 von der Commerzbank genutzt wurde.

Deutschland entwickelte sich im ausgehenden 19. Jahrhundert zu einer leistungsfähigen Industrienation. Vor diesem Hintergrund ist die Ausdehnung der geschäftlichen Aktivitäten der Commerz- und Disconto-Bank zu sehen. Neben der Handelsfinanzierung und dem Kreditgeschäft mit dem Mittelstand knüpfte sie Anfang des 20. Jahrhunderts enge Beziehungen mit den Schlüsselindustrien der Zeit.

Mit der Übernahme des Frankfurter Bankhauses J. Dreyfus & Co. 1897 errichtete die Bank erste Filialen außerhalb Hamburgs in Berlin und Frankfurt am Main. Nach der Übernahme der Berliner Bank 1905 verlagerte sich der geschäftliche Schwerpunkt nach Berlin, in die Hauptstadt des Deutschen Kaiserreichs.Detlef Krause: Commerzbank 1870–2010. Eine Zeitreise. (= Publikationen der Eugen-Gutmann-Gesellschaft. Band 5). Eugen-Gutmann-Gesellschaft, Dresden 2010, ISBN 978-3-9812511-4-2, S. 16–25. Bis 1923 kaufte die Bank 46 Regionalinstitute und Privatbankhäuser und stieg so zu einer nationalen Großbank auf.Detlef Krause: Stationen der Commerzbank Geschichte. In: Die Bank – Dienstleister im Wandel 125 Jahre Commerzbank. Fritz Knapp, Frankfurt am Main 1995, S. 322–331. Im Anschluss an die Fusion mit der Mitteldeutschen Privat-Bank aus Magdeburg 1920 änderte die Commerz- und Disconto-Bank ihren Namen in Commerz- und Privat-Bank Aktiengesellschaft.Detlef Krause: Commerzbank 1870–2010. Eine Zeitreise. (= Publikationen der Eugen-Gutmann-Gesellschaft. Band 5). Eugen-Gutmann-Gesellschaft, Dresden 2010, ISBN 978-3-9812511-4-2, S. 39–41. Sie verfügte nun deutschlandweit über 284 Filialen vor allem in Nord-, West- und Mitteldeutschland.

Hyperinflation, Weltwirtschaftskrise und Drittes Reich (1924–1945) mini|hochkant|Mitarbeiter der Wertpapier-Abteilung in Berlin 1928 mini|hochkant|Aktie über 100 RM der Commerz- und Privat-Bank AG vom 2. April 1932; Stempelaufdruck von 1940 mit dem neuen Namen Commerzbank

Nach Überwindung der Hyperinflation mussten deutsche Kreditinstitute zum 1. Januar 1924 eine Goldmark-Eröffnungsbilanz vorlegen. Die Commerz- und Privat-Bank bewertete ihr bisheriges Kapital von 700 Millionen Mark im Zuge dessen mit 42 Millionen Goldmark. Die wirtschaftliche Lage erholte sich in den Folgejahren scheinbar von den Folgen der Inflationswelle. 1927 richtete die Commerz- und Privat-Bank eine Auslandsvertretung in New York ein. Die Commerz- und Privat-Bank blieb auf Expansionskurs. 1929 kam es zur Fusion zweier Großbanken: Die Commerz- und Privat-Bank und die Mitteldeutsche Creditbank aus Frankfurt am Main schlossen sich zusammen. Durch den Zusammenschluss erweiterte die Commerz- und Privat-Bank ihr Filialnetz vor allem um neue Standorte in Hessen und Thüringen.Detlef Krause: Commerzbank 1870–2010. Eine Zeitreise. (= Publikationen der Eugen-Gutmann-Gesellschaft. Band 5). Eugen-Gutmann-Gesellschaft, Dresden 2010, ISBN 978-3-9812511-4-2, S. 53.

1931, in der Währungs- und Bankenkrise („twin crisis“), gerieten mehrere Banken, darunter die Commerz- und Privat-Bank, in eine schwierige Situation (Deutsche Bankenkrise). Um die Banken zu retten, beschloss die Reichsregierung unter Reichskanzler Heinrich Brüning im Februar 1932 unter anderem die Fusion der Commerz- und Privat-Bank mit dem Barmer Bankverein, der ein dichtes Filialnetz in Nord- und Westdeutschland besaß. Eine gleichzeitig vorgenommene Kapitalerhöhung führte zu einer Teilverstaatlichung der neuen Bank. Das Reich und die staatliche Golddiskontbank waren mit 70 Prozent am Kreditinstitut beteiligt.Johannes Bähr, Bernd Rudolph: Finanzkrisen 1931 2008. Hrsg. von der Eugen-Gutmann-Gesellschaft, München 2011, S. 99–101. 1937 wurden diese Aktien wieder an private Anteilseigner verkauft.

Aus Gegnerschaft zur Sparpolitik der Ära Brüning unterstützten der Aufsichtsratsvorsitzende Witthoefft und der Vorstandssprecher Friedrich Reinhart der Commerz- und Privat-Bank im November 1932 die sogenannte Industrielleneingabe, die Reichspräsident Paul von Hindenburg aufforderte, Adolf Hitler zum Reichskanzler zu ernennen. Hindenburg tat dies am 30. Januar 1933. Hitler und sein Regime nutzten die Chance und zerschlugen die Weimarer Republik. Während der Zeit der NS-Diktatur passte sich die Commerz- und Privat-Bank wie andere Banken und Unternehmen dem Primat der Politik an. Sie kündigte jüdischen Mitarbeitern (darunter auch Mitgliedern des Aufsichtsrats und des Vorstandes) oder nötigte sie, die Bank zu verlassen.Detlef Krause: Commerzbank 1870–2010. Eine Zeitreise. (= Publikationen der Eugen-Gutmann-Gesellschaft. Band 5). Eugen-Gutmann-Gesellschaft, Dresden 2010, ISBN 978-3-9812511-4-2, S. 60–61. Von 1938 an arbeiteten in der Commerz- und Privat-Bank keine jüdischen Mitarbeiter mehr. Die Geschäftspolitik der Bank blieb von betriebswirtschaftlichen Motiven geleitet. Sie vermied eine übersteigerte Expansion.

Die Commerz- und Privat-Bank beteiligte sich auch an dem vom NS-Regime betriebenen Prozess der Arisierung. Wie andere Banken vermittelte sie „jüdische“ Unternehmen an Kunden oder andere Interessenten, die diese übernehmen wollten. Ziel der Bank war es, die Geschäftsbeziehungen zu den betreffenden Unternehmen zu erhalten. Genauere Zahlen lagen 2004 nicht vor, aber nach neueren Forschungen könnten es in Anbetracht ihrer rund 360 Geschäftsstellen und der zahlreichen mittelständischen Kundschaft rund 1.000 „Arisierungs“-Vermittlungen gewesen sein.Ludolph Herbst, Thomas Weihe: Die Commerzbank und die Juden 1933–1945. München 2004, S. 74–137.Dieter Ziegler: Die Commerzbank 1870 bis 1945. Entwicklung und Behauptung als Filialgroßbank. In: Stephan Paul, Friederike Sattler, Dieter Ziegler: Hundertfünfzig Jahre Commerzbank 1870–2020. München 2020, S. 167 ff.

Die „11. Verordnung zum Reichsbürgergesetz“ legte fest, dass das Deutsche Reich automatisch Eigentümer der Vermögensgegenstände ausgewanderter, deportierter und verstorbener Juden wurde. Alle Banken waren daher ab 25. November 1941 verpflichtet, deren Vermögen an das Deutsche Reich zu melden.Bernhard Lorenz: Die Commerzbank und die „Arisierung“ im Altreich. Ein Vergleich der Netzwerkstrukturen und Handlungsspielräume von Großbanken in der NS-Zeit. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. 50. Jahrgang, Heft 2, April 2002, S. 237–268.Hannah Ahlheim: Die Commerzbank und die Einziehung jüdischen Vermögens. In: Ludolf Herbst, Thomas Weihe (Hrsg.): Die Commerzbank und die Juden 1933–1945. C. H. Beck, München 2004, ISBN 3-406-51873-7, S. 138–172.

1940 änderte die Bank ihren Namen. Aus Commerz- und Privat-Bank wurde Commerzbank Aktiengesellschaft. Die Bank eröffnete nach dem Kriegsbeginn am 1. September 1939 bis 1944 mehrere Filialen und Tochterinstitute in vom Deutschen Reich besetzten Ländern, darunter in der Tschechoslowakei, in Polen, im Reichskommissariat Belgien und Nordfrankreich, in Estland und in Lettland. In den Niederlanden übernahm sie das „jüdische“ Bankhaus Hugo Kaufmann & Co’s Bank.Christoph Kreutzmüller: Händler und Handlungsgehilfen: der Finanzplatz Amsterdam und die deutschen Großbanken (1918–1945). 2005, ISBN 3-515-08639-0. (books.google.de Die Dissertation entstand im Rahmen des von Ludolf Herbst geleiteten Projekts zur „Geschichte der Commerzbank 1870–1958“ Rezension. In: H-Soz-u-Kult). Zu Grunde lagen hier weniger ideologische Überlegungen als vielmehr wirtschaftliche Interessen. Ohne die Expansion ins Ausland drohte die Bank hinter ihren Wettbewerbern zurückzubleiben. Kurz vor dem Kriegsende 1945 verlegte die Commerzbank ihre Hauptverwaltung aus Sicherheitsgründen von Berlin nach Hamburg.

Aufspaltung, Neuanfang und beginnende Internationalisierung (1945–1969) mini|hochkant|Commerzbank-Mitarbeiter in Lübeck 1946

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 und der Teilung Deutschlands in vier Besatzungszonen verlor das Kreditinstitut seine Filialen und Zweigstellen in der sowjetischen Besatzungszone und Ost-Berlin. Die dortigen Niederlassungen – knapp 45 Prozent – wurden geschlossen und entschädigungslos enteignet.Detlef Krause: Commerzbank 1870–2010. Eine Zeitreise. (= Publikationen der Eugen-Gutmann-Gesellschaft. Band 5). Eugen-Gutmann-Gesellschaft, Dresden 2010, ISBN 978-3-9812511-4-2, S. 70–81. In den westlichen Besatzungszonen wurden die Großbanken zerschlagen und ihre Geschäftstätigkeiten auf eine Besatzungszone beschränkt. Auf Anordnung der amerikanischen Militärregierung wurde die Commerzbank 1947 in neun regionale Nachfolgeinstitute aufgespalten.Detlef Krause: Commerzbank 1870–2010. Eine Zeitreise. (= Publikationen der Eugen-Gutmann-Gesellschaft. Band 5). Eugen-Gutmann-Gesellschaft, Dresden 2010, ISBN 978-3-9812511-4-2, S. 83–84. Amerikanische Besatzungszone: Mitteldeutsche Creditbank in Frankfurt Bankverein für Württemberg-Baden in Stuttgart Bayerische Disconto-Bank in Nürnberg Bremer Handelsbank in Bremen Französische Besatzungszone: Mittelrheinische Bank in Mainz Britische Besatzungszone: Bankverein Westdeutschland in Düsseldorf Hansa-Bank in Hamburg Merkur-Bank in Hannover Holsten-Bank in Kiel mini|hochkant|Werbeplakat des „Kleinkredits für jedermann“, 1959