Die ergötzlichen Nächte ( Le piacevoli notti) ist eine Sammlung von Märchen, die Giovanni Francesco Straparola in zwei Bänden zwischen 1550 und 1553 publiziert hat.
Hintergrund Die Geschichten der „ergötzlichen Nächte“ sind wie bei Boccaccios Decamerone in eine Rahmenerzählung eingebunden, stilistisch jedoch nicht mit ihm zu vergleichen. Die Sammlung beinhaltet 75 Geschichten und Novellen, davon 21 Märchen.
In der Rahmenhandlung erzählt sich während der Karnevalszeit in einer Villa (wahrscheinlich die des Bischofs von Lodi) auf Murano eine mondäne Gesellschaft von Damen und Herren in dreizehn Nächten Novellen und Märchen, an deren Schluss jeweils ein Rätsel gestellt und gelöst wird. In den ersten zwölf Nächten werden jeweils fünf, in der dreizehnten Nacht dreizehn Geschichten erzählt.
+ Auswahl an Geschichten (Alphabetisch nach Protagonist, Nummerung der jeweiligen Ausgaben in Klammer):Ausgabe online auf Weblink GutenbergAusgabe Lit. Eulenspiegel-Verlag, 1989.Ausgabe Lit. Meister-Verlag, 1950. Der Tugendwächter Anastasius (Anastasio Minuto …, 20) Ancilotto, König von Provino … (8) Andrigetto Valsabbia … (29) Die verschlagenen Bergamasken (Die Florentiner und Bergamasken …, 25), Die Schlauheit der Bergamasken Biancabella … (4) Zwei Brüder … (18) Die bucklige Plage Der Bussard mit dem hängenden Schwanz Der Kalabrese Cesarino di Berni … (28) Costanza/Costanzo: Ricardo, König von Theben … (6), Die Prinzessin als Ritter Der Meisterdieb, Der Dieb Cassandrino Die drei väterlichen Verbote, Die drei Lebensregeln Der Esel und der Löwe: Ein Esel entläuft einem Müller … (27) Wer ist der Faulste? Flamminio Veraldo … (10) Finetta stiehlt Madonna Veronica …(26), Der gestohlene Schmuck Francesco Sforza … (23) Dem König Galeotto von England … (2) Galafro, König von Spanien … (21) Zwei Gevattern, die sich lieben, betrügen einander mit ihren Frauen … (15), Der Frauentausch Das Gottesurteil Guerrino und der Waldmensch: Guerrino … (10) Das Haus im Wald Das Irrlicht Isotta … (5) Die gezähmte Keiferin, Die ungezähmte Keiferin Das Kruzifix des Holzbildhauers, Das lebende Kruzifix Die Liebenden in Dalmatien Das Mädchen im Schrein Madonna Modesta … (14) Madonna Modestas Schuhhandel Die Spalatinerin Malgherita … (17) Marsilio Vercellese liebt Thia … (13) Nerino, Sohn Galleses, Königs von Portugal … (9) Zwischen drei verehrungswürdigen Nonnen … (16), Die Künste der drei Nonnen Der Pfarrer Papiro Schizza … (24) Philenia: Der Athener Erminione Glaucio nimmt Philenia Centurione zum Weibe … (7) Der Student Philenio Sisterna … (3) Die ungetreue Polissena Der Mönch Don Pomporio wird beim Abte … (30) Der Possenreißer Der Preis Die Rache Der Ring Rodolino […] liebt Violante …(22) Rosolino Die Roßkur Der Pfarrer Scarpacifico …(1), Die Schläue des Pfarrers, Priester Scarpacifico Simplicio di Rossi Bruder Tiberio Palavicino … (19) Der törichte Alte Zambone: Bertoldo von Valsabbia … (12)
Das Werk erfreute sich außerordentlicher Beliebtheit und erlebte innerhalb weniger Jahrzehnte über 50 Auflagen.
In den späteren Auflagen von 1556 wird die fünfte Novelle der achten Nacht aus religiöser Rücksichtnahme durch zwei andere Geschichten ersetzt, so dass das Werk von nun an 74 Erzählungen umfasst. Ab 1598 wurde es aufgrund unehrbarer Anspielungen und Anzüglichkeiten auf den geistlichen Stand, so in der Geschichte vom Priester Scarpacifico und den drei Straßenräubern, das später als Vorlage für Der kleine Klaus und der große Klaus diente, zensiert. Einige Novellen, in denen Kleriker eine Rolle spielen, werden herausgenommen, es kommt sogar zu einem päpstlichen Verbot.
Straparola hat 23 seiner Novellen dem Neapolitaner Hieronymus Morlini, 16 Sachetti, Brevio, Ser Giovanni, dem altfranzösischen Fabliaux, der Legenda Aurea und dem Roman de Merlin entlehnt; andere gehen auf einen arabischen Roman über vierzig Tage und Abende, wieder andere auf Tausendundeine Nacht zurück.
Es gibt zehn Bildbeilagen von Paul Renner zu einer Auflage von 1908.
Der Dieb Cassandrino Cassandrino hat einen Freund, den Prätor. Dieser liebt ihn so sehr, dass er ihn für seine ständigen Diebstähle nicht bestrafen lässt. Allerdings soll Cassandrino ihm beweisen, was für ein guter Dieb er ist. Aus diesem Grund stellt er ihm drei Aufgaben: Cassandrino soll ihm sein Bett stehlen, während er schläft, in der Nacht ein Pferd stehlen, welches von Dienern bewacht wird, und schließlich den Priester Severino in einem Sack zu ihm bringen. Cassandrino gebraucht jedes Mal eine List, um die Wünsche seines Freundes zu erfüllen (für das Bett gräbt er eine Leiche aus, den Diener, der auf dem Pferd schläft, setzt er auf Holzpflöcke und dem Priester verspricht er, als er in Engelsgestalt zu ihm kommt, in die Herrlichkeit einzugehen, wenn er sich in den Sack begibt). Als er alle Dinge ausgeführt hat, wird er ein rechtschaffener Mensch und Kaufmann.
Priester Scarpacifico Der Priester wird, nachdem er auf dem Markt einen Esel gekauft hat, von drei Räubern hereingelegt, die ihm den Esel abschwatzen, weil es sich bei ihm schließlich um einen Esel und nicht um ein Maultier handle. Nachdem der Priester dem Betrug aufgedeckt hat, will er sich bei den Räubern rächen. Er tut drei Dinge: Er verkauft ihnen eine Ziege, die angeblich nach Hause gehen und Essen bei den Frauen bestellen kann, er verkauft ihnen eine Sackpfeife, mit der man Tote angeblich wieder beleben kann (daraufhin töten die Räuber ihre Frauen) und er lässt sie glauben, als sie ihn in einen Sack einschnüren, er in ihrer Abwesenheit allerdings entkommen kann und an seine Stelle einen Schäfer in den Sack setzt, welcher daraufhin von den Räubern in den Fluss geworfen wird, dass er im Sack nicht ertrunken ist, sondern als reicher Schäfer zurückgekehrt ist, woraufhin sich die Räuber ebenfalls in Säcke einschnüren und ins Wasser werfen lassen. Daraufhin sterben sie, der Priester allerdings kehrt als reicher Mann mit einer Herde Schafe nach Hause zurück.
Die Prinzessin als Ritter Ricardo ist der König von Theben. Als er ein alter Mann ist, beschließt er, sein Reich für seine drei Töchter aufzuteilen. Er behält ein kleines Stück Land für sich. Dann wird seine Frau allerdings wieder schwanger und das vierte Mädchen kann kein Land mehr erhalten. Die Eltern möchten sie an einen niederständischeren Mann verheiraten, weil sie keinen Anspruch mehr auf einen König hat (sie hat kein Vermögen und kein Land, das als Mitgift dienen könnte). Daraufhin beschließt Constanza als Constanzo in die Welt zu reisen, um sich einen König zu suchen. Sie kommt zum König Caco, welchem sie zu dienen beginnt. Er hat eine Frau, welche sich in Constanzo verliebt. Als sich ihre Liebe in Hass wandelt, möchte sie Constanzo loswerden, indem sie Caco sagt, Constanzo solle einen Satyr fangen, ein halb Mensch, halb Tier-Ungeheuer, das noch von niemandem gefangen werden konnte. Constanzo aber schafft es und als er ihn zum König bringt, beginnt der Satyr dreimal laut zu lachen: einmal bei der Beerdigung eines Kindes, einmal bei einer Hinrichtung eines armen Mannes und einmal, als er die Königin sieht. Der Grund hierfür liegt darin, dass der Satyr magische Fähigkeiten besitzt und sieht, dass der Vater des Kindes, welches beerdigt wurde, nicht der wahre Vater ist, der arme Mann im Vergleich zu den Zuschauern der Hinrichtung keinen wirklichen Diebstahl begangen hat und die Dienerinnen der Königin zum Teil Männer sind. Daraufhin lässt Caco seine Frau und die Männer töten, Constanza gibt sich zu erkennen und heiratet den König.
Die Geschichten im Einzelnen nach deutscher Übertragung durch Hanns Floerke, 1920 1 Drei Diebe lassen sich von Pfarrer Scarpacifico sein neues Maultier schenken, indem sie ihm erzählen, es sei ein Esel. Dafür macht er ihnen vor, seine Ziege würde selbständig seine Einkäufe heimtragen, und verkauft sie ihnen teuer. Sie wollen ihn erstechen, er täuscht flugs eine Wiederbelebung seiner Haushälterin vor, indem er ihr den Hintern mit einer Pfeife aufbläst, und verkauft ihnen auch die. Sie töten ihre Frauen, ehe sie merken, dass sie gelinkt sind, und wollen den Pfarrer in einem Sack ertränken. Ein Schäfer hilft ihm heraus und nimmt seinen Platz ein, als er hört, so bekäme er die Tochter des Gebieters der Stadt. Die Gauner wundern sich, den Pfarrer mit der Schafherde zu sehen und lassen sich auf sein Geheiß auch versenken. Vgl. Grimms Das Bürle.
2 König Schwein: Dem Königspaar fehlt ein Kind. Drei Feen begaben die Königin mit Unverletzlichkeit, dass sie den besten Sohn bekommt, der aber wie ein Schwein erscheint, bis er drei Frauen genommen hat. Das Schwein wird aufgezogen und verlangt schließlich die erste dreier schöner, armer Schwestern zur Frau. Da es aber hört, dass sie es im Schlaf töten will, stößt es ihr die Hauer in die Brust, dass sie stirbt. Ebenso ergeht es der zweiten. Erst die dritte ist freundlich zu ihm und erfährt, wie unter dem Schweinefell der schönste Mann ist. Sie verrät es seiner Mutter, und der Vater lässt das Fell zerstören. Walter Scherf sieht einen jungen Mann, der in seiner Dunkelgestalt die Beziehungen zum Zerreißen überfordert, beobachtet die Sohn-Vater-Spannung und eine Mutter, die den Sohn offenbar an sich binden will – die Frau soll sich ekeln. Anders als in Das Borstenkind (Josef Haltrichs Deutsche Volksmärchen aus dem Sachsenlande in Siebenbürgen, Nr. 44) wird das Glück ohne viel Einsatz erzielt. Das Schweigegebot sei oft an die Zeit vor der ersten Niederkunft gebunden (Das Schlangenkind, Johann Georg von Hahns Griechische und albanesische Märchen 1864, Teil 2, Nr. 100).Walter Scherf: Das Märchenlexikon. Band 1. C. H. Beck, München 1995, ISBN 978-3-406-51995-6, S. 708–710.
3 Philenio macht drei Frauen hintereinander beim Tanz den Verliebten. Sie merken es und verabreden, ihn zu foppen. Emerentiana lädt ihn zu sich, er muss sich vor ihrem Mann unterm Bett verstecken, wo Dornen liegen. Bei Panthemia fällt er durch den Boden in ein Magazin. Sinforosia betäubt ihn mit Opium und legt ihn draußen hin. Immer schleppt er sich nur im Hemd heim. Dafür sperrt er die drei bei einem Fest ein, nimmt ihnen die Kleider und zeigt sie so, nur die Gesichter verdeckt ihren Männern. Grade noch kommen sie unerkannt heim.
4 Die Frau des kinderlosen Markgrafen Lamberico wird im Garten von einer Schlange schwanger. Biancabella wird mit einer Schlange um den Hals geboren und hat eine Goldkette um. Sie trifft heimlich ihre Schwester, die Schlange Samaritana, die sie in Milch und Rosenwasser badet, worauf Biancabella so schön wird, Perlen und Edelsteine fallen ihr aus den Haaren, Blumen wachsen ihr aus den Händen. Sie soll aber stets ihre Anweisungen beachten. Sie wird an Ferrandino, den König von Neapel verheiratet. Als er im Krieg ist, lässt seine Stiefmutter Biancabella töten und schiebt ihm ihre hässliche Tochter als Biancabella unter mit der Begründung, sie habe tot geboren und sei krank. Doch die Diener töten Biancabella nicht, sondern lassen sie blind und verstümmelt im Wald. Eine Einsiedlersfamilie pflegt sie und erstaunt über die Perlen und Edelsteine aus ihrem Haar. Doch vergeblich sucht sie Samaritana. Schließlich will sie sich ertränken, da zeigt sich Samaritana und heilt ihr Augen und Hände, da Biancabella bereut, dass sie ohne ihren Befehl heiratete. Sie gehen nach Neapel. Die Stiefmutter wird verbrannt.
5 Lucaferro streitet mit seinem Bruder Emilliano, weil der ihn stehen lässt, um mit seinem Viehhirt Travaglino zu reden. Emilliano entgegnet, dass Travaglino so ehrlich ist und nie lügen würde. Darauf verwetten sie ihre Landgüter. Lucaferros Frau Isotta verkleidet sich, verführt Travaglino und verlangt von ihm den Kopf des Stiers, den Emilliano so liebt, dass er seine Hörner vergolden ließ. Sie warten, wie Travaglino sich herausredet. Doch er bleibt ehrlich.