Der Waffenhandel bezeichnet alle Vorgänge im Zusammenhang mit der Übereignung einer Waffe. Während Jäger, Sportschützen und Sammler heutzutage unter dem Begriff Waffenhandel Betriebe definieren, die Jagd-, Sport- und Schusswaffen verkaufen, findet man den Begriff in der Geschichte hauptsächlich im Zusammenhang mit Waffenschmieden und Waffenexporten und aktuell in den Medien mit Rüstungsexporten und illegalem Drogen- und Menschenhandel.Google-Suche nach Waffenhandel lieferte 104.000 Ergebnisse, abgerufen am 1. Januar 2011.

Tausende von Jahren stellten die Menschen ihre Waffen selbst her. Seit der Erfindung des Metalls konzentrierte sich die Waffenherstellung auf bestimmte Orte, die anhand ihrer Rohstofflage (Eisenerz, Kohle, Schifffahrt) prädestiniert waren. Hierzu gehörten im Mittelalter unter anderem Nürnberg, Suhl, Steyr, Lüttich, das Ruhrgebiet, Damaskus und Kyōto.

Urkunden belegen, dass bereits im 10. Jahrhundert ein internationaler Waffenhandel existierte, der durch Gesetze und Vorschriften kontrolliert wurde. Der Waffenhandel ist daher unweigerlich mit Waffenexport und Waffenkontrolle verknüpft.

Menschen, welche den Waffenhandel betreiben, werden als Waffenhändler bezeichnet.

Waffenhersteller sind Personen und Unternehmen, die gewerbsmäßig Waffen herstellen. Waffenexport bezeichnet alle Vorgänge im Zusammenhang mit dem außerstaatlichen Transfer von Waffen.

Geschichte Vor 1800 Abnehmer Neben Kaufleuten und Reisenden, die Waffen zum Schutz ihrer Handelswege benötigten, sowie Kanonen für ihre Handelsschiffe, kaufte im Mittelalter nur der zur Jagd privilegierte Adel privat Waffen für sich und seine angestellten Berufsjäger, sowie die geistlichen und weltlichen Rentenbezieher. Jeder Mann hatte ein mehr oder weniger langes Messer (Sachs) und oft einen Spieß. Jedoch war der Waffenbesitz für niedere Stände teilweise verboten bzw. eingeschränkt. Ihre Waffen in den Bauernaufständen waren daher auch Werkzeuge wie Sensen und Dreschflegel. Die städtischen Zeughäuser und Zeughöfe erneuerten von Zeit zu Zeit ihre Ausstattung. Die Nachfrage nach Waffen war in Friedenszeiten sehr gering. Im Krieg hingegen stieg die Nachfrage nach Waffen rapide.

Händler Die Hersteller verkauften direkt vor Ort an Privatleute und die städtischen Zeughäuser. Produktionsüberschusse und Auftragsarbeiten übergaben sie den Reisenden. In Friedenszeiten wurde die geringe private Nachfrage hauptsächlich von privaten Kaufleuten befriedigt.

In Kriegszeiten engagierten sich die Städte bis hin zum Monopolisten. So war die Regierung der Reichsstadt Nürnberg aktiv am Waffenhandel beteiligt. Das städtische Zeughaus hatte dafür zu sorgen, dass die Bestände stets auf dem neuesten Stand der Technik waren. Dies war jedoch nur möglich, indem in regelmäßigen Abständen veraltete Waffen abgestoßen und neue Modelle gekauft wurden. Im Dreißigjährigen Krieg vertrieb das Zeughaus jedoch nicht mehr nur ausrangierte Typen, sondern agierte wie eine private Handelsfirma. Glaubt man den Quellen, war der öffentliche Anteil am Waffenhandel enorm. Zwischen 1621 und 1629 lag der staatliche Handel bei 4 % bis 36 %, zwischen 1630 und 1635 stieg er auf 78 % bis 100 %.

Nach 1800 Abnehmer Bis zur bürgerlichen Revolution im Jahre 1848 war in Mitteleuropa die Jagd und der Waffenbesitz ein Privileg des Adels. Entsprechend gering war der Bedarf an Jagdwaffen, die in technischer Hinsicht damals mit den Militärgewehren noch völlig identisch waren. 1848 wurde die Jagd allgemein freigegeben und dem Bürgertum der Besitz von Gewehren erlaubt. Dies spiegelt sich u. a. durch die Ausgabe der Anzahl der ausgegebenen Jagdscheine wider, die sich von 1878 bis 1923 auf 250.000 Stück verdoppelteJagdgeschichte, abgerufen am 7. Juni 2015. und somit für mehr Nachfrage sorgte.

Im 19. Jahrhundert schlossen sich auch viele Schützenvereine Schützenverein Burgstädt e. V., abgerufen am 2. Februar 2011. zu Dachverbänden zusammen: Die Société Suisse des Carabiniers 1824 in der Schweiz, die British National Rifle Association 1859 in England, der Deutsche Schützenbund 1861 in Deutschland und die National Rifle Association of America 1871 in den USA. Das Sportschießen wurde 1896 olympischThe ISSF History Milestones, issf-sports.org, abgerufen am 7. Juni 2015. und steigerte wie auch die nationalen Meisterschaften zur Erringung der Olympiaqualifikation die Nachfrage nach zivilen Schusswaffen. auf Schuetzenwesen.eu, abgerufen am 1. Februar 2011.

Das Deutsche Heer wäre der größte Abnehmer von Schusswaffen gewesen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts hatten deutsche Staaten mehrfach Krieg geführt, die Armeestärke im Kaiserreich bis 1890 auf 1 % der Bevölkerung ausgeweitet, und kurz nacheinander wurden drei unterschiedliche Ordonanzwaffen eingeführt: Zündnadelgewehr, Gewehr 88 und Gewehr 98. Jedoch ließ das Deutsche Heer diese Waffen in staatlichen Gewehrfabriken produzieren und vergab Direktaufträge an Mauser, Steyr, FN und Zastava. Der Handel war nicht beteiligt.

Händler Die gestiegene Nachfrage nach Jagd- und Sportwaffen aus dem Bürgertum und der Boom aus der Gründerzeit führten dazu, dass sich einige Waffenhersteller, wie z. B. Sauer und Merkel, bereits frühzeitig auf zivile Waffen konzentrierten und diese über Waffenhändler an die Kunden absetzten. Waren die Waffenhändler vor 1850 meist Büchsenmacherbetriebe, so kamen nun auch Kolonialwarenhäuser dazu.

Auch wanderten viele Büchsenmacher aus dem Thüringer Wald aus, um sich verteilt im ganzen Reich als selbständige Waffenhändler mit Büchsenmacherwerkstatt niederzulassen. Das Museum der Beschussanstalt Zella-Mehlis vermerkt hierzu: „Bis zum 19. Jh. fertigten hier Vertreter Zellaer und Mehliser Büchsenmacherfamilien wie die der Anschütz, Bader, Barthelmes, Böhner, Büchel, Capell, Diem, Diemar, Ditzel, Döll, Drechsler, Ernst, Fischer, Glantz, Gräfenstein, Gressmann, Happ, Helfricht, Hengelhaupt, Hoepfel, Kehl, Keiner, Kind, Klett, Kneifel, Kolb, Kommer, König, Lämmermann, Langenhan, Lepper, Lesch, Luck, Mangler, Marr, Moritz, Muth, Reuss, Ritz, Sauerbrey, Schindler, Schneider, Schilling, Schlütter, Schramm, Schübler, Sontag, Spörer, Stockmar, Triebel, Weihrauch, Weiß, Will, Wirsing, Wolf, Zerr oder Zöller.“Zellaer und Mehliser Büchsenmacherfamilien des 16. bis 19. Jahrhunderts Büchsenmacher und Waffenfirmen, abgerufen am 26. Oktober 2019.

Liste von Waffenhändlern, deren Gründung vor dem Zweiten Weltkrieg war, sortiert nach Gründungsjahr: 1640: Kuchenreuter, gegründet in Regensburg, seit 1824 in Cham 1750: Triebel, gegründet in Suhl, seit 1915 in Berlin Firmen-Historie auf der Homepage des Händlers, abgerufen am 15. Januar 2011. 1752: Hambrusch, in Ferlach (Österreich)Hambrusch Hunting Weapons GmbH Firmen-Historie auf der Homepage des Händlers, abgerufen am 15. Januar 2011. 1790: Le Hanne, in Crefeld, seit 1912 im Besitz der Familie Giesen, Geschäftsaufgabe 2009 mangels Umsatz Westdeutsche Zeitung, 19. Oktober 2009, abgerufen am 7. Juni 2015. 1809: Hoerning, in Hamburg, Geschäftsaufgabe 2012 mangels NachfolgerMalte Steinhoff: nach 203 Jahren: Waffengeschäft Hoerning macht dicht, Hamburger Morgenpost, 13. Oktober 2012, abgerufen am 7. Juni 2015. 1820: Wertgarner in Wels (Österreich)Wilfried Wertgarner Firmen-Historie auf der Homepage des Händlers, abgerufen am 15. Januar 2011. 1831: Winkler, gegründet in Traunstein von Strassberger Firmen-Historie auf der Homepage des Händlers, abgerufen am 15. Januar 2011. 1836: Joh. Springer’s Erben, in Wien (Österreich) 1843: Knappworst, in Braunschweig Firmen-Historie auf der Homepage des Händlers, abgerufen am 15. Januar 2011. 1848: Daurer, in Rosenheim Firmen-Historie auf der Homepage des Händlers, abgerufen am 15. Januar 2011. 1853: Föll, in Hofheim am TaunusFamilien und Betrieb mit langer „Zeitzeugenschaft“ Die Meister Föll – Seit 1870 an der Hauptstraße, Hofheimer Zeitung, 15. Juli 2011, abgerufen am 6. Februar 2013. 1865: Meyer, in Wolfenbüttel Firmen-Historie auf der Homepage des Händlers, abgerufen am 15. Januar 2011. 1873: Dorfner, in Wien als Metallwarengeschäft, seit 1979 reiner Waffenhandel Offizielle Website des Händlers, abgerufen am 15. Januar 2011. 1879: Mayor, in Genf (Schweiz)Ernest Mayor S.A. Offizielle Website des Händlers, abgerufen am 15. Januar 2011. 1881: Krausser, in München, gegründet in Zella St. BlasiiWaffen-Krausser GmbH & Co KG Offizielle Website des Händlers, abgerufen am 15. Januar 2011. 1884: Schmithüsen, in XantenH.G. Schmithüsen Firmen-Historie auf der Homepage des Händlers, abgerufen am 15. Januar 2011. 1884: Kettner, 2012 Geschäftsaufgabe aller deutschen Filialen mangels Umsatz. 189?: Kümmet, in Kronach Firmen-Historie auf der Homepage des Händlers, abgerufen am 15. Januar 2011. 1903: Dittmann, in GarlstorfW. & O. Dittmann GmbH & Co.KG Firmen-Historie auf der Homepage des Händlers, abgerufen am 11. September 2014. 1903: Schumacher, in DürenWaffen Schumacher Firmen-Historie auf der Homepage des Händlers, abgerufen am 15. Januar 2011. 1906: Völker, in WeidenWaffen Völker Firmen-Historie auf der Homepage des Händlers, abgerufen am 15. Januar 2011. 1908: Frankonia 1908: Halbach, in AachenKurt Halbach GmbH & Co., KG Firmen-Historie auf der Homepage des Händlers, abgerufen am 15. Januar 2011. 1908: Volber, in Uelzen Offizielle Website des Händlers, abgerufen am 15. Januar 2011. 1909: Kratz, in Lemgo Firmen-Historie auf der Homepage des Händlers, abgerufen am 15. Januar 2011. 190?: Will, in HannoverWaffen Will Firmen-Historie auf der Homepage des Händlers, abgerufen am 15. Januar 2011. 1911: Bader, in Hanau Firmen-Historie auf der Homepage des Händlers, abgerufen am 15. Januar 2011. 1912: Piel, in Hollwede Firmen-Historie auf der Homepage des Händlers, abgerufen am 15. Januar 2011. 1913: Becker, in HagenWaffen-Becker Offizielle Website des Händlers, abgerufen am 15. Januar 2011. 1913: Binarsch, in Braunschweig Firmen-Historie auf der Homepage des Händlers, abgerufen am 15. Januar 2011. 1913: Bassing, in MainzWaffen-Bassing GmbH Offizielle Website des Händlers, abgerufen am 15. Januar 2011. 1921: Adamy, in Suhl Firmen-Historie auf der Homepage des Händlers, abgerufen am 15. Januar 2011. 1921: Hammer, in Passau, gegründet von Nöbauer, seit 1961 im Besitz der Familie HammerPeter Hammer eKfm Offizielle Website des Händlers, abgerufen am 15. Januar 2011. 1922: Grünig&Elmiger, gegründet als Waffenfabrik vom Onkel Walter Lienhard in Kriens (Schweiz), seit 1968 in Malters Firmen-Historie auf der Homepage des Händlers, abgerufen am 15. Januar 2011. 1922: Schmitt, in Goch Firmen-Historie auf der Homepage des Händlers, abgerufen am 15. Januar 2011. 1924: Tramm und Hinners, in Hamburg, Firmen-Historie auf der Homepage des Händlers, abgerufen am 15. Januar 2011. 1925: Merkle, in BacknangMerkle-Tuning Firmen-Historie auf der Homepage des Händlers, abgerufen am 1. Mai 2013. 1927: Kruschitz, gegründet in Ferlach, seit 1938 in WienAustrojagd Händler Kruschitz Firmen-Historie auf der Homepage des Händlers, abgerufen am 15. Januar 2011.

Waffenhandel heute Die Privilegien und Beschränkungen der mittelalterlichen Stände (Adel, Bürgertum, Klerus und Bauern) wurden abgelöst durch nationale Waffengesetze, deren Ansätze noch heute gelten. Zudem schränken internationale Verträge und Vereinbarungen das nationale Waffenrecht ein.

Rechtsvorschriften der EU Die europäischen Staaten, die dem Schengen-Abkommen beigetreten sind, dazu gehören u. a. die deutschsprachigen Staaten Deutschland, Österreich und die Schweiz, sowie die anderen Staaten der Europäischen Union haben sich darauf verständigt, die EU-Richtlinie zur Harmonisierung des Feuerwaffenrechts von 1991 in ihr nationales Recht zu implementieren.