Besni (kurdisch Bêsnî oder Behsnî) ist eine Stadt und zugleich ein Landkreis in der türkischen Provinz Adıyaman in Südostanatolien.
Zum Namen der Stadt Besni Der Ortsname „Parala“, die bislang älteste bekannte Bezeichnung der historischen „Vorläuferstadt“ Besnis (Eski Besni), findet sich in urartäischen Quellen des 8. Jahrhunderts v. Chr. Der Ort gehörte zu den Städten von Kommagene (Kummuh) und lag rund um die heutigen Ruinen von Eski Besni. In geographischen Quellen aus der römischen Zeit sind am Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. und zu Beginn des 2. Jahrhunderts n. Chr. zwischen den beiden Legionsburgen am Euphrat, Zeugma und Samsat, die zwei burgartigen Vorposten für die Stationierung von Hilfstruppen verzeichnet: Kiştan bzw. Cesum (Nisus) an der Stelle des heutigen Keysun und die Stadt Octacuscum am Platz von Eski Besni. Nachweislich hat sich der Name dieser Stadt im Laufe der Geschichte von ihrer Gründung bis heute mehrmals geändert und wurde zwischen dem 12. und 19. Jahrhundert auf unterschiedliche Weise geschrieben. Man findet Bezeichnungen, wie Bahsna, Bahasna, Bet Hesna, Behesna, Behişti, Behesne, Bisni und Besni aufgelistet. In persischen Quellen wird Besni als Bihişti erwähnt. Von den mittelalterlichen Historikern verwendete für Besni der in Syrischer Sprache schreibende Bar Hebraus die Bezeichnung Bet Hesna, der armenisch schreibende Matthias von Edessa dagegen die Namen Behesni und Behesdin. Evliya Çelebi, der Besni Mitte des 17. Jahrhunderts besuchte, verzeichnete in seinem Seyahatname die Namen Sadr-ı Baz und Besne für die Stadt und die Burg. Für Besni wurden auch Namen wie Behesni und Behisni verwendet.
Zur Lage von Besni links|mini|Blick von Emirhaydar westwärts in die Senke von Araban (Altıntaş Ovası).Mitte April 2004 Landkreis und Stadt Besni liegen in der Provinz Adıyaman im mittleren Euphrat-Abschnitt der Region Südostanatolien im Einzugsgebiet des Euphrat an der Fernstraße von Adıyaman nach Gaziantep. Der Landkreis grenzt im Osten an den zentralen Landkreis Adıyaman, im Norden an den Landkreis Tut, im Westen und Nordwesten an den Kreis Gölbaşı, im Südwesten an den Kreis Pazarcık (Provinz Kahramanmaraş), im Süden an die Landkreise Araban (Provinz Gaziantep) mit der ausgedehnten Senke der Altıntaş Ovası und im Südosten an den Fluss Fırat (Euphrat) bei den Landkreisen Halfeti (Provinz Şanlıurfa) und Bozova (Provinz Şanlıurfa). Im 19. Jahrhundert wurde die Lage des Landkreises Besni beschrieben als „am letzten Punkt des südwestlichen Teils der Provinz Mamüratülaziz (Elazığ), umgeben vom Akçadağ im Norden, den Landkreisen von Hısnımansur (Adıyaman) im Osten und dem Sandschak Maraş im Südwesten“. links|mini|300x300px|Topographisch-historische Situationsskizze des Landkreises Besni in der Provinz Adıyaman (Südost-Türkei). Der Landkreis umfasst neben der Kreisstadt noch fünf weitere Städte/Gemeinden (Belediye): Şambayat (3583 Einw.), Köseceli (2049 Einw.),Suvarlı (2020 Einw.), Çakırhüyük (1861 Einw.) und Kesmetepe (1636 Einw.). Daneben existieren im Kreis noch 67 Dörfer (Köy) mit durchschnittlich 449 Einwohnern. Atmalı (1718 Einw.), Sayören (1587 Einw.), Oyratlı (1468 Einw.), Kutluca (1052 Einw.) und Üçgöz (1107 Einw.) sind dabei die größten, weitere 21 Dörfer haben ebenfalls mehr Einwohner als der Durchschnitt (449 Einw.). Der städtische Bevölkerungsanteil liegt bei 61,3 Prozent.Besni Tarihçesi (Geschichte des Kreises in türk.) Die Fläche des Landkreises beträgt 1.330 km², wovon 13 km² auf die Stadt Besni entfallen. Die Höhe des Kreiszentrums liegt bei etwa 930 Meter über dem Meeresspiegel. Der Ort erstreckt sich an den südlichen Ausläufern des Malatya-Gebirges (Malatya Dağları) am Fuße des Yumrutepe, eines der Hügel des südöstlichen Taurusgebirges, das sich in Südwest-Nordost-Richtung hinzieht und nach Süden abfällt. Der Norden des Landkreises weist den Charakter eines zerklüfteten Plateaus auf, wird gen Süden hin bei nachlassender Schroffheit deutlich hügeliger und geht in eine fruchtbare Ebene über, die bis zum Kızıldağ reicht. Die für Erdbeben (6. Februar 2023) bekannte tektonische Senke des Maraşgrabens trennt zusammen mit den Höhen des Taurus, die in diesem Teil des südöstlichen Gebirges stellenweise dreitausend Meter erreichen, und des Amanos-Gebirges die Region von Kappadokien sowie von der Çukurova und begrenzt die Region wie eine Barriere in Südwest-Nordost-Richtung. Die wüstgefallene Hauptsiedlung der historischen Stadt (altes Zentrum: Eski Besni) lag rund um die Burg Besni, fünf Kilometer südlich der heutigen Stadtlage. Die alte Siedlung hat sich mehrmals verändert, da das Gelände, auf dem die Stadt gegründet wurde, häufig Erdrutschen ausgesetzt war und der Besni Çayı, an dem sie lag, über die Ufer trat (s. u.).
Bemerkungen zur Geologie und Tektonik Der Landkreis Besni liegt an den südlichen Ausläufern des südöstlichen Abschnitts des Taurus-Gebirges, wo sich der Einfluss der alpinen Orogenese deutlich abzeichnet. Während es im Süden flache Schwemmlandgebiete verschiedener Flüsse gibt, zieht sich nördlich und nordwestlich, ausgehend von Hatay, das tektonische System des Maraşgrabens als Teil der ostanatolischen Verwerfungszone über Türkoğlu (Kahramanmaraş), Gölbaşı (Adıyaman), Çelikhan (Adıyaman), Sivrice (Elâzığ), Palu (Elâzığ) bzw. Bingöl nordwärts bis zur nordanatolischen Verwerfungszone bei Karlıova (Bingöl). Erdbeben, die in dieser Störungszone auftreten, wirken sich auch auf die Region von Besni aus. Während sich im Norden des Landkreises die 21 km lange Tut-Verwerfung zwischen Besni und Tut erstreckt, gibt es im Westen und in den südlichen Teilen von Besni weitere aktive unklare Störungen. Im nordwestlichen und westlichen Teil der Besni-Region stößt man zwischen Akdere-Tal und dem Besni Çayı auf die älteste geologische Fazies aus dem Oberjura bis zur Unterkreidezeit des Mesozoikums. Dieser Koçali-Komplex liegt um die Dörfer Burunçayır, Güneykaş und Oyalı als graugrüne bis blau gefärbte Serpentinite. Er ist im Allgemeinen massiv und wurde durch Bäche erodiert, was zur Bildung einer zerklüfteten Topographie mit tiefen Tälern führte. Der Komplex besteht aus ophiolitischen Gesteinsgemeinschaften, die auf dem mittelozeanischen Rücken der Neotethys (Tethys) entstanden sind und sich zwischen der anatolischen und der arabischen Platte während der Trias zu bilden begannen. Auf diesem ophiolitischen Komplex lagerten sich ozeanische, partiell auch Tiefseesedimente sowie flache Karbonatformationen ab.
Eine weitere ältere Sequenz, die Sayındere-Formation, im oberen Senonium (höhere Oberkreide) gebildete klastische Karbonate eines Flachmeersediments, kommt nur in einem schmalen Gebiet zwischen den Dörfern Akdere und Çilboğaz im Osten und Nordosten von Besni vor. In einem großen Gebiet auf beiden Seiten des Akdere-Tals östlich von Besni tritt die Kestel-Formation auf mit im Liegenden grünlich-grau gefärbten Mergel-, Schiefer- und Sandsteinmaterialien und eingestreuten großen Blöcken bzw. Kies insbesondere aus dem Koçali-Komplex. Die im oberen Senon entstandene Besni-Sequenz aus Kalkstein steht im Süden und Südwesten des Landkreises an und enthält gelben Sandstein und kiesigen Kalkstein. Darüber liegt die Germav-Formation aus der Oberkreide- und dem Unterpaläozän, die während der Kreide-Tertiär-Perioden stark von lokalen geodynamischen und diagenetischen Ereignissen beeinflusst wurde. Sie zieht sich in Form klastischer Karbonate vom Süden Besnis nach Südosten und umgibt die Koçalı- und Kestel-Formationen mit Mergel, Sandstein, Schiefer und gelegentlich Kiesen marinen Ursprung. Südwestlich von Besni lagern eozäne Kalksteine der Hoya-Formation, die sich als dünner Streifen nach Osten fortsetzen. Sie bestehen aus cremebeigefarbenem, dickschichtigem, hartem und sprödem Kalkstein und Dolomiten, die steile Klippen bilden. In den Ebenen im Süden des Landkreises sowie in den Berggebieten und niederen Gebieten im Nordosten bedeckt die im Untermiozän entstandene Gaziantep-Formation sehr große Teile. Sie besteht aus Kalkstein und Mergel mit linsenartigem Kalksteineinlagen.
Geophysische Situation links|mini|An den Talflanken des Eskiköy çayı zeigen sich markant die Erosionsrinnen in den weichen Sedimentschichten. Man kann den Bezirk Besni geomorphologisch in drei Teile untergliedern: Im Norden und Westen erstrecken sich raue und zerklüftete gebirgige Hochplateaus, im Süden und Osten gibt es eher leicht zertalte und für die Landwirtschaft geeignete Tiefebenen, während sich zur Mitte hin ein durch die Erosion von Flüssen auffällig von Tälern durchsetztes Hügelland ausbreitet. Der Süden des Landkreises ist mit Ausnahme des Kızıldağ mit fruchtbaren Ebenen bedeckt. Im Südosten liegen die Kızılin-Ebene und die Sahantil-Ebene, im Westen die Keysun-Ebene. Der Landkreis hat erhebliche Höhenunterschiede und grenzt im Norden an den Kabirlik-Kamm, im Westen an die Gipfel und Bergrücken, die die Gewässer des Sumaklı-Tales und des Besni-Tales liefern, im Süden an die Bergrücken und Gipfel, aus denen die Wasser des Değirmen-Stroms und des südlichen Besni-Bachs stammen, sowie im Osten an die Hügel von Karagedik Tepesi und Sarıtaş Tepesi des Adıyaman-Plateaus. Die Region bildet grob eine von West nach Ost abfallende Plateaulandschaft. Den tiefsten Punkt des Landkreises bildet im Osten mit 540 m Höhe der Talgrund des Akdere Çayı und den höchsten mit 1219 m der Mevlana Tepesi im Westen. Weitere wichtige Erhebungen sind im Westen der Kara Tepe (1193 m), im Süden der Heyik Tepesi (1091 m) und der Kamilo Tepesi (1085 m), im Osten der Akçukur Tepe (804) sowie im Norden der Kaplan Tepesi (1025 m) und der Kemerkaya Tepesi (989 m).
Besnis Hydrogeographie links|mini|Nördlich von Şambayat öffnet sich nach einer Engtalstrecke die Talweitung des Göksu. mini|Blick in die breite Talung des Göksu südlich von Şambayat. Die wichtigsten Gewässer des Landkreises Besni sind neben dem Vorfluter Fırat (Euphrat) der Göksu Çayı, der Keysun Çayı, der Sofraz Çayı (Değirmen Dere), der Akdere (Ağdere) mit seinen Zuflüssen Köristan Çayı, Karadere, Kurma Çayı und Çilboğaz Çayı sowie der Besni Çayı, an dem die Stadt Besni liegt. Der Göksu, wohl der bedeutendste unter ihnen, entsteht durch den Zusammenfluss zweier Bäche aus den Landkreisen Sürgü (Doğanşehir, Malatya) bzw. Pazarcık (Kahramanmaraş). Trotz seiner vielen Zuflüsse verliert er aufgrund der starken Verdunstung während der Sommerdürre einen großen Teil seines Wassers. Dennoch ist sein jährlicher mittlerer Abfluss mit 7,49 m³/sec (14,1 l/km²) hoch. Der Oberlauf reicht zurück bis ins Taurusgebirge zu den südlichen Ausläufern des Nurhak Dağı, (3081 m, bei Kahramanmaraş) und den östlichen Partien des Koçdağı (2562 m). Er nimmt den Sürgü Deresi (Kapı Deresi), einen seiner wichtigen Zuflüsse im Nordosten der Gölbaşı-Senke, auf, empfängt südlich von Şambayat die Bäche Aksu und Doyuran und vermischt sich bei Soyören mit dem Sofraz Çayı (Değirmen Çayı), ehe er unweit Kızılin in den Euphrat (Fırat) mündet. Er spielt im Sommer eine wichtige Rolle bei der Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen, da aber kaum technische Bewässerungsmethoden angewendet werden, ist der Göksu nicht ausreichend genutzt.