mini|hochkant|Informationstafel 3.19: Zeppelinbrunnen Der Geschichtspfad Friedrichshafen bietet Informationen zu geschichtlich bedeutenden Örtlichkeiten und Gebäuden in der baden-württembergischen Stadt Friedrichshafen am Bodensee in Deutschland.

Hervorgegangen ist das Projekt „Geschichtspfad“ 1996 aus einem Arbeitskreis der städtischen Volkshochschule und des Stadtarchivs. Von Bürgern der Stadt erarbeitete Informationen dokumentieren auf inzwischen über fünfzig Informationstafeln an Originalstandorten in der Friedrichshafener Innenstadt und den näher gelegenen Stadtteilen Blicke hinter die Fassaden der ehemaligen Freien Reichsstadt. Auf allen Tafeln werden aufgrund der vielen Veränderungen durch Stadtentwicklung seit dem 19. Jahrhundert und der Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg historische Darstellungen oder Bilder gezeigt.

Geschichte der Stadt Friedrichshafen mini|Friedrichshafen 1916 Friedrichshafen entstand 1811 durch Zusammenschluss der ehemaligen Freien Reichsstadt Buchhorn (von der sie das Wappen übernahm) und dem nahen Dorf und Kloster Hofen; die Stadt wurde nach dem ersten württembergischen König Friedrich I. benannt. Sie profitierte vor allem in wirtschaftlichen Aspekten von König Friedrich. Friedrichshafen war ein privilegierter Freihafen und Warenumschlagplatz für den Handelsverkehr mit der Schweiz. Dadurch wurden Neuansiedler angelockt, die sich in der Karl- und der Friedrichstraße ansiedelten und so die Ortsteile Buchhorn und Hofen verbanden. Im 19. Jahrhundert diente die Stadt den württembergischen Monarchen als Sommerresidenz; das ehemalige Kloster Hofen wurde zum königlichen Schloss umgebaut. Unter König Wilhelm I. begann ein neuer wirtschaftlicher Aufschwung, der sich u. a. im Kauf des Dampfschiffes Wilhelm widerspiegelte. Außerdem lockte das Schloss viele Fremde nach Friedrichshafen, darunter erste Touristen, Minister und hohe Beamte, die im Umkreis des Schlosses ihre Villen errichten ließen.

Die Industrialisierung Friedrichshafens wurde vor allem durch Ferdinand von Zeppelin geprägt. Der in Konstanz geborene Graf siedelte hier in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts die Produktion seiner berühmten Starrluftschiffe, den Zeppelinen an. Am 2. Juli 1900 erhob sich der 128 Meter lange LZ1 zum ersten Mal von seiner Startfläche in der Manzeller Bucht.

Vor dem Zweiten Weltkrieg diente Friedrichshafen den Nationalsozialisten vor allem als Erholungsort der vielen Arbeiter. Auch die Industrie, die auf Kriegsrüstung umgestellt wurde, wuchs ständig. Vier große Rüstungsbetriebe machten Friedrichshafen zu einem wichtigen Rüstungsstandort im Deutschen Reich: Luftschiffbau Zeppelin GmbH; Hersteller von Radaranlagen, Peilanlagen, Fallschirmen und Teilen für den Flugzeug- und Raketenbau Maybach-Motorenbau GmbH; Fertigung aller Motoren für die Kettenfahrzeuge der Wehrmacht Zahnradfabrik AG; Fabrikation von Getrieben für schwere Fahrzeuge Dornier-Werke GmbH; Flugzeugbau Die Produktionsstätten elementarer Rüstungsindustrie waren der Grund dafür, dass Friedrichshafen zwischen Juni 1943 und Februar 1945 zum Ziel von elf alliierten Luftangriffen wurde. Der folgenschwerste dieser Angriffe fand in der Nacht zum 28. April 1944 statt, ihm fiel der Kern der Altstadt zu Opfer. Das entschlossene Handeln der Bürger und des Bürgermeisters, entgegen dem Befehl, Friedrichshafen bis zum letzten Haus zu verteidigen, verhinderte die vollständige Zerstörung der Stadt. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Friedrichshafen zu zwei Dritteln zerstört.Reinhold Mann: W.G. Sebald und der Luftkrieg - eine Ausstellung in Marbach und neue Bücher zum Thema. Erzählen, Erfinden, Erinnern. In: Schwäbische Zeitung vom 25. November 2008 Die erste wichtige Handlung des Wiederaufbaus war die Enttrümmerung der Stadt. Dazu wurde eine Schmalspurbahn angelegt, mit deren Hilfe bis 1949 die gesamte Altstadt freigeräumt wurde. 1950 wurde mit der Planung des Neuaufbaus begonnen, die vor allem bessere Verkehrsverhältnisse und Grünanlagen beinhaltete. Mit der Einweihung des neuen Rathauses wurde diese Bauphase 1956 abgeschlossen.

Die Stadt besteht aus der Kernstadt und den im Rahmen der Gemeindereform der 1970er-Jahre eingegliederten Gemeinden Ailingen, Ettenkirch, Kluftern und Raderach. Diese eingegliederten Gemeinden sind Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung; das heißt, sie haben jeweils einen von den Wahlberechtigten in einer Kommunalwahl neu zu wählenden Ortschaftsrat mit einem Ortsvorsteher als dessen Vorsitzenden. In jeder Ortschaft gibt es eine Ortsverwaltung, deren Leiter der Ortsvorsteher ist.

Zu fast allen Stadtteilen und zur Kernstadt gehören noch viele räumlich getrennte Wohnplätze mit eigenen Namen, die oft nur wenige Einwohner haben oder Wohngebiete, deren Bezeichnung sich im Laufe der Bebauung ergeben und dann erhalten haben – und deren Grenzen oft nicht genau festgelegt sind. Teilweise handelt es sich auch um ehemals selbständige Gemeinden oder Gemeindeteile, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eingemeindet wurden oder sich mit anderen Gemeinden zusammenschlossen. Im Einzelnen sind zu nennen:

Teilort WohnplätzeKernstadtAllmannsweiler, Eichenmühle, Fischbach, Grenzhof, Heiseloch, Hofen, Jettenhausen, Löwental, Manzell, Meistershofen, Neuhäuser, Riedern, Rupberg, St. Georgen, Schnetzenhausen, Seemoos, Seewiesenesch, Spaltenstein, Sparbruck, Waggershausen, WindhagAilingenBerg (zwischen 1825 und 1937 selbständige Gemeinde, zu der auch die Siedlungen Holzhof, Ittenhausen, Jägerhaus, Kappelhof, Köstenbach, Langenloch, Unterraderach und Weiler an der Ach gehörten), Buchholz, Bunkhofen, Hagendorn (1812–1825 Name der damaligen Gemeinde Ailingen/Berg), Höhler, Holzhof, Ittenhausen, Lochenried, Martinshof, Oberailingen, Oberlottenweiler, Reinach, Unterailingen, Unterlottenweiler, Waldacker, Weilermühle, Wiggenhausen, WolfenhofEttenkirchAppenweiler, Batzenweiler, Bettenweiler, Eggenweiler, Ellenweiler, Furatweiler, Habratsweiler, Hinterhof, Hirschlatt (bis 1937 selbständige Gemeinde), Huiweiler, Krehenberg, Lehhorn, Lempfriedsweiler, Lindenholz, Rosengarten, Waltenweiler, Wannenhäusern, Wirgetswiesen, ZillisbachKlufternEfrizweiler, Höge, Kreuzäcker, Lipbach, Mühlöschle, Ziegelacker

Verlauf des Geschichtspfads Die folgende Liste führt zuerst alle Stationen im Innenstadtbereich, danach die Teilorte bzw. Wohnplätze in alphabetischer Reihenfolge.

Innenstadt Innerhalb der Innenstadt verläuft der ungefähr drei Kilometer lange Geschichtspfad von der „Östlichen Uferstraße“ entlang des Seeufers zur Schlosskirche des ehemaligen Klosters Hofen und weiter über den Alten Friedhof zum Stadtbahnhof.

Altes Rathaus – Tafel 1.1 1906/07 wurde an der Stelle des Rathauses von 1828 das „Alte Rathaus“ errichtet, geplant von den Stuttgarter Architekten Ludwig Eisenlohr und Carl Weigle. Blickfang in der aufwendig gestalteten Südfront war der von August Brandes über die gesamte Breite gemalte Fries Die Huldigung der Berufsstände von Buchhorn und Hofen an König Friedrich von Württemberg, den Gründer Friedrichshafens. Im Erdgeschoss befanden sich eine Markthalle sowie eine Polizeidienststelle.Die Ruinen des durch einen Luftangriff am 28. April 1944 zerstörten Rathauses wurden 1949 zur Vergrößerung des Platzes abgetragen.

Neues Rathaus – Tafel 1.2 Das Neue Rathaus entstand in den Jahren 1954 bis 1956 nach Plänen der Stuttgarter Architekten Ludwig Hilmar Kresse (1914–1985) und Wilhelm Tiedje (1898–1987). Die Einweihung erfolgte am 23. September 1956.

Katholische Pfarrkirche St. Nikolaus – Tafel 1.3 Ein Kirchhof ist in Buchhorn schon 1293 belegt, eine Nikolauskapelle wird 1325 erstmals erwähnt, ein Neubau mit spätgotischem Chor und Turm entstand zwischen 1437 und 1494, das Mittelschiff wurde im 16. Jahrhundert errichtet. 1594 – die Buchhorner Pfarrei trennte sich von der Hofener Pfarrei – wurde St.-Nikolaus-Pfarrkirche. 1745/46 erhielt das Langhaus seine heutige Form, das Erscheinungsbild wurde durch eine Barockisierung grundlegend verändert, im Stil der Neurenaissance erhielt die Kirche im 19. Jahrhundert ihre Innenausstattung. Durch Luftangriffe im April 1944 wurde die Kirche zerstört, so dass ab August 1946 der Wiederaufbau, der mit der Altarweihe am 10. Oktober 1949 abschloss, erfolgte. Die heutige Form erhielt der Innenraum bei Erneuerungen in den Jahren 1960 und 1989.

Schwanenbrunnen – Tafel 1.5 Im September 1958 – nach dem Bau des Neuen Rathauses – wurde der vom Bildhauer Fritz Melis entworfene Schwanenbrunnen auf dem Adenauerplatz aufgestellt. Im ursprünglichen Brunnen befanden sich die vier bronzenen Schwäne im Becken, 1993/94 wurde der Brunnen an seinen heutigen Platz auf dem nördlichen Kirchplatz versetzt.

Buchhorner Stadtmauer – Tafel 1.10

mini|Buchhorn, Kupferstich von Merian, 1643/1656 Gegen Mitte des 13. Jahrhunderts wurde wohl ein erster Mauerring um das 1241 erstmals als Stadt erwähnte Buchhorn gezogen. Vom „Untertor“ verlief die Stadtmauer (siehe Bild) entlang der heutigen „Schanzstraße“ zum „Pulver- oder Diebesturm“, schräg zur „Wilhelmstraße“ und dem „Obertor“. Dem Seeufer folgte die Südmauer. Die Ostmauer mit dem „See- oder Türlitor“ – es bot nachts die einzige Möglichkeit durch eine zusätzlich eingebaute Tür in die Stadt zu gelangen – entsprach der heutigen Begrenzung des „Buchhornplatzes“. Während des Dreißigjährigen Kriegs legte die schwedische Besatzung der Stadt zusätzliche Verschanzungen vor der Stadtmauer an. Der neuen Verbindungsstraße Buchhorn-Hofen musste 1812 das „Untertor“ weichen, das „Obertor“ wurde 1842 abgerissen, der „Diebesturm“ 1845, das „Seetor“ 1853. Infolge der Luftangriffe 1944 wurden viele Teile der Stadtmauer zerstört. Heute sind neben Fundamenten an mehreren Stellen nur noch Reste der früheren Stadtbefestigung zwischen ehemaligem Spital und Pfarrhaus sowie an der Seestraße zu sehen. ; heute: Ecke Karl-/Schanzstraße

Altes Pfarrhaus – Tafel 1.11 Das Kloster Hofen erwarb das Gebäude 1431 von einer Schifferfamilie und verlegte den Pfarrsitz von Hofen hierher nach Buchhorn. In den Jahren 1519 und 1587 – ein Wappenstein über der Eingangstür erinnert an die Baumaßnahmen – erfolgten Erneuerungen auf Kosten des Klosters, in dessen und Besitz des Klosters Weingarten das Haus bis 1802 blieb. Von 1805 bis 1971 war das Alte Pfarrhaus in Besitz des Landes.

Ehemaliges Spital – Tafel 1.12 1427 wurde das ehemalige Heilig-Geist-Spital erstmals erwähnt; im Bereich der heutigen Verzweigung „Ufer-“/„Seestraße“ diente es der Aufnahme von bedürftigen und Kranken. In der Südwestecke der Stadtbefestigung wurde es nach zwei Bränden (1584 und 1738) als zweigeschossiges Haus wieder aufgebaut. Von 1892 bis zur Zerstörung am 20. Juli 1944 wurde, nachdem das Karl-Olga-Krankenhaus bezogen worden war, das Spital als Altenheim geführt. Der Abriss der Ruine erfolgte 1955, nur die seeseitige ehemalige Stadtmauer blieb erhalten. In den 1980er Jahren wurde das Areal neu bebaut.

Ehemaliges Gredhaus und Postamt – Tafel 1.13 Das 1387 erstmals erwähnte Gredhaus diente bis 1811 als Lagerhaus für den Warenumschlag zwischen Land- und Wassertransport. In folgenden fast einhundert Jahren bis zu seinem Abbruch 1905 diente das Gebäude unter anderem als Amtshaus, war in Besitz eines Gastwirtes, der Zollverwaltung sowie der Post- und Telegraphenbehörde.

Hafen – Tafel 1.14 Seit 1811 liefen Planungen, Friedrichshafen zu dem Warenumschlagsplatz im Handel des Königreichs Württemberg mit der Schweiz zu machen. Nachdem 1824 der erste Dampfer gebaut worden war, erfolgte 1847 der Spatenstich zum Bau eines Hafenbeckens. Der um 1850 an der südlichen Mole errichtete Leuchtturm wurde 1882 schon wieder abgetragen. Nach eingleisiger Anbindung des Hafenbahnhofs an den Stadtbahnhof bestand von 1869 bis 1976 eine Eisenbahnfährverbindung nach Romanshorn. Um 1900 erhielt das Hafenbecken nach zwei Erweiterungen seine heutige Form. Die alte Südmole wurde 1999 durch einen Neubau ersetzt.

Ehemaliger Salzstadel – Tafel 1.15