mini|Guestphalia Heidelberg Das Corps Guestphalia Heidelberg war ein am 1. Dezember 1818 gestiftetes Corps an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Es war Mitglied des Heidelberger Senioren-Convents.

Wappen Das Wappen des Corps ist geviert. Es zeigt heraldisch rechts oben einen vom Wappenspruch Gloria virtutis comesdt. „Die Ehre ist der Gefährte der Tugend“ umgebenen Zirkel. Links oben ist das Westfalenpferd, rechts unten das Couleur grün-weiß-schwarzEckhard Oberdörfer: Der Heidelberger Karzer, Köln 2005, S. 159. und links unten das Bundeszeichen, bestehend aus zwei gekreuzten Korbschlägern und den von Lorbeer umkränzten Anfangsbuchstaben G.U.N. des Waffenspruchs Gladius ultor noster.dt. „Das Schwert ist unser Rächer“

Geschichte

Gründungszeit Die Ursprünge der Guestphalia reichen bis in die Zeit der Reorganisation der Heidelberger Universität durch Großherzog Karl Friedrich von Baden zurück, als, begünstigt besonders durch die Berufung von Anton Friedrich Justus Thibaut, der seit 1805 Römisches Recht in Heidelberg lehrte, ein vermehrter Zuzug von Studenten aus Norddeutschland die Bildung von Landsmannschaften norddeutscher Prägung begünstigte.Wilhelm Fabricius: Die Deutschen Corps. Eine historische Darstellung mit besonderer Berücksichtigung des Mensurwesens. Berlin 1898, S. 216. Gemeinsam mit den Senioren der Rheinländer, Schwaben, Helveter und Nassauer sowie den durch die burschenschaftliche Teutonia repräsentierten Renoncen ratifizierte der Westfalensenior Schütte im Sommer 1816 die Bestätigung des SC-Comments von 1813. Wenig später verschwindet sie aus dem studentischen Leben, ohne sich förmlich aufzulösen.

Am 1. Dezember 1818Ernst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 66. stifteten zehn Heidelberger Studenten eine neue Guestphalia, die mit der alten über die Übernahme des Stimmrechts im SC verhandelte. Beide vereinbarten eine Verschmelzung unter der Voraussetzung, dass die Mitglieder der früheren Guestphalia nach vollzogenem Zusammenschluss sofort wieder austraten.Guestphalia. In: Das Corpsleben in Heidelberg während des neunzehnten Jahrhunderts. Heidelberg 1886, S. 93 Die ersten Jahre waren durch behördliche Verfolgungen geprägt. Das Corps musste sich wiederholt kurzzeitig auflösen. Im Januar 1820 wurde ein Westfale relegiert, ein weiterer musste das Consilium abeundi unterschreiben. Weitere wurden genötigt, aus dem Corps auszutreten. Da auswärtiger Zuzug nicht zu erwarten war, suspendierte das Corps am 31. Mai 1820 und legte die Stimme im SC nieder. Erst am 15. Dezember 1821 wurde Guestphalia rekonstituiert. Untersuchungen gegen die Heidelberger Burschenschaft brachten Anfang des Jahres 1824 ebenfalls die Corps in Bedrängnis, die geschlossen ihre Auflösung erklärten und sich in sogenannten Clubs neu formierten. Im Mai des Jahres wurde der alten SC wiederhergestellt. Der Konflikt mit den Behörden eskalierte schließlich im Sommer 1828 mit dem Auszug der Heidelberger Studentenschaft nach Frankenthal, an dem die Westfalen geschlossen teilnahmen.

Am 25. Juli 1836 führte Guestphalia für das eigene Corps den Status des Renoncen als Vorstufe zur Vollmitgliedschaft ein. Als im Rahmen der revolutionären Bewegung des Jahres 1848 auch unter der Studentenschaft Forderungen nach Reformen artikuliert wurden, setzte sich Guestphalia für eine Beibehaltung des Primats der Corps ein und wandte sich ausdrücklich gegen die Vereinigung der Studentenschaft zu einer „Allgemeinheit“. Im gleichen Jahr war sie neben Vandalia treibende Kraft bei der Gründung des Kösener Senioren-Convents-Verbandes, der sich gleichfalls als Bollwerk gegen übereifrige Reformer verstand. Mit dem Vandalen Friedrich von Klinggräff leitete der Westfale Konstantin v. Sileon den Gründungscongress in Jena. 1892 war Guestphalia das präsidierende Vorortcorps im KSCV.

Preußen Durch die Deutsche Revolution 1848/1849 sank die Zahl der Studierenden in Heidelberg vorübergehend von 1000 auf ca. 350 ab. Zugleich nahmen mehrere Westfalen auf preußischer Seite am Schleswig-Holsteinischen Krieg teil. Die dadurch hervorgerufene Schwächung des Aktivbestandes erzwang vom 23. April bis 21. Juni 1849 eine erneute Suspendierung des Aktivenbetriebs.Guestphalia, in: Das Corpsleben in Heidelberg während des neunzehnten Jahrhunderts. Heidelberg 1886, S. 102

Das Corps bestand bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts traditionell nur aus den studierenden Mitgliedern, die mit ihrem Abgang von der Universität förmlich ausschieden. Anlässlich des 50. Stiftungsfestes 1868 wurde zur Minderung der Schulden des Corps eine aus 12 Alten Herren bestehende Finanzkommission eingesetzt, die die Grundlage für den späteren Altherrenverein bildete. Guestphalia gehörte im Kaiserreich zu den Corps, die sich nach außen äußerst bedeckt hielten und als besonders exklusiv galten.Detlev Grieswelle: Zur Soziologie der Kösener Corps 1870-1914, in: Christian Helfer, Mohammed Rassem (Hg.): Student und Hochschule im 19. Jahrhundert. Göttingen 1975, S. 356 ff. Aus seinen Reihen gingen zahlreiche führende Repräsentanten der preußischen Verwaltung hervor.

Suspension und Aufgabe Guestphalia stellte den aktiven Betrieb im Wintersemester 1934/35 aus Mangel an aktiven Mitgliedern ein. Die Altherrenvereinigung blieb bestehen und förderte später wie die anderen Corps im Heidelberger Senioren-Convent die SC-Kameradschaft „Axel Schaffeld“.

In der Nachkriegszeit bildete sich als Reformverbindung zunächst eine Tischgesellschaft „Vandalo-Guestphalia“, die von den Alten Herren der Guestphalia und der Vandalia gefördert wurde. Aus ihr ging am 25. Juli 1950 das neue Corps Vandalo-Guestphalia hervor. Beide Corps waren ausgesprochen „norddeutsch“ geprägt. Vandalia war mecklenburgisch und hamburgisch, Guestphalia westfälisch und preußisch orientiert.

Der Verein Heidelberger Westfalen e. V. erklärte zum 31. Dezember 1964 seinen Austritt aus dem Verband Alter Corpsstudenten. Eine eigene Vertretung auf dessen Abgeordnetentag war obsolet geworden, weil der Altherrenverband der Vandalo-Guestphalia die corpspolitischen Interessen des Corps wahrnahm. Auch der Altherrenverband der Vandalo-Guestphalia trat schließlich 1972 aus dem VAC aus, nachdem bereits das aktive Corps wegen Aufgabe der Bestimmungsmensur aus dem Heidelberger SC und damit dem KSCV ausgetreten war.

Auswärtige Beziehungen Guestphalia bildete mit den Kartellcorps Suevia Tübingen und Misnia (III) den Kern des grünen Kreises. Befreundete Verhältnisse bestanden mit Franconia München und Pomerania.

Corpshaus mini|Zeichnung des Corpshauses Guestphalia kneipte im 19. Jahrhundert in der „Hölzerei“ am Museumsplatz. Später ließ das Corps auf einem Vorsprung des Heidelberger Schlossbergs ein eigenes Corpshaus errichten. Es steht in unmittelbarer Nachbarschaft zum Haus der Vandalia, mit dem es durch einen gemeinsamen Garten verbunden ist. Erbaut wurde es in den Jahren 1885/86 durch den Heidelberger Bauinspektor Hermann Behaghel in einer Stilmischung aus Neorenaissance und Neugotik.

Bekannte Westfalen mini|Schattenriss eines Heidelberger Westfalen – Ausschnitt aus Couleurkarte (1907) In alphabetischer Reihenfolge Guestphalia I (1806–1818) Clemens von Althaus (1791–1836), deutscher Offizier in den südamerikanischen Befreiungskriegen, zuletzt als General der Armee von Peru Wilhelm von Blomberg (1786–1846), preußischer Offizier und Dichterjurist Carl Friedrich von Both (1789–1875), Direktor des Landesgerichts in Rostock, Vizekanzler der Universität Rostock Georg von dem Bussche (1791–1874), Regierungsbeamter, Landrat in Rahden/Lübbecke Gottfried Duden (1785–1855), Arzt, Farmer und Friedensrichter in den USA sowie Schriftsteller August von Goethe (1789–1830), Kammerherr am Weimarer Hof Ignatz von Gruben (* um 1794; † 1874), Richter und Parlamentarier Johann Gustav Heckscher (1797–1865), deutscher Jurist und Politiker Otto Kjer (1792–1863), Hardesvoigt von Gramharde, Bürgermeister und Stadtvoigt von Hadersleben Clemens Mersmann (1788–1867), Bürgermeister der Stadt Dülmen, Landrat in Ahaus und Coesfeld Eilhard Mitscherlich (1794–1863), deutscher Chemiker und Mineraloge Johann Ernst Nizze (1788–1872), Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung Julius Carl Pannier (1789–1856), Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung Friedrich Ludwig Tenge (1793–1865), Gutsbesitzer und Industrieller Maximilian von Vrints zu Falkenstein (1802–1896), österreichischer Großgrundbesitzer und Diplomat.

Guestphalia II (seit 1818)

Diplomaten Karl von Beaulieu-Marconnay (1811–1889), Schriftsteller und Kulturhistoriker Gustav von Bohlen und Halbach (1831–1890), Badischer Ministerresident Adolf Johann von Brüning (1866–1941), Aufsichtsratsmitglied der I.G. Farben Heinrich von Kaufmann-Asser (1882–1954), Botschafter Roland Köster (1883–1935), Botschafter Felix von Niemeyer (1851–1896), Dragoman Emil Rabe von Pappenheim (1798–1849), Mitstifter des Corps, Ministerresident in Paris Carl von Tauffkirchen-Guttenburg (1826–1895), Bayerischer Gesandter in St. Petersburg, beim Heiligen Stuhl und am Württembergischen Hof Hans Thomsen (1891–1968), Botschafter (NSDAP)

Industrielle Hermann Röchling (1872–1955), Industrieller, NSDAP-Wirtschaftsfunktionär und Kriegsverbrecher Max von Vopelius (1872–1932), Glasfabrikant und Politiker Richard Vopelius (1843–1911), Industrieller und Politiker Leopold Wiesner (1876–1945), Landrat in Preußisch Stargard, Aufsichtsrat der Gutehoffnungshütte Johann Wilhelm Zanders (1899–1978), Papierfabrikant

Kommunal- und Staatsbeamte Helmuth von Brüning (1870–1922), Landrat in Randow Walter von Brüning (1869–1947), Rittergutsbesitzer, Landrat in Stolp, Polizeipräsident von Kiel, Bibliophiler Emil von Burchard (1836–1901), Staatssekretär im Reichsschatzamt Ludwig Burchardt (1853–1892), Landrat in Schrimm Felix Busch (1871–1938), Verwaltungsjurist Friedrich August Döring (1820–1891), Reichsbevollmächtigter für Zölle und Steuern Alexander von Finckh (1806–1888), Regierungspräsident des Fürstentums Birkenfeld Richard von Funck (1841–1906), General der Infanterie, Generalinspekteur des preußischen Militärerziehungswesens Berthold Gemehl (1832–1897), Generalmajor Johannes Gobbin (1833–1881), Oberbürgermeister von Brandenburg an der Havel und Görlitz Gerhard Grothusen (1843–1878), Landrat in Zell Wennemar Haarmann (1914–1993), Landrat in Stormarn Georg Haccius (1811–1874), Präsident der Klosterkammer Hannover Friedrich Hentzen (1867–1923), Landrat in Lennep Ernst Holtz (1854–1935), Landrat, Regierungspräsident, Unterstaatssekretär, Chefpräsident der Oberrechnungskammer Potsdam und des Rechnungshofs des Deutschen Reiches Carl von Hohnhorst (1809–1858), Kreisdirektor in Helmstedt und Braunschweig Otto Junghann (1873–1964), Geschäftsführer der Deutschen Liga für den Völkerbund Otto Kjer (Jurist, 1829) (1829–1899), Amtmann des Amtes Hadersleben, Landrat in Hadersleben und Norderdithmarschen Dietrich Klävemann (1814–1889), Verwaltungsjurist und Abgeordneter in Oldenburg Gerlach von dem Knesebeck (1808–1859), Berghauptmann im Harz Gustav Köhler (1865–1947), Landrat in Greifenhagen Bernhard Koerner (1875–1952), Reichspräsidialrat in der Präsidialkanzlei des Führers und Reichskanzlers Hermann Kühne (1819–1887), Präsident des OLG Celle, Ehrenbürger von Greifswald Hans Kutter (1870–1929), Verwaltungsjurist in Westpreußen Adolf Hilmar von Leipziger (1825–1891), Oberpräsident in Westpreußen Maximilian Löbbecke (1848–1930), Rittergutsbesitzer, Landrat in Iserlohn Max Lossow (1856–1924), Verwaltungsjurist, Vortragender Rat im Sächsischen Ministerium des Innern, Kreishauptmann in Chemnitz Emil von Maillot de la Treille (1845–1882), Kreisdirektor in Altkirch Friedrich Wilhelm Meister (1870–1946), Vorsitzender des oKC 1892, Staatssekretär Kaspar von Mesmer-Saldern (1849–1883), preußischer Verwaltungsbeamter, Landrat in Rendsburg