mini|400px|Zeichnung eines Reliefs an der Südwand der Krypta

Die Glühbirnen von Dendera (auch Hen-Behälter) sind ein Motiv mit blasenförmigen Behältern, in denen sich eine Schlange schlängelt, im Hathortempel von Dendera. Laut dem umgebenden Text zeigt es den ägyptischen Schöpfungsmythos. Die Reliefs werden in die späte Regierungszeit von König (Pharao) Ptolemaios XII. Neos Dionysos (etwa 54–51 v. Chr.) datiert.

Beschreibung der Reliefs Im Hathortempel von Dendera gibt es mehrere Reliefs mit der Gottheit Harsomtus in Gestalt einer Schlange, die einer Lotusblüte auf einem Schiff entspringt. Die sogenannten Glühbirnen von Dendera sind eine Variation dieses Motivs. Hier wird Harsomtus in einem blasenförmigen Behälter namens hn gezeigt, der wahrscheinlich den Mutterleib der Himmelsgöttin Nut darstellt und Hen-Behälter genannt wird. Nahe verwandt ist das Motiv „Gott ruht auf der Lotusblume“. Diese Reliefs zeigen den allmorgendlichen Aufgang der Sonne in allegorischer Form, wie sie seit dem Neuen Reich überliefert ist. Die begleitenden Texte beschreiben die religiös-kultischen Aussagen der Reliefs.

Der ägyptische Gott Harsomtus steigt in Gestalt einer Schlange am Morgenhimmel aus der Unterwelt in Form des Mutterleibs der Himmelsgöttin Nut, dem Hen-Behälter, empor. Harsomtus und der Hen-Behälter entspringen einer Lotosblüte. Gestützt werden die Hen-Behälter entweder von einer Figur oder von einem Djed-Pfeiler mit Armen, die entweder den Hen-Behälter oder die Schlange trägt. Unter dem Hen-Behälter hocken ein bis drei kleinere Figuren, die Luftgottheiten darstellen. Sie blicken entweder geschlossen in eine Richtung oder schauen einander an. Das gesamte Arrangement ruht auf einer Papyrusbarke. In zwei Reliefs wird Harsomtus von Upu in Gestalt eines messerbewehrten, aufrecht stehenden Pavians beschützt.

In der Ägyptologie werden diese Motive auch als „ungewöhnliche Kultgegenstände“, „blasenförmige Behälter“ oder als „Hen-Gefäße“ bezeichnet. Die Hieroglyphen wurden 1991 von Wolfgang Waitkus übersetzt und die einzelnen Komponenten der Reliefs ihren Funktionen und Götterfiguren zugeordnet.

Ort Die Reliefs und die Räume, in denen sie angebracht sind, wurden entsprechend Waitkus 2002 nummeriert und benannt. Drei Motivgruppen befinden sich in einer östlichen Seitenkammer (Kapelle, Raum G) im Erdgeschoss, drei weitere Motivgruppen in einem Kellerraum (Krypta Süd 1 C).

Zusätzliche Motivgruppen befinden sich im Obergeschoss des Tempels und im Sanktuar des Isisheiligtum. Während die Reliefs in den Krypten in blankem, polierten Stein gearbeitet sind, weisen die Reliefs in den oberen Stockwerken Spuren von Farbe und Vergoldung auf.

Die tatsächlichen, plastischen Kultgegenstände wurden vermutlich in den Krypten aufbewahrt und mit Beginn des Neujahrsfestes hervorgeholt und an ihrem vorbestimmten Kultplatz aufgestellt. Die Krypten dienten als Magazin und waren, ausgehend von den jeweiligen Inschriften, verschiedenen religiösen Feiertagen und Festlichkeiten zugewiesen.

Inschriften Hier werden die Inschriften aus zu den sechs Motivgruppen aus Kapelle (Raum G) und Krypta (Süd 1 C) wiedergegeben. Die Inschriften haben unter anderem die Feste „Sed-Fest“, „Neumond-Feier im vierten Monat der Peret-Jahreszeit“ und „Neujahrsfest“ zum Thema und sind den Gottheiten Harsomtus, Thot und Resomtus gewidmet.W. Waitkus: Die Texte in den unteren Krypten des Hathortempels von Dendera. Mainz 1997, S. 233–243., ISBN 3-8053-2322-0 Sie wurden wie folgt übersetzt:

Objekt (Ortsangabe)TextReliefObjekt 1a Raum Süd 1-C SüdwandNachtbarke des Sonnengottes Worte zu sprechen von Harsomtus, dem großen Gott, der in Dendera weilt, der sich in den Armen der Ersten in der Nachtbarke befindet, erhabene Schlange, dessen Chentj-Statue Heh trägt, dessen Mannschaft seine Vollkommenheit trägt, wegen dessen Ba die Erscheinende (Hathor) im Himmel erschienen ist, dessen Gestalt die Verehrer verehren, der als Einzigartiger kommt, umringelt von seiner Stirnschlange, mit zahlreichen Namen an der Spitze der Chui-en-hesen, dem Machtbild des Re im Land-des-Atum (Dendera), dem Vater der Götter, der alles geschaffen hat. Gold als sein Metall, Höhe: vier Handbreit.zentriert|mini|(links)Objekt 2a Raum Süd 1-C SüdwandTagesbarke des Sonnengottes Worte zu sprechen von Harsomtus, dem großen Gott, der in Dendera weilt, dem lebenden Ba in der Lotosblüte der Tagesbarke, dessen Vollkommenheit die beiden Arme des Djed-Pfeilers tragen als sein Seschemu-Bild, während die Kas auf ihren Knien sind mit gebeugten Armen. Gold und alle kostbaren Steine, Höhe: drei Handbreit.zentriert|mini|(rechts)Objekt 3a Raum Süd 1-C NordwandTagesbarke des Sonnengottes Worte zu sprechen von Harsomtus, dem großen Gott, der in Dendera weilt, der aufgeht aus der Lotosblüte als lebender Ba, dessen Vollkommenheit erhoben wird von den Kematju-Bildern seines Ka, dessen Seschemu-Bild verehrt wird von der Mannschaft der Tagesbarke, dessen Leib der Djed-Pfeiler trägt, unter dessen Seschemu-Bild die Uranfängliche ist und dessen Majestät die Genossen seines Ka tragen. Gold, Höhe: eine Elle. Bei der Affenfigur findet sich folgende Beischrift: Dein Name ist vollkommen als 'Upu', dein Gesicht ist das einer Kröte. Ich habe deine Feinde mit dem Messer niedergemetzelt und ich fälle deinen Gegner in der Richtstätte.zentriert|miniObjekt 1b Raum G SüdwandHarsomtus im Hen-Behälter der Nachtbarke, in deren Inneren vier Figuren sind. Die Figur des Heh ist an seinem (meint Harsomtus) Vorderteil, während diese Blüte an seinem Ende ist und das Wasser unter ihm. Gold als sein Metall, Höhe: vier Handbreit.zentriert|miniObjekt 2b Raum G NordwandHarsomtus in seiner Barke. Gold und alle kostbaren Steine, Höhe: drei Handbreit.zentriert|mini|(links)Objekt 3b Raum G NordwandHarsomtus von Ober- und Unterägypten, die Sata-Schlange, die aus der Blüte kommt, den der Hen-Behälter enthält, zu dessen Seiten die vier Figuren mit menschlichen Gesichtern sich befinden, unter dessen Kopf die Figur des Heh auf dem Serech an der Spitze seiner Barke ist. Der Juf-Affe mit dem Gesicht einer Kröte und mit den Messern in seinen beiden Händen ist vor ihm, wie die beiden Figuren, die den vorderen Teil dieser Blüte tragenzentriert|mini|(rechts)

Ägyptologie Die Inschriften, welche die Reliefs umgeben, weisen auf den Mythos der aufgehenden Sonne in Gestalt des Schlangengottes Harsomtus hin, der „aus seiner Lotosblüte hervor kommen und in Dendera vor den ihn erwartenden Götterkapellen erscheinen“ soll. Es gibt vergleichbar aufgebaute Texten in Papyri früherer Epochen, in denen derselbe Ablauf des Festes der aufgehenden Sonne beschrieben wird. Unterschiede bestehen in den Namen der Hauptakteure.W. Waitkus: Die Geburt des Harsomtus aus der Blüte. Zur Bedeutung und Funktion einiger Kultgegenstände des Tempels von Dendera. In: Studien zur Altägyptischen Kultur. Band 30, 2002, S. 273–290 (Abstract zum Aufsatz, Volltext als PDF).

In der Bildabfolge von nördlicher nach südlicher Richtung hin treten zunächst die „Barken der Nacht“ und anschließend die „Barken des Tages“ in Aktion. Das Bildgeschehen zeigt den allmorgendlichen Aufgang der Sonne. Die Reliefs passen zu dem althergebrachten Sonnenmythos der Alten Ägypter und zu den Reliefs von Tages- und Nachtbarken in den oberen Stockwerken des Tempels, insbesondere in der Dachkapelle des Hathor-Tempels, die Hermann A. Schlögl untersuchte. Sie zeigen die Barken, die große Lotos-Blüten transportieren, aus denen Harsomtus in Gestalt einer Schlange emporsteigt. Allerdings fehlen hier die Hen-Behälter um die Schlangen herum. Eine dritte Darstellungsform von Harsomtus zeigt den Gott als Kind, aus einer Lotosblüte emporsteigend.

Die Hen-Behälter in den Krypten werden in den begleitenden Texten als Hen bezeichnet, was in der Tat „Behälter“, „Kasten“, aber auch „Mutterleib“ bedeuten kann. In Zusammenhang mit dem Sonnenmythos um Harsomtus und der aufgehenden Sonne können die Hen-Behälter als Mutterleib der Himmelsgöttin Nut identifiziert werden. Dass Harsomtus (in Gestalt der Schlange) sich noch im Mutterleib aufhält, soll gemäß Waitkus darauf hinweisen, dass der Mutterleib der Nut hier teilweise auch als die Unterwelt verstanden werden kann. Harsomtus, die „leuchtende Urschlange“, steigt aus der Unterwelt auf und versucht, diese zu verlassen, um in seiner goldenen Tagesbarke den Morgenhimmel zu überqueren. Als Beleg für diese Auslegung zieht Waitkus religiöse Texte und Abbildungen aus dem Neuen Reich heran. In diesen wird an Stelle des Harsomtus der Auferstehungsgott Chepri in Gestalt eines Skarabäus abgebildet, wie er die Unterwelt während der 5. Stunde des Amduat verlässt, um als Cheper-Re gleichsam den Morgenhimmel in seiner goldenen Tagesbarke zu überqueren. Auch hier ist die Unterwelt als hügelförmiges, beziehungsweise blasenförmiges Gebilde dargestellt. Manche dieser Urhügel-Abbildungen sind mit der figürlichen Abbildung der Göttin Nut kombiniert und fungieren überdeutlich als Mutterleib der Himmelsgöttin.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Hen-Behälter wie transparente Glaskolben aussehen, weil die Ägypter geschlossene und blickdichte Behälter, gern im Querschnitt darstellten, wenn sich darin etwas befand, gleichgültig, ob real existent oder in einer religiös-symbolischen Vorstellung. Ein solches Arrangement wurde von den Ägyptern Seschemu genannt und bezeichnete ein Kultobjekt oder einen Götzen, der in einem heiligen Gefäß verborgen war und nicht gesehen werden sollte.

Zu den Begleitfiguren und -objekten, welche um die Barke herum positioniert sind, gehört der Djed-Pfeiler mit Armen. Die Arme stützen meist den Hen-Behälter, in manchen Reliefs reichen die Arme in den Hen-Behälter hinein und stützen Harsomtus. Der Djed-Pfeiler ist das Symbol der Ewigkeit. Die symbolische Aussage ist also, dass sowohl der Unterwelt, beziehungsweise dem Mutterleib der Nut, als auch Harsomtus ewiges Bestehen zugesichert werden soll.

Manche Reliefs weisen unter dem Hen-Behälter kleine, hockende und sich gelegentlich zugewandte Figuren auf. Da diese beiden Figuren in den Räumen der oberen Stockwerke mit Namen bezeichnet sind, können sie als die Götter Schu und Heh identifiziert werden. Beides sind Luftgottheiten und ihre Anwesenheit unterstreicht die symbolische Bedeutung der Hen-Behälter als Mutterleib der Nut. Eine weitere Begleitfigur ist der aufrecht gehende, mit Messern bewaffnete Pavian vor den Himmelssphären. Der weiße Pavian, ägyptisch Juf genannt, steht in enger Bindung zum Mond- und Zeitgott Thot. Da der messerbewehrte Affe in einem Relief auftritt, in der auch zum ersten Mal eine „Barke des Tages“ erscheint, ist eine Rolle als „Beschützer des neugeborenen Harsomtus (= aufgehende Sonne)“ anzunehmen. Auch dies harmoniert mit traditionellen Überlieferungen, nach denen Gottheiten wie Thot, Chnum, Seth und Horus als Beschützer der Sonne und ihrer Himmelsbarke diese auf ihrer alltäglichen Reise begleiteten und vor der Finsternis und dem Chaos beschützten.

Pseudowissenschaftliche Glühbirnen-Theorie Pseudowissenschaftler wie Peter Krassa, Reinhard Habeck, Erdoğan Ercivan oder Erich von Däniken sind der Ansicht, dass es sich bei den Motiven um die Abbildungen früher Glühlampen handelt.Erdoğan Ercivan: Verbotene Ägyptologie. Rottenburg 2006, S. 105, Abbildung 49. Dies sei ein Hinweis auf die Nutzung von Elektrizität in dieser Zeit. Sie führen dafür folgende Argumente an.