Der Walzer ist ein Paartanz im 3/4-Takt. Er wird in geschlossener Haltung nach einem festen Schrittmuster mit Drehungen getanzt. Zur Entstehung des Tanzes gibt es mehrere Vermutungen. Die erste populäre Melodie, von der man behaupten kann, dass sie im echten Walzerrhythmus ist, war das Revival des alten deutschen Liedes Oh du lieber Augustin! im Jahr 1780.

Walzer ist eine Variante des paarweisen Tanzens mit drei Schritten pro Takt; andere Varianten sind etwa das Mazurek-TanzenDer polnische Tanz Mazurek ist etwas anderes als das, was außerhalb Polens, so etwa im Wikipedia-Eintrag, unter Mazurka verstanden wird. oder das für die Entwicklung des Walzers einflussreiche historische „schwäbisch Tanzen“.Carl Joseph von Feldtenstein beschreibt den „schwäbischen Tanz“ in seinem 1772 erschienenen Lehrwerk „Erweiterung der Kunst nach der Choreographie zu tanzen“ so:

Geschichte Der Walzer ist der älteste der modernen bürgerlichen Gesellschaftstänze. Der Name wird aus von der Tanzfigur „walzen“ bzw. dem Wort „walzen“ abgeleitet,Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm online, Eintrag WALZEN, (verb.) was „drehen“ bedeutet.Die Erwähnung in der Alt-Wiener Volkskomödie „Der auf das neue und begeisterte und belebte Bernardon“ von Joseph Felix von Kurz (Wien, 1754) ist eine dieser Erwähnungen des Wortes „walzen“: „… Bald walzen umatum, …“, allerdings keineswegs die erste, so findet man „walzen“ im Sinne von Tanzen etwa auch bei Taubert in „Rechtschaffener Tanzmeister, oder, gründliche Erklärung der frantzösischen Tantz-Kunst: bestehend in drey Büchern, deren das erste Historice des Tantzens Ursprung Fortgang, Verbesserung, unterschiedlichen Gebrauch …“ (Gottfried Taubert, Raoul Augur Feuillet: Leipzig 1717, S. 106) Link zu dazu bei Google Books. 1748 ist „Walzen“ in einem Tanzverbot des Landeshauptmannes von Oberösterreich belegt.Dieser Nachweis ist entnommen der Fachpublikation: Herbert Oetke: Der deutsche Volkstanz. Band I. Berlin 1982 auf Seite 231, dort mit dem Hinweis auf Hans Commenda publiziert. Im Originalwortlaut: „Linzer Regesten B.VII.5/4250“, 1748 März 20, Wels Der Rat der Stadt Wels behandelt ein Patent des Landeshauptmannes vom 4. März, „die gemessene Abstellung deren bereiths verbothenen Freytännz und des muthwilligen Rauffens, sonderbar der damalig im Schwung gehendten ärgerlichen Tanzarthen, oder sogenannten Walzens“. In Tanzschritte umsetzbare Beschreibungen des Walzers liegen aus dieser Zeit jedoch nicht vor. In den Textquellen, die das „Walzen“ im gesamten deutschen Sprachraum belegen, ist selbst eine Taktart noch nicht festlegbar.Walburger Litschauer, Walter Deutsch: Schubert und das Tanzvergnügen. Wien 1997, S. 81.

Der Begriff Walzer wurde erstmals 1781 von Friedrich Schiller in der Ballade Eberhard der Greiner sowohl für die Musik als auch als Tanz in öffentlicher Form verwendet.Norbert Linke: Zur Frühgeschichte des Walzers – Symposiumsbericht von Thomas Nußbaumer & Franz Gratl – Buchbesprechung. In: Neues Leben – Mitteilungsblatt der Deutschen Johann Strauss Gesellschaft, Nr. 47 (2014/3), , S. 87–90. Die ältesten bekannten Walzer finden sich in Musikhandschriften um 1790,Die Behauptung von Simon Wascher in Die Walzer einer westfälischen Tanzsammlung von 1767. In: Thomas Nußbaumer, Franz Gratl (Hrsg.): Zur Frühgeschichte des Walzers (= Schriften zur musikalischen Ethnologie. Band 3), Innsbruck 2014, S. 56 bezüglich einer Tanzmusikhandschrift aus Dinker in Westfalen mit der Jahreszahl 1767 wurde durch Linke widerlegt. Die Sammlung ist auf frühestens 1790 zu datieren. Siehe dazu: Norbert Linke: Zur Frühgeschichte des Walzers – Symposiumsbericht von Thomas Nußbaumer & Franz Gratl – Buchbesprechung. In: Neues Leben – Mitteilungsblatt der Deutschen Johann Strauss Gesellschaft, Nr. 47 (2014/3), , S. 87–90. so auch ein so bezeichneter „Wals“ in Stockholm 1785.Simon Wascher: Die Walzer einer westfälischen Tanzsammlung von 1767. In: Thomas Nußbaumer, Franz Gratl (Hrsg.): Zur Frühgeschichte des Walzers (= Schriften zur musikalischen Ethnologie. Band 3), Innsbruck 2014, S. 64. Die erste gedruckte Ausgabe, ein Schwäbischer Walzer von Ludwig Abeille, erschien 1790 im Notenanhang zu Amaliens Erholungsstunden, herausgegeben von Marianne Ehrmann.Im Lexikonartikel von Tobias Widmaier: Walzer. In: Hans Heinrich Eggebrecht: Handwörterbuch der musikalischen Terminologie, Band 6, Si–Z, Stuttgart, 2002 wird verwiesen auf: Marianne Ehrmann (Hrsg.): Amaliens Erholungsstunden. Band 1. Stuttgart 1790, Notenbeilage, S. 5. Der Begriff „Wiener Walzer“ ist erstmals 1797 in Breslau nachweisbar. Der Walzer verdrängte das Menuett und besaß den Ruf des Volkstümlichen und Deutschen gegenüber dem Aristokratischen und Französischen des Menuetts. Die erste bekannte gedruckte Choreografie veröffentlichte Johann Heinrich Kattfuß 1800 in Leipzig.Im Lexikonartikel von Tobias Widmaier: Walzer. In: Hans Heinrich Eggebrecht: Handwörterbuch der musikalischen Terminologie. Band 6, Si–Z, Stuttgart 2002. Darin wird verwiesen auf: Johann Heinrich Kattfuss’ Choregraphie oder vollständige und leicht faßliche Anweisung zu den verschiedenen Arten der heut zu Tage beliebtesten gesellschaftlichen Tänze: für Tanzliebhaber, Vortänzer und Tanzmeister, Band 1. Leipzig 1800, als früher choreografischer Beschreibung des Walzers.

Für den Wiener Raum und die Zeit bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts gibt es Hinweise auf sehr schnelle Tempi, wobei der „Langaus“Reingard Witzmann: Der Ländler in Wien. Ein Beitrag zur Entwicklungsgeschichte des Wiener Walzers bis in die Zeit des Wiener Kongresses. Wien 1976, S. 51 ff. eine Tanzausführung war, der allerdings der Musik vieler anderer Tänze auferlegt werden konnte. In späterer Zeit nach dem Wiener Kongress gibt es für den Wiener Walzer Hinweise auf ein Einpendeln des Tempos bei etwa einer Sekunde pro Takt.

Die etwa halb so schnelle Version des Tanzes, der Langsame Walzer, wurde ebenfalls 1806 erstmals gedruckt, jedoch erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts regelmäßig getanzt.

Über die für die Tanzbewegung wichtige Agogik und Rhythmik des Walzers lassen sich konkrete Aussagen erst ab der Erfindung der Schallaufzeichnung machen. Daraus kann mit Einschränkungen auf die mit den Aufnahmen verbundenen Traditionen in der Zeit davor geschlossen werden. So etwa lassen Aufnahmen von Johann Strauss (Sohn) und seinem Orchester Rückschlüsse auf den Wiener Walzer im 19. Jahrhundert zu. Für den Wiener Walzer und die damit eng verbundene Tradition der österreichischen Volkstanzpflege gilt die bekannte ungleiche Verteilung der Gewichtung der Schläge im Takt mit Vorziehen und Längen der zweiten Taktteile,Vergleiche Rudolf Flotzinger: Und walzen umatum … (II). Zur Morphologie des Wiener Walzers. In: Österreichische Musikzeitschrift. 30. Jahrgang 1975, Heft 11, Wien 1975, S. 573. der Bass spielt in der Regel nur auf dem ersten Schlag. mini|Walzer zu einer Karnevalsveranstaltung, Gemälde von Ernst Oppler, 1929 Berühmte tanzbare Walzer stammen von Joseph Lanner, Johann Strauss (Vater), dessen Sohn Johann Strauss (Sohn) (z. B. der Donauwalzer, 1867) sowie von Pjotr Iljitsch Tschaikowski. Viele Opern und Operetten enthalten auf der Bühne getanzte Walzermusik.

Als Volkstanz wurde der Walzer zu Beginn der 1930er Jahre vor allem in Deutschland und Österreich zunächst im Zuge einer volkstümlichen Mode und später als Bestandteil eines politischen Programms zur Ausgrenzung des „Undeutschen“ gefördert.

Gesellschaftstanz Wiener Walzer Der Wiener Walzer ist der schnelle Walzer im Gesellschaftstanz.

Langsamer Walzer Der Langsame Walzer ist die gemäßigte Form des Walzers. Hier werden auch Figuren eingefügt.

Vals im Tango Argentino Der Vals, auch Tangowalzer genannt, gehört zu den drei Tänzen des Tango Argentino. Er wird mit den Tangoschritten getanzt, die allerdings an den 3/4-Takt angepasst sind.

Volkstanz Die Tanzhaltung ist im Volkstanz viel lockerer als beim Gesellschaftstanz. Die Arme werden angewinkelt, sodass weniger Raum beansprucht wird. Oft fasst der Mann mit seiner linken Hand nicht die rechte Hand der Frau, sondern hält mit ihr den Oberkörper, so wie er es mit seiner rechten Hand macht. Die Frau legt dann ihre rechte Hand auf den Oberarm oder die Schulter des Mannes.

Der 3-Viertel-Walzer Der Schrittfolge nach wird er genauso getanzt wie der Wiener Walzer.

(1 2 3) Lang – kurz – kurz Für den Herrn: (1 2 3) Links-rechts-links | (1 2 3) Rechts-links-rechts Für die Dame: (1 2 3) Rechts-links-rechts | (1 2 3) Links-rechts-links

5-Viertel-Walzer Die asymmetrischen Walzer werden häufig in Frankreich getanzt, sind aber auch fester Bestandteil des Bal Folk in Deutschland.

Hier wird an die drei Walzerschritte ein 2er-Schritt angefügt. Selten sind diese zwei zusätzlichen Schritte so betont, dass dies wie ein Zwiefacher getanzt werden kann.

(1 2 3) Lang – kurz – kurz – (4 5) lang – lang Für den Herrn: (1 2 3) Links-rechts-links (4) rechts (5) links | (1 2 3) Rechts-links-rechts (4) links (5) rechts Für die Dame: (1 2 3) Rechts-links-rechts (4) links (5) rechts | (1 2 3) Links-rechts-links (4) rechts (5) links

Einzelne Melodien beginnen mit dem 2er-Teil vor dem Walzer-Teil. Musikalisch sind beide Varianten deutlich unterschiedlich und auch vom Tanzen her werden beide Varianten etwas unterschiedlich getanzt.

8-Viertel-Walzer Nach den drei Walzerschritten werden nochmals drei Walzerschritte getanzt und dann der 2er-Schritt angefügt.

(1 2 3) Lang – kurz – kurz – (4 5 6) Lang – kurz – kurz – (7 8) lang – lang Für den Herrn: (1 2 3) Links-rechts-links (4 5 6) Rechts-links-rechts (7) links (8) rechts | (1 2 3) Links-rechts-links (4 5 6) Rechts-links-rechts (7) links (8) rechts Für die Dame: (1 2 3) Rechts-links-rechts (4 5 6) Links-rechts-links (7) rechts (8) links | (1 2 3) Rechts-links-rechts (4 5 6) Links-rechts-links (7) rechts (8) links

Dies ist die häufigste Form. Die 2er-Schritte können aber auch in der Mitte (häufig) oder auch am Anfang (sehr selten) stehen:

(1 2 3) Lang – kurz – kurz – (4 5) Lang – lang (6 7 8) lang – kurz – kurz

(1 2) Lang – Lang – (3 4 5) Lang – kurz – kurz (6 7 8) lang – kurz – kurz

11-Viertel-Walzer Entsprechend dem 5-Viertel-Walzer und dem 8-Viertel-Walzer werden drei Walzer-Teile mit einem Zweier-Teil kombiniert, üblicherweise in der Aufteilung: Walzer-Walzer-Zweier-Walzer (3-3-2-3).

Skandinavische Walzer Stikwalzer Das rechte Bein steht nicht zwischen den Beinen des Partners, sondern beide stehen nebeneinander.

Hambo-Walzer Eine Variante des Hambo.

Tanzbeschreibung Schritte und Bewegungen Beim Tanzen dreht sich das Paar mit zwei Walzerschritten einmal um seine Achse, wobei das erste Mal der Tänzer, das zweite Mal die Tänzerin einen größeren Schritt macht. Der Tänzer gibt der Drehbewegung einen stärkeren Impuls und lässt sich von der Musik unterstützen.

Beginn Im Gegensatz zum Standardtanz beginnt der Mann im Volkstanz mit dem linken Fuß nach hinten. Ansonsten sind alle Schritte gleich.

Haltung Normale Rundtanzhaltung oder Korbfassung, Mann und Frau haben Front zueinander. Die Füße des Mannes stehen so nebeneinander, dass der rechte Fuß der Frau noch Platz hat, ebenso die der Frau.

Rechtswalzer 1. Takt Schritt 1: Der Mann macht mit dem linken Fuß einen kleinen Schritt rückwärts, die Frau mit dem rechten Fuß einen kleinen Schritt vorwärts. Danach werden diese belastet. Ein Vortreten zwischen die Füße des Partners ist beim Volkstanz eher unüblich.

Schritt 2: Er macht mit dem rechten Fuß einen kleinen Schritt rückwärts, stellt ihn etwa einen Fußbreit neben den linken und belastet ihn. Sie macht mit dem linken Fuß einen kleinen Schritt vorwärts, stellt ihn mit etwas Abstand neben den rechten und belastet ihn.

Schritt 3: Der Mann stellt den linken Fuß neben den rechten, er schließt also die Lücke, und belastet ihn. Die Frau macht die gegengleiche Bewegung.

2. Takt Schritt 1: Der Mann macht mit dem rechten Fuß einen kleinen Schritt vorwärts und belastet ihn, die Frau setzt den linken Fuß zurück und belastet ihn.