Pietro Paolo Supino (* 10. November 1965 in Mailand) ist ein Schweizer Jurist und Verleger. Er ist Verwaltungsratspräsident der TX Group (ehemals Tamedia), eines der grössten Schweizer Medienunternehmen.

Leben

Herkunft

Als Enkel des Kunstsammlers Werner Coninx und Sohn von dessen Tochter Rena Coninx gehört Supino zu einer Verlegerfamilie, welche die Mehrheit an der Tamedia AG hält und das Unternehmen in fünfter Generation führt. Sein Vater Ugo Supino, während des Zweiten Weltkriegs als Mitglied des italienischen Widerstands in der Schweiz interniert, war Direktor bei Pirelli und Alfa Romeo. Im Alter von sechs Jahren trennten sich seine Eltern und Supino zog mit seiner Mutter und seiner Schwester nach Zürich.Der rätselhafte Herr Supino In: baz.ch vom 1. Februar 2014.

Studium und Lehre Supino studierte von 1985 bis 1989 Rechts- und Wirtschaftswissenschaften an der Universität St. Gallen und von 1992 bis 1993 an der London School of Economics. 1994 verfasste er seine Dissertation zum Thema Rechtsgestaltung mit Trust aus Schweizer Sicht.Hochschulschrift. helveticall.ch abgerufen am 2. April 2025. Seit 1992 ist er Inhaber des zürcherischen Anwaltspatents und eines Masters of Laws. Bevor er 2007 das Präsidium des Verwaltungsrates von Tamedia übernahm, besuchte er 2006 die Columbia University Graduate School of Journalism in New York.Pietro Supino. tamedia.ch abgerufen am 25. November 2013.Die Rache des Pietro Supino republik.ch abgerufen am 7. Juni 2025.

Privates Supino ist schweizerisch-italienischer Doppelbürger. Er ist verheiratet, Vater von zwei Kindern und lebt in Zürich.

Werdegang

Tätigkeit als Rechtsanwalt Von 1996 bis 1998 war Supino als Rechtsanwalt für die Kanzlei Bär & Karrer in Zürich tätig. Supinos Tätigkeit bei Bär & Karrer geriet in die Kritik, weil er 1998 an der Gründung einer «zweifelhaften» Offshore-Gesellschaft namens «Moonstone Trust» beteiligt gewesen sein sollte.Gian Trepp: Der Fall Moonstone Trust. In: Die Wochenzeitung. 20/2008 vom 15. Mai 2008. Die Ermittlungen gegen den damaligen Mandanten von Bär & Karrer wurden jedoch mangels Tatverdachts eingestellt.

Tätigkeit als Berater und Unternehmer Von 1994 bis 1995 war er als Management Consultant für die Unternehmensberatung McKinsey & Company in Zürich tätig. Von 1998 bis 2007 war er Gründungspartner der beiden Schweizer Banken für Family-Office Dienstleistungen Private Client Partners und Private Client Bank. Beide Unternehmen sind in Zürich ansässig.

Tätigkeit bei Tamedia 1991 wurde Supino Mitglied des Tamedia-Verwaltungsrats, 2002 dessen Vizepräsident und 2007 schliesslich – als Nachfolger von Hans Heinrich Coninx – dessen Präsident. Unter seiner Leitung entwickelte sich Tamedia mit der Übernahme der Espace Media Groupe 2007,Tamedia übernimmt Espace Media Group persoenlich.com abgerufen am 24. Januar 2014. des Schweizer Mediengeschäfts von Edipresse zwischen 2009 und 2011Edipresse und Tamedia schliessen sich in der Schweiz zusammen tamedia.ch abgerufen am 24. Januar 2014. und der Ziegler Druck- und Verlags-AG 2014Tamedia übernimmt Mehrheit der Ziegler Druck- und Verlags-AG tamedia.ch abgerufen am 24. Januar 2014. zum grösstenTop 500 Handelszeitung – Die grössten Unternehmen der Schweiz segmentas.ch abgerufen am 24. Januar 2014. privaten Medienunternehmen der Schweiz. bilanz.ch abgerufen am 24. Januar 2014.

Im Zuge der Umstrukturierung zur Holding wurde die Tamedia AG 2020 in «TX Group AG» umbenannt.Mutation Tamedia AG, Zürich, neu TX Group AG. In: shab.ch. 27. Dezember 2019, abgerufen am 1. Januar 2020. Die Holding ist aufgeteilt in die Subunternehmen Tamedia (Bezahlmedien), 20 Minuten (Gratismedien), Goldbach (Medienbuchung/Agentur) und TX Markets (digitale Marktplätze/Inserate).tx.group Pietro Supino leitet die TX Group als Executive Chairman.zh.chregister.ch

Verlegerisches Selbstverständnis In seinem Beitrag "Plädoyer für eine aufgeklärte Medienpolitik" im Tages-Anzeiger schreibt Supino, dass professioneller Journalismus wichtig für die Demokratie sei und dass inhaltliche Unabhängigkeit wirtschaftliche Unabhängigkeit voraussetze. Nur unabhängige Medien können öffentliche Räume mit breiter Akzeptanz schaffen und kritische Funktionen wahrnehmen: "Medienschaffende dürfen nicht zu Subventionsjägern werden."https://www.tagesanzeiger.ch/medienfoerderung-schweiz-plaedoyer-fuer-eine-aufgeklaerte-medienpolitik-783954844632https://weltwoche.de/daily/medienschaffende-duerfen-nicht-zu-subventionsjaegern-werden-tages-anzeiger-verleger-pietro-supino-unterstuetzt-die-srg-initiative-der-svp-200-franken-seien-genug/ Supino ist überzeugt, dass Glaubwürdigkeit das entscheidende Kapital im Journalismus sei und in einer von Informationsüberfluss und AI geprägten Welt zunehmend an Bedeutung gewinne.https://www.tagesanzeiger.ch/medienfoerderung-schweiz-plaedoyer-fuer-eine-aufgeklaerte-medienpolitik-783954844632

Pietro Supino hat 2017 bei Tamedia ein Qualitätsmonitoring für alle Medien des Verlags eingeführt. Die Ergebnisse fliessen in ein jährliches Reporting ein. Das Qualitätsmonitoring orientiert sich an dem 2023 in überarbeiteter Form erschienenen Handbuch von Pietro Supino und Res Strehle "Qualität in den Medien".https://www.tamedia.ch/upload/documents/Qualitaetsmonitoring_2023_DE.pdf Supino befürwortet die Nutzung der technologischen Entwicklung zum Vorteil des Journalismus. Diese Entwicklung führe einerseits zu Disruptionen und biete andererseits Chancen zur Effizienzsteigerung und Neuerfindung. Darum hält Supino Investitionen in Technologie und Forschung & Entwicklung im Journalismus für überlebenswichtig.

Kontroversen um Eingriffe in die Medienvielfalt und Pressefreiheit In seiner Leitungsfunktion bei der Tamedia AG bzw. der TX Group AG wurde Supino von der linken WOZ Die Wochenzeitung oder dem Online-Magazin Republik der Vorwurf gemacht, ein überhöhtes Profitstreben auf Kosten des Journalismus zu betreiben und die Pressefreiheit zu verletzen, indem er sich in einzelne publizistische Entscheidungen einmische. So beendete Supino die frühere Praxis, die im Bedarfsfall eine Querfinanzierung der Zeitungsredaktionen durch andere Konzernspalten vorgesehen hatte. Stattdessen gab er «ein äusserst aggressives Renditeziel von 15 Prozent – für jeden einzelnen Medientitel» vor.Republik: «Tamedia Papers»: Stillen die Besitzer der TX Group ihren Hunger nach Rendite auf Kosten des Journalismus in der Schweiz? Dazu: Das Datenbriefing, in: Republik, 14.12.2020 (online verfügbar auf: https://www.republik.ch/2020/12/14/7-uhr-newsletter). Umgesetzt wurde dies durch Stellenabbau, eine Zusammenlegung der zuvor weitgehend autonomen Redaktionen und eine Senkung der darin investierten Mittel.Marc Guéniat: Die TX Group – zwischen Handel und Hochfinanz. Nachdem die Diversifizierung abgeschlossenen ist, wird Tamedia zur TX Group. Die Bezahlmedien dürfen nicht auf Mittel aus den sehr profitablen Geschäftsfeldern hoffen, obwohl sie den Umbau des Konzerns überhaupt erst ermöglichten. Die Presse wird zu einem Nebengeschäft, das allerdings weiter Prestige und Einfluss bringen soll. Tamedia Papers, Kapitel 6, in: Republik, 15.12.2020 (online verfügbar auf: https://www.republik.ch/2020/12/15/kapitel-6-zwischen-handel-und-hochfinanz).Marc Guéniat: Strahlende Zukunft. Über mehrere Jahre finanzierte Tamedia mit der Presse die Diversifizierung ihres Geschäfts sowie das Führungspersonal und die Aktionäre. Die Investitionen in ihre Redaktionen, die mit einer Strukturkrise zu kämpfen hatten, fuhr sie auf ein Minimum herunter. Tamedia Papers, Kapitel 5, in: Republik, 14.12.2020 (online verfügbar auf: https://www.republik.ch/2020/12/14/kapitel-5-strahlende-zukunft).

Darüber hinaus wurde Supino mehrfach dafür kritisiert, dass er die Medienfreiheit durch eigenmächtige Interventionen gefährde. «[D]ie journalistische Unabhängigkeit», so lautete ein Vorwurf, höre für ihn «stets dort auf[…], wo sie seine eigene Befindlichkeit tangiert».Renato Beck: Ohne Rückgrat. Tamedia entlässt einen Redaktor auf Geheiss von Verleger Pietro Supino. Die Methode hat System beim grössten Medienhaus der Schweiz: Gegen oben wird gebuckelt, gegen unten links getreten, in: Die Wochenzeitung (WOZ), 24.2.2022, S. 23. Konkret hatte der «Tages-Anzeiger» im Jahr 2018 einen kritischen Bericht über den Somedia-Verleger Hanspeter Lebrument depubliziert, nachdem dieser den Artikel scharf kritisiert und sich davon enttäuscht gezeigt hatte, dass «der Artikel in einer Zeitung von Tamedia erschienen ist, deren Verleger [d. i. Pietro Supino] mit Hanspeter Lebrument freundschaftlich verbunden ist».Dennis Bühler: Bei Tamedia gefährdet der eigene Verleger die Medienfreiheit. Nach einer Intervention von Pietro Supino hat der «Tages-Anzeiger» eine Recherche über Vorfälle in einem Heim der Schweizerischen Epilepsie-Stiftung offline genommen, in: Republik, 19.2.2024 (online verfügbar auf: https://www.republik.ch/2024/02/19/7-uhr-newsletter). Auch sei ein 2022 aus anderen Gründen entlassener Redakteur bei Supino «schon länger angezählt» gewesen, nachdem dieser einen kritischen Beitrag zur einflussreichen Zürcher Baugarten-Stiftung verfasst hatte. Dessen Entlassung wurde von daher als überzogen kritisiert.Christian Mensch: Redaktion wehrt sich für entlassenen Redaktor. Die «Tagi»-Chefredaktion redet von wiederholten Differenzen, die Belegschaft zweifelt an der Qualitätssicherung, Appenzeller Zeitung, 17.2.2022, S. 6. Ein weiterer Artikel, der im November 2023 Missstände in einem Heim der Schweizerischen Epilepsie-Stiftung angeprangert hatte, wurde auf Supinos Druck hin nachträglich entfernt. Zuvor hatte Supino im jährlichen «Qualitätsmonitoring» die betreffende langjährige Journalistin vor der versammelten Belegschaft frontal kritisiert. Der ebenfalls anwesende und für einen Teil des Qualitätsmonitorings verantwortliche Professor, Vinzenz Wyss, kritisierte diesen Umgang: «Das war eine unangenehme Situation. […] Die Art und Weise, wie die Kritik vorgebracht wurde, hat mich irritiert. Regeln einer Feedbackkultur, die auch bei einer Blattkritik zu befolgen sind, wurden missachtet.» Für Aufsehen sorgte schliesslich zuletzt die nachträgliche Löschung eines Artikels aus dem «SonntagsBlick», der im Zusammenhang mit einem möglichen Börsengang die Frage aufwarf, ob «die geschrumpfte TX Group von der Börse genommen» und «sich das Verlagshaus künftig wieder verstärkt auf die Publizistik konzentrieren» werde. Wie die «Republik» unter Berufung auf mehrere voneinander unabhängige Quellen berichtete, soll Supino hierfür «aufs Schärfste» bei Marc Walder, dem CEO der den «SonntagsBlick» herausgebenden Ringier-Gruppe, interveniert haben.Dennis Bühler: Der Tamedia-Boss greift zum Telefon – und die Konkurrenz löscht den Artikel. Auf Druck von Tamedia-Verleger Pietro Supino tilgt der «SonntagsBlick» einen Artikel aus dem Medienarchiv. Derweil protestiert die «Tages-Anzeiger»-Redaktion, gute Texte hätten im eigenen Verlag keinen Wert mehr: «Klicks sind alles.», in: Republik, 14.7.2025 (online verfügbar auf: https://www.republik.ch/2025/07/14/der-tamedia-boss-greift-zum-telefon-und-die-konkurrenz-loescht-den-artikel).

Weitere Tätigkeiten