mini|Wolf (von) Beneckendorff (Porträt von Emil Stumpp, 1929) Wolf von Beneckendorff (Künstlername), eigentlich Wolf Beneckendorff (* 1. März 1891 in Stralsund; † 26. Januar 1960Standesamt Berlin-Treptow von Berlin: Namensverzeichnis Sterberegister 1957–1960, Landesarchiv Berlin P Rep. 635 Nr. 126, „Benekendorff, Wolf, Todestag 26. Januar 1960, Nr. 62 des Sterbebuches.“ in Berlin) war ein deutscher Schauspieler.

Leben Hans Franz Wolf Beneckendorff wurde geboren als Sohn des Kaufmanns Johann Karl Ulrich Beneckendorff und seiner Ehefrau Julie Klara geb. Stubbe.Standesamt Stralsund 1891 Nr. 127, zitiert nach Verfilmung der Kirchenbuchkartei 1600–1900 des Stadtarchivs der Hansestadt Stralsund durch FamilySearch Geburten Beltz, Catharina ff. Aufnahme 295 von 1670. Er steht in keinem Kontext mit der gleichnamigen Adelsfamilie.Fehlerhaft: Eine Tageszeitung bezeichnete ihn im Jahr 1960 in einer Meldung über seinen Tod als „Hindenburg-Neffen“.Vgl. Fehlerhaft: Thomas Blubacher formulierte 2005 nicht korrekt: „eigentlich Wolfram von Beneckendorff und von Hindenburg. Neffe des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg“.Fehlerhaft: Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Deutscher Uradel. 1922, 23. Jahrgang GGT, Justus Perthes, Gotha November 1921, S. 62 f.

Beneckendorff wurde Schauspieler und debütierte 1909. Er absolvierte ein Studium an der Schauspielschule des Deutschen Theaters in Berlin. 1910 führte er seinen Geburtsnamen als Künstlername und war am Märkischen Wander-Theater in Berlin, welches als Wanderbühne agierte.Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): 1910. Neuer Theater-Almanach. Theatergeschichtliches Jahr-und Adressen-Buch, 21. Jahrgang, F. A. Günther & Sohn AG, Berlin 1910, S. 521. Beneckendorff war in den Zwanziger Jahren ein bekannter Darsteller auf Berliner Bühnen, spielte aber auch in Hamburg, Köln, München und Düsseldorf. Dort stellte er, wie auch in einigen Filmen, prädestiniert durch Erziehung und Aussehen, vorwiegend den Typus des Aristokraten dar. Während der Endphase des Zweiten Weltkrieges gastierte er längere Zeit in der Schweiz.

Bei seiner Rückkehr nach Berlin ging er an das Theater am Schiffbauerdamm, wo er von Bertolt Brecht ins Berliner Ensemble übernommen wurde. Der Bühnenschauspieler Beneckendorff wurde durch filmische Inszenierungen, wie zum Beispiel des Stückes Mutter Courage und ihre Kinder, auch dem Kinopublikum bekannt. Daneben wirkte Beneckendorff in Hörspielproduktionen mit und trat seit 1953 meist im Fach des komischen Alten oder des Adligen in Nebenrollen in zahlreichen DEFA-Filmen und in Produktionen des DDR-Fernsehens auf. 1956 ist sein bürgerlicher Geburtsname als Künstler nachgewiesen. Im Juni 1959 feierte er sein 50-jähriges Bühnenjubiläum.

In der Absicht, ihn auszurauben, schlugen vier 19- bis 22-jährige Männer Beneckendorff am 26. Januar 1960 in seiner Wohnung in Berlin-Adlershof nieder. Dabei erstickte er an seiner zerbrochenen Zahnprothese. Die Täter wurden am 28. April 1960 zu je 13 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Begraben wurde Beneckendorff auf dem Friedhof der Dorotheenstädtischen und Friedrichswerderschen Gemeinden in Berlin.Alfred Etzold, Wolfgang Türk: Der Dorotheenstädtische Friedhof. Die Begräbnisstätten an der Berliner Chausseestrasse, 2. Auflage, Ch. Links Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-86153-261-1, S. 38. Der Lyriker Jens Gerlach widmete ihm in „Dorotheenstädtische Monologe“ ein Gedicht.Jens Gerlach: Dorotheenstädtische Monologe. Aufbau Verlag, Berlin 1972, S. 11/12.

Ein Nachruf findet sich im Deutschen Bühnenjahrbuch von 1961, in dem er als Wolf Beneckendorff, Spielleiter und Schauspieler geführt wird.Deutsches Bühnen Jahrbuch 1961, 69. Jahrgang, Hrsg. Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehörigen, Selbstverlag, Hamburg 1961, S. 83., S. 91.Vgl. Anm. 70, In: Gottfried Lorenz: Töv, di schiet ik an. Beiträge zur Hamburger Schwulengeschichte, In: Gender-Diskussion; Band 20, LIT, Münster/Berlin 2013, ISBN 978-3-643-12173-8, S. 510. Der Filmhistoriker Günter Peter Straschek verfügte über eine zehnseitige Beneckendorff-Sammlung.

Filmografie (Auswahl) 1928: Liebe im Kuhstall 1953: Die Unbesiegbaren 1953: Die Geschichte vom kleinen Muck 1953: Jacke wie Hose 1954: Ernst Thälmann – Sohn seiner Klasse 1955: Der Teufel vom Mühlenberg 1955: Das Fräulein von Scuderi 1956: Der Richter von Zalamea 1956: Der Hauptmann von Köln 1957: Gejagt bis zum Morgen 1957: Mutter Courage und ihre Kinder (Theateraufzeichnung) 1957: Der Fackelträger 1958: Der junge Engländer 1958: Mylord weiß sich zu helfen (TV) 1958: Das Lied der Matrosen 1959: Bevor der Blitz einschlägt 1960: Trübe Wasser 1961: Mutter Courage und ihre Kinder (Theateraufzeichnung)

Theater 1950: Ernst Fischer: Der große Verrat (Mister Sherman) – Regie: Wolfgang Langhoff (Deutsches Theater Berlin) 1952: Maxim Gorki: Die Feinde (General) – Regie: Fritz Wisten (Theater am Schiffbauerdamm Berlin) 1952: William Shakespeare: Wie es euch gefällt (Jaques) – Regie: Falk Harnack (Theater am Schiffbauerdamm Berlin) 1953: Joseph Haas: Die Hochzeit des Jobs (Dekan) – Regie: Joachim Herz (Komische Oper Berlin) 1953: Nikolai Gogol: Die Heirat (Leutnant Shewakin) – Regie: Franz Kutschera (Theater am Schiffbauerdamm Berlin) 1955: Johannes R. Becher Winterschlacht (Russischer Fürst) – Regie: Bertolt Brecht/Manfred Wekwerth (Berliner Ensemble) 1957: Bertolt Brecht: Leben des Galilei (Kardinal) – Regie: Erich Engel (Berliner Ensemble) 1959: Johannes R. Becher: Winterschlacht – Regie: Lothar Bellag (Berliner Ensemble)

Hörspiele 1927: William Shakespeare: Macbeth (Duncan, König von Schottland), Regie: Gustav Hartung, Übertragung aus dem Bandhaus in Heidelberg: Heidelberger Schlossfestspiele, Erstsendung am 5. August 1927, 20.30 Uhr (Südwestdeutscher Rundfunkdienst AG, Frankfurt am Main).https://hoerspiele.dra.de/detailansicht/5011650 1950: Garson Kanin: Das vergilbte Manifest (Born Yesterday, bearbeitet von Maximilian Scheer) (Rolle: Senator) – Regie: Gottfried Herrmann (Berliner Rundfunk) 1950: Anna Seghers: Der Prozess der Jeanne d’Arc zu Rouen 1431 – Regie: Herwart Grosse (Berliner Rundfunk) 1951: Karl Georg Egel: Einer von unseren Tagen – Regie: Gottfried Herrmann (Berliner Rundfunk) 1951: Karl Georg Egel: Das Lied von Helgoland – Regie: Gottfried Herrmann (Berliner Rundfunk) 1951: Friedrich Karl Kaul: Funkhaus Masurenalle – Regie: Gottfried Herrmann (Berliner Rundfunk) 1952: Hans A. Joachim: Die Stimme Victor Hugos – Regie: Herwart Grosse (Literarische Hörfolge – Berliner Rundfunk) 1953: Nikolai Gogol: Die toten Seelen (Kostanshoglo) – Regie: Richard Hilgert (Hörspiel – Berliner Rundfunk) 1953: Friedrich Karl Kaul: Aktenvermerk F – Regie: Peter Brang (Hörspiel – Berliner Rundfunk) 1954: Alf Scorell/Kurt Zimmermann: Der Wundermann (Fürst Siegbert zu Ysenheim) – Regie: Hans Busse (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1954: Martin Hayneccius: Hans Pfriem – Kühnheit zahlt sich aus (Zöllner) – Regie: Käthe Rülicke-Weiler (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1954: Johannes R. Becher: Die Winterschlacht – Regie: Hedda Zinner (Rundfunk der DDR) 1955: Lieselotte Gilles/Gerhard Düngel: Der Doktor der Armen – Regie: Willi Porath (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1956: Herbert Burgmüller/Manfred Schäffer: Sein Lied war deutsch (Hofmarschall) – Regie: Hans Busse (Hörspiel – Rundfunk der DDR) 1957: Walter Karl Schweickert/Gerhard Rentzsch: Der Weihnachtsmann lebt hinterm Mond (Leiter der Zentrale „Spielwaren“) – Regie: Herwart Grosse (Kinderhörspiel – Rundfunk der DDR) 1958: Peter Erka: Autos machen Leute (Direktor) – Regie: Werner Wieland (Rundfunk der DDR) 1958: Henrik Ibsen: Stützen der Gesellschaft (Hilmar Tönnesen) – Regie: Herwart Grosse (Hörspiel – Rundfunk der DDR)

Literatur Herbert A. Frenzel, Hans Joachim Moser (Hrsg.): Kürschners Biographisches Theater-Handbuch. Schauspiel. Oper. Film. Rundfunk. Deutschland–Österreich–Schweiz, Druck Thormann & Goetsch, de Gruyter, Berlin 1956. Reprint-Ausgabe (Online-Ressource), de Gruyter, Berlin 2019, ISBN 978-3-11-166783-6, S. 43.

Wolf (von) Beneckendorff. In: F.-B. Habel, Volker Wachter: Lexikon der DDR-Stars. Schauspieler aus Film und Fernsehen. Schwarzkopf und Schwarzkopf, Berlin 1999, ISBN 3-89602-304-7, S. 23. Paul S. Ulrich: Theater, Tanz und Musik im Deutschen Bühnenjahrbuch, Teil: Band 1, Berlin-Verlag Spitz, Berlin 1985, ISBN 3-87061-266-5, S. 94.

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