Die Schlacht bei Fère-Champenoise war eine Schlacht der Befreiungskriege am 25. März 1814. Zwei französische Korps unter den Marschällen Auguste de Marmont und Édouard Mortier fochten gegen Truppen der Koalition. Die Franzosen wurden in die Flucht geschlagen und erlitten große Verluste. Die Besonderheit dieses Gefechts lag darin, dass auf Seite der Koalitionstruppen nur Kavallerie und berittene Artillerie zum Einsatz kam.
Vorgeschichte Die Situation auf Seiten der Koalitionstruppen Am Nachmittag des 23. März 1814 hatten Zar Alexander, der preußische König Friedrich Wilhelm III. und der Oberkommandierende der Koalitionstruppen Fürst Schwarzenberg in einem Kriegsrat in gemeinsam beschlossen, Napoleon nicht weiter zu verfolgen, sondern zunächst die Vereinigung mit der Schlesischen Armee Blüchers herbeizuführen. In den nächsten Stunden wurde bekannt, dass das nächst stehende Korps der Schlesischen Armee unter Wintzingerode bereits Chalons eingenommen hatte und dass dessen Vorhut bald erreichen würde.
Am Abend des 23. März 1814 um 20.00 Uhr verließen die Monarchen und Fürst Schwarzenberg Pougy und reisten weiter nach ,früher auch Sommepuis das sie am frühen Morgen des nächsten Tages, dem 24. März 1814 erreichten. Um 10.00 Uhr fuhren Fürst Schwarzenberg und der preußische König auf der Straße nach Vitry weiter, während der Zar zurückblieb, um sich mit seinem Stabe zu beraten. Nachdem diese Beratungen zu einem Ergebnis gekommen waren, eilte der Zar den Vorausgefahrenen nach, die er gegen Mittag einholte. Zar Alexander rief nun alle zu einem neuen Kriegsrat auf freiem Felde zusammen und schlug dann vor, dass beide Armeen der Koalitionstruppen, die Böhmische Armee und die Schlesische Armee, gemeinsam nach Paris ziehen sollten, um in der französischen Hauptstadt endgültig den Sturz Napoleons herbeizuführen. Man einigte sich sehr rasch auf diesen Plan und traf umgehend Vorbereitungen, um die entsprechenden Befehle auszusenden. Dabei zögerte der Zar nicht, russischen Truppen eigenhändige Anweisungen zuzustellen.
Böhmische Armee Noch vor Tagesanbruch des folgenden Tages, dem 25. März 1814, brachen die Truppen der Böhmischen Armee auf, um von der Marne nach Westen auf Paris zu ziehen. Es war ein trockener Tag und, da die Gegend arm an Wäldern war, konnten die Truppen querfeldein marschieren und die befestigte Straße für die Geschütze und den Tross freihalten. Das Gros der Böhmischen Armee folgte der Straße von Vitry nach . Die Garden und Reserven marschierten über und Sompuis auf zu.
Schlesische Armee Die Infanterietruppen der Schlesischen Armee und einige Kavalleriedas Gros der Kavallerie des Korps Wintzingerode war beauftragt, die französische Armee unter Napoleon zu beobachten verließen um 6.00 Uhr morgens und marschierten entlang der alten Straße, die über und sowie nach Paris führt.
Ausgangsstellungen der Koalitionstruppen am Morgen des 25. März 1814
Kommandant Herkunft Division Truppengattung Kavallerie Artillerie Stellung Rajewski Böhmische Armee Peter von der Pahlen Husaren und Kosaken 3.500 12 , am linken Ufer der Marne, gegenüber Vitry-le-Françoisvgl. hierzu Sporschill Böhmische Armee Adam von Württemberg Husaren an der Marne gegenüber Vitry-le-François Barclay de Tolly, Großfürst Konstantin russische Garden und ReservenKretowKürassiere 12 Fürst Golitzyn,Fürst Golitzyn war der Kommandierende der russischen Garde-Kürassiere Duca, Depreradowitsch Kürassiere 12 Oscherowski Leichte Kavallerie 12 österreichische kaiserliche Garde Nostitz-Rieneck Kürassiere 18 preussische Garde Husaren 800 8 Seslawin Böhmische Armee Seslawin Kosaken 2 Langeron Schlesische Armee Korff Leichte Kavallerie 22 Kosaken 500 Grekow Kosaken Sacken Schlesische Armee Wassiltschikow Leichte Kavallerie 12 Lukowkin Kosaken Gyulay Böhmische Armee Husaren 900 6 Courdemanges Summe 116
Die Situation der beteiligten französischen Truppen Die Korps der Marschälle Mortier und Marmont Die Korps der französischen Marschälle Mortier und Marmont waren nach dem Gefecht bei Reims über und an der Marne abgezogen, wobei sie ständig von den preußischen Korps Yorck und Kleist verfolgt wurden. Am 22. März 1814 hatten beide französischen Korps die Marne überschritten. Da sie die Marnebrücke hinter sich zerstörten, gewannen sie etwas Abstand zu den nachfolgenden Preußen.
Die Marschälle hatten von Napoleon den Befehl erhalten, sich der von ihm persönlich geführten Armee anzuschließen. Deshalb marschierten sie weiter nach Süd-Osten und erreichten am 23. März 1814 . Dort trennten sich die beiden Korps wieder. Am Abend des 24. März 1814 stand das Korps Mortier bei und das Korps Marmont bei .
In der Dunkelheit der folgenden Nacht sah Marmont unzählige Biwakfeuer vor sich. Er sandte mehrere Offiziere aus, um zu erkunden, ob dort Franzosen oder feindliche Truppen lagerten. Er wählte diese geschickt so aus, dass sie auch Fremdsprachen beherrschten und sich gegebenenfalls fremden Truppen nähern konnten. Alle Kundschafter berichteten bei ihrer Rückkehr von feindlichen, nämlich russischen und österreichischen Truppen. Marmont sandte sofort einen Kurier an Marschall Mortier, der sich aber in der Dunkelheit verirrte und sein Ziel in dieser Nacht nicht erreichte.
Die Divisionen Pacthod und Amey Die Divisionen Pacthod und Amey gehörten zu den französischen Korps unter Befehl von Marschall MacDonald. Sie hatten zunächst die Aufgabe gehabt, die Reserve-Artillerie der Korps von wenigsten 100 Geschützen nachzuführen, hatten aber die Verbindung verloren und standen 23. März 1814 in . Dort war auch ein Nachschub-Konvoi von 80 Wagen aus Paris eingetroffen mit 200.000 Rationen Brot und reichlich Weinbrand.
In der folgenden Nacht wurde bekannt, dass sich zwei französische Korps bei Étoges befanden. Die beiden Generäle planten, sich diesen anzuschließen und so bewegte sich der Zug der beiden Divisionen mit Geschützen und Proviant am Morgen des 24. März 1814 nach Étoges, das aber von den Korps der Marschälle Mortier und Marmont bereits verlassen worden war. Die Truppen Pacthods und Ameys zogen weiter und erreichten erschöpft , wo sie über Nacht blieben. General Pacthod sandte sofort einen Kurier zu Marschall Mortier nach Vatry. Was immer Mortier als Befehl ausgab, es erreichte Pacthod in dieser Nacht nicht mehr, denn der Kurier verirrte sich im Dunkeln und fand seine Truppe erst am nächsten Vormittag wieder.
Ausgangsstellungen der französischen Truppen am Morgen des 25. März 1814 die Angaben sind überwiegend der französischen Literatur Vaudoncourt, Koch entnommen und wurden, soweit möglich mit Damitz, Sporschill und Bogdanowitsch abgeglichen. Die Angabe an verschiedenen Literaturstellen weichen oft ganz erheblich voneinander ab. Kommandant Division Fußtruppen Kavallerie Artillerie Stellung Mortier Christiani Vatry Curial Vatry Charpentier Vatry Roussel unter Belliard GhignyGhigny war Oberst im Kavallerie-Korps Roussel, die anderen Offiziere im Range eines Obersts waren Christophe und Leclerc unter Belliard Vatry Marmont Ricard Soudé Lagrange Soudé Arrighi Soudé Bordesoulle Merlin Soudé Pacthod Pacthod Bergères-lès-Vertus Amey Bergères-lès-Vertus CompansNoizet bei Sézanne (nur 400 Reiter nehmen am Gefecht teil) Vincent bei Montmirail (nimmt nicht am Gefecht teil) Summe
Gefechtsverlauf Das Gefecht der Französischen Korps Mortier und Marmont 305px|mini|Die Reiterschlacht bei La Fère-Champenoise Historiengemälde von 1891, Bogdan Pawlowitsch Willewalde (1818–1903)
Erstes Gefecht bei Soudé Um 3:00 morgens am 25. März 1814 begann die Kavallerie des württembergischen Korps und des russischen Korps Rajewski als Avantgarde der Böhmischen Armee ihren Marsch nach Westen auf Paris.vgl. Houssaye, Bogdanowitsch und Damitz Sie brachen vom linken Ufer der Marne bei auf. Die russischen Reiter standen unter dem Befehl des Grafen von Pahlen, die Württemberger unter dem Kommando des Prinzen Adam von Württemberg. Bei ihnen befand sich der Kronprinz Wilhelm von Württemberg, der als Vetter des Zaren eine hervorgehobene Stellung einnahm und dem der Oberbefehl über beide Korps übertragen worden war. Ihr Weg führte sie direkt nach , wo noch immer das französische Korps Marmont stand.
Um 5:00 morgens traf Marschall Mortier persönlich, von Vatry kommend, mit kleiner Begleitung ohne seine Truppen bei Marmont ein. Die beiden Marschälle einigten sich schnell darauf, eine gemeinsame Stellung rückwärtig bei aufzubauen. Mortier kehrte umgehend zu seiner Truppe zurück, um diese zu dem vereinbarten Ort zu führen.
Als die Vorhut der Böhmischen Armee um 8.00 Uhr Soudé erreichte, wurden sie aus zahlreichen Geschützen des Korps Marmont, das in Schlachtordnung hinter dem Ort angetreten war, beschossen. Den Koalitionstruppen standen nur 12 Geschütze einer reitenden Batterie zur Verfügung, mit denen sie das Feuer erwidern konnten. Ihre Reiter versuchten aber sofort, das französische Korps einzukreisen: die Russen von Norden, die Württemberger von Süden. Französische Kürassiere unter Bordesoulle ritten ihnen entgegen, konnten sich aber nicht behaupten. Marmont ließ seine Truppe in fester Ordnung nach Westen auf der Straße nach Sommesous abrücken. Einige Schützenkompanien, die zur Abwehr der Verfolger in Soudé zurückblieben, wurden von den Koalitionstruppen eingekesselt und mussten sich später ergeben.
Artillerie-Duell bei Sommesous 200px|mini|Plan der Schlacht nach Alison zu beachten: Norden ist hier rechts
Bei Sommesous stellten sich Marmonts Truppen südlich des Ortes auf: Die Infanterie in Karrées, vor sich Kavallerie und Artillerie. Ihre Geschütze – 30 an der Zahl – begannen sofort mit ihrem Abwehrfeuer gegen die nachfolgenden Reiter der Koalitionstruppen. Als das Korps Mortier von Vatry kommend eintraf, bezog es nördlich des Dorfes Stellung und die Zahl der Geschütze, die auf Russen und Österreicher feuerten erhöhte sich auf 60. Zu diesem Zeitpunkt waren die französischen Truppen denjenigen der Koalition zahlenmäßig überlegen. In der Ferne war aber die Masse der Böhmischen Armee zu sehen und die Marschälle wussten, dass sie sich an diesem Ort nicht lange würden halten können. Ihre Stellung war auch insofern ungünstig, als beide Korps durch den Lauf des Baches La Somme getrennt waren.
Die Koalitionstruppen wurden zunächst durch den Soudé-Bach am Nachrücken gehindert, den Reiter und Geschütze überwinden mussten. Sie brachten aber bald 36 leichte Geschütze zusammen, mit denen sie das Feuer der Franzosen erwiderten. Dieses Artillerie-Duell dauerte 2 Stunden. Währenddessen konnten die Truppen Mortiers den trennenden Bach überschreiten und beide Korps bezogen eine gemeinsame Stellung, die zwischen und lag. Die Infanterie war, in Karrées angetreten, nach Südosten ausgerichtet, die Kavallerie stand dahinter.
Bald darauf trafen österreichische Garde-Kürassiere unter Graf Nostiz bei Sommesous ein. Die französischen Marschälle beschlossen nun weiter entlang der Straße nach dem 17 Kilometer entfernten Fère-Champenoise zurückzugehen. Als die französischen Geschütze aufgeprotzt werden sollten, kam Unruhe auf, die darauf zurückzuführen war, dass das Korps Mortier Hengste zum Ziehen der Geschütze benutzte. Die russischen Husaren Graf Pahlens nutzten die Gelegenheit und griffen die Kürassiere Bordesoulles an und trieben sie auseinander. Die Dragoner Roussel d’Hurbals, die Mortiers Korps begleiteten, kamen den französischen Kürassieren zu Hilfe, wurden dann aber ihrerseits von den Kosaken des Grafen Pahlen angegriffen und flohen zunächst in Panik,vgl. hierzu Houssaye sammelten sich aber bald darauf wieder. Zur selben Zeit versuchten württembergische reitende Jäger und österreichische Husaren einen Angriff von Süden, wurden aber von französischen Ulanen und einem starken Artilleriefeuer abgewiesen. Insgesamt verloren die Franzosen bei ihrem Aufbruch 5 Geschütze.