mini|250px|Demonstration in Paris am 12. Juli 2008 Troy Anthony Davis (* 9. Oktober 1968; † 21. September 2011 bei Jackson, Georgia) war ein in allen Instanzen des Mordes an dem weißen Polizisten Mark MacPhail für schuldig befundener (PDF; 6,7 MB)Washington Post Troy Davis: guilty as chargedNJ.com Convicted cop killer Troy Davis is executed in Georgia und zum Tode verurteilter US-Bürger. Er wurde 2011 hingerichtet.

Der Fall erfuhr wegen der vorgebrachten Zweifel an Davis’ Schuld ein großes Medienecho und führte zu internationalen Protesten.Troy Davis trotz internationaler Proteste hingerichtet Zeit Online, 22. September 2011.

Kindheit und Jugend Troy Davis war das älteste Kind von Joseph Davis, einem Kriegsveteranen des Koreakriegs, und der Krankenhausangestellten Virginia Davis. Das Paar wurde geschieden, als Troy noch klein war. Er wuchs mit vier Geschwistern in einer vorwiegend afroamerikanischen Mittelstandsgegend im Stadtteil Cloverdale von Savannah (Georgia) auf. Einer seiner Lehrer beschrieb seine schulischen Leistungen als "unterdurchschnittlich". Troy schied in der 11. Klasse aus, unter anderem, um seine behinderte kleine Schwester zur Therapie zu fahren. In einem zweiten Anlauf erreichte er 1987 seinen High-School-Abschluss. Ein Lehrer an dieser Schule sagte später vor Gericht aus, Troy sei zwar regelmäßig zum Unterricht gekommen, es habe ihm jedoch an „Disziplin“ gefehlt. Sein Spitzname damals war „Rah“ und stand für „Rough as Hell“ (Grob wie die Hölle). Einige Nachbarn gaben an, dass diese Beschreibung nicht seinem Wesen als geradlinigem Typen und seiner Rolle als „großer Bruder“ für viele Kinder im Viertel gerecht wurde.

Im Juli 1988 kam Davis vor Gericht, weil er eine Waffe versteckt bei sich geführt hatte. Er wurde zu einer Geldstrafe von 250 Dollar verurteilt. Einen Monat später fing er als Arbeiter in einer Firma an, die Bahnschranken herstellte. Sein Vorgesetzter beschrieb ihn als freundlichen, guten Mitarbeiter, aber Davis tauchte immer seltener und ab Anfang 1989 gar nicht mehr im Betrieb auf. Er war Trainer in einem Polizei-Sportclub und bewarb sich als Marinesoldat.

Mord, Anklage und Verurteilung Am Abend des 18. August 1989 verließ der damals 21-jährige Davis zusammen mit einem Freund eine Swimmingpool-Party in Cloverdale. Die Passagiere eines vorbeifahrenden Wagens beschimpften die beiden mit Obszönitäten, worauf einen der Autoinsassen eine Geschosskugel im Gesicht traf, nach Zeugenaussagen abgefeuert von Troy Davis (... “a young, tall, African-American male wearing a white batman shirt, a black hat, and shorts”, a description that fitted Davis to a t.digitaljournal.com) (PDF; 6,7 MB) Wenig später trafen Davis und sein Freund auf Sylvester „Redd“ Coles, der sich vor einem Burger-King-Schnellrestaurant mit dem Obdachlosen Larry Young um ein Bier stritt. Davis kam hinzu und schlug diesen dabei mit seiner Handfeuerwaffe gegen den Kopf. (PDF; 6,7 MB) "At the probable cause hearing, Mr. Young testified that the person in the yellow shirt was Mr. Coles, and that he was assaulted by someone other than Mr. Coles, likely the person in the white shirt [Troy Davis]."Die Benutzung einer Handfeuerwaffe als Schlagwaffe, siehe Pistol whipping Der damals 27-jährige Polizist Mark MacPhail, der zu dem Zeitpunkt außerdienstlich als Sicherheitsmann für Burger King arbeitete, schritt ein und wurde dabei, nach Überzeugung aller den Fall verhandelnden Gerichtsinstanzen, von Davis erschossen. (PDF; 6,7 MB) "Four witnesses stated that the person in the white shirt murdered Officer MacPhail [...] and four directly identified Mr. Davis as Officer MacPhail's murderer[...]" Ein Schuss traf ihn ins Herz, ein weiterer ins Gesicht. Seine Dienstwaffe hatte er nicht gezogen.

Davis wurde 1991 des am 18. August 1989 begangenen Mordes am Polizeibeamten Mark MacPhail, sowie der Schüsse auf den Wagen und weiterer Vergehen für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Die Verurteilung beruhte auf Aussagen von Augenzeugen, sowie ballistischen Untersuchungen der an beiden Tatorten gefundenen Projektile und Patronenhülsen. (PDF; 6,7 MB) Davis hatte alle Anschuldigungen stets bestritten. Er gab zwar zu, am Tatort gewesen zu sein, behauptete aber seinerseits, dass Coles den Obdachlosen geschlagen und den Polizeibeamten Mark MacPhail ermordet hätte, was vom Gericht aufgrund der Widersprüche zu den Aussagen neutraler Zeugen, wie z. B. der des Obdachlosen oder des „Airman“, als nicht glaubhaft beurteilt wurde.

Seither haben sieben von insgesamt 34 (PDF; 6,7 MB) "The state presented thirty-four witnesses in its case-in-chief [...] Mr. Davis called five witnesses and testified on his own behalf."humanevents.com "After a two-week trial with 34 witnesses for the state and six witnesses for the defense, the jury of seven blacks and five whites took less than two hours to convict Davis of Officer Mark MacPhail's murder, as well as various other crimes." Belastungszeugen (in den Medien fälschlicherweise oft als neun Belastungszeugen angegeben) ihre Aussagen in Teilen geändert (PDF; 6,7 MB) "Not all recantations are created equal; a witness may recant only a portion of their testimony or the witness may recant in a manner that is not credible. ..." und zum Teil die Polizei beschuldigt, sie zu falschen Aussagen genötigt zu haben. Der Zeuge, der Davis zur Anzeige gebracht hatte, stand angeblich selbst unter dem Verdacht, den Mord begangen zu haben, was allerdings nicht durch Quellen belegt ist.

Die New York Times erwähnt den Fall erstmals am 19. September 2008, als die Hinrichtung erstmals anstand, unter dem Titel „What's the Rush?“ („Wozu die Eile?“).

Wiederaufnahmeanträge Davis beantragte unter dem Verweis auf neue, entlastende Beweise mehrfach die Wiederaufnahme seines Verfahrens. Sein Hinrichtungstermin wurde insgesamt dreimal kurzfristig verschoben. Zuletzt stellte er im Oktober 2008 einen habeas-corpus-Antrag beim Bundesberufungsgericht für den elften Gerichtskreis. Dieser Antrag wurde am 16. April 2009 aus verfahrensrechtlichen Gründen abgelehnt. Am 17. August 2009 entschied der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten, dass Troy Davis, aufgrund der vorgebrachten Zweifel, das Recht auf eine Anhörung habe. Ein Bundesgericht wurde beauftragt, den Fall erneut zu verhandeln.

Anhörung im Juni 2010 Die Anhörung in Savannah, in deren Verlauf der Fall erneut aufgerollt wurde, fand im Juni 2010 statt. Davis und seinen Rechtsvertretern wurde aufgetragen, zu beweisen, dass er von keiner Jury mit vernünftigen Geschworenen verurteilt worden wäre. (PDF; 6,7 MB) Der Fall lag über 20 Jahre zurück, seinerzeit wurden keine DNA-Spuren oder Fingerabdrücke sichergestellt, wohl aber andere physische Beweise in Form von Projektilen und Patronenhülsen. (PDF; 6,7 MB) Die Verteidigung bestand darin, die Zeugen aufzurufen, die bei Troys ursprünglicher Verurteilung gegen ihn ausgesagt hatten. Von 34 Zeugen (PDF; 6,7 MB)humanevents.com änderten sieben Teile ihrer damaligen Aussage in schriftlicher Form oder sagten auch vor Gericht aus. Zwei der Zeugen gaben an, dass sie zum Zeitpunkt von Troys Verhaftung von der Polizei zu ihren Aussagen genötigt worden waren. Sie seien damals als Minderjährige allein auf die Polizeiwache verbracht worden, und man hatte angeblich damit gedroht, sie selbst wegen Beihilfe zum Mord anzuklagen. Dies wurde vom Gericht aufgrund von Widersprüchen in den Aussagen als nicht glaubhaft beurteilt. (PDF; 6,7 MB) "Specifically, the eyewitness identifications of Mr. Coles as the shooter by Mr. Gordon and Mr. Washington are not credible."

Zwei andere Zeugen hatten Änderungen ihrer Aussagen in schriftlicher Form abgegeben, wurden von der Verteidigung aber nicht aufgerufen, obwohl sie im Gericht für eine Aussage zur Verfügung standen. Dadurch gab es keine Möglichkeit die Zeugen ins Kreuzverhör zu nehmen, wodurch die Glaubhaftigkeit ihrer schriftlichen Aussagenänderungen in den Augen des Gerichts in starke Zweifel gezogen wurde. (PDF; 6,7 MB) "Two more recantations were intentionally and suspiciously offered in affidavit form rather as live testimony, blocking any meaningful cross-examination by the state or credibility determination by this Court."

Viele der Änderungen der Aussagen waren widersprüchlich oder betrafen nur unwesentliche Details. So hatte z. B. ein Zeuge und Freund Davis’ bei der ersten Vernehmung angegeben, er hätte gesehen, wie Davis den Obdachlosen mit einer Waffe gegen den Kopf schlug. In seiner neuen Aussage gab er an, er hätte nur gesehen, dass Davis den Obdachlosen schlug und nicht, ob er dabei eine Waffe in der Hand hatte, was aber durch die Art der Verletzung des Obdachlosen belegt ist. (PDF; 6,7 MB)

Einer der Zeugen, die ihre Aussage nicht abgeändert haben, war zum Zeitpunkt der Tat Angehöriger der US Air Force und hatte Davis eindeutig identifiziert. (PDF; 6,7 MB)humanevents.com Among the witnesses who did not recant a word of their testimony against Davis were three members of the Air Force, who saw the shooting from their van in the Burger King drive-in lane. The airman who saw events clearly enough to positively identify Davis as the shooter explained on cross-examination, "You don't forget someone that stands over and shoots someone." Der Hauptbelastungszeuge Sylvester Coles, der Davis zuerst bei der Polizei als Täter angezeigt hatte, stand angeblich selbst unter Tatverdacht. Er wurde durch die Verteidigung nicht vorgeladen, obwohl die Möglichkeit dazu bestand, eine Tatsache, die der verhandelnde Richter William Theodore Moore der Verteidigung vorwarf, da dies seiner Meinung nach die Fakten verzerre. Die Verteidigung hingegen argumentierte, dass sie keine Möglichkeit gehabt habe, Coles gegen seinen Willen zur Verhandlung zu bringen, und dass es ohnehin sinnlos sei, jemanden aussagen zu lassen, der kein Interesse daran haben könne, Troy Davis’ Unschuld zu beweisen.

Drei Monate nach Abschluss der Anhörung verkündete Richter Moore vom Bundesbezirksgericht für Süd-Georgia sein Urteil:

Reaktionen auf das Urteil von Juni 2010 In einer Veröffentlichung vom 27. August 2010 schrieb Amnesty International:

Daneben wurde eine Aussage des Richters erwähnt, in der er zugab, dass die durch die Anhörung neu gewonnenen Erkenntnisse weitere Zweifel hinsichtlich der Rechtmäßigkeit der Verurteilung aufwarfen, jedoch nicht in dem Maße, um eine Aufhebung des Juryurteils zu bewirken. Der Auftrag an Troy Davis bei dieser Anhörung sei es nämlich gewesen, durch Diesen hohen Anforderungen sei Davis nicht gerecht geworden, daher sei er „nicht unschuldig“.

Menschenrechtsorganisationen zeigten sich besorgt über diese Umkehr der Beweislast. Die aufgerufenen Zeugen bezeichnete Richter Moore als „unglaubwürdig“. Amnesty International und andere Unterstützer von Troy Davis, darunter seine Schwester Martina Correira, stellten die Frage, wie Richter Moore die Zeugen, die bei der Verurteilung Troys als glaubwürdig gegolten haben, bei der erneuten Anhörung als „unglaubwürdig“ bezeichnen könne.

Kampagne mini|Protest gegen die angekündigte Exekution 2011 Zahlreiche Organisationen, die gegen die Todesstrafe kämpfen und Troy Davis schon in der Vergangenheit unterstützt haben, riefen die Öffentlichkeit auf, weiter für die Gerechtigkeit zu kämpfen. Dem Grundsatz der Rechtsstaatlichkeit „In dubio pro reo“ werde nicht Rechnung getragen. Zu den prominentesten Unterstützern von Troy Davis gehören der frühere US-Präsident Jimmy Carter, Papst Benedikt XVI., Bischof Desmond Tutu aus Südafrika, die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton, die Rockband R.E.M., die Schauspielerin Mia Farrow, Amnesty International und Democracy Now. Auch der ehemalige FBI-Direktor William S. Sessions setzte sich dafür ein, das Todesurteil in eine lebenslange Gefängnisstrafe umzuwandeln.Should Davis be executed? No. Ajc.com, 15. September 2011. Weltweit unterzeichneten fast eine Million Menschen eine Petition, die eine Begnadigung für Davis forderte.Die letzten Stunden von Troy Davis stern.de, 22. September 2011.