Die Kleinstadt Rötha liegt etwa 15 Kilometer südlich von Leipzig im Landkreis Leipzig in Sachsen.

Geographie Rötha liegt etwa 15 km südlich von Leipzig im Leipziger Neuseenland. Im Westen des Stadtgebietes fließt die Pleiße, die im Nebenschluss den Stausee Rötha speist. Das Stadtgebiet in der Leipziger Tieflandsbucht umfasst eine Fläche von 17,88 km². Der fruchtbare Boden begründet den umfangreich betriebenen Ackerbau im Umfeld von Rötha. Der jährliche Niederschlag liegt meistens im Bereich von 550 bis 650 Millimetern und damit unter dem Bundesdurchschnitt.

Stadtgliederung Stadtteile von Rötha sind Espenhain und die Orte Mölbis, Oelzschau (mit Kömmlitz) und Pötzschau (gebildet aus Dahlitzsch, Großpötzschau und Kleinpötzschau), die vorher Ortsteile von Espenhain waren. Zum Stadtgebiet Rötha gehören weiterhin die Orte Podschütz und Theka. Die ehemaligen Röthaer Ortsteile Geschwitz und Rüben wurden im Zuge des Braunkohleabbaus durch den Tagebau Espenhain zwischen 1951 und 1955 umgesiedelt und anschließend devastiert. 1971 wurde Rötha die Flur des 1968 durch den Tagebau Witznitz II devastierten Orts Kreudnitz zugeordnet.Kreudnitz im Historischen Ortsverzeichnis Sachsen

Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Rötha und gehören zum Landkreis Leipzig:

Geschichte mini|links|Das Schloss Rötha um 1860 mini|Denkmal für das 1969 zerstörte Schloss, alliiertes Hauptquartier während der Völkerschlacht (2014) mini|Rötha um 1840 mini|Postkarte Obstweinschänke (1905) mini|hochkant|Wasserturm (2013) mini|Rötha im Sommer 1930 – Der Markt mini|Rötha im Frühling 2018 – Der Markt

Rötha wurde erstmals im Jahr 1127 urkundlich erwähnt. Da jedoch keine Gründungsurkunde vorliegt, ist die genaue Zeit, in der sich die Stadt gebildet hat, unklar. So war zum Beispiel die Erwähnung vom 31. März 1292, als Rötha erstmals als Stadt genannt wurde, der Anlass für die 700-Jahr-Feier 1992. 1217 wurde der Markgraf Dietrich der Bedrängte samt seinen Ländern, darunter auch Rötha, wegen territorialer Streitigkeiten von der Kirche mit dem Bann belegt. Kirchliches Leben war damit vorerst unmöglich. In den darauf folgenden Jahrhunderten wurde die Bevölkerung durch die Pest, den Einfall der Hussiten und durchziehende Schwaben (nach der Schlacht bei Lucka) dezimiert.

Besitzer der Stadt Rötha im 16. Jahrhundert war Ritter von Pflugk, der jedoch verschuldet war und Rötha verkaufen musste. Zunächst trat die Stadt selbst als Käufer auf und übernahm im Jahr 1584 die Verwaltung. Jedoch konnte die Stadt den Kaufpreis nicht aufbringen, sodass 1592 Carl von Friesen, der Schlosshauptmann zu Altenburg, einsprang und Rötha für 28.400 Gulden erwarb. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde ein Großteil der Bevölkerung durch den Dreißigjährigen Krieg und die wiederkehrende Pest ausgelöscht, anschließend forderte auch der Siebenjährige Krieg viele Opfer. Als 1813 die Völkerschlacht bei Leipzig tobte, waren im Schloss Rötha der russische Kaiser Alexander I. und der österreichische Kaiser Franz I. einquartiert. Rötha war der Standort des alliierten Hauptquartiers.

Im Jahr 1839 wurden die Dörfer Theka und Podschütz eingemeindet. Sie lagen wie Rötha bis 1856 im kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Kreisamt Leipzig.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 60 f. Ab 1856 war Rötha der Hauptort des Gerichtsamts Rötha. Ab 1875 gehörte Rötha zur Amtshauptmannschaft Borna. In den 1870er Jahren begann Heinrich Freiherr von Friesen, Rötha zur Gartenstadt umzugestalten – ein Beiname, den sie noch heute trägt. Neben dem traditionellen Weinbau, der mindestens seit dem 15. Jahrhundert in Stadt und Umgebung betrieben wurde, etablierte er den Obstanbau in Rötha. Da qualifiziertes Personal für dieses Vorhaben fehlte, gründete er 1875 eine Gärtner-Lehranstalt. Die Ernte wurde Jahr für Jahr umfangreicher und war 1883 schließlich so groß, dass sie die Kapazität des Leipziger Marktes überstieg. In diesem Jahr begann man, mit dem Überschuss Apfelwein herzustellen und gründete zu diesem Zweck die heutige Großkelterei. Durch den nahen Pelzhandelsplatz Leipzig (Brühl) beeinflusst, besaß die Kürschnerei in Rötha bis über die Mitte des 20. Jahrhunderts hinaus eine wesentliche Bedeutung. Nach Gründung der Großkelterei wurde im Jahr 1882 am Stausee das Gasthaus „Obstweinschänke“ erbaut und in Betrieb genommen. Nach der Wende, in den frühen 1990er-Jahren, wurde es geschlossen und verfiel seitdem. Am 20. Mai 2016 brannte die Ruine des einstigen Gasthauses vollständig aus, was den vorläufigen Höhepunkt einer Serie von Brandstiftungen darstellte, die Rötha seit mehreren Jahren heimsuchte und bis dahin vor allem Kleingartenanlagen und Privatbetriebe betraf.

Vor dem Ersten Weltkrieg begann der technische Fortschritt, sich in der Stadt bemerkbar zu machen. 1913 bekam sie ein Wassernetz – der Wasserturm steht noch heute und ist eines der Wahrzeichen Röthas –, und ein Jahr später wurde sie an das Elektrizitätsnetz angeschlossen. Außerdem gingen die Gasanstalt und das öffentliche Fernsprechnetz in Betrieb.

Im Amtsgerichtsgefängnis befand sich von Anfang März 1933 bis Juli 1933 ein frühes Konzentrationslager für politische Gegner des NS-Regimes. Die Anzahl der Inhaftierten sowie die Zahl der Häftlinge, die im Lager und an den Folgen ums Leben kamen, ist nicht bekannt.

In Vorbereitung auf den Zweiten Weltkrieg wurden in den benachbarten Orten Böhlen und Espenhain Werke errichtet, für deren Arbeiter auch in Rötha neue Wohnungen entstanden. In den Jahren 1944 und 1945 fielen Teile der Stadt mehreren Bomben zum Opfer. Am 14. April 1945 hissten die Bürger Röthas weiße Flaggen, und zwei Tage später zogen die US-amerikanischen Truppen ein. Im Juli übernahm die Rote Armee die Besatzung. Damit wurde Rötha Teil der sowjetisch besetzten Zone SBZ und ab 1949 der DDR. 1945 wurde die Familie von Friesen enteignet, das Schloss Rötha wurde aufgrund von Senkungsschäden durch Braunkohleabbau 1969 gesprengt.

1952 musste der Ortsteil Geschwitz (1924 eingemeindet) abgebaut werden, um Raum für den verstärkt durchgeführten Kohletagebau Espenhain zu schaffen. 1960 wurden die Flächen des 1955 devastierten Orts Rüben (Tagebau Espenhain) und 1971 die Flächen des 1968 devastierten Orts Kreudnitz (Tagebau Witznitz) der Stadt Rötha zugeordnet. Im Dezember 1969 wurde auf Geheiß der SED das Schloss Rötha unter Protesten gesprengt und abgerissen.Andreas Platthaus: Die Urururenkelgeneration. Herausforderung für die ganze Stadt: Leipzig gedenkt des zweihundertsten Jahrestags der Völkerschlacht. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. Oktober 2013. Der Schlosspark soll wiederhergestellt werden. 1971 entstand der „VEB Elektrotechnische Werkstätte Rötha“, der 1980 dem Leipziger Werk „VEB Elektroakustik Leipzig“ angegliedert wurde.

Am 1. August 2015 wurde Espenhain mit den Ortsteilen Mölbis, Oelzschau und Pötzschau nach Rötha eingemeindet, damit wurde die Verwaltungsgemeinschaft Rötha aufgelöst.http://www.sachsen-gesetze.de/shop/saechsabl/2015/29/read_pdf

Eingemeindungen Eingemeindungen nach Rötha Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung GeschwitzDas Sachsenbuch, Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden, 1943 1. Januar 1924 1951–1953 durch Tagebau Espenhain beseitigt KreudnitzMinisterium des Innern des Landes Sachsen (Hrsg.): Verzeichnisse der seit Mai 1945 eingemeindeten Gemeinden und Nachweis über die Aufgliederung der selbständigen Gutsbezirke und Staatsforstreviere. 1952. 1. September 19481971 Eingemeindung nach Hain, 1968 durch Tagebau Witznitz II beseitigt, Fluren 1971 nach Rötha umgegliedert PodschützOtto Clemen (Autor), Ernst Koch (Hrsg.): Kleine Schriften zur Reformationsgeschichte (1897–1944), Band V, 1922–1932. 1839 Rüben 1960 1955–1957 durch Tagebau Espenhain beseitigt, Fluren 1960 nach Espenhain eingegliedert Theka 1839 Espenhain 1. August 2015 Eingemeindung mit allen bisherigen Ortsteilen

Eingemeindungen nach Espenhain bis zu dessen Eingemeindung im Jahr 2015

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung Dahlitzsch 1. April 1934 Zusammenschluss mit Großpötzschau zu Pötzschau Großpötzschau 1. April 1934 Zusammenschluss mit Dahlitzsch zu Pötzschau Kleinpötzschau 1840 Eingemeindung nach Dahlitzsch Kömmlitz 1. Oktober 1948 Eingemeindung nach Oelzschau MölbisStatistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen 1. Januar 1999 Oelzschau 1. April 1996 Pötzschau 1. Januar 1995

Politik

Stadtrat Der Stadtrat setzt sich seit der Kommunalwahl vom 9. Juni 2024 bei 17 Sitzen wie folgt zusammen: Röthaer Land (RL): 5 Sitze Bündnis Rötha (BR): 4 Sitze AfD: 3 Sitze (ein Sitz bleibt unbesetzt) Initiative für Rötha (IfR): 2 Sitze CDU: 2 Sitze Linke: 1 Sitz +Liste202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %Röthaer Land527,3525,7––AfD323,4212,9––Bündnis Rötha421,8––––Initiative für Rötha211,5318,1––CDU211,2314,9953,7Linke14,9210,3425,4SPD––318,1320,9Wahlbeteiligung68,9 %60,4 %41,2 % Mit der 2015 erfolgten Eingliederung von Espenhain wurden zwölf Mitglieder des bisherigen Espenhainer Gemeinderates in den Stadtrat übernommen, wodurch das Gremium vorübergehend auf 28 Mitglieder anwuchs.

Bürgermeister Am 12. Juni 2022 wurde Pascal Németh (Wählervereinigung Röthaer Land) mit 91,47 % der gültigen Wählerstimmen zum Bürgermeister der Stadt Rötha gewählt, der sein Amt zum 1. August 2022 antrat.

Der vorherige Bürgermeister war Stephan Eichhorn (parteilos), der den aus Altersgründen scheidenden Ditmar Haym ersetzte, welcher seit dem Jahr 2001 die Geschicke der Stadt bestimmt hatte. Eichhorn setzte sich in der nötig gewordenen Stichwahl am 6. Dezember 2015 gegen seine Mitbewerberin Doreen Haym (SPD) durch, nachdem im ersten Wahlgang am 15. November 2015 die Kandidaten Wellmann (CDU) und Albrecht (parteilos) ausgeschieden waren. Eichhorn erhielt 61,4 % der gültigen Stimmen, er übernahm zum 1. Februar 2016 den Bürgermeisterposten. +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2022Pascal NémethRöthaer Land91,52015Stephan EichhornEichhorn61,42008Ditmar HaymCDU, SPD50,9200135,7

Wappen

Städtepartnerschaften Rötha unterhält eine Städtepartnerschaft mit der Stadt Murrhardt in Baden-Württemberg. Kultur und Sehenswürdigkeiten siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Rötha

Kirchen Rötha hat zwei Kirchen, zum einen die auf eine Gründung im 12. Jahrhundert zurückgehende Georgenkirche als Stadtkirche und die Marienkirche, eine gotische ehemalige Wallfahrtskirche. Beide Kirchen besitzen eine Silbermann-Orgel.

Stausee mini|Stausee Rötha, im Hintergrund das Kraftwerk Lippendorf Am südlichen Stadtrand von Rötha befindet sich der Stausee, der in einem Nebenschluss über die Kleine Pleiße etwa 275.000 m³ der Pleiße sammelt. Erbaut wurde der Stausee in den Jahren 1939 bis 1942 mit etwa der doppelten Größe der heutigen Wasserfläche durch den Weiße-Elster-Verband. Mit dem Fortschreiten des Tagebaues Witznitz wurde 1966 der südliche Teil des Stausees trockengelegt und überbaggert. Seit dieser Zeit bildet der Werkbahndamm der ehemaligen Kohlebahn zwischen den braunkohleverarbeitenden Werken in Espenhain und Böhlen den südlichen Abschluss des Stausees. Mit einem Hochwasserrückhalteraum von 110.000 m³ ist die Bedeutung für den Hochwasserschutz im Pleißegebiet relativ gering. Seit seinem Bau war er der lebensnotwendige Brauchwasserlieferant für braunkohleverarbeitende Großunternehmen und Kraftwerke in Espenhain und Böhlen. Heute wird er gemeinsam mit dem Schlosspark als Naherholungsgebiet genutzt, ist jedoch nicht zum Baden geeignet. Ein Teil des Rundweges um den Stausee ist asphaltiert und lädt zum Inlineskaten ein, während ein anderer Teil einen natürlichen Waldcharakter aufweist.

Schlosspark mini|Im Schlosspark