Die Kentucky Colonels waren ein US-amerikanisches Basketballfranchise aus Louisville, Kentucky, und ein Mitglied der ABA während der gesamten neun Jahre, die diese Liga existierte. Die Mannschaft gewann die meisten Spiele und hatte die höchste Siegquote aller Teams in der Ligageschichte, aber die Mannschaft wurde nicht in die NBA während der ABA-NBA-Vereinigung 1976 aufgenommen. Die Colonels spielten während ihrer letzten sechs Spielzeiten in der Freedom Hall, beginnend 1970/71, die drei davor im Louisville Convention Center, heute als The Gardens bekannt.
Überblick und Hintergrund
Die Colonels begannen ihre Zeit in der ABA als farbenfrohe Mannschaft, und das nicht nur wegen ihrer grellen gelbgrünen Trikots. Unter den Dingen, für die sie bekannt waren, befand sich ihr Maskottchen Ziggy, ein preisgekrönter Brussels-Griffon-Hund, der den ursprünglichen Teambesitzern Joe und Mamie Gregory gehörte. Einige Fans der Colonels glaubten, dass Ziggy der wahre Eigner des Klubs sei. Ziggy nahm an Eignermeetings teil und hatte bei den Spielen einen Platz in der ersten Reihe. Während der ersten Spielzeiten war der Hund sogar Teil des Mannschaftslogos.
Sie waren genauso für öffentlichkeitswirksame Aktionen bekannt. Ihre berühmteste fand 1968 statt, als Penny Ann Early, der erste lizenzierte weibliche Jockey, verpflichtet wurde, in einem Spiel in der ABA mitzuwirken (wenn auch nur für ein paar Sekunden).
Davon war die Leistung auf dem Platz verständlicherweise überschattet, was wohl verdient war, da sie zumeist eine durchschnittliche Mannschaft waren. Sie hatten aber ein paar gute heimische Talente, wie den früheren Kentucky Wildcat Louie Dampier und den Star der Western Kentucky University Darel Carrier. Sie gehörten zu den besten Distanzschützen ihrer Zeit und profitierten von der Dreipunktelinie in der ABA. Carrier verbrachte fünf Spielzeiten bei dem Klub, während Dampier die ganze Zeit ein Colonel blieb.
Die anfängliche Farbe des Franchise verschwand immer mehr während der Saison 1970/71, als sie mit dem All-American Dan Issel einen weiteren Wildcat-Star verpflichteten. Sie änderten die gelbgrünen Uniformen in blau-weiße, ähnlich derer der Wildcats. Eine weitere Abnormalität der Trikots der Colonels war der Spielername auf der Rückseite, bei dem nur der erste Buchstabe großgeschrieben war, im Gegensatz zu nahezu jedem anderen Namensschriftzug im professionellen oder Collegebasketball. Issels Verpflichtung half den Colonels, als ordentliches Basketballteam bekannt zu werden. Trotz eines durchschnittlichen Ergebnisses in der regulären Saison hatten sie in den Playoffs 1971 einen beträchtlichen Lauf, verpassten die Meisterschaft aber in sieben Spielen gegen die Utah Stars.
Ab der folgenden Saison erwiesen sie sich nach der Verpflichtung des groß gewachsenen Artis Gilmore sogar als noch besser. Gilmore half den Colonels, auf Jahre zu einem Mitfavoriten zu machen. Die Colonels gewannen in seiner Rookiesaison 68 Spiele unter Trainer Joe Mullaney; dies war das beste Saisonergebnis in der gesamten Ligageschichte. In den Playoffs hatten sie in der ersten Runde Schwierigkeiten gegen die New York Nets. Man erholte sich aber und hatte einen weiteren Lauf während der Playoffs 1973, verlor jedoch in sieben körperbetonten Spielen gegen die Indiana Pacers.
Nach dieser Saison wurde das Franchise fast nach Cincinnati umgesiedelt, wurde aber von John Y. Brown, Jr. erworben, dem späteren Gouverneur von Kentucky, der mehrere Jahre Kentucky Fried Chicken besaß. Brown half, das Interesse im Team zu steigern und achtete darauf, dass sich die Mannschaft auf dem Platz verbesserte, indem er den populären ABA-Trainer Babe McCarthy verpflichtete. Aber nachdem sie in der zweiten Runde der Playoffs von den Nets besiegt wurden, entließ Brown McCarthy.
1974/75 verpflichtete Brown Hubie Brown, einen früheren Assistenztrainer in der NBA, um ihnen zur Meisterschaft zu verhelfen. Anders als im Jahr zuvor enttäuschten die Colonels nicht. Nach einem furiosen Finish in der regulären Saison, in der sie 23 von 26 Spielen gewannen, fegten sie durch die Playoffs und schlugen ihre Nemesis, die Indiana Pacers, mit 4:1 und gewannen so die ABA-Meisterschaft 1975. Gilmore machte 28 Punkte und beeindruckende 31 Rebounds im letzten Spiel.
Die Feierlaune 1975 endete, als Brown Dan Issel aus finanziellen Gründen an die neugegründeten Baltimore Claws abgab, die sich aber nach ein paar Freundschaftsspielen auflösten und nie am regulären Spielbetrieb teilnahmen. Sie erwarben Allstar Caldwell Jones, um ihn zu ersetzen, aber er kam nie mit dem Team zurecht. Jones wurde Mitte der Saison mit dem jungen Maurice Lucas getauscht. Hubie Brown schaffte es, die Mannschaft im Wettbewerb zu halten, aber man verlor in sieben Spielen gegen die Denver Nuggets.
Kentucky war eines der talentiertesten Teams der Liga und hatte mit die besten Fans, aber als die Gespräche über eine Vereinigung der ABA mit der NBA aufkamen, waren die Colonels kein Favorit, die Liga zu wechseln. Als Resultat brachte man John Y. Brown, Jr. dazu, die Colonels aufzulösen.
Die Spieler der Colonels wurden in einem Draft an andere Teams verteilt. Artis Gilmore wurde als erster von den Chicago Bulls gedraftet. Maurice Lucas wurde später ein Allstar bei den Portland Trail Blazers und Louie Dampier, der Führende in der internen Punkte- und Assistswertung, beendete seine Karriere als sechster Mann bei den San Antonio Spurs. Trainer Hubie Brown trainierte nach der Vereinigung fünf Jahre die Atlanta Hawks, bevor er dort gefeuert wurde.
Die Colonels gewannen 448 Spiele in der ABA, mehr als jede andere Mannschaft dort. Ihr Gesamtergebnis bezüglich der regulären Saison betrug 448:296; ihre Siegquote von 60,2 % ist besser als die jedes anderen Franchise der ABA außer der Minnesota Muskies, die nur eine Saison spielten. (Wenn man die Statistiken der Utah Stars separat betrachtet, abgesehen von ihrer Zeit als Anaheim Amigos und Los Angeles Stars, ist ihre Quote mit 60,8 % ebenfalls leicht besser als die der Colonels.)
In den Playoffs war das Ergebnis der Colonels 55:46 (54,5 %). Nur die Indiana Pacers gewannen mehr ABA Playoff-Begegnungen (69).
Einzelne Saisons 1967–1968
Am 6. März 1967 vergab die American Basketball Association das Franchise, das zu den Kentucky Colonels wurde, für 30.000 $ an Don Regan. Später wurde diese von Joseph Gregory, Mamie Gregory und William C. Boone aufgekauft.
John Givens wurde zum ersten Trainer der Colonels benannt. Die Draftpicks wurden für Louie Dampier (University of Kentucky), Clem Haskins (Western Kentucky University), der zu den Chicago Bulls ging, Bob Verga, der bei Dallas unterschrieb, und Randy Mahaffey genutzt. Die Mannschaft verpflichtete ebenso Darel Carrier und Jim „Goose“ Ligon. Der Kader wurde abgerundet mit Kendall Rhine, Stew Johnson, Rubin Russell, Bill Bradley, Cotton Nash, Bobby Rascoe, Howard Bayne, Orbie Bowling und Tommy Woods.
Die Colonels bestritten ihre Heimspiele im Kentucky Fair and Exposition Center und im Louisville Convention Center. Die Mannschaft gewann nur fünf ihrer ersten 17 Spiele, was dazu führte, dass Givens als Trainer entlassen und durch Gene Rhodes ersetzt wurde. Im November wurde Stew Johnson mit Jim Caldwell von den New Jersey Americans getauscht. Darel Carrier, Randy Mahaffey und Louie Dampier spielten im ABA All Star Game mit, aber die Mannschaft beendete die Saison mit 36 Siegen und 42 Niederlagen, Platz 4 der Eastern Division zusammen mit New Jersey. 3225 Fans besuchten durchschnittlich die Heimspiele.
Die Colonels und die Americans sollten ein Entscheidungsspiel um den letzten Playoffplatz in der Commack Arena in New Jersey austragen, aber die Halle war in so einem schlechten Zustand, dass das Spiel nicht stattfand und die Colonels zur Strafe zu Siegern erklärt wurden. Kentucky zog in die Eastern-Division-Halbfinals ein, wo sie mit 2:3 den Minnesota Muskies unterlagen.
1968–1969
Unter den Draft Picks der Colonels befand sich der Star der University of Louisville Wes Unseld, der aber einen besser bezahlten Vertrag bei Baltimore in der NBA bevorzugte. Man draftete ebenfalls Manny Leaks und Gene Moore. Sam Smith wurde von Minnesota verpflichtet und man gab in einem Trade mit den New York Nets Randy Mahaffey und Manny Leaks für Oliver Darden und Andy Anderson ab.
Die Colonels waren Gastgeber des ABA All Star Games in Louisville 1969. Ihr Trainer Gene Rhodes war Cheftrainer der Ost-Mannschaft, die gegen den Westen 127:133 verlor. Darel Carrier und Louie Dampier nahmen wiederum am Spiel teil, genau wie Jim „Goose“ Ligon.
Während der Saison verzeichneten die Colonels die erste Profibasketballerin, als Jockey Penny Ann Early sich der Mannschaft anschloss und auch kurz während eines Spiels auf dem Platz erschien.
Die reguläre Saison beendete man auf Rang 3 in der Eastern Division mit 42:36 Siegen. 4147 Besucher kamen durchschnittlich zu den Spielen. In den Eastern Division Halbfinals verloren die Colonels knapp mit 3:4 gegen ihren Rivalen Indiana Pacers.
1969–1970
Die Colonels nutzten ihre Draft Picks, um Bob Dandridge, der sich den Milwaukee Bucks in der NBA anschloss, und Herm Gilliam auszuwählen, der beim NBA-Team aus Cincinnati unterschrieb. Bud Olsen, der frühere Star des Kentucky Wesleyan Colleges George Tinsley, der spätere Trainer der Kentucky Wesleyan Wayne Chapman und der frühere Star der University of Kentucky Tommy Kron wurden der Aufstellung hinzugefügt.
Im April 1969 wurden die Colonels von einer Gruppe von Investoren aus Louisville aufgekauft, die unter anderem aus H. Wendell Cherry, Bill DeWitt, J. David Grissom, Stuart P. Jay, David A. Hones, John Y. Brown, Jr. und Mike Storen bestand. Storen war vorher Präsident und General Manager der Indiana Pacers. Die Gruppe stellte dann den früheren Star der University of Kentucky Alex Groza als Geschäftsführer an.
Darel Carrier und Louie Dampier spielten wiederum im ABA All Star Game mit, zusammen mit Gene Moore.
Die Colonels beendeten die Saison auf Platz 2 der Eastern Division mit 45:39 Siegen. Die Colonels besiegten in den Eastern-Division-Halbfinals die New York Nets mit 4:3, verloren aber das Divisionsfinale mit 3:4 gegen die Indiana Pacers.
1970–1971
Im Juli gaben die Colonels Jim „Goose“ Ligon, Gene Moore und Bud Olsen in einem Trade an Dallas für Cincy Powell ab. Sie verpflichteten auch den Star der University of Kentucky Dan Issel. Issel erhielt einen Zehnjahresvertrag, der 1,4 Millionen Dollar wert war. Die Colonels tauschten ebenso einen Draft Pick mit den New York Nets für Walt Simon. Mike Pratt schloss sich ebenfalls dem Kader an.
Die Colonels begannen die reguläre Saison mit 10:5 Siegen, was dazu führte, dass Trainer Gene Rhodes entlassen und kurzzeitig von Alex Groza ersetzt wurde, der beide Spiele gewinnen konnte. Nachfolger wurde Frank Ramsey, früherer Star der Boston Celtics.
Dan Issel und Cincy Powell spielten im ABA Allstar Game. Issel wurde Rookie des Jahres zusammen mit Charlie Scott von den Virginia Squires.
Die Colonels beendeten die Saison mit 44:40 Siegen auf Platz zwei in der Eastern Division. 7.375 Zuschauer kamen durchschnittlich zu den Heimspielen. Seit dieser Saison spielten die Colonels ihre Heimspiele in der Freedom Hall. In den Eastern-Division-Halbfinals besiegte man The Floridians mit 4:2 und im Divisionsfinale die Virginia Squires ebenfalls mit 4:2. Im Finale um die Meisterschaft gewannen sowohl die Colonels als auch die Utah Stars jeweils drei Begegnungen, bevor Utah das siebte Spiel vor einer Rekordkulisse zu Hause für sich entschied.
1971–1972
Die Draft Picks der Colonels bestanden aus Artis Gilmore, John Roche und Mike Gale sowie Fred Browne und Larry Steele, die sich den Seattle SuperSonics und den Portland Trail Blazers in der NBA anschlossen. Die Colonels verkauften Roche an die New York Nets. Gilmore bekam wie Issel einen Zehnjahresvertrag, der mit 1,5 Millionen Dollar dotiert war. Joe Mullaney wurde Trainer der Colonels.