Die Geschichte der Stadt Eilenburg in Sachsen reicht mit ersten menschlichen Besiedlungen bis in die Altsteinzeit zurück. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 961. Die slawische Burg Eilenburg entwickelte sich im 10. Jahrhundert zu einem wichtigen Burgwardmittelpunkt und wenig später zu einem wichtigen Sitz der Wettiner.
mini|Das Eilenburger Stadtmuseum im zentral gelegenen Gasthof „Zum Roten Hirsch“ präsentiert Zeugnisse zur regionalen Geschichte.
Geschichte mini|Eilenburg in einer Cabinetskarte um 1762 von Isaak Jacob von Petri, damals noch mit der Bezeichnung Eulenburg
Herkunft des Stadtnamens Der Name Eilenburgs ist wie die meisten Ortsnamen der Region slawischen Ursprungs. Er leitet sich von der Burg Eilenburg ab, die erstmals im Jahr 961 als Ilburg erwähnt wurde. Er wurde im Laufe der Jahrhunderte vielmals abgewandelt (Hilburg, Ilburg, Hilburch, Ilburc, Ileborch, Ylenburg, Jilburg, Yllenburck, Eylburg, Eylenburg, Eylenberg, Eyleburg, Illeburg, Eilenburgk, Eulenburgk) und erfuhr damit auch verschiedene Deutungen. Am wahrscheinlichsten ist es, dass Ilburg auf die slawische Bezeichnung il als Ort mit Lehm- oder Tonvorkommen (Jilow, Jilobor) zurückzuführen ist. Das an die Burg angrenzende Feld hatte einst die Bezeichnung Ilenfeld, der steile Bergabhang heißt auch heute noch Lehmberg. Durch Lautwandel wurde aus Ilburg der heutige Ortsname (siehe Tabelle).
Jahr 961 1160 1181 1223 1314 1482 1485 1545 1551 1591 1791 Namensentwicklung IlburgCodex Diplomaticus Saxoniae Regiae I A 1, S. 238 Nr. 3. Online-Edition: http://codex.isgv.de/codex.php?band=cds1a1&f=&a=b&s=238 JulburkCodex Diplomaticus Saxoniae Regiae II 1, S. 55 Nr. 53. Online-Edition: http://codex.isgv.de/codex.php?band=cds2_01&f=&a=b&s=055 Hilburch Ilburc Ileborch Eylenberg u. a. Ileburg Eilenburgk Julioburgus Eulenburgk Eilenburg
Stadtgeschichte Ur- und Frühgeschichte Die ältesten Hinterlassenschaften der Menschen auf dem heutigen Stadtgebiet Eilenburgs reichen bis in die Altsteinzeit zurück. Vor etwa 14.000 Jahren durchstreiften Gruppen von Jagdbeutern die wildreichen Auwälder der Mulde, die die Landschaft damals prägten. Überregionale Bedeutung in der Ur- und Frühgeschichtsforschung haben die magdalénienzeitlichen Fundplätze auf dem Kapellenberg im benachbarten Groitzsch, etwa vier Kilometer südlich der Stadt.Helmut Hanitzsch: Groitzsch bei Eilenburg. Schlag- und Siedlungsplätze der späten Altsteinzeit. Berlin: Dt. Verl. d. Wiss., 1972 (Veröffentlichungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Dresden Bd. 12); Michael Seiler, Diethelm Runck, Ingo Kraft: Ein neuer Schlagplatz des Spätmagdalénien von Groitzsch bei Eilenburg (Lkr. Delitzsch). In: Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege 41, 1999, S. 17–25. Von hier stammt unter anderem eine etwa fünf mal drei Zentimeter große Tonschieferplatte mit beidseitigen eingravierten Pferdedarstellungen, die zu den ältesten Kunstwerken der Mittelelb-Saale-Region gehört. Vergleichbare Steininventare und Kleinkunstobjekte sind z. B. aus der Kniegrotte, der Ilsenhöhle bei Ranis und der Teufelsbrücke in Thüringen bekannt.
Beginnend mit der bandkeramischen Kultur gehörten die Hochterrassen der Mulde über mehrere Jahrtausende zu den bevorzugten Siedlungsgebieten in Mitteldeutschland. Bronzezeitliche Spuren finden sich im Depot von Eilenburg. Erst in der Römischen Kaiser- und Völkerwanderungszeit brach die Besiedlung für einen längeren Zeitraum ab.
Frühes und hohes Mittelalter In den freigewordenen Gebieten zwischen Saale und Elbe siedelten sich ab dem späten 6. Jahrhundert slawische Bevölkerungsgruppen an, zunächst aus Böhmen kommend entlang der Elbe bis in den Raum um Dessau und die Saalemündung. Im Verlauf des 7. und 8. Jahrhunderts drangen sie auch entlang der Mulde und anderer Flüsse nach Süden vor. Eilenburg lag im Zentrum eines natürlich begrenzten, etwa 270 Quadratkilometer großen Siedlungsgebietes an der mittleren Mulde, zu dem etwa 100 kleinere weilerartige Siedlungen gehörten. Dessen Bewohner bezeichneten sich vermutlich als Siusli. Die Slawen zwischen Saale und Mulde schlossen spätestens Ende des 8. Jahrhunderts zu dem Stammesverband der Sorben (lat. sorabi sclavi) zusammen. Vermutlich im 9. Jahrhundert errichteten sie die Burg Eilenburg, eine Abschnittsbefestigung in Spornlage, die ein etwa 220 mal 150 Meter großes Plateau umfasste. Reste dieser Befestigung bilden die bis zu zehn Meter hohen Erdwälle auf dem Burgberg.
Mit der Eingliederung in das Ostfrankenreich und strukturellen Erfassung der Gebiete zwischen Saale und Elbe unter den Königen Heinrich I. und Otto I. wurde die Burg um die Mitte des 10. Jahrhunderts Mittelpunkt eines Burgwardes und damit Zentrum der Herrschaft und Verwaltung in der Region. Vermutlich wurden im Zusammenhang mit der Einrichtung der Burgwardverfassung auch die Befestigungsanlagen erneuert und ausgebaut, doch können über die Art und den Umfang der Umgestaltungen ohne ausgedehnte archäologische Ausgrabungen keine genauen Aussagen getroffen werden. Zur Burg gehörte auch eine dem heiligen Petrus geweihte Kirche, die vor allem als Kirche für die Burgbesatzung, darüber hinaus aber als Kirche für den gesamten Burgward diente. Kirchenrechtlich gehörte sie zum Bistum Merseburg, doch ist aufgrund von Übertragungen des Kirchenzehnts an das Magdeburger Mauritiuskloster von einem nicht unbeträchtlichen Anteil der dortigen Benediktinermönche an der Mission im Eilenburger Raum auszugehen.
In einer Urkunde Ottos I. vom 29. Juli 961 wird erstmals eine civitas Ilburg im Gebiet Quezici genannt.Codex Diplomaticus Saxoniae Regiae I A 1, S. 238 Nr. 3. Online-Edition: http://codex.isgv.de/codex.php?band=cds1a1&f=&a=b&s=238
Im Jahr 1000 befand sich der ursprünglich direkt dem König unterstehende Burgward, d. h. das gesamte Gebiet mit der Burg Eilenburg im Zentrum, in der Grafschaft des Grafen Friedrich I. aus dem Geschlecht der Wettiner.Codex Diplomaticus Saxoniae Regiae I A 1, S. 280 Nr. 52 Z. 15–16. Online-Edition: http://codex.isgv.de/codex.php?band=cds1a1&f=&a=b&s=280 Nach seinem Tode wurde sein Neffe, der spätere Markgraf Dietrich I. mit der Grafschaft Eilenburg betraut. Der pagus Siusili und damit auch die Burg Eilenburg blieben in der Hand der Wettiner, die bis zu ihrer Abdankung als Könige von Sachsen infolge der Novemberrevolution in Deutschland im Jahr 1918 über Burg, Stadt und Umland verfügten.
Wie auch in anderen Burgen im Gebiet der Mulde wie etwa Wurzen oder Rochlitz dürfte sich bereits im 11. Jahrhundert eine Kaufleutesiedlung im westlichen Vorfeld der Burg – etwa im Bereich der heutigen Franz-Abt-, Berg-, Marien- und Wilhelm-Grune-Straße – entwickelt haben, die die eine der Wurzeln der späteren Stadt bildete. Noch im 15. Jahrhundert wurde dieser Bereich als eigenständige Vorstadt im Bergstadtteil erwähnt.
In einer am 30. April 1161 ausgestellten Urkunde wird erstmals eine parrochia in Ilburch, eine Pfarrei genannt.Codex Diplomaticus Saxoniae Regiae I A 2, S. 203 f. Nr. 298, hier S. 204 Z. 4. Online-Edition: http://codex.isgv.de/codex.php?band=cds1a2&f=&a=b&s=204 Am Ende des 12. und zu Beginn des 13. Jahrhunderts erlebte die Burg einen repräsentativen Ausbau mit einer Ringmauer und mindestens zwei Türmen aus Backstein. Der sogenannte Sorbenturm (um 1200 [d]) und der Mauerturm (nach 1230 [d]) waren Wohntürme, die der Burgmannenbesatzung der wichtigen wettinischen Burg als Sitz gedient haben dürften.Yves Hoffmann: Backsteintürme des 12. und 13. Jahrhunderts auf Burgen in Obersachsen und Ostthüringen In: Das Obere Schloss in Greiz. Ein romanischer Backsteinbau in Ostthüringen und sein historisches Umfeld, Erfurt 2008 (Arbeitsheft des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie N.F. 30), S. 130–143, hierzu S. 133–136, ISBN 978-3-937940-51-9 Unter den Burgmannen ist besonders die Ministerialenfamilie von Ileburg zu nennen.
Ebenfalls in den Jahrzehnten um 1200 entstand auf dem zur Mulde hin gelegenen Terrain östlich der Burg eine planmäßige ovale Stadtanlage von 600 m Länge und 300 m Breite mit gitterförmigem Straßennetz. Bei ausgedehnten archäologischen Untersuchungen in den 1990er Jahren konnten zwar Befunde des 13. und 14. Jahrhunderts dokumentiert, aber keine Funde des 12. Jahrhunderts angetroffen werden. Das etwa 1500 m² große Grabungsgebiet zwischen der Breiten Straße und Steinstraße unweit von Markt und Stadtkirche war demnach im 12. Jahrhundert noch unbebaut.Marc Kühlborn: Eilenburg von unten. Stadtarchäologische Untersuchungen in einer nordsächsischen Kleinstadt. In: Archäologie aktuell im Freistaat Sachsen Bd. 5, 1997 (1999), S. 160–165. Zu den ältesten und bedeutendsten hochmittelalterlichen Funden aus dem Stadtgebiet gehört ein eisernes Prachtschwert aus der Zeit um 1200, das im Jahr 1956 in der Rollenstraße in einer Tiefe von 3,50 m geborgen wurde.Reinhard Spehr: Christianisierung und früheste Kirchenorganisation in der Mark Meißen. Ein Versuch. In: Judith Oexle (Hrsg.): Frühe Kirchen in Sachsen. Ergebnisse archäologischer und baugeschichtlicher Untersuchungen (Veröffentlichung des Landesamtes für Archäologie mit Landesmuseum für Vorgeschichte 23), Konrad-Theiss-Verlag Stuttgart 1993, S. 9–63, hier S. 34 Abb. 32.
Spätmittelalter Einen weiteren Aufstieg erlebte die Stadt in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts unter Markgraf Wilhelm I. von Meißen. 1362 wurde ihr das Stadtrecht verliehen. Von 1394 bis 1404 erhielt die Stadt bedeutende landesherrliche Privilegien. Durch den Handel, den Warenverkehr der Via Regia und ihrer Kollateralen und nicht zuletzt das Braugewerbe hatte die Stadt inzwischen einen gewissen Wohlstand erreicht, der sich in zahlreichen Bauten, wie der Stadtbefestigung (1500–1509), einer Schule (1514), einer Wasserleitung (1514), dem Stadtschreiberhaus (1516) und dem Kornhaus (1549/1550) widerspiegelte. 1548 gab es insgesamt 14 Brauereien.
In Eilenburg wurden von 1491 bis 1575 Hexenverfolgungen durchgeführt. Fünf Personen gerieten in Hexenprozesse, vier von ihnen wurden hingerichtet. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen. Köln/Weimar/Wien 2003, S. 497 f. Im Ortsteil Hainichen gab es 1530 und 1531 ebenfalls eine Hexenverfolgung.Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 476.
Reformation
mini|Eine der bekanntesten Stadtdarstellungen Eilenburgs vom Kupferstecher Daucher (1696)
Die Nachricht vom Thesenanschlag Martin Luthers an die Tür der Wittenberger Schlosskirche am 31. Oktober 1517 verbreitete sich schnell und stieß bei der Eilenburger Bevölkerung, die erheblich unter den Forderungen von Mönchsorden zu leiden hatte, auf leidenschaftliche Zustimmung. Unterstützung fanden die reformatorischen Ideen auch bei den Eilenburger Ratsherrn, dem Prediger von St. Nikolai und dem Amtsschösser. Die Stadt kam unter diesen Umständen schnell in Verruf. Der Pirnsche Mönch Johannes Lindner notierte dazu:
Eilenburg, […], hat viel windisch Volk. Und 1519 erhub sich daselbst die nawe unchristliche Sekte, undern schutz der Obirkeit.
Bald schon wurde Luther auf die Geschehnisse in der Stadt aufmerksam. Die geknüpften Kontakte veranlassten ihn, sich am 5. November 1518 in der Vorstadtgemeinde Auf dem Sande im Gasthof Zum Braunen Bären mit dem kurfürstlichen Hofprediger Georg Spalatin zu unterreden. Zwei Jahre später, am 12. November 1520, kommt es zu einem weiteren Aufenthalt Luthers in Eilenburg. Auf Einladung des Kanzlers des Bistums Naumburg trafen sich auf dem Schloss, das zu dieser Zeit wegen der Abwesenheit des Kurfürsten Residenzfunktion wahrnahm, die kurfürstlichen Räte Fabian von Feilitzsch, Haubold von Einsiedel und Hans von Taubenstein sowie der Amtshauptmann Hans von Schönberg mit Luther, der von Philipp Melanchthon begleitet wurde. Dabei ging es um Religion und Kirche im Allgemeinen sowie die Einführung der Reformation im Besonderen. Beraten wurde auch über die möglichen Auswirkungen einer Bannandrohung.