mini|250px|Palast, Rückseite mini|250px|Palast, Rückseite, Foto von Teobert Maler 1891 Santa Rosa Xtampak ist eine bedeutende Ruinenstätte der Maya in Mexiko auf der Halbinsel Yucatán im Bundesstaat Campeche. Der Ruinenort liegt 26 Kilometer östlich von Hopelchén nahe der Grenze zum Bundesstaat Yucatán. In Santa Rosa Xtampak begegnen sich der Puuc-Stil und der Chenes-Stil der Maya-Architektur. Der Ort liegt auf der höchsten Erhebung eines Hügelzuges, der eine Savanne im Süden begrenzt.

Forschungsgeschichte mini|250px|Plan von Sta. Rosa Xtampak (nur die wichtigsten Ruinenteile sind eingetragen) Die ersten modernen Besucher waren 1841 John Lloyd Stephens begleitet von Frederick Catherwood.John L. Stephens: Incidents of travel in Yucatan. Dover Publications, New York 1963, ISBN 0-486-20926-1. Band 2, S. 105–115. Wegen der Entvölkerung durch den Kastenkrieg waren spätere Besuche erheblich erschwert und so gelang es Teobert Maler erst im dritten Anlauf 1891 zu den Ruinen vorzudringen.Teobert Maler: Península Yucatán. Hrsg. Hanns J. Prem. Gebr. Mann, Berlin 1997, ISBN 3-7861-1755-1, S. 210–217. Der nächste ausführliche Forschungsaufenthalt von Harry E. D. Pollock fand 1936 statt.Harry E. D. Pollock: Architectural notes on some Chenes ruins. Papers of the Peabody Museums of Archaeology and Ethnology, Harvard University, vol. 61, part 1. Cambridge, MA 1970, S. 46–64. Er veröffentlichte auch die erste Vermessung des Fundortes durch George W. Brainerd, Karl Ruppert und Lawrence Roys aus dem Jahr 1949. Der dreistöckige Palast übte seither große Attraktivität auf Forscher aus.Richard B. Stamps: A study of Late Classic Maya architecture at Sta. Rosa Xtampak. Unveröffentlichte Magisterarbeit. Brigham Young University, Provo, UT 1970.George F. Andrews: Pyramids and palaces, monsters and masks, the golden age of Maya architecture. vol. 2: Architecture of the Chenes region. Labyrinthos, Lancaster (CA) 1995, ISBN 0-911437-34-7, S. 243–320. Seit Mitte der 1990er Jahre dauern Grabungen und Restaurierungen an, die zunächst unter Leitung von Antonio Benavides Castillo standen und dann von Renée Lorelei ZapataRenée Lorelei Zapata: Santa Rosa Xtampak, capital en la región Chenes. In: Arqueología Mexicana. 75, 2005, , S. 54–57. fortgesetzt wurden.

Bauten Die Überreste der Bauten von Santa Rosa Xtampak nehmen ungefähr einen kreisrunden Raum von nahezu 800 m Durchmesser auf der Kuppe des Hügels ein, der Palast und die größte Pyramide liegen nahe dem Zentrum. Es dominieren lang gestreckte Gebäude mit einer einfachen oder doppelten Reihe von Räumen, die rechteckige Plätze einrahmen. Andere Plätze insbesondere im Südosten des Ortes werden durch hohe Pyramiden definiert. Der dreistöckige Palast bildet sowohl von seinem Grundriss wie von der Lage in der Mitte eines Platzes eine Ausnahme.

Der dreistöckige Palast mini|250px|Plan des Palastes Auf seinen drei Stockwerken verfügt der Palast über 44 Räume. Anders als die gleich großen oder größeren Paläste im Puuc-Gebiet ist er aber nicht das Ergebnis einer längeren baulichen Entwicklung, sondern wurde nach einem raffinierten Plan in einem Schritt errichtet. Allein die Zahl und Anordnung der Treppen macht die präzise Planung deutlich. Die Schauseite des Palastes ist nach Osten gerichtet. Auf dieser Seite führt eine monumentale Treppe zum dritten Niveau und landet vor einem gewaltigen Schlangenmauleingang.

Zu kleinen Seitentempels auf dem zweiten Niveau führen jeweils einzelne Treppen hinauf. Alle anderen mindestens zehn Außentreppen sind nicht funktional, sondern weisen die Steilheit und die Vorwärtsneigung der Treppenstufen auf, die für den Chenes-Stil, aber noch ausgeprägter den Rio-Bec-Stil kennzeichnend sind. Auf diesen Stil verweisen auch die beiden von der Westseite zugänglichen rechteckig gewinkelten Innentreppen, die genau spiegelbildlich zueinander auf das zweite und dritte Niveau führen. Wie bei Maya-Bauten aus statischen Gründen erforderlich, springen die Stockwerke von unten nach oben jeweils um eine Raumbreite zurück.

mini|Front des Palastes

Die Struktur des Gebäudes ist vorzüglich durchdacht. Auf der Schauseite, der Ostseite, wiederholen sich die Räume zu beiden Seiten der Monumentaltreppe weitgehend identisch auf allen drei Stockwerken. Es handelt sich um Räume mit einem durch gemauerte Pfeiler dreigeteilten Eingang. Insgesamt nimmt dieser Eingang beinahe die gesamte Länge des Raumes ein, sodass dieser gänzlich dem Einblick von außen geöffnet war und deshalb zu Wohnzwecken ungeeignet war. Dies war sicherlich auch so beabsichtigt, weshalb diese Räume zu Repräsentationszwecken für die lokalen Herrscher gedient haben dürften. Die Räume auf dem ersten und zweiten Niveau besaßen jeweils einen dahinter liegenden Raum, auf dem dritten Niveau fehlte dafür der Platz.

Auf den Nord- und Südseiten, die spiegelbildlich ausgeführt sind, liegt auf dem untersten Niveau jeweils ein langer Raum mit dreigeteiltem Eingang. Dahinter liegen zwei kleinere Räume nebeneinander. Zwischen ihren Eingängen befindet sich eine breite Mauerscheibe, die in einem etwas eingezogenen Feld ein narratives figürliches Relief zeigte, das seit dem Besuch Pollocks Kunsträubern zum Opfer gefallen ist. Dieses Relief wurde offenbar von einem anderen Gebäude hierher übertragen und eingefügt, wobei die Steine teilweise nicht mehr zusammen passten. Vom vorderen Raum führt eine Seitentür zu einem Raum unterhalb der Seitentempel. Die Architekten von Santa Rosa Xtampak waren sich offenbar der Statik ihrer Bauten so sicher, dass sie die sonst tunlichst vermiedene Überlagerung von Räumen häufig praktizierten. Auf dem höheren Niveau wurde diese Raumanordnung in einfacherer Form wiederholt. Hier ist nur ein Vorderraum mit dreifach gegliedertem Eingang vorhanden.

mini|Schlangenmaulportal im dritten Stockwerk Auf der Rückseite des Palastes findet sich eine Reihe von sieben Eingängen, die in drei Gruppen angeordnet sind: eine mittlere mit drei Eingängen und zwei seitliche mit jeweils zwei Eingängen. Der mittlere Eingang der Mittelgruppe geht nur in einen kleinen Raum und wurde wohl nur der Symmetrie wegen errichtet. Die beiden seitlichen Räume der Mittelgruppe sind besonders interessant. Von ihnen führt ein schmaler Durchgang in einen kleinen quadratischen Raum, von dem durch einen Gang die Innentreppen zu erreichen sind, die in mehreren Windungen auf das erste Niveau führen. Damit liegt die Innentreppe unter der unbesteigbaren Außentreppe und ersetzt sie funktional. Die Treppen münden dort in einer Außentür, die auf einen Absatz führt, der auf dem Dach des unteren Stockwerkes um das ganze Gebäude herumführte (heute teilweise eingestürzt). Es ist bemerkenswert, dass die Ausgänge der Treppe hier und auf dem nächsthöheren Niveau in der Form von kleinen Häuschen gestaltet sind. Von dem Zugang zu diesem Ausgang führt die Treppe zugleich in zwei weiteren Windungen auf das oberste Niveau, wo sie wieder in dem Häuschenausgang mündet. Auch hier kann man auf dem Dach der darunter liegenden Räume um das Gebäude gehen. Die beiden seitlichen Raumgruppen der Westseite haben jeweils einen dahinter liegenden Raum und entsprechen damit dem üblichen Muster. Aber hier führt eine Seitentür des vorderen Raumes in einen kleinen Seitenraum, der genau an der Stelle liegt, wo sich zwei unbesteigbare Treppen im rechten Winkel gegenüberliegen.

mini|Ecktempel mini|Rückseite des Palastes An allen vier Ecken des Palastes führten diese unbesteigbaren Treppen zu im zweiten Niveau gelegenen kleinen Tempeln, die unmittelbar über einem darunter liegenden Raum errichtet waren.

Auf dem dritten Niveau ist wegen des Zurückspringens der Stockwerke nur eine einfache Raumkette vorhanden, die aber durch geschickte Raumgliederung Platz für die Innentreppen auf der Rückseite des Gebäudes lassen musste. Die Räume öffnen alle nach der Ostseite: ein großer zentraler Raum, daneben auf beiden Seiten zwei kleine, vorspringende, hinter denen die Innentreppen liegen, und auf den Seiten zwei Räume mit dreifachem Eingang, die den darunter liegenden der Ostfassade entsprechen.

Die Gliederung des dritten Niveaus ist im Maya-Gebiet einzigartig: Vor dem stark zurück springenden mittleren Raum befindet sich ein kleiner Hof, dessen gegenüberliegende Seite von der Rückwand des Schlangenmaulportals gebildet wird, das am oberen Ende der Monumentaltreppe steht. Es führt damit nicht in einen Raum, sondern in einen Hof, und ist damit nur ein Schein-Eingang.

Die Fassaden des Palastes waren einfach gehalten. Ein dreifach gegliederter Sockel, dessen mittleres Element meist glatt ist, nur bei den Seitentempeln aus einem Band von Säulchen bestehend. Die mittlere Wandfläche ist überall undekoriert, wenngleich auf der Rückseite bei größeren Mauerflächen einige zurückspringende Felder symmetrisch angeordnet sind. Die gemauerten Pfeiler entsprechen dem Puuc-Stil. Auch die gemauerten Türbalken erinnern an die frühen Phasen des Puuc-Stils. Das mittlere Gesims weist drei Bänder auf, die alle glatt sind. Die oberen Wandflächen sind leicht nach innen geneigt und ebenfalls glatt. Aus ihnen ragen große Steinzapfen heraus, die einstmals Stuckfiguren getragen haben. Das obere Gesims entspricht immer dem mittleren, wobei allerdings das vorkragende oberste Element hinzugefügt ist. Auch hier finden sich weit vorstehende Steinzapfen. Ob ein Dachkamm vorhanden war, ist nicht mit Sicherheit zu sagen.

Im Inneren des Palastes finden sich in vielen der Räume gemauerte Bänke an den Enden der Räume. Die Innenwände sind glatt, meist noch gut mit Stuck bedeckt. Besonders über den Türen findet sich eine eigenartige Dekoration: ein einem Sägezahn ähnelndes Band, ganz in Stuck modelliert.

Das Gebäude mit dem Schlangenmaulportal mini|Schlangenmauleingang mini|Treppe auf der Rückseite des Schlangemauleingang-Gebäudes Das Schlangenmaulportal ziert die Fassade eines kleinen Raumes, der seitlich in einer längeren, meist verstürzten Reihe von Räumen gelegen ist. Der Raum springt aus der Reihe der Räume mehr als einen halben Meter vor und erzeugt damit den für den Chenes-Stil typischen Eindruck einzelner Bauten. Der eigentliche Eingang ist ungewöhnlich schmal und liegt drei Stufen über dem Boden. Die sonst meist anzutreffende Plattform vor dem Eingang, die das vorgeschobene Unterkiefer darstellt, fehlt hier.

An dem Gebäude wurden mehrere Umbauten vorgenommen, die auch ein Licht auf ähnliche Strukturen in den anderen Hofkomplexen von Santa Rosa Xtampak werfen können. Nach der Fertigstellung des Gebäudes wurde auf der Rückseite eine Treppe angesetzt, die auf das Dach des Raumes hinaufführt. Dort wurde wahrscheinlich ein kleiner Raum errichtet oder zumindest geplant. Um das Dach für diesen zusätzlichen Raum zu stabilisieren, wurde die Rückwand bis beinahe zur Hälfte des Gewölbes mit einem Mauerkern verstärkt, der an der Vorderseite mit Stuck verkleidet wurde. Von der Rückseite führt eine in ihrem unteren Teil rekonstruierte Treppe zu dem oberen Raum. Außergewöhnlich ist, dass die Treppe in ihrer Mitte eine zentrale Treppenwange besitzt, die als Schwanz oder Hinterleib des Reptils gestaltet ist, und die ihrerseits in einem kleinen Schlangenrachen endet.

Von dem zu beiden Seiten anschließenden Gebäude sind nur kleine Reste erhalten. Über einem dreigliedrigen Sockel folgt eine, soweit erkennbar, glatte untere Wandfläche. Das mittlere Gesims ist dreigliedrig, in dem vertieften mittleren Band finden sich Gruppen von drei niedrigen Säulchen. Auf der oberen Wandfläche sind ebenfalls Gruppen von drei Säulchen zwischen glatten Wandflächen anzutreffen, die stärker an Formen im Puuc-Mosaikstil erinnern. Das obere Gesims entspricht dem mittleren plus der vorkragenden Steinreihe als oberem Abschluss.

Das rote Haus mini|Das Rote Haus