mini|Kirche mit Glockenturm mini|Nordostansicht der St. Johannes-Kirche mini|Historisierender Eingangsvorbau aus dem 19. Jahrhundert

Die Pfarrkirche St. Johannes der Täufer in Bad Zwischenahn ist mehr als 850 Jahre alt und damit eines der ältesten Gebäude des Oldenburger Landes. Mit der Reformation wurde das Gotteshaus evangelisch-lutherisch. Es gehört heute zur Evangelischen Kirchengemeinde Zwischenahn.

Geschichte Graf Egilmar, der erste Erbgraf zu Oldenburg, gründete die Kirche 1124 als Tochterkirche von Wiefelstede. 1134 wurde sie von Siward (1142–1157), dem Abt zu Rastede, in „honorem St. Johannis Baptistae“ (zur Ehre St. Johannes des Täufers) geweiht. Der Westturm wurde im Jahr 1200 aus Granitquadern und Backsteinen errichtet. Eine Erweiterung nach Osten im gotischen Stil mit Kreuzrippengewölben fand im 15. Jahrhundert statt. 1888 wurde der Haupteingang neu gestaltet.

Die lutherische Lehre wurde durch Johannes Hechler 1526 in Zwischenahn eingeführt und setzte sich nach dem Regierungsantritt des Grafen Anton im Jahr 1529 im Oldenburgischen durch. Die Johanneskirche wurde ab 1610 zur evangelischen Predigtkirche umgestaltet.Christian Wöbcken, Gerold von Ohlen, Die St.-Johannes-Kirche in Bad Zwischenahn, Bad Zwischenahn 2005, S. 8.

Das alte Gotteshaus prägt seit Jahrhunderten den südlichen Uferbereich des Zwischenahner Meeres. Es bildet den Mittelpunkt der aus verschiedenen Bauerschaften auf sie zuführenden alten Kirchwege und ist das älteste Wahrzeichen der Gemeinde Bad Zwischenahn.www.bad-zwischenahn-touristik.de – St.-Johannes-Kirche.

Baugeschichte Kirche Die erste Zwischenahner Johanneskirche dürfte ohne hölzernen Vorgängerbau um 1150 als Steinkirche errichtet worden sein. Sie wurde aus Feldsteinen erbaut und besaß Fenster- und Türeinfassungen aus eisenbändrigen Sandsteinen aus dem Weserbergland. Das Bauwerk hatte auf den Langseiten je drei Rundbogenfenster und verfügte wahrscheinlich über einen eingezogenen Chor mit Apsis. Der Eingang lag auf der Südseite. Ohne Chor maß die Kirche 18,2 Meter auf 10, 4 Meter. Wie der östliche Abschluss gestaltet war, ist nicht bekannt, da keine Ausgrabungen vorgenommen wurden.Christian Wöbcken, Gerold von Ohlen, Die St.-Johannes-Kirche in Bad Zwischenahn, Bad Zwischenahn 2005, S. 9. mini|Detail des Westturmes Um 1200 wurde westlich des bisherigen Kirchenschiffs ein Turm mit nahezu quadratischem Grundriss erbaut. Bis zur Traufhöhe der Kirche wurde er in Granitquaderbauweise hochgezogen, der obere Teil wurde aus Backsteinen gemauert und stellt eines der frühesten Zeugnisse dieser Bauweise in Niedersachsen dar. Der Turm erhielt einen eigenen, von innen verriegelbaren Eingang und wurde auf Höhe des ersten Stocks mit Schießscharten ausgestattet, um in Kriegszeiten eine Zufluchtsmöglichkeit zu bieten. Äußerlich ist der Turm außerdem durch zwei Stromschichten oder Deutsche Bänder in drei Abschnitte unterteilt. Das Obergeschoss ist reicher ausgestaltet als die beiden unteren. Es weist auf allen vier seiten von Lisenen gerahmte Felder auf, in denen sich die gekuppelten Schallöffnungen mit gemauerten Bögen und Mittelsäulen befinden. Nach oben wird diese Ebene durch einen Konsolenfries mit einer weiteren Stromschicht abgeschlossen.

Die Rüstlöcher aus der Zeit der Erbauung des Turmes wurden nicht verschlossen und dienen zahlreichen Dohlen als Nistplätze.Christian Wöbcken, Gerold von Ohlen, Die St.-Johannes-Kirche in Bad Zwischenahn, Bad Zwischenahn 2005, S. 16 f.

Die Feldsteinkirche hatte ursprünglich keine gewölbte Decke, wurde aber unter dem Einfluss der Einwölbung des Bremer Doms in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts von ihrer bisherigen Balkendecke befreit und erhielt westfälische Domikalgewölbe.Christian Wöbcken, Gerold von Ohlen, Die St.-Johannes-Kirche in Bad Zwischenahn, Bad Zwischenahn 2005, S. 10.

Dadurch wurde eine Erhöhung der Wände und der Bau eines neuen Dachstuhls nötig. Für die Erhöhung der Wände wurden Backsteine im Klosterformat verwendet, die in den aufgesetzten Giebeln des Westturms noch zu erkennen sind. Im Zuge der Umgestaltung wurde auch das mittlere romanische Fenster der Nordwand zugemauert, weil Gewölbepfeiler eingezogen werden mussten. Die verbliebenen beiden Fenster wurden dafür vergrößert.

Um die Mitte des 15. Jahrhunderts wurde der alte Chor abgerissen und ein neuer Chor errichtet. Als Baumaterialien dienten Back-, aber auch Feld- und Tuffsteine. Angeblich stammten die Backsteine aus dem Abbruchmaterial der Altenkirchener St.-Bartholomäus-Kirche. Die Kirche wurde durch die verschiedenen Umbaumaßnahmen deutlich verlängert. Ihre Innenmaße betragen 28,2 auf 8,4 Meter. mini|hochkant|Dachreiter des Westturms Im 17. Jahrhundert wurden im Zuge der Umgestaltung zur Predigtkirche Emporen eingebaut, weshalb die Fenster auf der Seeseite zugemauert, die auf der Südseite vergrößert wurden. 1736 erhielt der Westturm einen Dachreiter mit Kreuz, Wetterfahne und Uhrglocke. 1888 erhielten der Haupt- und der Sakristeieingang historisierende Anbauten; die holzgedeckten Zugänge zu den Emporen wurden entfernt.

1904 wurde unter Wilhelm Morisse die Ausmalung der Kirche rekonstruiert und das Fresko des Jüngsten Gerichtes, das 1745 übermalt worden war, wieder freigelegt. 1964 wurde im Zuge einer Restaurierung die Innenausstattung reduziert. Die Beichtstühle und das Kastengestühl wurden entfernt, die Bänke in Richtung Altar ausgerichtet und die Zahl der Sitzplätze wurde von 565 auf 350 gesenkt. In den Jahren 1974 und 1991/92 wurde der Flügelaltar restauriert. 1986/88 und 2001 wurde das Bauwerk samt Glockenturm saniert.Christian Wöbcken, Gerold von Ohlen, Die St.-Johannes-Kirche in Bad Zwischenahn, Bad Zwischenahn 2005, S. 13.

Im Dachreiter des Westturms hängen zwei Uhrschlagglocken. Als Stundenglocke dient eine ehemalige Läuteglocke von Claudi Gage aus dem Jahr 1635 mit der Inschrift I. h. s. - Gott late idt wedder genethen, dat karkspil thon twischenahn heft mi laten gheten. Anno 1645. Die Viertelstundenschläge werden mit einer Bronzeglocke der Gebrüder Rincker ausgeführt, die in a klingt. Diese Rincker-Glocke trägt die Inschrift Meine Zeit steht in deinen Händen. Ps 31,16 - A. D. 1983. Diese 43 kg schwere Glocke ersetzte eine eiserne Vorgängerin, die durchgerostet war und jetzt im Torbogen des Glockenturmes steht.Christian Wöbcken, Gerold von Ohlen, Die St.-Johannes-Kirche in Bad Zwischenahn, Bad Zwischenahn 2005, S. 15.

Glockenturm mini|hochkant|Blick durch den Durchgang im Glockenturm In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde nach längeren Konflikten um kirchliche Abgaben, die in der Ermordung des Priesters Dietrich Grove und der Exkommunizierung des gesamten Kirchspiels im Jahr 1450 gipfelten, der freistehende Glockenturm mit den rundbogigen Blendnischen errichtet. Ein Bruderkrieg zwischen den Grafen Gerd und Moritz führte 1462 zur Einäscherung des Pfarrhauses und angeblich des ganzen Kirchspiels; 1474 und 1476 gab es weitere Brände. Vermutlich wurde der Turm erst nach diesen Vorkommnissen fertiggestellt. Der Guss der Glocke St. Anna und die Versetzung der Mensa des Hochaltars im Jahr 1489 dürften als terminus ante quem für den Abschluss des Turmbaus anzusehen sein.Christian Wöbcken, Gerold von Ohlen, Die St.-Johannes-Kirche in Bad Zwischenahn, Bad Zwischenahn 2005, S. 12.

Im Turm wurden neben Backsteinen auch Findlinge vermauert. Er hat treppenförmige gotische Giebel mit spitzbogigen Blendnischen, vergleichbar denen des wenig älteren östlichen Chorgiebels der Kirche. Auf der Turmrückseite befinden sich rundbogige Blendnischen und auf der Marktplatzseite kreisförmige Blendfelder und rundbogige Schallöffnungen, die offenbar auf das weitgehend romanische Äußere der Kirche abgestimmt wurden.

Der Glockenturm steht etwas versetzt zur Achse des eigentlichen Kirchenbaus, was vermutlich durch die einstige Bebauung des umliegenden Geländes bedingt war. Bis 1955 war Meyers Hotel unmittelbar an den Turm angebaut und bis 1960 befand sich auch links des Friedhofseingangs Wohnbebauung, so dass der Turm den Abschluss einer Gasse bildete.

Um 1900 wurden schmiedeeiserne Gitter für den Durchgang des Turmes angefertigt.

Geläute Von den ursprünglichen Glocken ist die St. Anna (es′) aus dem Jahr 1489 erhalten. Zwei weitere Glocken wurden in den beiden Weltkriegen eingeschmolzen und 1956 durch Gussstahlglocken (e′ und g′) ersetzt. St. Anna stammt wahrscheinlich von Herman to der Gans, einem Schüler von Ghert Klinge. Sie wiegt 1650 kg, hat einen Durchmesser von 134 cm und trägt neben Reliefs der Maria mit dem Jesuskind und einer Kreuzigungsszene die Inschrift anno domini MCCCCLXXXIX in godes ere bin ick laten gheten anna bin ick ghehete. Die beiden jüngeren Bronzeglocken wurden im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen und in den Jahren 1921 und 1922 ersetzt, woraufhin 1942 auch diese Ersatzglocken wieder abgeliefert werden mussten und eingeschmolzen wurden. Die 1956 angeschafften Gussstahlglocken sind weithin zu hören. Die größere hat bei einem Gewicht von 977 kg einen Durchmesser von 135 cm, klingt in e und trägt außer einem Kreuzrelief die Aufschrift O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort - 1956. Die kleinere Glocke von 1956, die in g klingt, trägt das Christusmonogramm und die Inschrift Lasset euch versöhnen mit Gott. Sie hat einen Durchmesser von 111 cm.Christian Wöbcken, Gerold von Ohlen, Die St.-Johannes-Kirche in Bad Zwischenahn, Bad Zwischenahn 2005, S. 14 f.

Innenraum miniatur|Empore, Altar mit Fresko und barocke Kanzel Die romanisch-gotische Kirche besitzt eine barocke Kanzel, eine klassizistische Orgel und einen prächtigen gotischen Flügelaltar. Die Emporen wurden ab 1662 eingebaut und ab 1745 durch den Lehrer Dierk Krüger aus Elmendorf bemalt. Die Bilder sind im Original erhalten und zeigen Szenen aus dem Alten und Neuen Testament. Zum Teil sind die Bibelstellen über den Bildern angegeben, darunter die Namen der Stifter, die auf der Empore ihren Kirchensitz hatten. – Empore.

Der Taufstein aus Sandstein wurde dem Original aus dem 15. Jahrhundert (heute im Landesmuseum Oldenburg) nachempfunden und 1984 von einer Bad Zwischenahner Familie gestiftet.

Die Piscina in der Ostwand des Chores diente einst zum Auswaschen der Messkelche; der Abfluss führte unter das Fundament der Kirche, das auf dem Blut Christi stehen sollte. Heute ist die Nische mit einer Tür verschlossen und beherbergt Tauf- und Altargerät, darunter eine Oblatendose aus dem Jahr 1714 und eine Weinkanne aus dem Jahr 1842, die zum Andenken an den Oberamtmann Erdmann gestiftet wurde.

In der Nähe der Piscina befindet sich ein mittelalterlicher Wandschrank mit zwei Türen und auffallender Schließvorrichtung, in dem einst Altarzubehör aufbewahrt wurde. Eine Kasel aus der Zeit um 1512 und mehrere Weihrauchgefäße, die 1860 in diesem Schrank gefunden wurden, wurden ins Oldenburger Museum überführt. Ein mittelalterliches Velum und ein Altarlaken aus dem 14. Jahrhundert verblieben in der Kirche. Das Laken ist zusammen mit einem Krankenabendmahlskelch von 1761 in einer Vitrine hinter dem Altar ausgestellt. Zwei von drei Altarleuchtern aus dem Jahr 1512 sind ebenfalls erhalten geblieben; heute werden jedoch moderne Altartependien verwendet. Auch der Opferstock der Kirche stammt aus dem späten Mittelalter.Christian Wöbcken und Gerold von Ohlen, Die St.-Johannes-Kirche in Bad Zwischenahn, Bad Zwischenahn 2005, S. 38 f.

Im unteren Turmraum befindet sich seit 1920 eine Tafel mit den Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen Gemeindemitglieder. Die einstige Taufkapelle wird als Raum der Stille genutzt, der obere Turmraum als Gruppenraum etwa zur Vorbereitung von Gottesdiensten und Konzerten. Dieser Raum hinter der Orgel besitzt ein modernes Glasfenster mit der Darstellung Johannes des Täufers.Christian Wöbcken und Gerold von Ohlen, Die St.-Johannes-Kirche in Bad Zwischenahn, Bad Zwischenahn 2005, S. 56 f.

Orgel mini|Kleuker-Orgel hinter historischem Prospekt (1831)