mini|Das „neue“ Bringhausen

Bringhausen ist ein Dorf und Ortsbezirk der Gemeinde Edertal im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg.

Geographie Das Dorf liegt am Südufer des Edersees. Es entstand in den Jahren 1913 bis 1914, als nach dem Bau der Edertalsperre die alte und tiefer im Tal der Eder gelegene Dorfstelle aufgegeben werden musste. Bringhausen liegt südwestlich von Kassel und nordwestlich von Bad Wildungen am Nordrand des Nationalparks Kellerwald-Edersee und am Südufer des Edersees. Wie das etwas weiter westliche Asel-Süd am gegenüberliegenden Seeufer befindet sich Bringhausen verkehrstechnisch in einer Sackgasse: es kann nur aus Richtung Osten bzw. von der Staumauer her und damit über Hemfurth-Edersee erreicht werden, denn durch den nördlichen, kaum erschlossenen Teil des Kellerwalds führen nur wenige Straßen.

Bringhausen liegt an der sogenannten „Bringhauser Bucht“, in der sich die Liebesinsel befindet, Standort der ehemaligen Burg Bring.

Geschichte mini|Die Liebesinsel bei Bringhausen bei extremem Edersee-Niedrigwasser im Oktober 2008; im Vordergrund Steinreste von Altbringhausen mini|Das Innere der ev. Kirche von Bringhausen im Jahr 1905. Die Kirche wurde 1914 transloziert. bei regiowiki.hna.de

Burg Bring

Auf der Liebesinsel im Edersee befinden sich die Reste einer kleinen Burg. Das genaue Entstehungsdatum der 1196 erstmals erwähnten Burg ist nicht bekannt. Im 15. Jahrhundert war sie im Besitz der Waldecker Grafen. Auch ist nicht bekannt, wann die Burg aufgegeben oder eventuell zerstört wurde und danach verfiel. Im 19. Jahrhundert war sie bereits eine Ruine mit wenigen Mauerresten; diese liegen heute im Edersee und sind nur bei niedrigem Wasserstand sichtbar.

Ortsgeschichte Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Bringhausen erfolgte im Jahr 1196 unter dem Namen Brinighusen in einer Mainzer Urkunde. Weitere Erwähnungen erfolgten unter den Ortsnamen (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Bruninchusen (1206), Brunichusen (1268) und Bringhausen (1733).

Umsiedlung

Als zwischen 1908 und 1914 etwa vier Kilometer Luftlinie östlich des damaligen Dorfes Bringhausen die Edertalsperre gebaut wurde, war das Ende der Siedlung abzusehen. Die Dorfbewohner siedelten sich auf einem Berghang südlich des alten Ortes an.

Neben Bringhausen wurden auch die ursprünglich im Tal der Eder liegenden Dörfer Asel und Berich sowie drei Einzelgehöfte umgesiedelt. Die ehemaligen Bewohner von Asel wurden am höher gelegenen Südufer (Asel-Süd) bzw. auf einem Berg nördlich des entstehenden Edersees (das heutige Asel) angesiedelt; Neu-Berich liegt 22 km (Luftlinie) weiter nördlich.

Ähnlich wie in Asel gab es auch bei Bringhausen eine Brücke über die Eder, über die man nach Scheid gelangen konnte. Als der Bau der Staumauer beendet war, verschwand auch diese erst 1897 erbaute Brücke im Wasser des Sees. Bei Niedrigstand kommen ihre Reste zum Vorschein.

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Die bis dahin selbständige Gemeinde Bringhausen fusionierte zum 31. Dezember 1971 im Zuge der Gebietsreform in Hessen mit anderen Gemeinden des Edertales freiwillig zur Großgemeinde Edertal. Für Bringhausen, wie für alle ehemaligen Gemeinden von Edertal, wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Bringhausen angehört(e):

vor 1356: Heiliges Römisches Reich, Herrschaft Itter 1356–1590: Heiliges Römisches Reich, Landesherrschaft strittig zwischen Landgrafschaft Hessen, Kurmainz und Grafschaft Waldeck, Herrschaft Itter ab 1590: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Waldeck, Amt Waldeck vor 1712: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Waldeck, Amt Waldeck ab 1712: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Waldeck, Amt Waldeck ab 1807: Fürstentum Waldeck, Amt Waldeck ab 1815: Fürstentum Waldeck, Oberamt der Eder ab 1816: Fürstentum Waldeck, Oberjustizamt der Eder ab 1850: Fürstentum Waldeck-Pyrmont (seit 1849), Kreis der EderTrennung zwischen Justiz (Kreisgericht Wildungen) und Verwaltung. ab 1867: Fürstentum Waldeck-Pyrmont (Akzessionsvertrag mit Preußen), Kreis der Eder ab 1871: Deutsches Reich, Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Kreis der Eder ab 1919: Deutsches Reich, Freistaat Waldeck-Pyrmont, Kreis der Eder ab 1929: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis der Eder ab 1942: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck, Gemeinde Edertal ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg, Gemeinde Edertal

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Bringhausen 189 Einwohner. Darunter waren 3 (1,6 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 18 Einwohner unter 18 Jahren, 54 zwischen 18 und 49, 48 zwischen 50 und 64 und 66 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 141 Haushalten. Davon waren 63 Singlehaushalte, 57 Paare ohne Kinder und 18 Paare mit Kindern, sowie 6 Alleinerziehende und keine Wohngemeinschaften. In 54 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 59 Haushaltungen leben keine Senioren.

Einwohnerentwicklung

 Quelle: Historisches Ortslexikon 1620: 33 Häuser 1650: 18 Häuser 1738: 34 Häuser 1770: 41 Häuser, 243 Einwohner

Historische Religionszugehörigkeit 1895: 431 evangelische (= 100 %) Einwohner 1961: 133 evangelische (= 89,26 %), sechs katholische(= 4,03 %) Einwohner

Sehenswürdigkeiten Bauwerke

Mehrere Gebäude im Dorf wurden aus Alt-Bringhausen umgezogen und wieder aufgebaut. Auch die Kirche wurde umgezogen, wobei sie verkleinert wieder aufgebaut wurde. In der Fünfseenblickstraße befindet sich ein Denkmal für die Gründerfamilien des neuen Ortes.

Umgebung Liebesinsel, mit Resten der ehemaligen Burg Bring Bringhauser Ederbrücke (nur bei Niedrigwasser) Nationalpark Kellerwald-Edersee, ein Wanderparkplatz befindet sich oberhalb des Dorfes. Edersee mit Edertalsperre

Infrastruktur Wegen der Lage direkt am Edersee und im Nationalpark Kellerwald-Edersee ist die Wirtschaft des Orts stark vom Tourismus geprägt. Im Ort gibt es drei große Campingplätze und zahlreiche Ferienhäuser sowie Ferienwohnungen. Es gibt Bootsverleihe und eine Surfschule sowie zahlreiche Wanderwege. Der Ort hat eine Anlegestelle der Ederseeschifffahrt.

Persönlichkeiten Alfred Gutknecht (1888–1946), deutscher Offizier, zuletzt Generalmajor der Wehrmacht; verübte in Bringhausen Selbstmord. Christian Drebes (1828–1900), deutscher Gutsbesitzer und Politiker

Literatur Bau- und Kunstdenkmäler Kassel N.F. 4, S. 175–178. Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen. 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 3. Auflage. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-228-6, S. 111. Heinrich Münch: Ortssippenbuch Bringhausen. Arolsen: Waldeckischer Geschichtsverein 1987 (= Waldeckische Ortssippenbücher 30); Bearbeiteter Zeitraum 1714–1971, 1104 Familien

Weblinks

Bringhausen In: Webauftritt der Gemeinde Edertal.

Wenn die verlorenen Dörfer auftauchen (Drei Videos vom Edersee-Atlantis), HNA, 5. September 2016, abgerufen am 9. November 2016

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Waldeck-Frankenberg Kategorie:Geographie (Edertal) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Waldeck-Frankenberg) Kategorie:Gemeindeauflösung 1971 Kategorie:Ersterwähnung 1196