mini|hochkant=1.5| mini|Schauglockenstuhl im Glockenmuseum der Firma Grassmayr in Innsbruck Die Grassmayr Glockengießerei GmbH ist eine seit mehr als 400 Jahren bestehende Glockengießerei mit Unternehmenssitz in Innsbruck. Der Familienbetrieb wurde einst von Bartlmä Grassmayr im Hof seines Vaters, dem Heidenhaus in Habichen, einem Weiler in der Gemeinde Oetz, gegründet. Seit dem 20. Jahrhundert gehört das Unternehmen zu den größten Herstellern weltweit und lieferte bisher Glocken in rund 100 Länder.

Geschichte mini|Heidenhaus in Habichen – Hier goss Bartlmä Grassmayr seine erste Glocke. Standort Habichen Bartlmä Grassmayr, Sohn einer Hafengießereifamilie, legte 1599 im Heidenhaus in Habichen mit dem Guss seiner ersten Glocken den Grundstein für das Traditionsunternehmen Grassmayr. Sie ist die wahrscheinlich erste Glockengießerei Tirols. Am 29. März 1595 hatte sein Vater, Hans Grassmayr, das Heidenhaus vom Lärchenhof in Tumpen erworben und zunächst für den Guss von Häfen (Ausdruck für Glockenspeistöpfe, also Vorläufer der heutigen Kochtöpfe) benutzt, genau genommen hinter dem Haus „in der alten Stampfen“. Als Bartlmä nach einer achtjährigen Wanderschaft wieder nach Habichen zurückkehrte, goss er 1599 seine erste Glocke. Er fertigte sein erstes Geläut für seinen Heimatweiler Habichen an und war darauf stolz. Während seiner Wanderschaft hatte er die Glockenkunst beim Aachener Glockengießer Joan von Teer erlernt. Damit wurde Bartlmäs Beruf zur Berufung. „SOLI DEO GLORIA – An Gottes Segen ist alles gelegen“, lauteten die ersten Worte in seinem Wanderbuch.

Am 16. Mai 1601 wurde Bartlmäs Sohn Johann Grassmayr († 4. April 1683 in Wilten) geboren. Dieser führte Jahre später das Unternehmen weiter. Er absolvierte die Glockengießerlehre bei seinem Onkel Jakob Veit Grassmayr in Feldkirch und erwarb umfassendes Wissen bei einigen Jahren als wandernder Glockengießer.

Johann Grassmayr ließ 1633 das Habicher Heidenhaus mit Fresken ausgestalten. Das Gebäude diente bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts stetig zum Glocken- und Metallguss. Infolge des Umzugs nach Innsbruck wurde es als Gießort aufgegeben.

Standort Innsbruck Mit der Verbesserung der Verkehrssysteme verlegte die Ötztaler Firma 1836 ihren Firmensitz nach Innsbruck-Wilten in den Ansitz Straßfried, wo die Gießerei seitdem besteht. Bald eröffnete Grassmayr weitere Betriebe in Feldkirch und Brixen; letztere entwickelte sich schnell zur größten Glockengießerei der österreichisch-ungarischen Monarchie.

Um eine ausgesprochen hohe Qualität einer Glocke zu erreichen, müssen alle in der Glocke entstehenden Töne miteinander harmonieren. In Österreich ist das Unternehmen Marktführer und belieferte bereits über 100 Länder mit Glocken. Die kleinste Glocke hat einen Durchmesser von 4 cm, die größte von rund 335 cm. Die heutigen Öfen fassen ein Gesamtvermögen von 37 Tonnen flüssige Glockenspeise. In der Gießhalle steht ein Brückenkran mit einem Haupthub für 20 Tonnen und einem Hilfshaken für 5 Tonnen zur Verfügung.Bild von Ende 2025 aus der Gießhalle Bis heute hütet das Management das Fachwissen und das Geheimnis jeder Glockenrippe, sie werden jeweils vom Eigentümer auf den Sohn oder die Tochter weitervererbt. Johannes Grassmayr (* 1963) führt im Jahr 2020 in der 14. Generation die Geschäfte.

Kernkonzepte und Grundsätze Glockenstühle, Glockencomputer, Läutemaschinen und Kirchturmuhren gehören zu den Hauptprodukten, ebenso wie die traditionsgemäßen Klöppelfänger. Diese sind vor allem in den europäischen Alpenländern üblich. Zur eigenen Herstellung kommen Wartung und Montage. Für die Restaurierung alter historischer Joche, Glockenstühle und Turmuhren unterhält das Unternehmen eigene Elektro-, Holz- und Modellwerkstätten.

Neben dem Glockenguss zählt auch der Kunstguss zum Angebot von Grassmayr. Bronzetafeln, Reliefs, Türgriffe, Grabverzierungen, Skulpturen und Spezialbronzerohre werden in Verbindung mit moderner Gusstechnik angefertigt.

Das Unternehmen betreibt aus der langjährigen Tradition heraus ein Glockenmuseum, das mit dem Österreichischen Museumspreis ausgezeichnet wurde.

Bedeutende Glocken Liste von Glocken (sortiert nach Gewicht)

Land/Stadt/Ort Name der Glocke Gussjahr Nominal Durchmesser GewichtBemerkungen/Inschriften Rumänien – Bukarest Andreasglocke 2016 c0 335,5 cm 25.190 kg Die Glocke für die Kathedrale der Erlösung des Volkes, die im November 2016 gegossen wurde, ist mit 3,3 Metern Höhe die größte der Kathedrale. Zugleich hat sie die Petersglocke des Kölner Domes als größte freischwingende Kirchenglocke der Welt abgelöst. Israel – Berg Tabor Taborglocke 2012 d0 287,1 cm 15.684 kg Die Glocke wurde in der neu entwickelten Rippe „Grassmayr-Mozart“ gegossen. Die Schlagringstärke liegt bei 22 cm (vgl. Pummerin: 21 Tonnen, 314 cm Durchmesser und 23 cm Schlagringstärke). Sie wurde per Schiff von Triest über die Adria nach Israel geliefert. Auf Wunsch des Klosters wird die Glocke an einem gekröpften Joch und mit einem Fallklöppel geläutet.Größte Grassmayr-Glocke mit 15 Tonnen gegossen D – Magdeburg – DomCredamus2025d0293,7 cm15.020 kg A – Mösern(Neue) Friedensglocke2023f0254 cmca. 10 500 kgErsatz für die Glocke von 1997, welche eingeschmolzen wurde. Die jetzige Glocke wurde etwa 300 m neben dem Standort der von 1997 aufgehängt A – Mösern Friedensglocke des Alpenraumes 1997 es0 254,0 cm 10.080 kg Sie galt als Symbol des Friedens und des Zusammenhaltes im Alpenraum und wurde anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Arbeitsgemeinschaft Alpenländer (ARGE ALP) gegossen.Friedensglocke Mösern Sie hing im Freien oberhalb von Mösern. Mit einem Gewicht von 10.180 kg galt sie als größte Glocke Nordtirols, jedoch nicht als größte in einem Turm schwingende. Aufgrund der von Grassmayr damals gewählten Rippe (die sogenannte Grassmayr-Rippe, womöglich eine abgeänderte Form der Kurtz-Rippe des Glockengießers Kurtz aus Stuttgart), aufgespaltener Teiltöne durch einen Fehler der Gussform (Abweichung von der Rotationssymmetrie), und der untypischen Aufhängung im Freien erzeugte die Glocke einen sehr blechernen, jaulenden und klirrenden Klang. Unter Campanologen wurde sie deshalb auch als Friedensglocke des Alptraumes bezeichnet. Vor wenigen Jahren wurde ein Haarriss an der Klöppelanschlagsstelle entdeckt, woraufhin eine etwa 45°-Drehung der Glocke erfolgte.