Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten wurden 1933 Gauwirtschaftsberater berufen, die die Gauleiter in wirtschaftlichen Fragen beraten sollten. Die Gauwirtschaftsberater waren vornehmlich für die Belange mittelständischer Unternehmen zuständig, ohne sich als deren Interessenvertretung zu verstehen.Kratzsch: Der Gauwirtschaftsapparat der NSDAP. 1989, S. 501. An der „Arisierung“ waren die Gauwirtschaftsberater durch die Ausschaltung von Juden aus der mittelständischen Wirtschaft beteiligt.

Organisation Auf Reichsebene beschäftigten sich ab 1930 mehrere Dienststellen der NSDAP mit wirtschaftlichen Fragen.Kratzsch: Der Gauwirtschaftsapparat der NSDAP. 1989, S. 14ff., 25. In der Reichsleitung bestand eine Wirtschaftspolitische Abteilung, die ab 1931 von Otto Wagener geleitet wurde. Kurz nach seiner Berufung forderte Wagener die Gaue auf, jeweils ehrenamtliche wirtschaftspolitische Referenten in Abstimmung mit seiner Abteilung zu benennen. Kurz darauf wandelte sich die Bezeichnung zu Gauwirtschaftsreferenten und dann zu Gauwirtschaftsberater. Diese sollten um sich einen Gauwirtschaftsrat aus sogenannten Bezirksfachberatern berufen und leiten, der der Wirtschaftspolitischen Abteilung unterstand. Die Gauwirtschaftsberater waren darüber hinaus aufgefordert, auf der untergeordneten Ebene der NSDAP-Kreise Kreiswirtschaftsberater zu einzusetzen.

In einigen NS-Gauen hatten die Gauleiter bereits früher Gauwirtschaftsberater berufen, so in Hamburg bereits 1929 Fritz Meyer, der als „Gauberater der NSDAP für Wirtschaftsfragen“ bezeichnetErich Stockhorst: 5000 Köpfe. Wer war was im 3. Reich. 2. Auflage. Arndt, Kiel 2000, ISBN 3-88741-116-1, S. 293. und 1933 von Gustav Schlotterer abgelöst wurde. Auch Georg Lenk, ab 1933 Wirtschaftsminister von Sachsen, war nach unterschiedlichen Angaben seit 1930, 1931 oder 1932 Gauwirtschaftsberater.Thomas Grosche: Georg Lenk. Wirtschaftsminister Sachsens. In: Christine Pieper, Mike Schmeitzner, Gerhard Naser (Hrsg.): Braune Karrieren. Dresdner Täter und Akteure im Nationalsozialismus. Sandstein, Dresden 2012, ISBN 978-3-942422-85-7, S. 180–186, hier S. 181.

Nach dem Ausschluss des Reichsorganisationsleiters Gregor Strasser im Dezember 1932 entstand die Politische Zentralkommission unter Rudolf Heß. Eine ihrer drei Abteilungen war die Kommission für Wirtschaftspolitik, deren Leitung Bernhard Köhler übertragen wurde. Im Verlauf des Jahres 1933 entstand ein Organisationsstrang, bestehend aus der Kommission für Wirtschaftspolitik auf Reichsebene, ehrenamtlichen Gauwirtschaftsberatern (GWB) als Mittelinstanz und ehrenamtlichen Kreiswirtschaftsberatern (KWB) als untere Instanz. Die Gauwirtschaftsberater wurden von den Gauleitern berufen und unterstanden ihnen politisch und disziplinär; sachlich war die Kommission für Wirtschaftspolitik den Gauwirtschaftsberatern vorgesetzt. Damit existierte, wie in vielen anderen Fällen auch, eine Doppelstruktur der gleichzeitigen Unterordnung unter die Gaue und die NSDAP-Zentrale. Im Gau Westfalen-Süd entstand diese Struktur im Frühjahr 1933; der bisherige Gauwirtschaftsrat entfiel. Die Kommission für Wirtschaftspolitik wurde im Juli 1939 nach dem Tod Köhlers aufgelöst und ihre Aufgaben als Gruppe III B (Wirtschaft und Soziales) in den Stab des Stellvertreters des Führers, ab 1941 als Parteikanzlei bezeichnet, überführt. Innerhalb der Gruppe III B bestand die Untergruppe 4 für Gauwirtschaftsberater. Nach der Ablösung Otto Wageners wurde die Kommission für Wirtschaftspolitik im Juli 1933 dem Fabrikanten Wilhelm Keppler sachlich unterstellt. Ab August 1933 leitete Keppler, der Hitler bereits vor 1933 beraten hatte, als „Beauftragter des Führers für Wirtschaftsfragen“ eine weitere Dienststelle, die der Reichskanzlei zugeordnet war. Keppler nahm regelmäßig an Tagungen der Gauwirtschaftsberater teil.

Den Gauwirtschaftsberatern waren jeweils zwei bis sechs hauptamtliche, von der Partei oder auch extern bezahlte Mitarbeiter zugeordnet. Vereinzelt blieben die Gauwirtschaftsberater auch gänzlich ohne Mitarbeiter.

Mit der Großindustrie hatten die Gauwirtschaftsberater wenig Berührungspunkte, da diese vor allem mit der Vierjahresplanbehörde verhandelte.

Personen Die Gauwirtschaftsberater waren vielfach junge, ideologisierte, ehrgeizige und aufstiegsorientierte kaufmännische Angestellte und mittlere Beamte,Bajohr: „Arisierung“ in Hamburg. 1997, S. 174. einige von ihnen waren promovierte Juristen, Ökonomen oder Naturwissenschaftler bzw. Ingenieure.

Nach der Machtübernahme durch die NSDAP gelang vielen Gauwirtschaftsberatern ein zum Teil erheblicher finanzieller und gesellschaftlicher Aufstieg. Im Jahr 1934 waren 41 Prozent von ihnen hauptamtlich in öffentlich-rechtlichen Körperschaften oder Behörden angestellt, häufig in einer Gewerbekammer, 14 Prozent erhielten Vorstandsposten in größeren Unternehmens oder gründeten ein solches und sieben Prozent besetzten hauptamtliche Parteiposten. 44,1 Prozent standen zu diesem Zeitpunkt ehrenamtlich einer Kammer vor oder gehörten deren Vorstand an und 23,5 Prozent hatten ein Reichstags- oder Landtagsmandat inne.

Personelle Wechsel in dieser Funktion erfolgten vor allem in der Frühphase von 1932 bis 1933. Für diese Zeit sind 32 Amtswechsel nachgewiesen. Von den Mitte 1931 bekannten Gauwirtschaftsberatern waren 1934 noch fünf im Amt. Auf ideologischer Ebene dürfte dies vor allem auf das schnelle Abgehen der NSDAP von älteren nationalrevolutionären Vorstellungen und einem Ständestaat zurückzuführen sein. Von 1934 bis 1940 folgten 24 Amtswechsel. Von 1941 bis 1943 kamen weitere 15 Wechsel hinzu, wohl vor allem wegen Einberufungen zum Kriegsdienst und des Verbots der Ämteranhäufung durch die NSDAP-Zentrale. Vier Gauwirtschaftsberater waren durchgängig von 1931 bis 1945 im Amt.

86 Prozent der Gauwirtschaftsberater waren bereits vor der „Machtergreifung“ NSDAP-Mitglieder geworden, rund ein Viertel vor 1929. Ihr Altersdurchschnitt lag etwas unter dem typischer Führungspersonen in Unternehmen. Mehr als 90 % von ihnen waren Angehörige der Ober- und Mittelschicht, während in der gesamten NSDAP rund 35 % der Mitglieder der Unterschicht angehörten.

Die folgende Zusammenstellung enthält Angaben verschiedener Quellen.vor allem aus der Tabelle in Kratzsch: Das wirtschaftspolitische Gauamt. 2007, S. 232f; sowie Stockhorst: 5000 Köpfe: Wer war was im 3. Reich. 2000.