mini|Luftbild des Kastells Ruffenhofen aus Richtung Nordosten (2026) Das Kastell Ruffenhofen ist ein römisches Militärlager, das am Raetischen Limes, der ebenso wie das Kastell selbst Teil des zum UNESCO-Weltkulturerbe erhobenen Obergermanisch-Raetischen Limes ist, errichtet wurde. Die nicht ergrabenen Baureste befinden sich heute unter den Fluren der Gemeinde Wittelshofen im Landkreis Ansbach in Bayern, rund 800 Meter südöstlich der Ortschaft Ruffenhofen, die selbst zum Markt Weiltingen gehört.

Lage mini|Luftbild der Anlage mit den Bepflanzungen im Oktober 2008 Die ehemalige Garnison befindet sich in hügeliger Landschaft rund 30 bis 35 Meter über der nach Nordosten fließenden Wörnitz auf einer schwach ausgeprägten, nordwestlich orientierten Geländezunge,C. Sebastian Sommer: Zur Besatzung des Kastells Ruffenhofen. In: Andreas Thiel (Hrsg.): Forschungen zur Funktion des Limes. Band 2. (= 3. Fachkolloquium der Deutschen Limeskommission 17./18. Februar 2005 in Weißenburg i. Bay.) Theiss, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8062-2117-6, S. 123–131; hier: S. 123. die sanft ins Flusstal abfällt. In Sichtweite, etwa 1,5 Kilometer nördlich, knickt die Wörnitz fast rechtwinklig scharf Richtung Südosten ab. An dieser Stelle stößt auch die aus dem „freien“ Germanien herabfließende Sulzach von Nordwesten kommend auf den Fluss und der die Landschaft überragende west-östlich orientierte Hesselberg steigt am nördlichen Ufer der Wörnitz steil auf. Im Rücken der Befestigung wird die Fernsicht durch die Hügellandschaft verbaut. Am Nordhang der vom Kastell besetzten Geländezunge fließt der Denzenbach vorbei ins Flusstal; er war für die Wasserversorgung des Kastells wichtig.

Die Anlage wurde an einem militärisch günstigen Ort zur Beobachtung der rund 2,2 Kilometer entfernten Grenzanlagen errichtet. Von hier aus konnte ein ausgedehnter Abschnitt des Limes zwischen den Wachtürmen Wp 13/8 im „Weiltinger Forst“ bis Wp 13/25 nahe dem heutigen Weiler Grüb im Auge behalten werden. So konnte unter anderem die Flussquerung der Grenzanlagen im Südwesten bei Wp 13/12 eingesehen werden und der anschließende Limesverlauf Richtung Nordosten auf den Höhen des gegenüberliegenden Wörnitzufers war deutlich sichtbar. Für die weitere Fernverbindung nahm die Forschung eine Signalstation auf dem Hesselberg an.Günter Ulbert, Thomas Fischer: Der Limes in Bayern. Theiss, Stuttgart 1983, ISBN 3-8062-0351-2, S. 63; Fischer auch in: Die Römer in Bayern, Theiss, Stuttgart 1995, ISBN 3-8062-1058-6, S. 509; Dietwulf Baatz: Der römische Limes. Archäologische Ausflüge zwischen Rhein und Donau. Mann, Berlin 1993, ISBN 3-7861-1701-2, S. 269. Bisher wurden an dessen angrenzenden Fluren aber auf dem Berg selber nur römische Fundmünzen aufgefunden.Hans-Jörg Kellner: Die Fundmünzen der römischen Zeit in Deutschland. Abteilung 1, Band 5, Mittelfranken, Mann, Berlin 1965, S. 33, 34. Inzwischen geht die Forschung davon aus, dass der Hesselberg von den Römern nicht genutzt wurde und der Signalweg direkt über den Limes verlief.Roland Link: Geophysik und Geoinformatik klären offene Fragen zu Kastell und vicus von Ruffenhofen. In: Limites et Ripae I. Forschungen zu den Grenzen des Römischen Reiches in Deutschland. Theiss, Darmstadt 2023, ISBN 978-3-8062-4803-6, S. 35f.

Forschungsgeschichte Aus dem Jahr 1868 sind erste Grabungen bekannt. Im September und Oktober 1892 fanden ausgedehnte Untersuchungen der Reichs-Limeskommission (RLK) unter dem Streckenkommissar Wilhelm Kohl (1848–1898) an der durch Landwirtschaft und Steinraub bereits stark zersetzten Anlage statt. 1917 folgte eine Notgrabung im Lagerdorf. Erst die regelmäßigen Luftbildüberfliegungen seit 1977, Magnetfeldmessungen ab 1998 und die 2004 hier erstmals vorgenommene Erdwiderstandsmessung konnten den Grabungsbefund der RLK deutlich ergänzen. Eine moderne umfangreiche grabungstechnische Befundaufnahme der Anlage hat aber seit 1892 nicht mehr stattgefunden, so dass viele Fragen unter anderem zu Datierungen spekulativ bleiben. Daher gehört Ruffenhofen neben dem Kastell Oberhochstatt zu den am wenigsten erforschten Fortifikationen des Raetischen Limes,Thomas Fischer, Erika Riedmeier Fischer: Der römische Limes in Bayern. Pustet, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7917-2120-0, S. 85. was auch die 2005 vorgenommenen kleineren Sondierungen an der Kastellmauer – die ersten seit 1892 – und den vier Gräben nicht geändert haben.

Seit 2002 kaufte das Amt für Ländliche Entwicklung Ansbach bisherige landwirtschaftliche Flächen auf, unter denen das Kastell liegt. Noch bis 2003 unter Acker, wurde der größte Teil der Befestigung zur Förderung des Tourismus in den umliegenden Gemeinden als „Römerpark Ruffenhofen“ deklariert, wie dies der 2001 gegründete örtliche Zweckverband „Römerkastell Ruffenhofen“ beschlossen hatte. Auf dem Boden über den Fundamenten wurde Rasen angesät. Verschiedenfarbige Rabatten, Schnitthecken sowie die Wegführung deuten in parkähnlicher Atmosphäre bekannte Strukturen und Gebäude des Kastells an. Ein neu angeschütteter Hügel bietet freien Blick auf den Park. Am Fuß dieses Hügels befindet sich ein Modell, das im Maßstab 1:10 einen möglichen Zustand der Anlage während der Antike wiedergibt.

Baugeschichte mini|Idealtypischer Rekonstruktionsversuch auf Basis geophysikalischer Erkenntnisse. Archäologische Ausgrabungen wurden an dem Platz bisher nur sehr selektiv vorgenommen. Die Forschung geht davon aus, dass ein wissenschaftlich nicht nachgewiesenes Holz-Erde-Kastell schon Anfang des 2. Jahrhunderts in den Regierungsjahren Kaiser Trajans (98–117) errichtet worden ist. Die Anlage würde damit, nach den östlich gelegenen Lagern Unterschwaningen, Gnotzheim und Weißenburg, in die zweite Kastellausbauphase des nördlich vor dem Fränkischen Jura liegenden Grenzverteidigungssystems gehören.

Das fast quadratische, nach Messungen der Reichs-Limeskommission 190 × 197 Meter (=  3,76 Hektar). nach Forschungen des Geophysikers und Archäologen Helmut Becker 187 × 194 Meter (= 3,63 Hektar)C. Sebastian Sommer: Zur Besatzung des Kastells Ruffenhofen. In: Andreas Thiel (Hrsg.): Forschungen zur Funktion des Limes. Band 2. (= 3. Fachkolloquium der Deutschen Limeskommission 17./18. Februar 2005 in Weißenburg i. Bay.) Theiss, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8062-2117-6, S. 123–131; hier: S. 125. große Steinkastell Ruffenhofen zeichnet sich durch seine Fläche als wichtigste Anlage zwischen dem Alenkastell Aalen und dem Alenkastell Weißenburg aus. Die Geometer richteten die Prätorialfront, die dem Feind zugewandte Seite eines Kastells, Richtung Nordosten zum Hesselberg hin aus. Dort befand sich eine Straße.Claus-Michael Hüssen: Neue Forschungsergebnisse zu Truppenlagern und ländlichen Siedlungen an der Donau und im raetischen Limesgebiet. In: Limes XVIII. Proceedings of the XVIIIth International Congress of Roman Frontier Studies held in Amman, Jordan (September 2000). BAR, Oxford 2002, S. 535–548; hier S. 539. Die einer Erdrampe vorgelagerte, rund 1,25 Meter breite Umwehrung der Anlage war an den vier Ecken abgerundet und besaß dort jeweils einen Eckturm.

Wie bei der Sondierung 2005 festgestellt werden konnte, bestanden die Wehrmauern aus Sandsteinquadern, welche von verschiedenen örtlichen Steinbrüchen stammten. Das Mauerfundament war auf Steinen verschiedenster Art begründet. Da sich auf diesen Steinen Mörtelreste fanden, geht man davon aus, dass hier eine Wiederverwendung vorliegt. An der Nordostmauer befanden sich zwei Zwischentürme rechts und links der Porta praetoria, an der südöstlichen Wehrmauer hingegen nur einer im Bereich der Retentura. Spiegelgleich war der Befund an der Nordwestumwehrung. Nur die Rückfassade des Kastells scheint keine Zwischentürme besessen zu haben. Drei Tore der Anlage besaßen zweispurige Zufahrten mit jeweils zwei Tortürmen. Nur die rückwärtige Porta decumana war, dem angenommenen NormschemaAnne Johnson: Römische Kastelle. Deutsche Bearbeitung von Dietwulf Baatz. von Zabern, Mainz 1987, ISBN 3-8053-0868-X, S. 58. für Kastellbau entsprechend, mit nur einem Durchgang zwischen den beiden Tortürmen ausgestattet.

Als Annäherungshindernis wurde der Garnisonsort zunächst mit einem Doppelgraben gesichert. Der innerste, knapp 3 Meter tiefe Graben war nicht als Spitzgraben, sondern sehr flachwinklig angelegt worden, da sonst die Wehrmauer, die direkt vor diesem Graben lag, hätte abrutschen können. Erst später, womöglich im 3. Jahrhundert, wurden zwei weitere, jedoch nicht so tief reichende Gräben um das Kastell gelegt. Im äußersten Graben stießen die Ausgräber 2005 auf römerzeitliche lose Pferdeknochen, die ein fast komplettes Tier ergaben. Wahrscheinlich sind die Gebeine nach einer Mahlzeit oder als Schlachtabfälle während einer außergewöhnlichen Situation in den Graben gelangt. Zumindest größtenteils setzten diese Gräben wohl an den vier Zufahrten aus.

Die Principia, das Stabs- und Verwaltungsgebäude des Kastells, folgten ebenfalls dem bekannten Muster der Prinzipatszeit. Sie besaßen eine große Mehrzweckhalle, die mit ihrer Längsseite über der Via principalis lag, die das südöstliche mit dem nordwestlichen Tor verband. Hinter dieser Halle schloss sich der rechteckige Innenhof mit den im Karree umliegenden Diensträumen an. Im rückwärtigen, an der Via quintana liegenden Gebäuderiegel befand sich mittig das Fahnenheiligtum (Aedes). Insgesamt konnten bisher vier Steinbauten im Mittelstreifen des Lagers festgestellt werden. Die Wohnbaracken der Soldaten hingegen waren in Holzbauweise errichtet. Vier Doppelbaracken mit 2 × 12 Mannschaftsräumen sowie den dazugehörigen Kopfbauten, in denen der Centurio und eventuell noch weitere Offiziere/Unteroffiziere, aber auch Bedienstete wohnten,Anne Johnson: Römische Kastelle. Deutsche Bearbeitung von Dietwulf Baatz. von Zabern, Mainz 1987, ISBN 3-8053-0868-X, S. 188 ff. befanden sich in der nordöstlichen Praetentura. Eine Baracke wurde in der westlichen Retentura festgestellt. Vor der Porta principalis dextra lag am Eck der Via principalis zu der das Kastellinneren umlaufenden Via sagularis das einzige Gebäude, das die RLK erkannt hatte, das Horreum, der Speicherbau des Lagers. Insgesamt wurden geophysikalisch fünf Barackenkomplexe nachgewiesen. Bis heute ist jedoch unklar, wie viele Baracken insgesamt auf dem Kastellareal standen. Es könnten diese fünf, aber auch sechs, sieben oder gar maximal acht dieser Bauten bestanden haben. Für mehr hätte der Platz innerhalb der Umwehrung nicht gereicht.

Das Ende der Anlage kam wohl während der Mitte des 3. Jahrhunderts. Die letzte bisher bekannte Münze ist ein Antoninian von 244/247 n. Chr., der während der Regierungszeit des Kaisers Philippus Arabs (244–249) geprägt wurde.Hans Schönberger: Die römischen Truppenlager der frühen und mittleren Kaiserzeit zwischen Nordsee und Inn. In: Bericht der Römisch-Germanischen Kommission. 66, 1986, S. 1985, S. 321–497; hier: S. 471. Wie mithilfe des Cäsiummagnetometers festgestellt werden konnte, lassen sich im Kastellareal starke Magnetisierungen feststellen, die auf eine große Brandkatastrophe hinweisen. Der Brand verursachte einen extremen Kontrast innerhalb der Magnetisierungen. So war es in Ruffenhofen möglich, zwischen den als positive Anomalien erscheinenden Holzkonstruktionen und den beinahe nichtmagnetischen Steinbauten, die als negative Anomalien hervortraten, zu unterscheiden.Helmut Becker: From Magnetic Prospecting to Virtual Archaeology. In: Helmut Becker, Jörg Faßbinder: Magnetic prospecting in archaeological sites (= Monuments and Sites 6), ICOMOS, München 2001, ISBN 3-87490-675-2, S. 6–13; hier: S. 11.

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