Die Danton-Klasse war eine Klasse von Linienschiffen der französischen Marine zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie stellte einen Übergangstyp zwischen den Einheitslinienschiffen der Vor-Dreadnought-Ära und dem Dreadnought-Typ dar.

Konzeption und Entwurfsgeschichte Die Danton-Klasse war nach der Liberté-Klasse und der République-Klasse der zweite Versuch der französischen Marine, eine größere Anzahl Linienschiffe nach einem einheitlichen Entwurf zu bauen. Schon die beiden Vorgängerklassen waren ursprünglich als eine Klasse geplant gewesen. Auf Grund der langen Bauzeiten der französischen Werften wurde nach den ersten beiden Schiffen jedoch der Entwurf angepasst. Mit der Danton-Klasse gelang es, eine einheitliche Klasse von sechs Schiffen zu schaffen, allerdings wurden die Pläne mehrfach überarbeitet, das letzte Mal im Juni 1908, als bereits für fünf der sechs Schiffe der Kiel gelegt war.John Jordan. In: Warship 2013.

Beim Entwurf der Klasse ging die französische Marine davon aus, dass in einer Seeschlacht die Entscheidung bei Gefechtsentfernung zwischen 5 und 7 km fallen würde. Bei höheren Entfernungen wären nach französischen Vorstellungen die Trefferwahrscheinlichkeit und damit die Trefferhäufigkeit zu gering, als dass die stärkere Flotte ihre Überlegenheit zum Tragen bringen könnte.

Außerdem schloss die französische Marine aus der Seeschlacht bei Tsushima, dass das Schnellfeuer aus Geschützen mittlerer Kaliber (sogenannte Granathagel, frz. „la rafale“) schlachtentscheidend sei, da dieses die Aufbauten zerstören, Brände entfachen und so den Gegner außer Gefecht setzen würde. Die schwere Artillerie würde zwar gelegentlich entscheidende Glückstreffer landen, ihre eigentliche Aufgabe sei es aber, die gefechtsunfähigen Gegnerschiffe zu versenken. Nach diesen Vorstellungen musste die Mittelartillerie in der Lage sein, auf die übliche Gefechtsentfernung Panzerplatten mittlerer Stärke zu durchschlagen.

Aufbauend auf diese Überlegungen sah die Spezifikation des obersten Marinerates (frz. „conseil supérieur de la marine“) vom Mai 1905 ein 16.500-Tonnen-Schiff mit einer Bewaffnung von vier 30,5-cm-Geschützen und zwölf 19,4-cm-Geschützen, mit einem 3-Wellen-Antrieb mit Dreifach-Expansionsmaschinen für 18 Knoten und mit einem Panzerschutz wie der der République-Klasse, allerdings verbessertem Schutz gegen Torpedo­treffer, vor. Die Spezifikationen waren für die vorgesehene Größe zu ambitioniert. Weitere Vorschläge sahen Schiffe von 16.700 oder 17.000 Tonnen mit unterschiedlicher Anzahl an 19,4-cm- oder 24-cm-Geschützen vor. Eine geringere Wasserverdrängung oder eine stärkere Mittelartillerie ging dabei mit einem Verzicht auf den Unterwasserschutz einher.

Da die Schiffe gegenüber potentiellen Gegnern nicht schnell genug sein würden, um die Gefechtsentfernung zu bestimmen, musste mit Gefechtsentfernungen am oberen Rand des zuvor genannten Bereichs gerechnet werden, also um 7 km. Für diese Entfernung wurde das 19,4-cm-Geschütz der Vorgängerklasse als Mittelartillerie zu schwach angesehen, so dass die Wahl auf das Kaliber 24 cm fiel. Letztlich wurden eine Verdrängung von 18.000 Tonnen und zwölf 24-cm-Geschütze spezifiziert. 18.000 Tonnen wurden dabei vom Marineminister Gaston Thomson als Obergrenze festgelegt.

Auf Basis der zuvor geschilderten Überlegungen wurden die 24-cm-Geschütze als Hauptbewaffnung des Schiffes angesehen. Ähnliche Vorstellungen gab es um die Jahrhundertwende auch in der britischen Marine, wo teilweise die Mittelartillerien des Kalibers 15,2 cm als Hauptbewaffnung angesehen wurde.David K. Brown: Warrior to Dreadnought. Seaforth Publishing, Barnsley 2010 (Nachdruck 2014), ISBN 978-1-84832-086-4, S. 154. Der Erste Weltkrieg widerlegte diese Sichtweisen. Die französische Marine musste zu ihrem Erschrecken feststellen, dass bei den Falklandinseln das Feuer auf eine Entfernung eröffnet wurde, die 3 bis 4 km über der Reichweite französischer Schiffsgeschütze lag.John Spencer: Conduite de tir Part 2: 1900 to 1913. In: John Jordan, Stephan Dent (Hrsg.): Warship 2012. Conway, London 2011, ISBN 978-1-84486-156-9.

Der Bezeichnungsweise in der modernen Literatur folgend sind im Folgenden mit Hauptbewaffnung die kaliberstärksten Geschütze, also die mit Kaliber 30,5 cm, gemeint.

Weitere Diskussionen zwischen der Budgetkommission und der Konstruktionsabteilung (frz. „service techniques de construction naval“) drehten sich um die Geschwindigkeit des Entwurfs, führten aber zu keinem Ergebnis, so dass bis zum März 1906 dem technischen Komitee (frz. „comité technique“) zwei Entwürfe zur Auswertung vorgelegt wurden. Der Entwurf des Chefs der Konstruktionsabteilung Lhomme wurde im März 1906 akzeptiert, der Marinestab bestand jedoch auf Verbesserungen bzgl. Feuerleitung und Geschütztürmen mit dem Ziel, eine möglichst hohe Feuergeschwindigkeit zu erreichen.

In diesem Zusammenhang wurde vor dem Hintergrund der Entwicklung in anderen Marinen auch eine einheitliche Bewaffnung mit 30,5-cm-Geschützen diskutiert. Dabei wären die 24-cm-Doppeltürme durch 30,5-cm-Einzeltürme ersetzt worden. Dies hätte aber einen größeren Entwurf erfordert. Außerdem wäre das Gewicht einer Breitseite und voraussichtlich die Trefferfrequenz verringert worden. Das Kaliber 24 cm war auch deshalb gewählt worden, weil es das größte Kaliber war, bei dem die Richtmechanismen es erlaubten, das Geschütz trotz Rollen des Schiffs kontinuierlich auf das Ziel auszurichten.

Auch gab es Überlegungen über eine einheitliche Bewaffnung mit 20 24-cm-Geschützen oder mit 16 27,4-cm-Geschützen.Ireland: Jane’s Battleships.

In der parlamentarischen Debatte wurde die Verwendung von Expansionsmaschinen statt der als fortschrittlicher erachteten Dampfturbinen in Frage gestellt. Daraufhin wurde eine technische Mission nach Großbritannien geschickt, die dort Turbinenantriebe und andere technische Fragen studierte. Auf deren Bericht hin initiierte die Konstruktionsabteilung im Juli 1906 ein Programm mit dem Ziel, die Klasse mit Turbinen vom Parsonstyp auszurüsten. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits den Marinewerften in La Seyne und St. Nazaire die Aufträge für die ersten beiden Schiffe erteilt worden. Zum Ende des Jahres 1906 fiel in der parlamentarischen Debatte die endgültige Entscheidung, alle Schiffe der Klasse mit Turbinen auszurüsten, und für die restlichen vier Schiffe wurden Aufträge an private Werften erteilt.

Weitere Abänderungen gegenüber dem bisherigen Plan sahen ein schweres 30,5-cm-Geschütz mit größerer Kaliberlänge, vier Wellen statt bisher drei und den Wegfall des Rammbugs vor. Die entsprechend abgeänderten Baupläne lagen Ende März 1907 vor.

Technische Daten mini|Seitenriss und Aufriss

Die Schiffe hatten eine Länge über alles von 146,6 m, eine Breite von 25,8 m und einen Tiefgang von 8,44 m. Bei Fertigstellung verdrängten sie 18.754 Tonnen.

Die Schiffe trugen den vorderen Hauptgeschützturm auf Höhe des langen Vordecks, das sich bis zum hinteren Geschützturm erstreckte. Die 24-cm-Doppeltürme standen in gleicher Höhe auf den beiden Schiffsseiten und flankierten die Kesselräume und den Generator­raum. Der hintere Hauptgeschützturm stand ein Deck tiefer auf dem Hauptdeck. Die Schiffe hatten fünf Schornsteine, drei für den vorderen und zwei für den hinteren Kesselraum. Dazwischen befand sich eine charakteristische Lücke für den Maschinen- und den Generatorraum sowie Kohlenbunker und Munitionskammern. Die Rumpfseiten der Schiffe zeigten einen starken Seiteneinfall, wie es für französische Kriegsschiffe dieser Periode charakteristisch war.

Die planmäßige Besatzung betrug 28 Offiziere und 824 Matrosen, als Flaggschiff 12 Offiziere und 51 Matrosen mehr.

Bewaffnung Die Hauptgeschütztürme trugen je zwei 30,5-cm-L/45-Geschütze des Modells 1906. Diese verschossen eine 440 kg schwere panzerbrechende Granate mit einer Mündungsgeschwindigkeit von 780 m/s. Der Treibsatz bestand aus vier je 36 kg schweren Viertelladungen. Die maximale Erhöhung betrug 12°, womit eine Reichweite von 14,5 km erzielt wurde. Die Feuergeschwindigkeit betrug 1,5 Schuss pro Minute und Rohr. Die Geschütztürme waren über durchgehende Munitionsaufzüge (d. h. ohne Umladekammer) mit den darunterliegenden Magazinen verbunden. Der normale Munitionsvorrat betrug 65 Schuss pro Geschütz, maximal 75 Schuss.

mini|Vorderer Geschützturm der Mirabeau. Nach der Strandung im Februar 1919 werden die Geschütze ausgebaut.

Die Granate war ein neues Modell, das ca. 100 kg schwerer war als der VorgängerAngabe zum Vorgänger auf www.navweaps.com und dessen Sprengladung aus Pikrinsäure statt aus Schwarzpulver bestand. Sie hatte einen Mehrzweckzünder, der sowohl gegen leicht als auch gegen schwer gepanzerte Ziele effektiv sein sollte. Der Zünder war eine Neuentwicklung und sollte zum Standard für schwere französische Granaten werden. Laut John Jordan und Robert Dumas ist nur wenig über diesen Zündertyp bekannt, er scheint sich aber als wirksam erwiesen zu haben.John Jordan, Robert Dumas: French Battleships 1922–1956. Korrigierter Nachdruck. Seaforth Publishing, Barnsley 2010, ISBN 978-1-84832-034-5, S. 33f.

Die sekundäre Bewaffnung bestand aus zwölf 24-cm-L/50-Geschütze des Modells 1902–1906. Die 240 kg schwere panzerbrechende Granate hatte eine Mündungsgeschwindigkeit von 800 m/s. Der Treibsatz bestand aus drei Drittelladungen mit je 25 kg Gewicht. Die Feuergeschwindigkeit betrug 2 Schuss pro Minute und Rohr.

Die Türme erlaubten eine maximale Rohrerhöhung von 13°, womit eine Reichweite von 14 km erzielt wurde. Der Munitionsaufzug war zweigeteilt. Der untere Teil führte in eine Umladekammer, die sich direkt unter den Geschützen befand und sich mit dem Turm mitdrehte. Der obere Teil des Aufzugs verband die Umladekammer mit den Geschützen. Nur die mittleren Geschütztürme befanden sich direkt über ihren Munitionskammern. Bei den vorderen und hinteren 24-cm-Türmen ließ die Breite der Kesselräume mit den flankierenden Kohlenbunkern dies nicht zu, die Magazine befanden sich vor Kesselraum 1 bzw. hinter Kesselraum 2 neben den jeweiligen 30,5-cm-Magazinen. Es wurden 80 (maximal 100) Schuss pro Geschütz mitgeführt.

Bei beiden Turmtypen erfolgte die Höhen- und Seitenrichtung über Elektromotoren. Die Treibladungen wurden in den Magazinen einzeln in Zinnbehältern aufbewahrt.

Die Danton-Klasse war die erste französische Schiffsklasse mit Entfernungsmessern, deren Arbeitsweise keine Kenntnisse der Charakteristika des Ziels (wie z. B. Masthöhe) erforderte. Die Schiffe trugen zwei Koinzidenzentfernungsmesser der Firma Barr & Stroud mit einer Basislänge von 6 Fuß (ca. 1,8 m) auf dem Kommandoturm. Außerdem war auf jedem der acht Türme ein kleineres Gerät mit einer Basislänge von 4 Fuß 6 Zoll (ca. 1,37 m) desselben Herstellers installiert. Da die Besatzung den Umgang mit diesen Geräten erst lernen musste, waren außerdem acht stadiametrische Entfernungsmesser von Ponthus & Therode installiert, also Messgeräte, deren Funktionsweise die Kenntnis von Länge und Masthöhe des Ziels erforderte.

Zur Abwehr von Torpedobooten waren 16 7,5-cm-Geschütze und zehn 4,7-cm-Geschütze an Bord. Die 7,5-cm-L/62,5-Geschütze waren Schneider-et-Cie-Geschütze vom Modell 1908. Sie hatten halbautomatische Verschlüsse und feuerten Patronenmunition mit einer 6,4 kg schweren Granate bei einer maximalen Feuergeschwindigkeit von 10 Schuss pro Minute. Die maximale Reichweite betrug 8 km. Je zwei Geschütze waren beidseits unter der Brücke auf dem Oberdeck mit Bestreichungswinkeln nach vorne aufgestellt, je vier Geschütze auf beiden Seiten ebenfalls auf dem Oberdeck auf Höhe der vorderen Schornsteingruppe und die restlichen vier Geschütze ein Deck tiefer auf dem Hauptdeck nahe dem Heck mit Bestreichungswinkeln nach achtern. Die Geschütze hatten keinen Panzerschutz und feuerten durch Luken, die durch wasserdichte Klappen verschlossen werden konnten.

mini|Die Voltaire. Die vordere und mittlere Gruppe 7,5-cm-Geschütze ist gut zu erkennen.