Das staatliche Werner-von-Siemens-Gymnasium im Landkreis Goslar ist eines von drei Gymnasien in Bad Harzburg. Sein Einzugsgebiet ist neben Bad Harzburg, insbesondere dem Ort Vienenburg, auch Goslar. Namensgeber ist der Erfinder Werner von Siemens.

Lage Das Werner-von-Siemens-Gymnasium liegt direkt im Herzen des Kurortes Bad Harzburg, der sich am nördlichen Rand des Harzes befindet. Vom Schulgelände aus sind es nur wenige Minuten Fußweg zur Innenstadt mit einigen Einkaufsmöglichkeiten. Das Gymnasium wird von drei verschiedenen Straßen eingegrenzt, die jeweils einen separaten Eingang bieten. Angrenzend an das Gelände befindet sich das städtische Rathaus, dessen Umgebung auch zahlreiche (bei kurzer Parkzeit nicht gebührenpflichtige) Parkmöglichkeiten bereithält, die sowohl von Anfahrern des Gymnasiums als auch des Rathauses benutzt werden. Am Geländerand vorbei fließt die Radau.

Geschichte Nach der Gründung der Harzburger Privat-Schulgesellschaft im Jahre 1869 durch Familienväter der Gemeinden Neustadt (der damalige Name für Bad Harzburg) und Bündheim genehmigte das Herzogliche Consistorium in Wolfenbüttel, dass die Kinder ab Ostern durch den Kandidaten der Theologie, Gustav Vogel, unterrichtet werden durften.S. 5. Noch in 1869 übernahm der Kandidat Rothe den Privatunterricht, 1870 folgte Julius Klingemann, der, nach Genehmigung der Privatschule am 5. Oktober 1872, der erste Direktor wurde.S. 6–7. Die Privatschule entwickelte sich unter dem Schuldirigenten Friedrich Koldewey zum Progymnasium. Als diese Entwicklung elf Jahre später abgeschlossen war, folgte der Übergang in die Trägerschaft der Stadt Bad Harzburg. 1918 fand die erste Abnahme der Reifeprüfung statt, jedoch nicht mehr im Progymnasium, sondern in dem ausgebauten Reformrealgymnasium. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Unterricht am 13. Dezember 1945 wieder aufgenommen. Seit dem Jahr 1969 heißt die Schule Werner-von-Siemens-Gymnasium.

Während der Expo im Jahr 2000 fand am Werner-von-Siemens-Gymnasium die Installation einer Klangskulptur mit Klangachse und Flaschophonie statt. Hierzu fand außerdem eine Aufführung statt, die durch das Guinness-Buch der Rekorde dokumentiert wurde.

Schulleiter 1870–1884: Julius Klingemann 1884–1894: Hugo Barth 1894–1929: Friedrich Koldewey 1929–1945: Heinrich Müller 1945–1946: Hermann Weller 1946–1953: Otto Kramer 1953–1970: Günter Becker 1970–1990: Heinrich Söding 1990–2007: Ludwig Himstedt 2007–2014: Helga Treinies seit 2014: Inga Rau (Februar bis Juli 2014 kommissarisch)

Gelände Außenanlagen Für Schüler bieten sich drei unterschiedliche Aufenthaltsmöglichkeiten im Außenbereich: Zum einen der Schulhof, auf dem man Sportanlagen wie z. B. einen Basketballkorb, das Beachvolleyball- und Fußballfeld vorfindet, zum anderen der Kastanienhof mit Tischtennisplatten, zudem gibt es den Brunnenhof, der nur von Oberstufenschülern benutzt werden darf. Verteilt über das gesamte Schulgelände sind unterschiedlichste Kunstinstallationen, die von verschiedenen Schülergenerationen entworfen wurden.

Gebäude mini|Der Neubau am Gymnasium, der Mitte November 2013 fertiggestellt wurde (linke Hälfte). Dieser dient für ein neues Holzpelletheizsystem. Das Gymnasium besteht aus drei Gebäuden: dem Hauptbau, einem Trakt mit Räumen für den Fachunterricht () und dem Altbau, in dem die Schule ihren Anfang nahm sowie weiteren verwaltungstechnischen Gebäuden. Das heutige Hauptgebäude wurde 1928 eingeweiht und 1956 ausgebaut.S. 260.Zitat: , Im gleichen Jahr wurde die Turnhalle errichtet.Zitat: Die Einweihung erfolgte am 18. November 1957 im Beisein von Regierungspräsident Friedrich August Knost. 1969 wurde der Schule ihr heutiger Name gegeben und der Fachtrakt eröffnet.S. 262.Zitat: Er erhielt zehn Jahre später eine zusätzliche Etage.S. 321. Die Aula wurde in den Jahren 1981 und 1982 errichtet, die Turnhalle 1988 und 1989 erbaut, am 10. November 1989 eingeweiht und bereits ab dem folgenden Tag als Nachtquartier für die nach dem Mauerfall aus dem Ostharz eintreffenden DDR-Bürger genutzt.S. 329. Im Hauptgebäude wurde 1994 eine Cafeteria eingerichtet,Zitat: die 2009 durch einen Anbau ersetzt wurde. Die neue Cafeteria wurde am 3. Februar 2010 eröffnet. Sie bietet neben dem Mittagessen auch kleine Pausenmahlzeiten am Vormittag an. Zudem wurde 2010 die Schulklingel durch einen Schulgong ersetzt.

Neu- und Anbauten Mitte November 2013 wurde ein Anbau fertiggestellt, der für das zu der Zeit neu installierte Holzpelletheizsystem der Schule dient, welches aus Kosten- und Umweltgründen installiert wurde.

Als Reaktion auf steigende Schülerzahlen und die Rückumstellung auf G9 beschloss der Landkreis Goslar im September 2018, einen Erweiterungsbau zu planen.Goslarsche Zeitung: Gymnasium bekommt einen Anbau, veröffentlicht am 27. September 2018, abgerufen am 28. September 2018. Die Fertigstellung des Anbaus ist für Winter 2026 vorgesehen, wobei sich die Kosten auf 17,3 Millionen Euro belaufen.Goslarsche Zeitung: Erweiterungsbau wird später fertig, veröffentlicht am 23. April 2025, abgerufen am 2. Juni 2025.

Besondere Unterrichtsangebote Offene Ganztagsschule Mit Beginn des Schuljahres 2016/2017 ist das Werner-von-Siemens-Gymnasium offiziell offene Ganztagsschule und konnte so das Angebot im Nachmittag ausweiten. Unter dem Motto „Jeder kann – keiner muss“ haben Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, freiwillig und interessengeleitet an Nachmittagsangeboten teilzunehmen. Da der reguläre Unterricht für die Sekundarstufe I zur Mittagspause endet, können nachmittags die verschiedensten Angebote wahrgenommen werden.

Unterrichtsstruktur Zwei Fächer, die es so an anderen Schulen nicht gibt, sind die Fächer „Medien“ und „Selbstbestimmtes Lernen“ (SBL). Durch eine etwas andere Gestaltung des Stundenplans werden diese Fächer zusätzlich angeboten, ohne dass sich hierdurch die tägliche Unterrichtszeit verlängert. Die sonst häufig anzutreffende Länge einer Unterrichtsstunde von 45 Minuten ist verkürzt auf 40 Minuten, wobei jeweils zwei 40-Minuten-Einheiten zu einem Block von 80 Minuten zusammengefasst sind. Die hierdurch gewonnene Zeit wird eingesetzt für fachbezogenes und fächerübergreifendes Arbeiten in den Fächern „Medien“ und „SBL“.

Medien Das Fach „Medien“ wird am Werner-von-Siemens-Gymnasium von Klasse 5 bis Klasse 11 durchgängig für jeweils eine Doppelstunde pro Woche unterrichtet. In diesem Fach wird der Umgang mit dem Computer, dem Smartphone und weiteren digitalen Medien in den Mittelpunkt gestellt. Themen im Fach sind zum Beispiel Software, Hardware, Internet, Sicherheitsaspekte etc. So wird eine umfassende Medienkompetenz aufgebaut, dabei erfolgt die Erarbeitung und Anwendung unterschiedlicher Themenbereiche auch mit Bezug zu den „traditionellen“ Fächern. Im regulären Fachunterricht (also zum Beispiel in Deutsch, Kunst oder Mathematik) können dann die Kenntnisse aus dem Medienunterricht mit eingebracht werden. Mit dem Beginn der Erprobungsphase des Fachs Informatik im Land Niedersachsen (Schuljahr 2022/23), wird in den Jahrgängen 9 und 10 das Fach Informatik unterrichtet.

Selbstbestimmtes Lernen (SBL) Das Fach „SBL“ wird am Werner-von-Siemens-Gymnasium von Klasse 5 bis Klasse 11 durchgängig für jeweils eine Doppelstunde pro Woche unterrichtet. Ab Klasse 12 stehen hierfür vier Einzelstunden pro Woche zur Verfügung. Selbstbestimmtes Lernen (SBL) besteht aus vier Elementen. Diese fließen – abhängig von der Jahrgangsstufe – in unterschiedlichen Anteilen in das Fach ein.

So stehen insbesondere in den Jahrgängen 5 und 6 Lernmethoden und Arbeitstechniken im Mittelpunkt. Diese Methoden werden in den Schuljahren danach vertieft. Die Anwendung der Methoden erfolgt nicht nur in SBL, sondern auch im Fachunterricht. Die Methoden können anhand von Aufgaben aus dem Fachunterricht geübt werden. Diese Aufgaben können auch auf die individuellen Lernbedürfnisse einzelner Schüler abgestimmt sein. Für die Erledigung dieser Aufgaben steht dann Zeit innerhalb von SBL zur Verfügung.

Im Fach SBL werden zudem mithilfe des Programms „Lions-Quest – Erwachsen werden“ soziale Kompetenzen geschult. In der Projektarbeit befasst man sich über einen längeren Zeitraum hinweg mit einer umfassenden Aufgabe. Dies kann auch die Teilnahme an externen Wettbewerben sein. Oftmals ermöglichen es Projekte, Wissensgebiete unterschiedlicher Fächer miteinander zu kombinieren. Projekte sind somit in der Planung und Durchführung komplex. Deshalb findet Projektunterricht insbesondere in höheren Jahrgängen (ab Klasse 9) in SBL Eingang.

In der Qualifikationsphase steht den Schülerinnen und Schülern SBL als individuelle Lernzeit unter dem Namen „SLQ (Selbstbestimmtes Lernen in der Qualifikationsphase)“ zur Verfügung. In durch Lehrkräften begleiteten, fachgebundenen, innerhalb des Angebots frei wählbaren Unterrichtsstunden können auch Tutorien bearbeitet oder Beratung durch Lehrkräfte in Anspruch genommen werden.

Pädagogische Arbeit und Angebote Integration und Inklusion Mit der Einschulung der fünften Klassen im Sommer 2006 wurde das Schulkonzept um einen weiteren Punkt, den der zieldifferenten Integration, bereichert. Der Antrag auf integrativen Unterricht an weiterführenden Schulen wurde auf der Gesamtkonferenz des Gymnasiums mit großer Mehrheit angenommen. Seitdem nahmen (bis 2014) vier geistig, eines davon auch körperlich, behinderte Kinder (Down-Syndrom) erfolgreich am Schulalltag teil. Um den bestmöglichen Lernerfolg für alle Schüler der Integrations- bzw. Inklusionsklassen zu gewährleisten, gibt es sowohl separaten, auf die Kinder zugeschnittenen, als auch gemeinsamen Unterricht im Klassenverband. Die Kinder werden dabei bei Bedarf zusätzlich von Sonderpädagogen betreut. 2007 erhielt das Werner-von-Siemens-Gymnasium für die besondere Leistung im Rahmen der Integration geistig behinderter Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden Schulen die Auszeichnung Schule des Jahres von der Zeitschrift Unicum.

Eine wissenschaftliche Betreuung und Beratung fand in diesem Zusammenhang durch Jutta Schoeler statt.

Bereits vor 2006 und auch in den weiteren Jahren wurden Schülerinnen und Schüler der verschiedensten Förderschwerpunkte zumeist zielgleich integriert. Mit dem offiziellen Beginn der Inklusion in Niedersachsen erhalten die jeweiligen Schülerinnen und Schüler den Status von inkludierten (und nicht integrierten) Schülern.

Soziales Lernen Neben dem Wissenserwerb legt das Gymnasium großen Wert auf den Bereich der sozialen Kompetenzen und Persönlichkeitsbildung. Aus diesem Grunde ist etwa das Lions-Quest-Programm fest an der Schule verankert(Qualitätssiegel von 2018). Außerdem werden Schüler als Mediatoren (Streitschlichter) ausgebildet, die Klassen als „Paten“ zur Seite gestellt werden, diese in den ersten zwei Jahren an der Schule intensiv begleiten und im Konfliktfall auch vermittelnd eingreifen können. Zudem organisieren die Patenschüler soziale Aktionen für Schüler aller Jahrgangsstufen, auch mit Wirkung über die Schule hinaus. Für dieses umfassende soziale Engagement wurde den Patenschülern im Jahr 2015 der Jugendförderpreis des Landkreises Goslar durch den Landrat verliehen.

Geeignete Schüler können etwa als Tutoren, durch Lehrkräfte unterstützt, Kurse für schwächere Schüler in den Fächern Englisch, Deutsch, Mathematik, Latein und Französisch anbieten sowie die Bibliothek betreuen, als Moderatoren im schulischen Intranet tätig werden, bei Schulveranstaltungen in der Organisation oder als Ordner und zudem in der Schülervertretung aktiv werden.

Integriert in den Unterricht oder in Arbeitsgemeinschaften, finden Projekte mit umliegenden Seniorenheimen (z. B. Computerkurse, Chor- oder Theater-Auftritte) statt. In Kooperation mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) und dem Lions-Club Walburga (Bad Harzburg) fand Ende 2009 eine Typisierungsaktion statt. Diese wurde 2021 mit der DKMS wiederholt.

Kooperationen