Der evangelische Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Friedhof im Berliner Ortsteil Westend des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf ist ein seit 1896 bestehender Alleequartierfriedhof mit einer Größe von 3,7 Hektar.Liste Berliner Friedhöfe (PDF; 84 kB) der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Der Friedhof steht als Gesamtanlage unter Denkmalschutz.
Der Friedhof befindet sich am Fürstenbrunner Weg in direkter Nachbarschaft zum Luisenfriedhof III und ist mit diesem durch zwei Wege verbunden.
Geschichte mini|hochkant|Friedhofskapelle
Die evangelische Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Gemeinde entstand 1896 aufgrund der wachsenden Bevölkerungszahl im Berliner Westen. Ein Teil der Luisengemeinde ging in der neuen Gemeinde auf. Die Luisengemeinde schenkte der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Gemeinde eine 4,7 Hektar große Fläche zur Anlage eines eigenen Friedhofs, das direkt nördlich an den Luisenfriedhof III anschloss.
Der Friedhof wurde wie der benachbarte Luisenfriedhof als Alleequartierfriedhof angelegt. Für die Alleen wurden Linden und Ahorne gepflanzt. Die Einweihung des Friedhofes fand mit dem ersten Begräbnis am 25. Juli 1896 statt.Jochens, May, S. 57 Er übernahm mit diesem Datum die Funktion als Begräbnisplatz des Bildungsbürgertums, das sich Ende des 19. Jahrhunderts rund um den Kurfürstendamm im sogenannten Neuen Westen niedergelassen hatte. Das Repräsentationsbedürfnis über den Tod hinaus war zu dieser Zeit besonders ausgeprägt und führte noch zu Lebzeiten zu erheblichen Investitionen in Grabstellen und deren Ausgestaltung.
1903 ließ sich die Gemeinde eine Friedhofskapelle errichten. Bis dahin nutzte sie die Anlagen auf dem Luisenfriedhof III. Zur Ausführung kam ein Entwurf des Stadtbaurats Otto Hetzel (eine teilweise in der Literatur zu findende Autorenschaft Schwechtens ist nicht zutreffend).Jochens/May, S. 58 Hetzel entwarf die Kapelle in romanischen Stilformen, wobei schmückende Schriftelemente Züge des Jugendstils aufweisen. Die Einweihung der Kapelle erfolgte am 27. September 1903.
Einzigartig unter den Kapellen auf Berliner Friedhöfen ist die Einrichtung einer Gruftanlage. 16 vom Kellergeschoss aus zugängliche Grüfte in Größen zwischen 10 und 25 m² wurden angelegt, deren Verkauf zur Finanzierung der Kapelle dienen sollte.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kapelle stark beschädigt. An einigen Erbbegräbnisstätten befinden sich noch heute deutliche Beschussspuren aus dieser Zeit. Die Kapelle wurde 1952/1953 wieder aufgebaut und 1978 umfangreich renoviert.
Kunsthistorische bedeutsame Gräber mini|Innenraum des Mausoleums Lemm mini|Erbbegräbnis Warburg mini|hochkant|Grab August Bredtschneider mini|hochkant|Grab Henny Porten mini|Grab Amalie und Joseph Joachim mini|hochkant|Grab von Schmoller mini|Grab Spielhagen
Mausoleum Lemm In den 1910er Jahren hat sich der Schuhcreme-Fabrikant Otto Lemm in der Nordostecke des Friedhofs ein extrem prunkvolles Mausoleum errichten lassen. Der Architekt Max Werner entwarf, passend zur Kapelle, einen romanischen Bau auf der Grundform eines Griechischen Kreuzes. Im 42 m² großen Innenraum ist ein Großteil der Wände und Decken mit Mosaiken, gefertigt von der Firma Puhl & Wagner, ausgekleidet. Ein großes Mosaik über dem Zugang zur Gruft zeigt das Ehepaar Lemm auf einer Bank sitzend, ein anderes deren Villa in Gatow. Gegenüber dem Eingang befindet sich in einer Apsis ein Altar, der mit einer Engelsskulptur geschmückt ist.
Grab Warburg In der Nähe der Kapelle ließ 1914 der Firmenbesitzer Ferdinand Warburg in der Ecke einer West- und Südwand ein monumentales Erbbegräbnis errichten. Allein die Kosten für den Erwerb des Begräbnisplatzes betrugen mehr als das Zehnfache des Jahresverdiensts eines Arbeiters zu dieser Zeit.
Der Stil der Anlage nimmt ebenfalls die romanischen Formen der Kapelle auf. Im Winkel der Wände steht diagonal ein ädikulaartiges reich verziertes Scheinportal, zu dem eine kleine Freitreppe hinaufführt. Der Himmel, der den Verstorbenen hinter dem Portal erwarten soll, ist durch blaues Glasmosaik mit goldenem Rahmen dargestellt. Im Portal steht eine von Hans Dammann geschaffene Marmorskulptur einer antikisierend gekleideten Trauernden mit Lyra. Die erste Version dieser Skulptur musste komplett ersetzt werden, weil Warburg eine Marmorader im Gesicht der Skulptur missfiel.Jochens/May, S. 205
Beigesetzte Persönlichkeiten
Ehrengräber nach der Liste der Ehrengrabstätten des Landes Berlin (Stand November 2018)Ehrengrabstätten des Landes Berlin (Stand: November 2018). (PDF, 413 kB) Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, S. 78; abgerufen am 23. März 2019.
August Bredtschneider (1855–1924), Architekt, Stadtbaurat und Stadtältester Anna von Gierke (1874–1943), Sozialpolitikerin Otto von Gierke (1841–1921), Jurist und Rechtshistoriker, Rektor der Berliner Universität Joseph Joachim (1831–1907), Geigenvirtuose und Komponist Carl Mittag (1852–1922), Politiker und Stadtältester Henny Porten (1890–1960), Filmschauspielerin John Rabe (1882–1950), Kaufmann, Leiter der Siemens-Niederlassung in Shanghai, der „Oskar Schindler Chinas“ Gustav von Schmoller (1838–1917), Nationalökonom, Sozialwissenschaftler und Historiker Friedrich Spielhagen (1829–1911), Schriftsteller und Erzähler
Weitere erhaltene Grabstätten
Friedrich Bär (1908–1992), Chemiker, Mediziner und Hochschullehrer Franz Betz (1835–1900), Kammersänger Friedrich-Wilhelm von Chappuis (1886–1942), General der Infanterie Alfred Dührssen (1862–1933), Gynäkologe, Hochschullehrer Lia Eibenschütz (1899–1985), Schauspielerin Theodor Wilhelm Engelmann (1843–1909), Physiologe, Biologe, Zoologe, Hochschullehrer Robert Friedberg (1851–1920), Jurist, Politiker und Hochschullehrer Hildegard von Gierke (1880–1966), Sozialpädagogin Karl Grüßer (1880–1945), Bäcker und Konditor Adolf Heyden (1838–1902), Architekt Felix O. Höring (1902–1984), Arzt Albert Hoffa (1859–1907), Chirurg, Orthopäde, Hochschullehrer Amalie Joachim (1839–1899), Hofopernsängerin Richard von Kaufmann (1849–1908), Nationalökonom, Archäologe Wilhelm von Kaufmann (1888–1959), Arzt, Filmproduzent, Sohn von Richard von Kaufmann Fedor Krause (1857–1937), Neurochirurg, Hochschullehrer Otto Lemm (1867–1920), Fabrikant Oskar Liebreich (1839–1908), Pharmakologe, Hochschullehrer Alexander Merensky (1837–1918), Missionar Ernst Wolf Mommsen (1910–1979), Jurist, Industrieller Ferdinand Perels (1836–1903), Jurist, Seerechtler, Hochschullehrer Robert Pilger (1876–1953), Botaniker, Direktor des Botanischen Gartens Berlin Heinrich Reimann (1850–1906), Musikwissenschaftler, Komponist, Organist Walter Rheiner (1895–1925), Schriftsteller Dietmar Riegel (1940–2013), Physiker Eduard Sachau (1845–1930), Orientalist, Hochschullehrer Friedrich Stephan (1822–1904), Bankier, Politiker, Mitglied des Reichstags Kurt Vespermann (1887–1957), Schauspieler Paul Wentzcke (1879–1960), Historiker, Archivar, Hochschullehrer, Museumsdirektor Erich Wernicke (1859–1928), Immunologe, Mikrobiologe, Hygieniker
Nicht erhaltene Grabstätten Lissy Arna (1900–1964), Schauspielerin Fritz Arnheim (1866–1922), Historiker Friedrich Barnewitz (1889–1948), Archivar, Heimatforscher Robert Behla (1850–1921), Mediziner Albert Bielschowsky (1847–1902), Literaturwissenschaftler Hermann von Chappuis (1855–1925), Verwaltungsjurist Celeste Chop-Groenevelt (1875–1958), Pianistin Max Chop (1862–1929), Musikschriftsteller, Gatte von Celeste Chop-Groenevelt Franz Diener (1901–1969), Schwergewichtsboxer Jean Paul Ertel (1865–1933), Komponist Woldemar Friedrich (1846–1910), Maler und Illustrator Hugo Garnich (1874–1926), Baubeamter und Politiker Alfred Goldscheider (1858–1935), Mediziner, Hochschullehrer Paul Christian Henrici (1816–1899), Jurist, Senatspräsident am Reichsgericht, Mitglied des Preußischen Herrenhauses Günther von Hertzberg (1855–1937), Landrat. Polizeipräsident Karl von Hofmann (1827–1910), Politiker, Ministerpräsident im Großherzogtum Hessen, Präsident des Reichskanzleramts Otto Hirschfeld (1843–1922), Historiker, Epigraphiker Elise von Hohenhausen (1812–1899), Schriftstellerin und Salonnière Friedrich von Ilberg (1858–1916), Generalarzt, Leibarzt von Kaiser Wilhelm II. Otto von Kameke (1826–1899), Kunstmaler, Offizier, Ehrenritter des Johanniterordens Wilhelm Koch (1863–1942), Verwaltungsjurist, Ministerialbeamter Ferdinand von Martitz (1839–1921), Rechtswissenschaftler, Hochschullehrer Karl Theodor Reinhold (1849–1901), Volks- und Staatswissenschaftler, Politiker, Hochschullehrer, Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses und des Reichstags Heinrich Ritthausen (1826–1912), Agrikulturchemiker, Hochschullehrer Carl Röchling (1855–1920), Maler, Illustrator Joseph Scheurenberg (1846–1914), Maler Otto von Schimmelpfennig (1838–1912), Schauspieler, Theaterintendant Johannes Schmidt (1843–1901), Sprachwissenschaftler, Hochschullehrer Emil Thomas (1836–1904), Schauspieler, Theaterdirektor Christoph von Tiedemann (1836–1907), Verwaltungsjurist, Politiker, Leiter der Reichskanzlei, Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses und des Reichstags Adolf Tobler (1835–1910), Romanist, Hochschullehrer Wilhelm Wille (1877–1929), Architekt, Baubeamter
Literatur Birgit Jochens, Herbert May: Die Friedhöfe in Berlin-Charlottenburg / Geschichte der Friedhofsanlagen und deren Grabmalkultur. Stapp Verlag, Berlin 1994, ISBN 3-87776-056-2. Friedhof der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Gemeinde (evangelisch). In: Hans-Jürgen Mende: Lexikon Berliner Begräbnisstätten. Pharus-Plan, Berlin 2018, ISBN 978-3-86514-206-1, S. 470–481. Hans-Jürgen Mende, Debora Paffen: Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirchhof. Ein Friedhofsführer. Berlin 2015, ISBN 978-3-00-048533-6.
Siehe auch Berliner Bestattungswesen Liste der Friedhöfe in Berlin
Weblinks
Friedhof der Ev. Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche im Lexikon des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf
Einzelnachweise
Kategorie:Friedhof im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf Kategorie:Berlin-Westend Berlin Kategorie:Gartendenkmal in Berlin Kategorie:Protestantismus in Berlin Kategorie:Wilhelm I. als Namensgeber